
Schnell klicken: Bei
Gizmodo findet sich tatsächlich noch ein
kleiner Trailer zu der von Sony zurückgezogenen, umstrittenen Nordkorea-Satire "
The Interview". "Irgendjemand in der PR-Abteilung wird wohl einen schlechten Tag haben", meint
Gizmodo zu der offenbar versehentlichen Platzierung des Videos bei
Youtube (wo man es aber inzwischen nicht mehr findet).
Bis gestern war die
Sony-Hacks-Affäre den deutschen Zeitungen nur kurze Meldungen wert. Dass Sony "The Interview" auf Druck von Hackern nun komplett aus dem Verkehr zieht, schreckt sie dann aber doch auf. In der
SZ spekulieren Mirjam Hauck und Hakan Tanriverdi, wer hinter dem Angriff stehen könnte. Die von
CNN und
New York Times zitierte Theorie anonymer Regierungsbeamter, nach der die Hacker
im Auftrag der nordkoreanischen Regierung gehandelt haben sollen, sei nicht belegbar: "Beweise in Form einer Analyse des Angriffs gibt es nicht. Das wäre auch deshalb heikel, weil damit indirekt preisgegeben werden könnte, dass die USA sich ihrerseits
in die Netzwerke der Nordkoreaner gehackt haben." In
Wired hält Kim Zetter die Hinweise auf eine Beteiligung Nordkoreas für wenig stichhaltig.
FAZ-Filmkritiker Dietmar Dath
sieht die Affäre trotzdem als "Öffentlichkeitsdesaster von imposanter Reichweite" für Nordkorea.
Währenddessen
meldet der
Hollywood Reporter, dass nach dem Rückzug von "The Interview" ein anderes geplantes
Nordkorea-Projekt nun gar nicht erst realisiert wird
: Die für Mai angesetzten Dreharbeiten für die Verfilmung des Comics "Pyongyang" von
Guy Delisle über einen Kanadier, der in Nordkorea der Spionage beschuldigt wird, sind von der Produktionsfirma New Regency abgeblasen worden.
"
American freedom is now dead (1776-2014, RIP)",
kommentiert Adam Sternbergh in
Vulture: "Klar ist nunmehr, dass dies
der Sargnagel für jene Art von Komödien ist, in denen ausländische Diktatoren ein feuriges Ende nehmen oder sich als
außerirdische Kakerlaken entpuppen. Das mag eine kleine Nische sein, aber immerhin, es handelte sich doch seit einiger Zeit um ein robustes Genre."
Auch Jens Balzer und Daniel Haufler (
Berliner Zeitung)
sehen im "Kleingeist" der Kinoketten und Studios "eine
bittere Niederlage für die Freiheit der Kunst. So überreichen sie Nordkoreas Diktator einen Siegerpokal, den dieser wirklich nicht verdient."
In der
FR zeigt Daniel Kothenschulte Verständnis für die Entscheidung von Sony: "Die Weihnachtsferien gehören zu den umsatzstärksten Kinotagen des Jahres, die ganze Branche hätte ein
verschrecktes Publikum zu spüren bekommen. Man muss die Absage auch als Entgegenkommen gegenüber den anderen Studios verstehen, so fatal das Zeichen einer Kapitulation gegenüber Kriminellen für sich genommen ist." Und Hanns-Georg Rodek
erklärt in der
Welt: "Der Komplettrückzug ist die Voraussetzung dafür, dass die
Versicherung für den 42-Millionen-Dollar-Film ausgezahlt werden kann."
Selbst ein internationaler Großkonzern wie Sony hat einem Schurkenstaat und seiner
Schattenarmee von Hackern nichts entgegenzusetzen,
schreibt die
New York Times im Leitartikel und erwartet eine Reaktion auf politischer Ebene: "The international community needs to speed up work on norms on what constitutes a cyberattack and what the response should be. If China and the United States are unable to work together in this critical area, the Internet will become a free-for-all and
everyone will pay the price." Geradezu prophetisch liest sich ein Artikel zu derartigen Cyberattacken in der
Businessweek (unser
Resümee in der Magazinrundschau).
Nicht nur
Paul Coelho will "The Interview" online stellen (
mehr etwa bei
Spiegel Online) auch
Cory Doctorow appelliert in
Boingboing an die Macht des Internets: "My fellow countrypersons, now is the time
to torrent both films, and maybe "Dr. Strangelove", too, and organize home viewing
parties for freedom."