9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.01.2016 - Internet

Eine Neuauflage des Kampfes EU gegen Technikgigant sieht Nicholas Hirst in politico.eu auf uns zukommen. Einst hieß der Gigant Microsoft, heute Google: "Beide Parteien stehen vor einem chaotischen Endspiel. Google wird kämpfen müssen, um mit dem weiten Spektrum der Klagen fertig zu werden und die Kritiker zufrieden zu stellen. Und die Kommission wird kämpfen müssen, um sich gegen eine der reichsten und amorphsten Firmen der Welt durchzusetzen."

Justizminister Heiko Maas hat neulich in der Zeit eine digitale Grundrechtecharta vorgelegt, in der er mehr staatliche Regulierung des Internets versprach (unser Resümee). Darauf antwortet heute Ex-Pirat Christopher Lauer, dem Regulierung schon gar nicht mehr ausreicht - er will Staatsinterventionismus. "Zu wenig werden die Umbrüche mitgedacht, die auf die Gesesllschaft erkennbar zukommen. Beispielsweise zeichnen sich vor allem bei der Automatisierung von Arbeit Entwicklungen ab, die frühzeitig von der Politik durch die Gesetzgebung adressiert werden müssen, sonst droht Teilen der Gesellschaft der Zusammenbruch. Nichts anderes wird passieren, wenn etwa selbstfahrende Fahrzeuge über Nacht Millionen Arbeitsplätze vernichten oder wenn komplette Berufsbilder durch intelligente Software ersetzt werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.01.2016 - Internet

Im NZZ-Folio-Interview mit Peter Glaser erklärt Kathrin Passig, warum sie seit Jahren ein Techniktagebuch betreibt, um den digitalen Wandel sozusagen live zu begleiten: "Bevor man kritisiert, muss man ja erst mal dokumentieren. Sonst kritisiert man versehentlich einen Sachverhalt, den man sich nur ausgedacht hat. Das ist mir beim Schreiben fürs Techniktagebuch viel klarer geworden: wie schwer es ist, einfach nur aufzuschreiben und nicht allzu viel zu behaupten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.01.2016 - Internet

Ein nicht unbedingt lauschiges Foto aus der Silversternacht, aufgeschnappt von dem Fotografen Joel Goodman und zuerst veröffentlicht in den Manchester Evening News, hat es zu Twitter-Berühmtheit gebracht und ist nun Gegenstand kunsthistorischer Analysen, schreibt Matthew Champion in Buzzfeed. Man spricht von perfektem Goldenen Schnitt:


Es gibt auch weniger respektvolle Variationen:
Stichwörter: Buzzfeed

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.12.2015 - Internet

Für Zeit online unterhält sich Johannes Wendt mit der 13-Jährigen Hackerin Leeloo, die beim Kongress des Chaos Computer Clubs dabei war und bereits jetzt anfängt, in der Initiative "Jugend hackt" ein paar Weltprobleme anzupacken: "Treefi ist unser Projekt. Wir packen WLAN-Router auf Bäume. Damit der Router funktioniert, muss man auf einem Fahrrad strampeln. Das erzeugt per Dynamo Strom. Der Strom geht gleichzeitig zu einer Pumpe, die den Baum bewässert. Es ist also eine Sache, bei der alle gewinnen: Wir bekommen kostenfreies WLAN und treiben Sport, der Baum bekommt Wasser." Für die taz blickt Meike Laaf auf den Kongress zurück.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2015 - Internet

Johannes Wendt und Patrick Beuth von Zeit digital haben auf dem 32. Kongress des Chaos Computer Clubs (32C3) gelernt, wie die Internetzensur von Staaten funktioniert. Verblüffend etwa, wie die die Chinesen mit Tor-Servern umgehen, um deren Verschlüsselungsangebote auszuhebeln: "Dabei gibt sich der chinesische Zensor als normaler Nutzer aus und stellt eine Anfrage an einen mutmaßlichen Tor-Server. Antwortet dieser mit einem typischen Tor-Handshake, werden verdächtige Verbindungen zu diesem Server unterbrochen. Die Server-Adresse kommt auf eine Liste und wird fortan generell geblockt."

Johannes Boie beschwört in der SZ den Zauber der Hamburger 32C3-Tage, in denen er nicht nur Schlösserknacken und gute Umgangsformen gelernt hat ("Seid exzellent zueinander!"): "Im Vortragsraum Nummer 6 will nun einer, der sich Steini nennt, anderen etwas beibringen, 'Quantenphysik und Kosmologie für blutige Anfänger'. Steini sitzt im Schneidersitz auf einem Tisch und massiert sich, während er spricht, seine Füße. Sein Vortrag ist ein wilder Bogen von Aristoteles zu Max Planck. Steini erzählt von der Ultraviolettkatastrophe, dem fotoelektrischen Effekt, von einer gemeinsamen Autofahrt von Einstein und Heisenberg. Und am Ende sieht man die Welt, zumal als blutiger Anfänger, doch ein wenig anders als zuvor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.12.2015 - Internet

Sascha Lobo benennt in seiner Spiegel-Online-Kolumne fünf wichtige digitale Tendenzen des Jahres 2015. Eine davon ist die fatale Tendenz zum mobilen Netz: "In den Vereinigten Staaten verbringt die Bevölkerung 38 Prozent der Zeit mit dem stationären Internet und 62 Prozent der Zeit mit dem mobilen Internet. Die 'Mobile Revolution' wird in ihrer Wirkung selbst von Experten noch gar nicht voll verstanden, weil sie noch am Anfang ist. Das Smartphone - das einer britischen Untersuchung zufolge im Schnitt 221-mal am Tag aus der Tasche gezogen wird - ist ja in seiner heutigen Form erst acht Jahre alt."

