"Ermordet, 'weil sie Juden waren', lese ich dieser Tage oft", schreibt Dina Riese in der
taz über den
Terroranschlag in Australien auf Juden, die am Strand Chanukka feierten. "Ich würde sagen: Ermordet, weil die
Täter Juden hassen. Die Verantwortung für diese Taten liegt bei den beiden Männern, die entschieden haben, Menschen ihr Leben zu nehmen - nicht im Sein der Opfer. ... Es ist uralter antisemitischer Hass, der sich aber in den vergangenen Jahren ungezügelt Bahn gebrochen hat. 'Globalize the Intifada', rufen Menschen auf Demonstrationen, und meinen, dass sie damit den gerechten Kampf für die Rechte von Palästinensern kämpfen. Ich will glauben, dass die meisten von ihnen sich dabei keinen tödlichen Terror wie den in Sydney wünschen. Doch sie rufen im Chor mit denen, die es tun,
verbreiten wissentlich deren antisemitische Botschaft - und
ermutigen jene, die am Ende morden. Die Täter von Sydney beriefen sich offenbar auf den IS. Aber sie handeln in einem Klima, in dem
Antisemitismus normalisiert ist."
In
Atlantic geht David Frum noch weiter: Wer "Globalize the Intifada" ruft, weiß ganz genau, was er tut, schreibt er. "Nach dem Massenmord in Sydney ist es nicht nur dringend notwendig, sich der Realität zu stellen - es ist unausweichlich. Symbolische Gewalt ist eine
Generalprobe für tatsächliche Gewalt. ... In einem Essay aus dem Jahr 2021 lehnte der prominente antiisraelische Wissenschaftler
Steve Salaita diejenigen ab, die 'von Rechten, Demokratie und bürgerlichen Freiheiten sprechen und diese Kategorien dann auf Palästina übertragen. Ihnen kommt nicht in den Sinn, dass Palästina
seine eigenen Begriffe von Freiheit hat, die es wert sind, in die amerikanische Debatte eingebracht zu werden.' Es ist hilfreich, ein Lexikon zu besitzen, das erklärt, was mit diesen Begriffen typischerweise gemeint ist. 'Bewaffneter Kampf' bedeutet,
Menschen zu erschießen oder mit Bomben in die Luft zu sprengen. 'Mit allen notwendigen Mitteln' bedeutet, die
Wehrlosesten ins Visier zu nehmen: Kinder, ältere Menschen, andere Zivilisten. Die 'Intifada zu globalisieren' bedeutet, Menschen in Sydney, London, Paris, Toronto, Los Angeles und New York City ebenso zu erschießen oder zu bombardieren wie in Tel Aviv oder Jerusalem."
"Die Welt hat sich an
Judenhass als Alltagsphänomen offenbar gewöhnt. ... Die Gewalt sensibilisiert nicht, sie stumpft ab. Es ist zur Routine geworden, dass Juden beschimpft, bedroht und sogar zusammengeschlagen werden", kritisiert Ninve Ermagan in der
FAZ. "Für mich, als orientalische Christin, erinnert das an die Sicherheitsvorkehrungen
in Syrien und im Irak, an die permanente Angst vor Islamisten, an eine Realität, in der Christen ihre Gottesdienste nur unter Polizeischutz feiern konnten - eine Realität, von der man glaubte, sie sei weit entfernt. Doch das ist sie nicht. Sie besteht in Australien wie in Deutschland. Der Terrorismusexperte Peter R. Neumann sagt, die größte Bedrohung für die innere Sicherheit in Deutschland gehe wieder
vom Islamismus aus. Die Islamisten im Nahen Osten wirken gezielt und organisiert. Ihr Hass richtet sich gegen Juden, alles Westliche und die
offene Gesellschaft."