9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

1453 Presseschau-Absätze - Seite 99 von 146

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.12.2017 - Kulturpolitik

In der SZ kommentiert Peter Münch den in Budapest mit einem Budget von einer Milliarde Euro neu entstehenden Museumspark als einen "Ausdruck Orban'scher Bombastomanie". Auch der ungarische Kunsthistoriker Andreas Renyi halte das Projekt für kalkuliert: "Gut für die Bauwirtschaft ist das obendrein, und oft genug profitieren davon die Günstlinge der Regierung. 'Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viel Geld in Ungarn bei solchen Projekten verschwindet', warnt Rényi. Obendrein dient der Museumspark gleich doppelt den Interessen des Premiers. Denn oben auf der Burg möchte er ein neues Regierungsviertel errichten. Seit geraumer Zeit schon wird dort an einem neuen, repräsentativen Amtssitz für den Ministerpräsidenten gebaut. Wenn die Nationalgalerie umzieht, entsteht zusätzlich freier Platz für Ministerien. Die Macht residiert dann oben, das Volk samt Kunst und Spielen unten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.11.2017 - Kulturpolitik

Institutionen wie die Bundeszentrale für politische Bildung fürchten sich vor der neuen Legislaturperiode, weil auch die AfD nun Abgeordnete in ihre Beiräte entsenden kann, berichtet Matthias Meisner im Tagesspiegel. Das gilt etwa auch für  die Stiftung "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", die das Berliner Holocaust-Mahnmal betreibt. Die Gründerin Lea Rosh gruselt sich : "Der Einzug der AfD in das Aufsichtsgremium ist für Rosh nicht selbstverständlich. 'Ich habe das Programm der AfD vor mir liegen', erklärt sie. 'Es ist so drastisch demokratiefeindlich, was die machen, dass eine Teilnahme der AfD eigentlich ausgeschlossen sein müsste. Das gilt natürlich erst recht nach dem, was der thüringische AfD-Chef Höcke über das Holocaust-Mahnmal gesagt hat. Ich fürchte allerdings, die AfD wird so unverfroren sein, reinkommen zu wollen.' Von (Bundestagspräsident) Schäuble war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2017 - Kulturpolitik

Die EU-Kommission hat Großbritannien aus der Liste der Kulturhauptstadt-Kandidaten gestrichen. Große Enttäuschung in britischen Städten, die schon viel Geld für die Bewerbung ausgegeben haben, berichtet Marion Löhndorf in der NZZ. "Die eisige Absage aus Europa ist nicht nur in finanzieller Hinsicht ein Schlag. 'Die traurige Ironie ist, dass der Wunsch, kulturelle Verbindungen mit Europa zu vertiefen, eine wesentliche Triebfeder unserer Bewerbung war', hieß es aus Dundee. Mit diesem Anliegen steht die Stadt nicht allein da. Gerade die britische Kulturszene hatte sich schon im Vorfeld des Entscheids fast geschlossen für einen Verbleib in der EU ausgesprochen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2017 - Kulturpolitik

In Potsdam wird derzeit mit aller Macht versucht, den historischen Stadtkern vollständig zu rekonstruieren. Das hat soziale Folgen, weil Plattenbauten und andere Gebäude zerstört werden. Es gibt auch Bewohner, die nicht in einem städtischen Barock-Museum leben wollen, besonders, wenn die Rekonstruktion ein fragwürdiges Projekt wie die in der DDR abgerissene Garnisonkirche betrifft, schreibt Arnold Bartetzky in der FAZ. Dort "fand nicht nur der Hand­schlag zwi­schen Hit­ler und Hin­den­burg nach der Reichs­tags­er­öff­nung am 21. März 1933 statt, der als sym­bo­li­scher Akt der An­er­ken­nung der Na­zis als Er­ben preu­ßisch-mi­li­ta­ris­ti­scher Tra­di­ti­on des Kai­ser­reichs in die Ge­schich­te ein­ging. Die im acht­zehn­ten Jahr­hun­dert für Mi­li­tär­an­ge­hö­ri­ge und Hof­be­diens­te­te er­rich­te­te Kir­che war schon lan­ge vor dem be­rüch­tig­ten 'Tag von Pots­dam' ein Boll­werk an­ti­de­mo­kra­ti­scher Kräf­te ge­we­sen", so Bartetzky, der empfiehlt, auf einen Wiederaufbau der Kirche zu verzichten. 

