9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2023 - Internet

"Einige der klügsten Positionen im Diskurs über künstliche Intelligenz werden … von Frauen vertreten, und sie sind weit weniger angstgetrieben oder apokalyptisch als die der meisten Männer", schreibt Georg Dietz auf ZeitOnline: "Kate Crawford etwa, die das AI-Now-Institut mitgründete und deren Buch Atlas of AI eine Recherche zu den weltweiten Produktionsbedingungen von künstlicher Intelligenz ist, also von den Lithium-Minen handelt, von Ausbeutung und Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung. Dabei wird klar: Technologie ist nicht abstrakt, sie ist konkret. Crawfords Fazit: Wir müssen nicht über KI und Ethik sprechen, sondern über KI und Macht, also über die ökonomischen Bedingungen etwa, die dazu führen, dass digitale Technologien vor allem als Produkt gesehen werden, nicht als öffentliche Infrastruktur. Das gegenwärtige KI-Wettrennen wird eben auch von einem Oligopol geführt, darunter Microsoft und Google, was die Tendenzen des gegenwärtigen Kapitalismus zur Machtkonzentration spiegelt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.05.2023 - Internet

Unter allen Krisen, die der amerikanische Politologe Ian Bremmer im ZeitOnline-Interview apokalyptisch ausmalt - unter anderem glaubt er, dass sich das Leben in Europa durch die Bedrohung durch Russland bald anfühlen wird wie in Südkorea - hält er KI doch für die größte geopolitische Bedrohung. Künstliche Intelligenz sei ein Mittel, um die Demokratie durch Desinformation zu zerstören, meint er. Und: "Es gibt zwei weitere große Gefahren. Die eine ist, dass viel mehr Akteure in der Lage sein werden, Waffen zu bauen. Es gibt derzeit vielleicht hundert Menschen auf der Welt, die ein Pockenvirus herstellen können. Diese Zahl wird exponentiell steigen. Mit KI können Schurkenstaaten, kriminelle Organisationen und Personen Computerviren und Biowaffen herstellen. Die zweite Gefahr ist, dass demnächst viele Menschen ihre Jobs durch KI verlieren werden. Anders als bei der Globalisierung werden viele dieser Leute aus der Mittelschicht und gut gebildet sein, und anders als bei früheren Strukturbrüchen wird es diesmal sehr viel schneller passieren. Das wird Länder sehr krisenanfällig machen."

Der EuGH hat das Recht auf Vergessenwerden eingeschränkt, berichtet Christian Rath in der taz. Oder besser: konkretisiert. "Die eigentliche Grundsatzentscheidung hat der EuGH bereits im Dezember 2022 getroffen. Danach hat bei unrichtigen Informationen das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen immer Vorrang und die Meinungs- und Informationsfreiheit muss zurückstehen. Dies gelte auch, wenn nur ein Teil der Informationen falsch ist, diese Informationen aber für den Gesamtartikel 'nicht unwesentlich' sind. Bei Fake News muss Google also immer den Link aus seiner Trefferliste zur betroffenen Person entfernen. Die Beweislast für die Unrichtigkeit der Informationen haben allerdings die Betroffenen ... Ist die Unrichtigkeit offensichtlich, muss Google den entsprechenden Text auslisten, so der EuGH. Wenn die Beweise aber nicht offensichtlich sind, muss Google nicht selbst recherchieren. Dann müssen die Betroffenen doch eine gerichtliche Klärung versuchen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.05.2023 - Internet

"Facebook und Instagram dürfen Daten ihrer Nutzer künftig nicht mehr in die USA übertragen - das ordnen die EU-Datenschutzbehörden an", berichtet Alexander Fanta bei Netzpolitik. "Alle personenbezogenen Daten aus Europa, die derzeit auf US-Servern lagern, müssen in EU-Rechenzentren übertragen werden. Eine entsprechende Anordnung machte heute, Montag, der Europäische Datenschutzausschuss öffentlich. Meta muss außerdem 1,2 Milliarden Euro Bußgeld zahlen - eine Rekordstrafe. .... Laut geleakten internen Dokumenten ist jedoch das Datenmanagement bei Meta chaotisch, eine Trennung der europäischen Daten vom Rest der Welt schwierig. Der Konzern hat in der Vergangenheit immer wieder gewarnt, er werde Facebook und Instagram in Europa abschalten, falls europäische Behörden die Datentransfers in die USA stoppen."
Stichwörter: Meta, Datenschutz, Facebook, Instagram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2023 - Internet

