9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.02.2015 - Internet

Auch hierzulande wird gern über Anonymität im Netz gemeckert. In China sieht man jetzt laut einem Bericht von heise.de die Folgen: "Ab dem ersten März diesen Jahres sollen chinesische Internetdienste eine Pflicht zur Registrierung mit Klarnamen und persönlichen Angaben durchsetzen. Das geht aus einem Bericht der South China Morning Post hervor. Die Unternehmen stellt dies vor große Probleme, wird ihnen mit diesem Schritt doch die Aufgabe zuteil, die Identität und die persönlichen Angaben von rund 650 Millionen chinesischen Internetnutzern zu verifizieren."

Die europäische Institutionen sind noch nicht zufrieden mit dem "Recht auf Vergessen". Da Google bisher nur auf europäischen Subadressen wie google.fr oder google.de Suchresultate eliminiert, fürchtet das Editorial Board der New York Times Weiterungen: "Europäische Regulatoren und Richter fordern Google und andere Firman auf, Links, die unter Berufung auf das "Recht zu vergessen" eliminiert wurden, von allen Suchergebnisseiten in allen Ländern zu streichen, egal wo die Suche stattfindet. Dies würde es Europäern erlauben zu entscheiden, welche Informationen Bürgern anderer Länder zugänglich gemacht werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.01.2015 - Internet

"Als würden Firmen anfangen uns Luft zu verkaufen, indem sie uns bei jedem Atemzug Werbung zeigen", beschreibt Evgeny Morozov im Gespräch mit Johannes Gernert und Daniel Schulz in der taz das gängige Modell von Internetunternehmen, ihre Dienste gegen die Übermittlung der Daten seiner Nutzer anzubieten. Als Alternative schlägt Morovoz einen "kostenlosen Basisdienst im Internet" vor: "Dafür sollte weder mit Geld noch mit Werbung bezahlt werden. Wenn ich also rausfinden möchte, in welchem Film Tom Cruise 1993 spielte, lässt sich das nachschauen. Dafür braucht man keine künstliche Intelligenz. Nur eine besser strukturierte Form von Wikipedia. Das kann gratis zur Verfügung gestellt werden, im Zweifel eben steuerfinanziert. Die nächste Ebene wäre einfach: Google kann erweiterte Services verkaufen. Wenn ich Ortungsdienste will oder andere Features, dann gegen eine Gebühr. Ich zahle 3 Dollar, und gut ist. Aber für den Basisdienst zahlt der Staat. Es gibt keine Werbung. Und mit meinen Daten passiert in diesem Basisdienst nichts."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.01.2015 - Internet

Anstatt Strategien repressiver Regimes wie China und Russland gegen die amerikanische Internetdominanz zu unterstützten, wie er es Evgeny Morozov vorwirft, rät der Politologe Thorsten Benner in der FAZ, "Allianzen mit demokratischen Staaten zu verfolgen, welche europäische Werte der Netzfreiheit teilen. Der natürliche Partner hier ist Brasilien, das vergangenes Jahr mit dem "Marco Civil da Internet" einen progressiven Regulierungsrahmen beschlossen hat. Gemeinsam mit Brasilien sollte Europa große Demokratien in Asien wie Indien und Indonesien mit dem größten Nutzerwachstum davon überzeugen, nach innen wie außen für ein freies und offenes Internet einzutreten."

