9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2015 - Internet

Auf irights.info beklagt Peter Schaar, der Vorsitzende der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID), dass die eigentlich für 2013 geplante EU-Datenschutzreform noch immer nicht beschlossen ist. Der Grünen-Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht gibt ebendort Angela Merkel die Schuld für die Verzögerung, "die nur einen Gewinner kennt: Die großen Wettbewerber und Datensammler aus dem Silicon Valley, die damit Zeit gewonnen haben, um nach deutschem Recht rechtswidrige Geschäftsmodelle auf dem europäischen Markt fest zu verankern und die seit 1995 in der EU geltenden Datenschutzstandards durch globale Marktfreiheiten zu untergraben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.02.2015 - Internet

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sitzt im "Recht auf Vergessen"-Beirat bei Google. Im FAZ-Gespräch mit Uwe Ebbinghaus erweist sich die Liberale als ziemlich illiberal. Es sollen noch wesentlich mehr Suchlinks als bisher gestrichen werden, und überhaupt: "Was Google dringend abstellen muss, ist das automatisierte Verfahren, Seitenbetreiber von Link-Löschungen zu unterrichten. Dieses Vorgehen ist nur statthaft, meinen wir, wenn es ausdrücklich gesetzlich erlaubt ist - und das ist nicht überall in Europa der Fall. Wir vertreten dabei die Auffassung, dass die Benachrichtigung bei einer Link-Löschung einer erneuten Verletzung der Privatsphäre entspricht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2015 - Internet

(Via Mediagazer) Marco Arment thematisiert in seinem Blog ein weithin beschwiegenes Phänomen: Der Traffic von Blogs und Websites steigt nicht mehr oder sinkt sogar. Dafür wird oft die nur noch auf Werbung konzentrierte Suchmaschine Google verantwortlich gemacht, aber Arment sieht das anders: "Google mag das Problem verschlimmern, aber es ist nicht seine Wurzel. In Wirklichkeit ist das Phänomen für Google selbst ein Problem. Fast jeder verbringt immer mehr Zeit mit kleinteiligem Content aus Apps, statt von Website zu Website zu browsen. Medien stützen sich stärker auf sozialen Traffic - nicht weil Google sie verdrängte, sondern weil jeder dahin gegangen ist. Die Dominanz der Mobilnutzung, der sozialen Netze und von Youtube plus die Konkurrenz der Apps sind das reale Problem von Webpublizisten und Bloggern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.02.2015 - Internet

Issie Lapowsky erzählt in Wired, wie das Start-Up Jet.com mit Hilfe kleiner Händler Amazon schlagen will - durch eine Art paradoxen Preiswettwebewerb: "Jet.com macht Einnahmen, indem es von den Kunden eine Gebühr von 50 Dollar im Monat nimmt, und statt dann einen Anteil von den Händlerpreisen zu nehmen, gibt Jet dieses Geld in Form von Sparpreisen an die Kunden zurück. Das heißt, dass die Preise bei Jet schon 10 Prozent unter den normalen Preisen liegen - ohne dass es den Händler etwas kostet."

Türkische Frauen protestieren per Twitter, aber auch durch normale Demos, wie man sieht, gegen Gewalt gegen Frauen. Anlass war ein ein Mord nach einer Vergewaltigung einer Frau, der in der ganzen Türkei Proteste auslöste, schreibt Jim Roberts bei Mashable.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.02.2015 - Internet

David Auerbach singt bei Slate ein Loblied auf die Free-Software-Bewegung, ohne die das Netz nicht existieren könnte: "Es ist bemerkenswert, wie unsichtbar Projekte wie GPG oder OpenSSL für durchschnittliche Nutzer sind. Sie sind wie Stromdrähte oder Wasserleitungen: Man erwartet, dass sie funktionieren, ohne zu wissen, wie oder wo sie arbeiten. Selbst mit dem Linux-Betriebssystem, das auf einem Großteil der Server in der Welt läuft, kommen die Leute außer auf kommerziellen Ablegern wie Android kaum in Kontakt. Darum bekommen die Leute kaum mit, dass die Kern-Infrastruktur der Computer-Welt nach einem Modell gebaut ist, das eher an den Anarcho-Kommunismus als an den Kapitalismus erinnert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2015 - Internet

Die französische Kulturministerin Fleur Pellerin will eine Steuer auf den Verbrauch von Internetbandbreite einführen, um große Internetfirmen zu besteuern, berichtet Libération mit AFP: "Eine Gruppe wie Google hat im Jahr 2013 nun 7,7 Millionen Unternehmenssteuern gezahlt, denn sie erklärt dem französischen Fiskus nur Einnahmen von 231 Millionen Euro, während das auf Erforschung von Werbung spezialisierte Institut Irep ausgerechnet hat, dass die Firma in Frankreich Werbeeinnahmen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro hat. Darum schlägt Pellerin eine Abgabe auf den Verbrauch von Bandbreite vor, die von den Gewinnsteuern abziehbar wäre."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.02.2015 - Internet

