Jüngst forderten Lobbyanwälte der Kulturindustrie, die "heilige Kuh" der
Anonymität im Internet zu schlachten (unser
Resümee). Mit Verve
verteidigt der Richter
Ulf Buermeyer bei
heise.de dagegen das Recht auf
Anonymität im Netz, das vor allem von der Verwerterindustrie bekämpft wird: "Der wesentliche Kollateralschaden dürfte
im politischen Diskurs eintreten. Das Bundesverfassungsgericht hat die zentrale Bedeutung der
anonymen politischen Betätigung erst 2009 nochmals betont, als es ein außerordentlich restriktives bayrischen Gesetz einstweilen entschärfte, das weitreichendes
Filmen von Demonstrationen ohne konkreten Anlass erlauben wollte: 'Schon das Bewusstsein, dass die Teilnahme an einer Versammlung ... festgehalten wird, kann
Einschüchterungswirkungen haben...' Was für eine Demonstration gilt, das trifft nicht minder auf eine politische Diskussion in einem Blog zu: Wer damit rechnen muss, für seine Meinung zur Rechenschaft gezogen zu werden, der wird sich
weniger frei äußern als wenn er dies anonym tun kann."
Anonymität bei Facebook kann sehr wohl ihren Sinn haben, etwa auf der
Seite Cairo Confessions, wo junge Ägypter namenlos über ihre Probleme sprechen. Redigiert werden die Interventionen von einem kleinen Redaktionsteam unter dem 27-jährigen Mohammed Allam,
schreibt Teresa Bechtold bei
Vice. Ein großes Thema "sind Frauen, die darüber schreiben, dass sie
ihr Kopftuch eigentlich nicht tragen wollen, sich von der Gesellschaft aber dazu gezwungen fühlen. 'Ich trage ein Kopftuch. Ich hasse es. Ich habe nicht den Mut es abzunehmen, weil ich eine negative Person bin... Ich hasse es zu sehen, wie die Mehrheit auf den Straßen Kopftuch trägt und mindestens die Hälfte ist nicht davon überzeugt, nur die Gesellschaft.'"