(via Zeit) Peter Sunde, der unlängst aus der Haft entlassene Gründer der schwedischen Filesharingseite The Pirate Bay, zeigte sich bei der Eröffnungsfeier der Transmediale in Berlin von der Entwicklung des Internets desillusioniert, berichtet Jörg Thoma in golem.de: "Das Ringen um Informationsfreiheit, Demokratie und Transparenz sei ein klassischer Kampf zwischen Gut und Böse, sagte Sunde: sympathische Menschen in T-Shirts und Masken gegen korrupte Männer mit viel Geld. Und er fordere Opfer - besonders von Berühmtheiten wie WikiLeaks, Edward Snowden, Chelsea Manning oder Aaron Schwartz. Dass dieser Kampf gewonnen werden könnte, sei jedoch ein Trugschluss. In Wahrheit sei er schon längst verloren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2015 - Internet

Andrew Sullivan, dessen The Daily Dish gewissermaßen das Alphablog der Alphablogs ist, hört auf und begründet es in einem Blogpost. Einer der Gründe ist, "dass ich vom digitalen Leben genug habe und in die eigentliche Welt zurückkehren möchte. Ich bin ein Mensch, bevor ich ein Autor bin und ein Autor, bevor ich ein Blogger bin. Und obwohl es eine Freude und Privileg war, Pionier einer neuen Form des Schreibens zu sein, habe ich Sehnsucht nach anderen, älteren Formen. Ich möchte wieder langsam und gründlich lesen. Ich möchte schwierige Bücher absorbieren und sie eine Weile mit mir herumtragen."
Stichwörter: Blogger, Sullivan, Andrew

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.01.2015 - Internet

Nur so zwei kleine Meldungen am Rande: "Heute verlor Microsoft Milliarden von Dollar an Wert. Die Aktie schloss mit 9,25 Prozent im Minus", berichtet Alex Wilhelm in Techcrunch. Und unweit davon die Meldung: "Apple hatte das profitabelste Quartal, das je ein Unternehmen auf der Welt hatte." Der Konzern hat 18 Millarden Dollar erlöst. "Das heißt, dass der Konzern jede Stunde 8,3 Millionen Dollar Gewinn macht", stöhnt Greg Kumparak.
Stichwörter: Microsoft, Apple

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.01.2015 - Internet

Mit recht starken Thesen ist Digitalkommissar Günther Oettinger bei der DLD-Konferenz in Münchenm aufgetreten, berichtet Detlef Borchers bei heise.de. Europa habe das Spiel in der IT verloren, eine Konkurrenz zu Google steht nicht in Aussicht, der Markt müsse vereinheitlicht werden. ""Wir haben 28 fragmentierte Märkte mit 28 verschiedenen Regelungen zum Datenschutz. So kann keine europäische Cloud existieren", erklärte Oettinger seinen Plan für einen "Single Digital Market". Neben dem EU-einheitlichen Datenschutz habe eine Vereinheitlichung des Copyrights oberste Priorität. Im September werde er dazu einen Entwurf vorlegen."

Da war die Piratin und Europaabgeordnete Julia Reda schneller. Sie präsentierte gerade im EU-Parlament einen Vorschlag zur Reform des Urheberrechts, berichtet Peter Riesbeck in der Berliner Zeitung: "Die alte Regelung stammt aus dem Jahr 2001. "Da gab es noch kein Facebook und Wikipedia steckte in seinen Anfängen", sagte Reda, die ihren Gesetzesvorschlag "technikoffen" gestaltet hat. Also mit Blick auf mögliche Neuerungen. Technik ist das eine. Die Rechtspraxis das andere. Denn trotz EU-Regelung gibt es viele nationale Besonderheiten. So schreibt die EU eine Mindestzeit von 70 Jahren nach dem Tod eines Autors vor, ehe das Urheberrecht ausläuft. Spanien will 90 Jahre. Redas Vorschlag: 50 Jahre - wie international üblich."

