Warum lassen sich die Deutschen ihr Israel so gern von
Omri Boehm erklären,
fragt Zeev Avrahami, Deutschlandkorrespondent der Zeitung
Yediot Ahronot in der
Jüdischen Allgemeinen. Seine Erklärung ist einfach: Man möchte nicht mit der
Komplexität Israels konfrontiert werden und hält lieber an einem schematischen Bild fest: "Wie er auch, pflegen die meisten hierzulande eine
utopische Sicht auf Israel. In dieses Weltbild passen nur gebildete, säkulare, linksliberale,
aschkenasische Juden. Und in diesem Weltbild trägt
Israel die Hauptschuld, wenn etwas im Nahen Osten schiefläuft. Die Palästinenser sind immer die Opfer und nicht verantwortlich für ihr eigenes Handeln."
Ihr Versprechen auf einen
Politikwechsel hat die CDU im Koalitionsvertrag nicht eingehalten, sondern Positionen von SPD und Grünen - trotz deren großer Verluste bei den Wählern - übernommen. Ein echter Politikwechsel wäre nur möglich gewesen, wenn die CDU gedroht hätte, sich "von der
AfD in bestimmten Politikfeldern
tolerieren zu lassen", meint
Rüdiger Safranski im Interview mit der
Welt am Sonntag. Klar hätten die "Omas gegen rechts" dann von
Faschismus geredet, aber das zieht immer weniger, meint er: "Wenn man nicht ein Viertel der Wähler hinter eine Brandmauer verbannen will, so wird überhaupt nichts anderes übrig bleiben, als die AfD irgendwie ins demokratische Spektrum zu integrieren und dadurch zu zivilisieren. ... Unter Honecker war
jede Opposition faschistisch. Diesen unsäglich inflationären Gebrauch des Wortes erleben wir heute wieder. Die Leute merken gar nicht, dass es die Brandmauer schon mal gab - als Honeckers 'Antifaschistischer Schutzwall'. Nur steht der jetzt nicht mehr in der Landschaft, sondern im Diskurs und bewirkt, dass eine SPD mit 16 Prozent dem
Mehrheitswillen die Politikwende klauen kann. Nein, letztlich hat dieses Faschismusgerede nur noch eine einzige Funktion. Ahnungslos, was Faschismus wirklich bedeutet, beschwört man ihn, um zu sagen: Wir gehören nicht dazu. Alle anderen können heute Faschisten sein, aber wir nicht. Wir sind die Guten." Ähem, nur eine Frage: Hitler hatte auch mehr als ein
Viertel der Wähler und war ein Faschist, oder?