9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.09.2025 - Medien

Der Autor Per Leo wird neuer Herausgeber der vom Eigentümer der Berliner Zeitung, Holger Friedrich, exhumierten Weltbühne. "Leo nimmt als Herausgeber die Stelle Thomas Fasbenders ein, der einst Kommentator des russischen Propagandasenders RT DE (Russia Today Deutsch) war, bevor dieser europaweit verboten wurde", staunt Jürgen Kaube in der FAZ. "Die Verlockung, etwas herausgeben zu dürfen", scheine Leo jedenfalls "ganz unempfindlich gegen das trübe Milieu gemacht zu haben, in dem es ihm ermöglicht wird. Kürzer formuliert: Selbstwichtigkeit siegt über Verstand und Geschmack."

In der FAZ berichtet Michael Hanfeld, dass der Schülerin Judith Scheytt der Donnepp-Preis aberkannt wurde, "weil ihre Beiträge im Netz auf Instagram antisemitisch geprägt seien" (mehr dazu hier).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2025 - Medien

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Der Medienwissenschaftler Martin Andree, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat, warnt in der SZ vor einer "unheiligen Allianz aus dem nihilistischen Plattformkapitalismus der Tech-Konzerne und dem christlich-fundamentalistischen Nationalismus der Trump'schen Republikaner". "Natürlich können sich innerhalb dieser Symbiose die Positionen verschieben, aber die Entwicklung ist schon konsistent: Das beinhaltet erstens die allgemeine Übernahme der Öffentlichkeit durch digitale Medien, zweitens die Übermacht der Plattformen innerhalb der digitalen Welt und drittens die aktive Unterstützung von Polarisierung und Radikalisierung durch alle Plattformen. Das führt zu der aktuellen Evolution des politischen Diskurses und zu dem kontinuierlichen Zuwachs bei rechtspopulistischen Parteien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.08.2025 - Medien

Der RBB ist mit seiner Verfassungsbeschwerde am Bundesverfassungsgericht (unsere Resümeesin allen Punkten gescheitert, berichtet Michael Hanfeld in der FAZ: "Die Richter geben ein Zeichen, das dem Bestreben der Sender, ganz allein über ihre Verfasstheit zu entscheiden und den Einfluss des Gesetzgebers auf ein Minimum zu reduzieren, eine Grenze setzt. Die Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das Festlegen seiner Struktur, ist Sache des Gesetzgebers, also der Bundesländer. In die Rundfunkfreiheit der Sender greifen sie dadurch nicht ein. Darauf lautet der Grundtenor der Karlsruher Entscheidung." Eine gute Entscheidung, findet Hanfeld, denn von Einsicht ist auch nach den Skandalen der Vergangenheit nichts zu spüren: "Sobald sich die Politik daranmacht, den Grundversorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neu zu definieren und zeitgemäß zu gestalten, sobald sie dem unbegrenzten Wachstum der Sender - sie machen Presse im Internet und sehen sich seit Neuestem auch für das Entwickeln von Videospielen zuständig, um nur zwei Beispiele zu nennen - Einhalt gebieten wollen, raunt es von dorten, das gefährde die Demokratie. Dieser jedoch tut der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit der Selbstheiligung seiner Molochhaftigkeit wahrlich keinen Gefallen."

In der taz erläutert Christian Rath wichtige Punkte der Urteilsverkündung: "Dass die Intendantin und die Mitglieder der Aufsichtsgremien künftig finanziell für schuldhafte Pflichtverletzungen haften müssen, sei eher ein Vorteil für den RBB als ein Nachteil, so die Richter:innen. Dass sich unter diesen Bedingungen für die Aufgaben keine qualifizierten Bewerber:innen mehr finden, habe der RBB nicht belegt. Laut Staatsvertrag muss eine Haftpflichtversicherung so ausgestaltet werden, dass die Intendantin bis zu zehn Prozent eines von ihr verursachten Schadens selbst übernehmen muss, maximal ein Jahresgehalt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2025 - Medien

In der taz berichtet Nicholas Potter über eine geplante Übernahme der britischen Zeitung Daily Telegraph durch das Investmentunternehmen RedBird Capital: "Kritisiert wird, dass John Thornton - Vorsitzender von RedBird - auch im Beirat der China Investment Corporation ist, eines staatlichen Vermögensfonds in Peking, der die Devisenreserven der Volksrepublik China verwaltet (...) Beide Gesellschaften seien Vehikel, mit denen China finanziellen Einfluss ausübe, heißt es in dem offenen Brief. Es gebe also berechtigte Bedenken, dass der Telegraph mit der Übernahme aus dem Ausland beeinflusst werde. Die Unterzeichner fordern, dass bei den Ermittlungen zum Deal auch unabhängige 'Experten für chinesische Manipulation von Informationen im Ausland und Einflussnahme sowie Experten für Medienpluralismus, Transparenz und Meinungsfreiheit' miteinbezogen werden. Die Übernahme müsse in der Zwischenzeit auf Eis gelegt werden." Neun Verbände, darunter Reporter ohne Grenzen, der Index on Censorship, Hongkong Watch und Human Rights in China, haben am 13. August einen offenen Brief an die britische Kulturministerin Lisa Nandy (Labour) verfasst, so Potter.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.08.2025 - Medien

