9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2015 - Internet

Spiegel online meldet, dass der syrische Internetaktivist Bassel Khartabil, der sich für Open Source und gegen das Regime im Land engagiert hatte, zum Tode verurteilt wurde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2015 - Internet

Charlie Winter und Peter Pomerantsev denken in Politico.eu darüber nach, wie eine effektive Gegenpropaganda zu den perfiden Botschaften von Daech funktionieren könnte und meinen, dass ausschließlich von Bürgern ausgehende Netz-Initiativen wie "Not in My Name" eine Chance hätten. Regierung und Organisationen wie die UN könnten helfen, indem sie diese Initativen einfach laufen lassen und "unterstützen, indem sie soziologische und Datenanalyen der ISIS-Propaganda-Trends erstellen, Training für Aktivisten organisieren und regelmäßige Treffen zwischen Aktivisten, Journalisten und Bloggern in gefährdeten Gebieten arrangieren, die helfen, Netzwerke des Vertrauens zwischen Leuten in Beirut und London, Tunesien und Paris aufzubauen, sodass eine Internationale der Akvitisten entsteht."

Mit seinen Reserven könnte Apple Griechenland zweimal kaufen. Wie wäre es also, wenn man Apple, Google oder Facebook als Staaten denkt?, fragt sich Peter Glaser in einem kleinen Selbstgespräch in der Berliner Zeitung: "Wie wäre es damit: Griechenland kann seine Schuldenlast deutlich verringern und Apple darf dafür mit Steuervergünstigungen rechnen, so wie das bisher in Irland der Fall war. Das Europa-Hauptquartier von Apple wird nach Athen verlegt und durch die niedrigen Löhne eine boomende IT-Industrie in Gang gesetzt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2015 - Internet

(Via Jay Rosen) "Tech Is Eating Media - Now What?" fragt John Hermann in Medium. Der Chefredakteur der Zeitschrift The Awl beschreibt, dass der Medienwandel nun auch Online-Medien zu fressen droht: "Einerseits erreichen sie potenziell immer mehr Menschen. Andererseits erreichen sie sie und auch ihre alte Leserschaft immer mehr über Instrumente, die anderen, weit größeren Firmen gehören." Den Internetgiganten nämlich.

Gleichzeitig meldet Digidays, dass der Traffic, den Facebook den Medien verschafft, seit Januar um 32 Prozent gesunken ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2015 - Internet

Als das Europäische Parlament kürzlich das Prinzip der Netzneutralität aushöhlte, war immer wieder davon die Rede, für die Sicherheit von selbstfahrenden Autos oder Telemedizin sei die Bevorzugung von "Spezialdiensten" unverzichtbar. Unfug, meint Svenja Bergt in der taz, das Problem liegt bei den Netzbetreibern selbst: "Die Datenmengen, die Nutzer über das Internet abrufen und verschicken, nehmen zu. Gut möglich, dass die verfügbare Bandbreite da irgendwann nicht mithalten kann. Und wo Stau ist, werden Überholspuren für Mehrzahler auf einmal interessant. Die Alternative ist der Ausbau des Netzes. Doch der kostet - und die Überholspuren bringen Geld ein. Die Knappheit im Netz würde somit vom Sorgenkind zum Renditebringer."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.11.2015 - Internet

Wenn "Facebook, Twitter und Apple zunehmend versuchen, Inhalte so in ihre Dienste zu integrieren, dass Nutzer diese Dienste gar nicht mehr verlassen müssen", dann stirbt auch der Link, schreibt Dirk von Gehlen in der SZ, der sich auf einen Artikel Mathew Ingrams bezieht. Und das würde nicht nur Google schädigen, dessen Algorithmen auf diesen Vernetzungen beruhen - sondern die Struktur des Netzes insgesamt.
Stichwörter: Internet, Links, Algorithmen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.11.2015 - Internet

Im Guardian berichtet Sam Thielman von einem Datenschutz-Ranking des Think Tanks New America Foundation, bei dem sämtliche Internet-Giganten, von Facebook über Google bis Microsoft, kläglich abschnitten. Ein Konzern bot die Nutzungsbedingungen nicht einmal in der richtigen Sprache an. "'Es ist nicht so, dass sie überhaupt nichts tun', erklärt Rebecce MacKinnon, die das Ranking-Projekt leitete, 'aber der Konzern, der am besten abschnitt, bekam eine vier'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.11.2015 - Internet