Sascha Lobo plädiert in der FAZ trotz allem gegen ein Verbot von Anonymität im Netz: "Der vielleicht größte Irrtum, der in der Forderung nach dem Verbot von Pseudonymen und Anonymität im Netz steckt, ist die Annahme, dass ein solches Verbot den Umgangston verbessern würde. Hier ist der Wunsch Vater des Gedankens."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.01.2015 - Internet

In der FAZ beklagt Evgeny Morozov laut die "Amerikanisierung des Internets", der nur Russland und China etwas entgegensetzen würden: "Man beachte den Unterschied: Russland und China wollen nur auf Daten zugreifen können, die von Bürgern ihres Landes innerhalb ihres Landes generiert worden sind, während die Vereinigten Staaten Zugriff auf alle Daten haben wollen, die irgendwo generiert werden, sofern sie von amerikanischen Unternehmen verarbeitet werden."
Stichwörter: Morozov, Evgeny

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2015 - Internet

In der FAZ setzt Jasper von Altenbockum Anonymität im Netz mit der Burka gleich: "Wer sich die Tarnkappe, die Netz-Burka überzieht, dem ist nicht an Aufklärung, Offenheit und daran gelegen, was Öffentlichkeit schaffen soll - den gesellschaftlichen "Zusammenhalt" durch Meinungsbildung." (Diese Rechtfertigung für ein staatlich überwachtes Netz hören die Diktatoren dieser Welt sicherlich gerne)
Stichwörter: Anonymität, Burka

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.01.2015 - Internet

Trotz lückenhafter Informationen hält Variety-Autor Andrew Wallenstein an der Nordkorea-Version fest - er erinnert sich an die Lügen zu den Massenvernichtungswaffen im Irak und will nicht glauben, dass sich Obama eine derartige Schlappe würde erlauben wollen: "Es wäre ein Akt monumentaler Dummheit, der schnurstracks Obamas Erbe zerstören könnte, wenn er skrupellos genug gewesen wäre, Nordkorea zu beschuldigen, ohne sicher zu sein, dass es tatsächlich verantwortlich ist."

Der Economist glaubt trotzdem noch nicht, dass Nordkorea hinter dem Angriff auf Sony steckt. Genauso gut hätten sich in das fahrlässig unsichere System Kriminelle oder geschasste Ex-Mitarbeiter einklinken können: "Cyberkriminelle benutzen oft Internet-Adressen von anderen Hackern, um ihre Spuren zu verwischen. Sicherheitsfachleute haben aber noch mehr Gründe ausgemacht, warum Nordkorea unschuldig sein könnte (an dem Hack, nicht an der Einkerkerung von Kindern, deren Eltern der Dissidenz verdächtigt werden): In ihrer ersten E-Mail verlangten die Hacker Geld, erwähnten aber nicht "The Interview". Sie hängten sich erst an den Film, als Journalisten begannen, öffentlich über eine mögliche Verbindung zwischen dem Hacker-Angriff und der Satire nachzudenken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2015 - Internet

Als "eine Art Ebay des Whistleblowing" beschreibt Tamara Marszalkowski in der FAZ das geplante Onlineportal Slur, auf dem Geheimnisse anonym versteigert werden sollen: "Dass diese Plattform mit dem Streben nach Transparenz, das sich die Macher auf die Fahnen schreiben, nichts zu tun hat, ist ziemlich offensichtlich. Den Käufern ist es schließlich selbst überlassen, was sie mit den erworbenen Informationen tun. Dazu können die geleakten Daten auch von den Personen ersteigert werden, die vielleicht das meiste Interesse an ihrem Besitz haben: den Betroffenen. Am Ende steht nicht die Transparenz, sondern die Monopolisierung der Information im Dienst des Profits und der Kriminalität. Denn wie lassen sich die geheimen Informationen ein zweites Mal zu Geld machen? Durch Erpressung."

Anders als es Frank Schirrmacher einst vermutete, zermantscht uns das Internet das Gehirn nicht, schreibt Nora Schultz bei Spiegel Online unter Bezug auf eine neue Studie: ""Das (digitale) Abspeichern von Daten, die man sich sonst merken müsste, erleichtert das Lernen neuer Informationen", schreiben die Forscher im Fachblatt Psychological Science. Wie ein digitaler Besen schafft der digitale Speichervorgang Raum für neuen Stoff im Oberstübchen."