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2017 - Kulturpolitik

In einem Artikel über interne Streitigkeiten bei der Linkspartei schreibt Matthias Meisner im Tagesspiegel auch darüber, dass die geplante Veranstaltung des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen im Berliner Kino Babylon-Mitte in der Partei (unsere Resümees) für heftigen Ärger sorgte. Kultursenator und Genosse Klaus Lederer, der ein Kritiker des Antisemitismus in der Linkspartei ist, hatte die Absage der Veranstaltung durch einen Facebook-Post ausgelöst. Laut Meisner sind die Parteilinken Diether Dehm und Wolfgang Gehrcke  damit gar nicht einverstanden: "Dehm und Gehrcke .. veröffentlichten nun einen Aufruf, der sich explizit gegen ihren Genossen richtet: Das Vorgehen des Kultursenators sei 'weder links noch emanzipatorisch', heißt es darin. Verbissen würden 'kritische Geister' als Verschwörungstheoretiker, Antiamerikaner, Antisemiten oder Querfrontler diffamiert, Jebsen sei dabei eines der 'Lieblingsobjekte' geworden. Die beiden Linken-Politiker wünschten Lederer indirekt einen Shitstorm herbei. Es müsse, heißt es in dem Appell von Dehm und Gehrcke, 'mehr gemeinsame Aktionen' geben 'gegen den zerstörerischen Ungeist von Stigmatisierungen und Zensur'. Dies ausdrücklich 'auch in den eigenen Reihen'."

Im Blog Matroschka wird darauf hingeweisen, dass im Kino Babylon-Mitte, das vom Berliner Kultursenat subventioniert wird, auch eine Veranstaltung des 9/11-Verschwörungstheoretikers Daniele Ganser geplant ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2017 - Kulturpolitik

Das Humboldt-Forum zeichnet sich derzeit durch eine "Mischung aus Lähmung, Intransparenz und Ideenlosigkeit" aus, beklagt in der SZ Jörg Häntzschel. Das wundert ihn nicht, blickt er auf die vielen Institutionen, die beteiligt sind und mitreden sollen, während es keinen Leiter gibt, der auch mal Pflöcke einschlagen kann: "Statt auf diesem Rangierbahnhof der Interessen aufzuräumen, ging man den umgekehrten Weg: Man lud alle zum Mitmachen ein, zwang alle in die Haftung. 'Das System ist darauf angelegt, nicht öffentlich kritisiert zu werden. Alle relevanten Leuten sind schon an Bord. Man ersetzt die öffentliche Debatte durch ein Organisationstableau', so beschreibt es der Jurist Christoph Möllers. ... Grütters, die bei der Berufung MacGregors sagte: 'Das Humboldt-Forum hat sich erfolgreich abgenabelt von der Politik', hat es am besten von allen verstanden, das System für ihre Zwecke zu nützen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2017 - Kulturpolitik

Die Presse hat sich nicht besonders für das Thema interessiert. Ken Jebsen sollte den "Karlspreis" für "Engagierte Literatur und Publizistik" im Berliner Babylon-Mitte-Kino ausgehändigt bekommen - Kultursenator Klaus Lederer wandte sich auf Facebook gegen  die Idee, dass die Verschwörungstheoretiker sich ausgerechnet in einem von ihm hoch subventionierten Kino treffen (unser Resümee). Auch RT Deutsch berichtet über das Thema, und verteidigt seinen Mitarbeiter Jebsen, dem krass antisemitische Äußerungen vorgeworfen werden: "Dass jedoch eine eindeutig politisch motivierte staatliche Intervention gegen eine juristisch nicht anfechtbare Veranstaltung erfolgt - noch dazu in einem von öffentlicher Förderung abhängigen Kulturbetrieb - ist alarmierend." Der einstige Sozialdemokrat Albrecht Müller - Jebsen-Fan und sozusagen Gauland der Linken - sieht es auf den Nachdenkseiten genauso. Und die den Preis auslobende Querfront-Postille nrhz.de geht davon aus, dass die Preisverleihung wie gewünscht im gastfreundlichen Kino stattfindet: "Sorgen wir alle dafür, dass das so kommt und die Feinde der Demokratie nicht die Oberhand gewinnen!"