In der FAZ am Sonntag beschreibt Mark Siemons Google als politischen Akteur, der in immer mehr Bereiche des politischen Lebens eingreift - neuerdings betreibt der Konzern auch ein "Government Innovation Lab": "Um immer mehr Probleme lösen zu können, müssen also immer mehr Daten gesammelt werden. Und je mehr Daten gesammelt und Probleme gelöst werden, desto mehr fällt die Welt, die Google verändern will, mit der Google-Welt zusammen. Es ist ein wechselseitiger Prozess." Dass Google mit der "Digital News Initiative" seine Tentakel auch in Richtung Zeitungen austreckt, bleibt diesmal unerwähnt.

In der SZ bemerkt Michael Moorstedt, dass dank der ganzen Sprachsoftware künftig auch das gesprochene Wort ins Netz übergeht und Robert Gernhardts Diktum überholt wird: "Wer schreibt, bleibt. Wer spricht, nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.10.2015 - Internet

Kaum haben die Lobbyisten der Telekomgiganten in Brüssel die Abschaffung der Netzneutralität durchgesetzt, wollen die Läden Geld sehen für bestimmte Dienstleistungen, schreibt Fabian Reinbold bei Spiegel online und verweist auf eine Stellungnahme des Telekom-Chefs Timotheus Höttges, dem bereits das Wasser im Munde zusammenläuft: "Aus Sicht der Telekom kommen viele Internetprodukte für die Vorzugsbehandlung infrage. 'Das fängt bei Videokonferenzen und Online-Gaming an und geht über Telemedizin, die automatisierte Verkehrssteuerung und selbststeuernde Autos bis zu vernetzten Produktionsprozessen der Industrie', schreibt Höttges."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2015 - Internet

Sascha Lobo liest für Spiegel online zwei Paragrafen des EU-Gesetzes, das angeblich die Netzneutraliät verankern will: "Artikel 3.3 - Provider müssen allen Datenverkehr gleich behandeln..., ohne Diskriminierung, Restriktion oder Eingriffe, unabhängig vom Sender und Empfänger..." Und "Artikel 3.5 - Provider … dürfen Spezialdienste anbieten, die für spezielle Inhalte optimiert sind." Lobos Kommentar: "Da steht nichts anderes als: Provider müssen alle Daten gleich behandeln außer denen, die sie unter dem Namen 'Spezialdienste' anders behandeln. Riesenbrüller."

Und was das in Zeiten eines Internets, in dem die großen Player längst zusammen kungeln, heißt, schreibt Patrick Beuth bei Zeit digital: "Die Besitzer wichtiger Infrastrukturen können mit finanzkräftigen, etablierten Inhalteanbietern künftig über kostenpflichtige Bevorzugung verhandeln, noch über das ohnehin schon bestehende Ausmaß hinaus. Kleine Start-ups können sich solche Privilegien nicht leisten und die Großen nicht mehr so einfach herausfordern."

In der Welt macht der Ex-Pirat Christopher Lauer klar, dass Europa damit die technisch rückständigen Anbietern in Europa in ihrer Bräsigkeit noch unterstützt: "In den USA bietet Google ein Gigabit symmetrisch an, Upload und Download gleiche Geschwindigkeit, schlagen Sie es nach. Das ist 20-mal schneller als VDSL 50 von der Telekom. Wir halten uns hier für besonders modern und innovativ, sind aber jetzt schon digital auf dem absteigenden Ast. Das EU-Parlament leistet diesem Zustand mit der Aushöhlung der Netzneutralität Vorschub."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.10.2015 - Internet

Auf Netzpolitik kommentiert Markus Beckedahl das gestern beschlossene Ende der Netzneutralität in Europa sehr enttäuscht, aber auch mit Blick nach vorn: "Die Debatte wird sich leider in Richtung der Regulierungsbehörden wie bei uns die Bundesnetzagentur verlagern. Das bedeutet, sie wird intransparenter und Telko-Lobbyisten haben dort besser Chancen, ihre Interessen durchzusetzen. Wichtig ist, diese weitere Debatte ausreichend zu beobachten und aus zivilgesellschaftlicher Sicht darauf einzuwirken und Verbraucherinteressen dort zu vertreten."