Der
Berliner-Zeitung-Verleger
Holger Friedrich bringt eine neue Version der
Weltbühne heraus (unser
Resümee). Für sehr großen Ärger sorgt darin ein Artikel der abtrünnigen orthodoxen Jüdin
Deborah Feldman, die inzwischen zur Pasionara der Israelfeinde wurde. Sie veröffentlicht in dem Blatt einen Artikel über den Chefredakteur der
Jüdischen Allgemeinen,
Philipp Peyman Engel, den sie als "Kostümjuden" beschimpft. Nicholas Potter
berichtet in der
taz über diese Denunziationskampagne des putinistischen Verlegers und resümiert Feldmans Artikel: "Feldman behauptet in der
Weltbühne, mit einem Familienmitglied Engels telefoniert zu haben, das 'aus Angst vor Repressalien nicht namentlich genannt werden möchte'. Engels Familie 'sei in der Verwandtschaft immer als Angehörige der
Bahai-Gemeinde wahrgenommen worden'." Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich fühlte sich durch diesen Artikel gedrängt, Engels zweifelsfrei jüdische Abstammung zu dokumentieren.
"
Einmal Stasi,
immer Stasi",
kommentiert Ruhrbaron Stefan Laurin diese Strategie des Verlegers und ehemaligen IM Friedrich. "Noch immer kommen
alternative Fakten aus Ost-Berlin - nur nicht mehr aus der Stasi-Zentrale, sondern aus den Räumen des Berliner Verlags, in dem die
Weltbühne und die
Berliner Zeitung erscheinen. Friedrich setzt in Texten schon mal demokratische Parteien in Anführungszeichen, stellt gemeinsam mit dem wegen Totschlags verurteilten ehemaligen Generalsekretär des ZK der SED,
Egon Krenz, den dritten Teil seiner ebenso wie sein Dasein überflüssigen Biografie vor und holt einen Redakteur der nationalbolschewistischen
Jungen Welt in die Geopolitik-Redaktion seiner Zeitung - ein Ressort, das
RT-Plauderer und
Weltbühne-Herausgeber Thomas Fasbender leitet."
"Deborah Feldman nutzt für ihre Kampagne die Methode der
Delegitimierung über genealogische Zweifel: Ist jemand nun tatsächlich jüdisch, oder nicht", erläutert Caroline Fetscher im
Tagesspiegel. "Auf ihren Instagram- oder X-Accounts suggeriert sie, sie wisse es, und zwar besser, als die Attackierten. Unter diesen waren schon die Publizistin Sarah Cohen-Fantl, der Star-Pianist Igor Levit und die Schriftstellerin Mirna Funk, die gegen Feldman eine einstweilige Verfügung erwirkte."
Nebenbei beansprucht Friedrich mit dem Kauf des
Weltbühne-Titels, in einer radikaldemokratischen Tradition der Weimarer Republik zu stehen. Der Historiker
Ilko-Sascha Kowalczuk hat darum einen uralten Artikel
Marko Martins ausgegraben, den dieser in der
taz schrieb, als die letzte Version der
Weltbühne zumachte. Das war im Jahr 1993 - denn eine Zeitschrift mit dem Titel
Weltbühne war in der DDR und ein wenig darüberhinaus fortgeführt worden. Sie war ein besonders abstoßendes Medium, so Martin, der die eigentliche Tradition benennt, in die sich Friedrich heute stellt: "Unter der Chefredaktion von Peter Theek (NSDAP- Mitgliedsnummer 9124729) konnte
Peter Hacks dort die Ausbürgerung
Wolf Biermanns bejubeln,
Heinrich Böll als 'Herbergsvater für wandernde Dissidenten' beschimpfen und vor 'Solschenizyns Läusen' warnen. Nach der Wende war dann
Joachim Gauck als 'Luther der Archive' dran, die Stasi-Aktenöffnung wurde mit einem 'Erlöse uns, Allmächtiger, von dem Übel dieses Biedersinns!' kommentiert." In der
FAZ kommentiert Michael Hanfeld die "große Hinterhältigkeit" im neuen
Weltbühne-Start.
In Washington gab es ein Terrorattentat: Erschossen wurde das junge Paar
Yaron Lischinsky, der auch Deutscher war, und seine Freundin
Sarah Milgrim, die in der israelischen Botschaft arbeiteten. Täter ist der Linksextremist Elias Rodriguez, der mit der "Party for Socialism and Liberation" verbunden war (sie distanzierte sich inzwischen von ihm). Interessant ist nebenbei, wie wichtige Medien über das Attentat berichten -
etwa tagesschau.de, wo der Terrorakt umstandslos "
kontextualisiert" wird: "Der
Schusswaffenvorfall erfolgte
vor dem Hintergrund des Krieges zwischen Israel und der militant-islamistischen Hamas im Gazastreifen. Israel steht wegen des militärischen Vorgehens und der katastrophalen humanitären Lage in dem weitgehend verwüsteten Küstenstreifen international stark
in der Kritik." Auch die
FAZ hat diesen Text - offenbar ein Agenturticker -
übernommen.
Lischinsky war "ein
Nürnberger Bub",
berichtet die
Jüdische Allgemeine. Er hatte sich beim Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft engagiert. "Die Münchnerin Antonia Pfeifer, die Yaron Lischinksy aus der gemeinsamen Zeit beim JuFo kannte, beschrieb ihn im Gespräch mit dieser Zeitung so: 'Er war sehr engagiert, hat viele Events mit
jungen Israelis und Deutschen organisiert und sich für den Austausch sehr eingesetzt. Als er 2022 nach Washington ging, um seine Stelle bei der israelischen Botschaft anzutreten, hat er das als Riesenehre beschrieben und sich wirklich sehr gefreut.' Sie nannte den Getöteten einen 'herzlichen und lieben Menschen'."