Auch taz-Pionier Mathias Bröckers, der die Laudatio für Jebsen halten soll und ein ganzes Buch über Jebsen gemacht hat, ist empört über die nur auf Druck erfolgte Absage des Kinos und verbindet seine Kritik daran daran auf dem verschwörungstheoretischen Portal rubikon.news mit einer grundsätzlichen Kritik an seiner Zeitung: "Dass die taz ihre friedenspolitischen Wurzeln gekappt hat und ähnlich wie die Partei der (Oliv-)Grünen seit dem Jugoslawienkrieg die illegalen Kriege des US-Imperiums akzeptabel findet, können Leute wie ich, die vor 38 Jahren diese antimilitaristisch verwurzelte 'linke radikale tageszeitung' mitgründeten, nur als tragischen Niedergang empfinden." Die Äußerung des Kultursenators bezeichnet Bröckers als "Rufmord".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2017 - Kulturpolitik

Am Mittwoch verteidigten die Architekten Herzog und de Meuron in einer randvollen Akademie der Künste ihren Entwurf für das Museum des 20. Jahrhunderts im Kulturforum, das Herzog selbstironisch als "größten Aldi in Berlin" bezeichnete. Aber wer Berhard Schulz' Bericht im Tagesspiegel liest, dem schwant für die Architekten und ihren Entwurf nichts Gutes. Die beiden werden es mit Berliner Politikern zu tun bekommen, etwa der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher von der Linkspartei: "Lompscher machte in dem ruppig-proletarischen Jargon, den sie zur Freude ihrer Ost-Wähler pflegt, deutlich, dass die Stadt andere Prioritäten habe, als jetzt die Potsdamer Straße umzubauen oder gar in einen Tunnel zu verlegen: 'Das passt nicht in die Programmierung der aktuellen politischen Situation.' Lieber sprach sie von der Straßenbahn, die doch nun schon seit Jahrzehnten bis hierhin geführt werden soll: 'Wir werden mit der Straßenbahn eine sehr sensible Gestaltungsaufgabe haben.' Ach was!" Für die Welt berichtet Barbara Möller.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2017 - Kulturpolitik

Barbara Möller hat für die Welt in den Landesparlamenten nachgesehen, was die AfD so unter Kulturpolitik versteht und kann "schon mal vorweg vermelden: nicht viel. Kein Wunder: Der eine oder andere muss da von seiner Partei offenbar schon mit vorgehaltener Pistole gezwungen werden, einen Platz im Kulturausschuss einzunehmen. Zum Beispiel die nordrhein-westfälische Abgeordnete Gabriele Walger-Demolsky, die der Ansicht ist, dass diese Arbeit 'für einen wirtschaftlich denkenden Menschen Höchststrafe bedeutet'."
Stichwörter: AfD

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2017 - Kulturpolitik

Wer hat eigentlich behauptet, das Münchner Konzerthaus werde am Ende um die 370 Millionen Euro kosten? Gerhard Matzig hat für die SZ herumgefragt bei Architekten, Jurymitgliedern und Behörden, aber niemand will es gewesen sein. Man kann über die Kosten eigentlich auch noch nichts sagen, weil die Planung noch nicht fertig ist. Aber der Wunsch nach einer Zahl ist verständlich, gibt Matzig zu. Immerhin gibt es bei öffentlichen Großprojekten laut einer Studie in Deutschland eine durchschnittliche Kostensteigerung von 73 Prozent! Umso wichtiger ist es für Matzig, keine ungeprüften Zahlen in den Raum zu werfen: "Eine Bitte an die Politik und andere Möchtegern-Bauherren: Erbarmt euch, lasst die Fachleute vorher ihre Arbeit machen, damit hinterher nicht schon wieder die Kosten explodieren."

Wie kommt ein Kino wie das Babylon in Berlin-Mitte eigentlich auf die Idee, eine Veranstaltung des extremistischen Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen in sein Programm aufzunehmen (so sah es auf der Website des Kinos jedenfalls aus, unser Resümee). Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer hatte sich auf Facebook entsetzt über die Veranstaltung geäußert und dem Wunsch Ausdruck gegeben, dass das Kino die Veranstaltung absetzt. "Genau das hat Babylon-Chef Timothy Grossman nun getan", berichtet Erik Peter in der taz, "wohl aber ohne von der Richtigkeit dieses Schrittes überzeugt zu sein. Auf Nachfrage der taz reagierte das Kino barsch - für eine Auskunft stehe man nicht zur Verfügung." Zu ergänzen wäre der taz-Artikel allenfalls um das Detail, dass als Laudator für Jebsen tazler Mathias Bröckers annonciert war.