Ist das
Internet an allem schuld? Mathias Müller von Blumencron, Online-Chef der
FAZ, sieht die Utopien der Netzgründer im
Gebrodel der Verschwörungstheorien untergehen: "Wenn es den Trumps, Le Pens und Petrys dieser Welt gelingt, den etablierten Institutionen ihre Autorität streitig zu machen, dann auch deshalb, weil sie im Netz
einen idealen Resonanzboden für ihre Empörungsrhetorik finden. Die globalen Plattformen der Erregung wie etwa Facebook sind ein sehr lukratives Geschäftsmodell." Wie hat Hitler es nur ohne geschafft!
Während das
Internet die Demokratien also offensichtlich herabzieht, ist es in Diktaturen oft das einzige Gegenmittel, wie sich aus Francesca Ebels
Porträt über den russischen Dissidenten
Alexeij Nawalny in
Politico.eu ersehen lässt. Nawalny hat eine Stftung gegründet, die
Korruption untersucht: "Für ihn ist das Internet die einzige und wichtigste Waffe. Da er in den meisten Staatsmedien auf der schwarzen Liste steht, publiziert die Stiftung die Resultate ihrer Recherchen in Nawalnys
Blog. Mit 1,35 Millionen Twitter-
Followern bekommen die Berichte Aufmerksamkeit. Untersuchungen handelten von
Putins Vermögen, den
Luxusimmobilien russischer Oligarchen in London und den USA und sogar von den 10.000-Dollar-Uhren von Putins Sprecher Dimitri Pekow, dessen offizielles Regierungsgehalt vergleichsweise bescheiden ist."
Alarm: "
Open Access macht
alles kaputt - die Verlage, die Bücher, die Wissenschaft." Aber hat die
FAZ je einen Artikel pro Open Access veröffentlicht? Heute
warnt der Slawist Urs Heftrich davor, dass Open Access gar von Forschungseinrichtungen
gefördert wird: "elektronische Bücher und Buchreihen, die frei zugänglich ins Netz gestellt werden. Natürlich kann man über die Zuständigkeiten und Aufgaben einer Forschungsgemeinschaft streiten. Unbestreitbar aber dürfte sein, dass das hier aufgelegte Förderprogramm nicht auf konkrete wissenschaftliche Inhalte zielt, sondern auf die
Etablierung einer reinen Infrastruktur, die faktisch die klassischen Aufgaben eines Verlagshauses ersetzt, nur mit der Besonderheit, dass die Publikation direkt im Internet erfolgt."