9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.10.2015 - Kulturpolitik

Der Streit ums Kulturgutschutzgesetz geht weiter. Bundeskulturministerin Monika Grütters wehrt sich im Tagesspiegel gegen Angriffe des Anwalts und Kunstfreunds Peter Raue. "Peter Raue spricht von 'zahllosen, angesichts des drohenden Gesetzes schon jetzt ins Ausland verfrachteten Werken'. Dieses Gesetz gibt niemandem, der es gelesen hat, Anlass zu derartigen Kurzschlusshandlungen (Achtung: Viele Zielländer haben strengere Kulturgutschutzregeln, auch Zollfreilager in der Schweiz sind keine rechtsfreien Räume). Offensichtlich hat der Kunsthandel andere Interessen als den Schutz des kulturellen Erbes. Wo wir von Kunst reden, geht es dort um Geld."

In der FAZ erklärt Philipp Herzog von Württemberg, Europa-Chef des amerikanischen Auktionshauses Sotheby's, seine Vorbehallte gegen das Gesetz.

Regina Mönch beklagt in der FAZ die Schäden an Schinkels Friedrichswerderscher Kirche, unter anderem durch das grässlich "schinkelnden" Kronprinzenpalais für reiche Investoren, das nebenan errichtet wird und qua Tiefgarage den Grund unsicher macht: "Seit drei Jahren schon ist die Museumskirche darum unbetretbar und die Anmutung einer Kathedrale Vergangenheit, denn das Innere ist seitdem und auf unbestimmt lange Zeit nur noch ein Gewirr aus Gerüststreben, die hoffentlich verhindern, dass es die Kirche endgültig zerreißt. Der Aufschrei der Bewunderer und Liebhaber dieser Kirche war leise, bis ins Rathaus oder in die Denkmalschutzbehörde kann er nicht gedrungen sein..."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2015 - Kulturpolitik

Die Kritiker des neuen Kulturgutschutzgesetzes, dass die Abwanderung national bedeutender Kunst ins Ausland kontrollieren soll, erinnert Norbert Lammert in der Welt daran, dass der Staat jährlich über zehn Milliarden Euro für die Kultur ausgibt, gerade weil er sich dem Schutz der Kultur verpflichtet fühlt: "Ohne diese Überzeugung, dass Kunst etwas mit der Identität und dem Selbstverständnis einer Gesellschaft zu tun hat, fällt es sehr schwer zu begründen, warum der Staat Milliardenbeträge zur Kunst- und Kulturförderung zur Verfügung stellen und keineswegs allein dem Markt zwischen Angeboten und Nachfragen überlassen sollte, obwohl ein beachtlicher Teil derjenigen, deren Steuergelder dafür in Anspruch genommen werden, von den öffentlich subventionierten Angeboten bekanntlich keinen Gebrauch macht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.10.2015 - Kulturpolitik

Catrin Lorch zieht mit Okwui Enwezor in der SZ Bilanz der Biennale von Venedig. Er sagt einige interessante Dinge über Kunstmarkt und Kulturpolitik: "Der Markt ist tatsächlich weniger involviert als viele andere Förderer, die man aber fraglos akzeptiert: Wer hat denn das britische Kunstwunder begründet? Das British Council mit seiner klugen Förderpolitik. Hinter dem Nordic Miracle stehen Sponsoren, die ein Interesse an der Kunst hatten. Das Goethe-Institut ist einer der einflussreichsten Mitspieler überhaupt. Wir überschätzen den Einfluss des Marktes und schauen nicht auf diese Soft Power, die eben zuweilen auch Ideologie im Gepäck hat."

Außerdem befassst sich Andreas Kilb in der FAZ kritisch mit dem in Berlin tagenden CyArk-Projekt, einer Non-Profit-Organisation, die antike Stätten scannen und die Informationen für das Gedächtnis der Menschen erhalten will.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2015 - Kulturpolitik

Sieglinde Geisel besucht für die NZZ den seit 2001 verfallenden Spreepark in Ostberlin, den inzwischen der Liegenschaftsfonds der Stadt Berlin gekauft hat, nachdem der Vorbesitzer hatte Insolvenz anmelden müssen: "1994 hatte der Senat den Plänterwald, in dem sich der Spreepark befindet, zu einem Landschaftsschutzgebiet erklärt, damit fielen die Parkplätze weg sowie ein Drittel der Nutzfläche."