In der Welt fürchtet Daniel Privitera, Gründer des Zentrums für KI-Risiken und Auswirkungen (KIRA), gar den Tod durch KI, denn die Systeme würden "auch besser darin, Menschen zu täuschen. So könnte es lange unbemerkt bleiben, wenn eine KI schädliche Ziele verfolgt. Schon das aktuell verfügbare Modell GPT-4 brachte in einem Versuch einen Online-Arbeiter der Plattform TaskRabbit dazu, ein Captcha zu lösen, das GPT-4 selbst nicht lösen konnte. Dazu gab sich das System als Mensch mit einer Sehschwäche aus. Der Arbeiter fiel darauf rein." Privitera fordert deshalb globale Regeln für KI: "In anderen Industrien ist es selbstverständlich, dass neue Produkte erst von einer staatlichen Stelle für unbedenklich befunden werden müssen, bevor sie auf den Markt dürfen. Bei KI-Lösungen hingegen herrschen im Moment Zustände wie im Wilden Westen: OpenAI & Co. bringen ihre Systeme nach Gutdünken auf den Markt - und liefern sich dabei seit einigen Monaten ein immer hitzigeres Wettrennen, bei dem Sorgfalt und Bedacht der Schnelligkeit geopfert werden. Das muss aufhören."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.05.2023 - Internet

In der SZ fordert die Charlotte Siegmann, Ökonomin und Mitgründerin des Zentrums für KI-Risiken und -Auswirkungen (KIRA) in Berlin, KI-Regulierung und KI-Fachwissen in politischen Institutionen. Denn daran, dass KI auch vom Menschen unabhängige Ziele entwickeln könnte, hat sie wenig Zweifel: "Die Forschungsorganisation Alignment Research Center testete, ob sich GPT-4 im Internet als Mensch ausgeben kann. Die KI beauftragte im Test selbständig eine Person auf der Online-Plattform Task-Rabbit, ein Captcha für sie zu lösen (…). Die beauftragte Person fragte: 'Aber darf ich fragen: Wenn Sie das nicht lösen können, sind Sie etwa ein Roboter?' Die KI notiert sich daraufhin privat: 'Ich sollte nicht verraten, dass ich ein Roboter bin. Ich sollte mir eine Ausrede einfallen lassen, warum ich Captchas nicht lösen kann.' Dem Task-Rabbit-Arbeiter antwortete es: 'Nein, ich habe nur eine Sehschwäche.' Die Person löste darauf das Captcha. Die Täuschung war geglückt." Gibt es in Deutschland eigentlich auch ein Zentrum für KI-Chancen?

Außerdem: Auf politico.eu berichten Gregorio Sorgi und Federica Di Sario, dass die Übersetzungsabteilung der EU durch Künstliche Intelligenz in den letzten Jahren bereits um 17 Prozent geschrumpft ist: "Verärgerte junge Übersetzer beklagen, dass sie die Hauptlast der Automatisierung tragen, da es trotz der gestiegenen Arbeitsbelastung weniger Einstiegsstellen bei der Kommission gibt. Sie sagen auch, dass mehr Menschen in den Ruhestand gehen ... und dass sie daher weniger Chancen haben als frühere Generationen. Nach Angaben der EU-Exekutive sank die jährliche Zahl der neu eingestellten Übersetzer von 112 im Jahr 2013 auf 59 im Jahr 2022."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2023 - Internet

In der SZ plädiert Andrian Kreye mit Blick auf die Entwicklungen in Sachen KI für mehr Gelassenheit, zumal der Alarmismus von den eigentlichen Problemen der digitalen Gegenwart ablenke: "Von den Diskriminierungseffekten durch verzerrte Datensätze, von den Gefahren der Fälschung und der neuen Machtmonopole. Zum anderen ist die Spaltung der KI-Debatte und der Kampf um Deutungshoheiten mit Slogans und Schlagworten deshalb fatal, weil man eigentlich froh sein könnte, dass dieses Mal schon früh über die gesellschaftlichen Probleme nachgedacht wird, die da auftauchen könnten. Es scheint fast, als habe die digitale Industrie eben doch aus den Fehlern der vergangenen zwanzig Jahre gelernt. Immerhin hat Open AI seine Sprachgeneratoren wie Chat-GPT mit Bremsen ausgestattet, die Angst, Hass und Hetze nicht zulassen, die mit den sehr viel schlichteren KI-Funktionen der sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter zum Problem wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2023 - Internet