Zwei Kräfte, die sich gern im Internet tummeln, sind aneinandergeratren, erzählt eine erstaunte Mara Delius in der Welt: "Gerade hat das Hackerkollektiv Anonymous sich dazu bekannt, hunderte von Internetseiten, Email-Adressen und Profilen auf Instagram, Facebook und Twitter, die von IS genutzt werden, aufgedeckt oder stillgelegt zu haben. "Wir werden euch verfolgen, IS", heißt es in der dazugehörigen Erklärung, "ihr seid ein Virus, und wir sind das Heilmittel. Das Internet gehört uns!""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.02.2015 - Internet

Immerhin, die freie Sofware-Bewegung bekommt durch die Geheimdienstaffäre Aufschwung, besonders wenn es um Verschlüsselung eht, konstatiert Constanze Kurz in ihrer FAZ-Kolumne: "In der Post-Snowden-Welt erhöht sich nicht nur die private Spendenbereitschaft für Anti-Überwachungswerkzeuge. Auch ein Umdenken in kommerziellen Kreisen ist zu verzeichnen. Inzwischen kommen Gelder aus der Industrie zur Unterstützung freier Software. Der Milliardenkonzern Facebook kündigte an, jährlich den überschaubaren Betrag von fünfzigtausend Dollar für die Weiterentwicklung von GnuPG bereitzustellen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2015 - Internet

Das Internet hat es chinesischen Demokraten erlaubt sich zu artikulieren - bis die chinesische Regierung lernte, das Internet zu zensieren, erzählt die Bloggerin Liu Yu im Interview mit Ian Johnson im NYRBlog: "Wegen dieser immer mächtigeren und omnipräsenten Maschinerie finden sie heute nur mehr begrenzten Raum, um sich zu entfalten. Aber ich glaube nicht, das der "Internet-Frühling" gescheitert ist. Es gibt einen Unterschied zwischen überhaupt nicht existenten liberalen Stimmen und liberalen Stimmen, die wenig Raum haben, sich zu äußern. Diese Stimmen sind im Moment nur verstummt. Aber man kann ein Baby, das geboren ist, nicht zurück in den Mutterbauch schieben."

Endlich hat die FAZ mit Jürgen Kaube einen Herausgeber, der intelligent genug ist zu benennen, wie "Dummheit blüht" - so der Titel seines Leitartikels auf Seite 1 dieser Zeitung. Schuld ist im wesentlichen das Internet: "Was vor kurzem noch im Rauch über den Stammtischen sich mitauflöste, steht jetzt im Netz. Jeder Blödsinn wird inzwischen verschriftlicht und findet auf diesem Weg eine Fachgemeinschaft von Mitdummköpfen."
Stichwörter: Internet, China

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.02.2015 - Internet

Seit über zehn Jahren wird in den USA darum gestritten, ob Internetdienste als "common carriers" (Netzbetreiber) oder "information service providers" (Informationsdienste) zu klassifizieren sind - ein kleiner Unterschied mit gravierenden Folgen, denn Netzbetreiber unterliegen strengen Regeln durch die Aufsichtsbehörde FCC, während Informationsdienste sehr viel mehr Spielraum haben. Der FCC-Vorsitzende Tom Wheeler gab nun bekannt, Internetdienste von Informationsdiensten zu Netzbetreibern umklassifizieren zu wollen, berichtet T.C. Sottek in The Verge: "Es ist ein glanzvoller Sieg für die Verfechter der Netzneutralität, die seit Jahren dafür kämpfen, das Internet unter den Schutz der für Netzbetreiber geltenden Regeln zu stellen - und es ist das erste Mal, dass die FCC das Rückgrat beweist, eine rote Linie zu ziehen gegenüber Konzernen wie Comcast, AT&T und Verizon, die sicherlich mit aller Macht gerichtlich dagegen vorgehen werden."

(Via Mediagazer) Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Twitter und Medien, fragt Chris O"Brien in Venturebeat.com. Denn Google bezahlt nach einem neuen Deal Twitter, um Tweets in seine Suche aufnehmen zu können, während sich der Konzern bei Medien bekanntlich gegen Zahlungen wehrt. "Es gibt die Vermutung, dass Twitter mehr Affinität mit einem Tech-Giganten wie Google hat als etwas die New York Times. Dies könnte ein erster Schritt sein, der zum Kauf Twitters duch Google führt, falls die Einbettung gelingt. Aber bis jetzt hatte Twitter eine gewisse Macht gegenüber Google, weil es den Zugang zu den Tweets über seine API-Schnittstelle erschwerte. Die API-Schnittstelle und die Unmörlichkeit für Google, alle Tweets zu durchsuchen, schuf so etwas wie eine Paywall, die Google nun durch Zalhungen umgeht."