Patrick Bahners meldet in der FAZ, dass der geplante Münchner Konzertsaal nun womöglich auf dem Pfanni-Gelände hinter dem Ostbahnhof oder dem Gelände der Paketposthalle westlich des Hauptbahnhofs errichtet wird.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.10.2015 - Kulturpolitik

Im Interview mit Kerstin Krupp in der Berliner Zeitung versichert Kulturstaatsministerin Monika Grütters, dass bei den TTIP-Verhandlungen immer mehr Schutzklauseln für Kultur und Medien erarbeitet werden: "Für das Dienstleistungskapitel, in dem am ehesten das Thema Kultur verortet wird, gibt es eine große Sensibilität."
Stichwörter: Grütters, Monika, TTIP

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.10.2015 - Kulturpolitik

Drei Jahre lang war das Nationalmuseum von Bosnien-Herzegowina in Sarajewo geschlossen. Nun ist es wieder eröffnet und die Löhne werden wieder gezahlt, jubelt Nadia Pantel in der SZ: "Die Geschichte der Schließung des Nationalmuseums von Sarajevo ist nur in Teilen die Heldengeschichte seiner Mitarbeiter. Sie ist auch eine Geschichte über die Ignoranz der Politik. 700.000 Euro kostet der Unterhalt des Museums im Jahr. Auch für ein armes Land wie Bosnien-Herzegowina ist das keine allzu große Summe. Was fehlte, war nicht Geld, sondern der Wille."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2015 - Kulturpolitik

Zum Jahresende endet auch die Gurlitt-Task-Force, meldet Joachim Güntner in der NZZ und zieht Bilanz: "Zwei Werke, Henri Matisse" "Sitzende Frau" und Max Liebermanns "Zwei Reiter am Strand", konnten als Raubgut identifiziert und an legitimierte Erben restituiert werden. Bei zwei weiteren steht die Rückgabe an." Dass das angesichts von insgesamt rund 1500 Werken keine eindrucksvolle Quote ist, mag Güntner jedoch nicht gelten lassen: "Provenienzforschung ist ein umständliches Geschäft. Umso mehr in diesem Fall, da das historisch Notwendige (Genauigkeit und Sorgfalt), das moralisch Opportune (rasche vollständige Transparenz) und das juristisch Gebotene (Schutz der Persönlichkeitsrechte Betroffener) einander wechselseitig in die Quere kommen."

Bei der von der Bundesstiftung Initiative Musik verliehenen "Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten" für Popmusik-Veranstalter macht Jörg Augsburg im Freitag ein "Ungleichgewicht der Preisvergaben nach West und Ost" aus: "Es verweist auf einen immer noch grundlegenden infrastrukturellen Nachteil des Ostens außer in Berlin. Die Dichte an Clubs ist deutlich geringer, sowieso außerhalb der Popkulturell halbwegs erschlossenen Metropolen, von denen es im Moment genau genommen nur eine gibt; das derzeit eh schon allerorten gehypte Leipzig. Sogar dort allerdings zählt Populärkultur immer noch eher als lästig, als kulturell nicht weiter fördernswert und nur im Ausnahmefall als expliziter Bestandteil von Stadtplanung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2015 - Kulturpolitik

In einem kulturpolitischen Interview im Tagesspiegel, das Rüdiger Schaper führte, redet Berlins Bürgermeister Michael Müller auch über den Boom des Städtchens: "Inzwischen haben wir auf jeder einzelnen Fläche riesige Nutzungskonflikte. Grün ist für eine wachsende Stadt genauso wichtig wie Gewerbe und Wohnungsbau, wir brauchen Kitas und Gesundheitseinrichtungen. Die Künstler brauchen ihre Freiräume. Wie gesagt, Berlin macht eben auch das Unfertige, das Freie aus. Wir kämpfen dafür, aber man muss offen und ehrlich sagen: Es ist keine leichte Aufgabe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2015 - Kulturpolitik

Andreas Fanizadeh kommentiert in der taz den Buchmessenboykott des Iran, der wegen der Keynote-Rede Salman Rushdies protestiert hat: "Nun hat die Literatur eines Einzelnen den Iran samt Länderstand und sieben mehr oder weniger unabhängigen Ausstellern in die Flucht geschlagen. Wenn dies kein Sieg des magischen ­Realismus ist."

Dass der indische Premierminister Narendra Modi ein Hindu-Nationalist ist, merkt man vor allem an der Kulturpolitik, schreibt Martin Kämpchen in der FAZ: "Die staatlichen und staatlich unterstützten kulturellen und wissenschaftlichen Organisationen erhalten nach und nach Leiter, die sich oft an unwissenschaftlichen Vorstellungen und exklusiv-hinduistischen Vorgaben orientieren. Die Regierung deklarierte die "Bhagavad Gita", einen der bedeutendsten religiösen Texte des Hinduismus, als Indiens "nationales Buch" und düpierte damit Muslime, Christen und Sikhs. Muslime und Christen werden als Rindfleischesser geächtet, letzte Woche wurde in Nordindien ein Hindu wegen des Verdachts, er habe Rindfleisch gegessen, öffentlich gelyncht."

Weiteres: Ebenfalls in der FAZ fordert der Sänger Christian Gerhaher einen Konzertsaal in der Münchner Innenstadt und schlägt den Apothekenhof der Residenz vor.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.10.2015 - Kulturpolitik

In der FAZ resümiert Patrick Bahners die aktuellen Münchner Debatten um einen Konzertsaal in der Stadt.
Stichwörter: München, Bayern