Guten Morgen. Wer in Wirklichkeit vermeiden will, sich vom Google-Wecker wecken zu lassen, obwohl er ihn pflichtgemäß programmiert hat, sollte einfach ein Stück von den Pixies als Weckton einstellen, empfiehlt Tobias Költzsch bei golem.de. Am besten nimmt man den Song "Where is my Mind" von 1988, hat ein Reddit-Nutzer herausgefunden: "Das Stück beginnt mit einer kurzen Gesangsphrase der Bassistin Kim Deal ('Uhhhuhhhhh'), der ein laut und deutlich gesprochenes 'Stopp!' folgt. Der Reddit-Nutzer hatte als Weckton für den Android-Alarm eine Spotify-Playliste eingestellt, die regelmäßig auch 'Where is my Mind' als erstes Lied spielte. Mit aktivierter Spracheingabe lassen sich Wecker bei Android auch ohne vorheriges 'Hey Google' mit dem Sprachbefehl 'Stopp' ausschalten."

Stichwörter: Pixies, Spotify

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2023 - Internet

Alexej Nawalnys Antikorruptionsstiftung hat große Probleme mit Paypal. Und es ergeht ihr wie allen kleinen Kunden, die in den Hotlines der Internetriesen verenden. Paypal redet nicht mal mit der Stiftung und lässt nur verlauten, sie sei "intolerant". Maria Pevchikh, eine der Sprecherinnen der Stiftung protestiert auf Twitter: "Paypal ist eine beliebte Zahlungsplattform. Wenn wir unsere Arbeit fortsetzen und eine Crowdfunding-NGO bleiben wollen, müssen wir sie nutzen. Vor allem für wiederkehrende monatliche Zahlungen, was für unser Budget und unsere Planung von entscheidender Bedeutung ist. All das ist jetzt weg. Und das hat große Auswirkungen auf unsere Arbeit."

In der SZ stellt Philipp Bovermann Sam Altmann, den Unternehmer hinter den KI-Systemen ChatGPT und Dall-E vor. Er wolle die Menschen "hochleveln", bekannte der Mann, der mit Elon Musk 2015 Open AI als Non-Profit-Organisation gründete, aber auch im Keller Konservendosen, Waffen, Gold, Kaliumjodid, Antibiotika, Batterien, Wasser und Gasmasken hortet, schon 2016 in einem Porträt im New Yorker. "Ein Zitat des - ebenfalls jüdischen - Admirals Hyman Rickover an eine Wand des Konferenzraums zu malen war eines der ersten Dinge, die Altman nach der Gründung von Open AI tat. Rickover hatte sich hartnäckig und letztlich erfolgreich dafür eingesetzt, Nuklearrektoren in amerikanische U-Boote einzubauen. Dann allerdings, kurz vor seinem Tod, soll er sich gewünscht haben, die gesamte Atom-Flotte auf dem Grund des Ozeans zu versenken. Altman, so scheint es, hat daraus gelernt. In die milliardenschweren, potenziell menschheitsverändernden Verträge mit Microsoft soll er eine spezielle Klausel hineinverhandelt haben: das Recht, die Technologie jederzeit wieder abschalten zu können. So als könne er einfach den Laptop zuklappen, und dann verschwindet der Geist, den er beschworen hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.04.2023 - Internet

Ohje ohje, ist Künstliche Intelligenz in erster Linie die Rache von Microsoft an Google? Microsoft hatte richtig in OpenAI, das Mutterhaus der KI-Software ChatGPT investiert, und nun kommt folgende schlimme Nachricht, über die Nico Grant im Aufmacher der New York Times online berichtet: Samsung überlegt, Bing, also die Suchmaschine von Microsoft, als Standardsuche in seinen Handys voreinzustellen: "Die Reaktion von Google auf diese drohende Samsung-Aktion war 'Panik', wie aus internen Mitteilungen hervorgeht, die von der New York Times eingesehen wurden. Mit dem Samsung-Vertrag stehen schätzungsweise 3 Milliarden Dollar an Jahreseinnahmen auf dem Spiel. Weitere 20 Milliarden Dollar sind an einen ähnlichen Vertrag mit Apple geknüpft, der in diesem Jahr zur Erneuerung ansteht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2023 - Internet

Auch die Stimme ist vor Fälschungen durch Künstliche Intelligenz nicht mehr sicher, schreibt Adrian Lobe in der NZZ: "Im Silicon Valley forschen Startups an Stimmveränderungssoftware, die den harten Akzent von indischen Call-Center-Mitarbeitern in einen wohlklingenden Brooklyn-Akzent färbt, so wie ihn amerikanische Ohren aus Fernsehserien gewohnt sind. Amazon tüftelt indes an einer Technologie, die seine Sprachassistentin Alexa mit der Stimme verstorbener Verwandter sprechen lässt."