Eine andere von Lobo benannte Tendenz ist das Internet als Medium des Hasses. Hierzu erzählt Khuê Pham im Zeit-Magazin die Geschichte des Bloggers Caspar Mierau, dessen Leben von einem Internetstalker auf den Kopf gestellt wurde. Auch Mierau selbst schreibt in seinem Blog über seine Geschichte.

Auch der Trend zum mobilen Netz hat seine fatalen Seiten: Der große Yochai Benkler, der mit seinem Buch "The Wealth of Networks" (hier als kostenfreies Download) eines der wichtigsten Grundlagenwerke zur Idee eines offenen Internets viorgelegt hat, benennt diese Tendenz im Gespräch mit John Weitzmann von irights.info: "Das mobile Smartphone ist inzwischen die primäre Plattform geworden. Dadurch sind Kontrollstrukturen entstanden, vom proprietären Funknetz über das proprietäre Betriebssystem bis zum jeweiligen App-Store. Auch Cloud-Speicherdienste gehen in diese Richtung. Tatsächlich werden es immer mehr Kontrollpunkte, von denen aus wenige Unternehmen den Informationsfluss kontrollieren können."

In den USA führt diese Tendenz zum mobilen Netz schon dazu, dass die Leute weniger Breitbandanschlüsse für das Internet zuhause haben, schreibt Jason Koebler von Vice nach Lektüre einer Studie des Pew Instituts, die diesen Rückgang in den USA statistisch nachweist: "Man muss kein Ökonom sein um herauszufinden, warum das passiert. Breitband ist teuer, Smartphone-Zugang ist teuer, und an einem gewissen Punkt musst du die Wahl treffen. Pew stellt fest, dass Leute, die nur noch Smartphone nutzen, in der Regel ärmer sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2015 - Internet

Simon Marks, Brüssel-Korrespondent des Guardian, und Harry Davies haben intensiv über die europäische Lobbyarbeit von Google recherchiert. Sie funktioniert etwa so, dass Google amerikanischer Parlamentarier einsetzt, um europäische Abgeordnete zu beinflussen: "Republikanische und demokratische Senatoren und congressmen, von denen viele Wahlkampfspenden in Höhe von Hunderttausenden Dollar von Google erhalten haben, wandten sich in einer Reihe ähnlicher und manchmal gleichlautender Briefe an Abgeordnete des EU-Parlaments."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2015 - Internet

Einige der besten Institutionen des Netzes sind in Gefahr. Wikipedia leidet am Schwund des Engagements. Twitter reüssiert nicht, weil die Börse seine Erfolge nicht honoriert, schreibt Sascha Lobo in seiner Spiegel-Online-Kolumne: "Die einzige Story, die Twitter am Börsenmarkt erzählen kann, weil es die einzige Story ist, die Internetinvestoren akzeptieren, ist - 'Wir werden das nächste Facebook'. Damit ist die Auswahl der möglichen Erfolgspfade verengt auf einen einzigen. Deshalb wirft Twitter eine Neuentwicklung nach der anderen aus, die erkennbar auf die breite, weniger netzaffine Gruppe der Facebook-Nutzer zielt. 'Dumbing down', würde man im Englischen sagen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.12.2015 - Internet

In der SZ berichtet Angela Gruner von Ärger unter den Wikipedia-Mitarbeiter über den alljährlichen, doch unnötigen Spendenaufruf für die amerikanische Wikimedia-Stiftung: "Aktuell sitzt die amerikanische Wikimedia-Stiftung auf 78 Millionen Dollar, ein Zuwachs um mehr als 24 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2008 besaß die Stiftung noch weniger als zehn Millionen Dollar."

"Fehlende Willkommenskultur" bei der Wikipedia macht Thomas Urban in der SZ als Hauptgrund für das schwindende Engagement: "Wikipedia leidet an fortschreitender bürokratischer Erstarrung, die den verzweifelt gesuchten 'goldenen Autoren', die sowohl guten Willen als auch profundes Fachwissen mitbringen, das Mitmachen verleidet." (Konrad Lischka sieht die Ursache für das schwindende Interesse an der Wikipedia eher im Verfall der Idee des offenen Netzes, mehr hier und hier.)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.12.2015 - Internet

Sehr viel retweetet heute in den sozialen Medien: Gaby Dunns Artikel in fusion.net über das schwierige Leben von Youtube-Stars: "Die meisten Stars der sozialen Medien sind zu sichtbar, um noch 'reale' Jobs zu haben und zu pleite, um darauf zu verzichten. Plattformen wie Youtube spiegeln den enormen Wohlstandsunterschied der amerikanischen Wirtschaft wider. Wer bei Youtube nur zur 'Mittelklasse' gehört, muss täglich mit der kognitiven Dissonanz zwischen einem vollen Kommentarthread und einer leeren Geldbörse umgehen."