Ukrainische Soldaten erwartet in der russischen Kriegsgefangenschaft systematische Folter bis hin zu Vergewaltigungen - russische Soldaten werden in der Ukraine nach den Genfer Konventionen aus dem Jahre 1929 behandelt, konstatiert Sonja Zekri in der SZ. Die Ukraine sollte dennoch weiterhin wachsam sein, die Genfer Konventionen einzuhalten, was Zekri bei einem Format des ukrainischen Bloggers Wolodymir Solkin, in dem er russische Soldaten in Kriegsgefangenschaft befragt - mit Hilfe der ukrainischen Behörden, vermutet Zekri - und ihre Familien vor laufender Kamera anruft, zumindest in Frage gestellt sieht. "Manchmal ergeben sich Dialoge von geradezu unmenschlicher Komik. Wie er zu der Tatsache stehe, dass er ein Besatzer sei, fragt Solkin einen jungen Soldaten [namens Nikita, Anm. der Redaktion] mit hochgezogenen Schultern, der daraufhin nur druckst. Solkin: 'Du hast keine Ahnung, was das heißt, Besatzer?' Habe er nicht, gesteht der Soldat. Solkin, didaktisch: 'Was macht ein Besatzer?' - 'Er kämpft.' - 'Wofür?' - 'Die Freiheit.' -'Wessen Freiheit?' - 'Des Volkes.' Am schwersten erträglich aber sind die Telefonate mit den Angehörigen. Als Solkin die Frau eines hageren, großflächig tätowierten Soldaten namens Nikita anruft, fängt sie sofort an zu weinen. 'Wein nicht, alles wird gut', tröstet Nikita. Immerhin sei er noch heile, Arme, Beine alles dran."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.08.2025 - Medien

Die gezielte Tötung des Al-Jazeera-Journalisten Anas al-Sharif durch das israelische Militär rief international Empörung hervor (unser Resümee). In der NZZ fragt Daniel Rickenbacher, wann Journalismus zur Terrorpropaganda wird: "Im Jahr 2006, ein Jahr vor ihrer Machtergreifung im Gazastreifen, gründete die Hamas einen eigenen Fernsehsender mit dem Namen al-Aksa TV (...) Sind die Angestellten von al-Aksa TV Journalisten? Laut dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) lautet die Antwort: ja. Das Komitee führt eine Liste von 186 Medienarbeitern, meist Palästinensern, die seit dem 7. Oktober in Israel und den palästinensischen Gebieten getötet wurden. 24 Mitarbeiter des Hamas-Senders stehen auf dieser Liste. Weitere 11 haben für den Sender al-Kuds al-Yum gearbeitet, der zur Terrororganisation Palästinensischer Islamischer Jihad (PIJ) gehört. Auch andere Personen auf der CPJ-Liste arbeiten für terrornahe Medien."
Stichwörter: Hamas, Propaganda, 7. Oktober

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2025 - Medien

In der Jüdischen Allgemeinen empört sich Philipp Peyman Engel über den Vorwurf, die israelische Armee habe einen unschuldigen Journalisten getötet: "Der vermeintliche Al-Jazeera-Reporter Anas al-Sharif war kein unschuldiger Journalist, sondern Mitglied der Hamas. Er hat von der Hamas ein Gehalt bezogen. Ihm wurde eine Personalnummer zugeordnet. Er war im 'Nebenberuf' Teil eines Raketenbataillons der Hamas. Es gibt zahlreiche Selfies von ihm mit Yahya Sinwar, dem Chefarchitekten der Anschläge vom 7. Oktober, in eindeutiger Pose. Passend dazu schrieb Anas al-Sharif am 7. Oktober über seine Hamas-Kollegen: 'Neun Stunden, und die Helden streifen immer noch durch das Land, töten und nehmen Gefangene ... Gott, Gott, wie großartig ihr seid.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.08.2025 - Medien

Wie ausgewogen kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein, wenn 47 Prozent der Zuhörer keiner Konfession angehören, nicht-religiöse Weltanschauungen im ÖRR aber kaum vorkommen, fragt Reiner Keller in hpd. "Selbst wenn mit dem Suchtext 'Atheismus' explizit nach Gegenentwürfen zu den Religionen gesucht wird, werden fast ausschließlich religiöse Inhalte transportiert. Statt Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit Hofberichterstattung, die zwar oft auch kritisch ist, aber nur gegen das irdische 'Personal' der Religionsgemeinschaften, der Glaube an Übernatürliches wird nur selten in Frage gestellt, selbst wenn der Titel der Sendung etwas anderes verspricht. Für humanistische Menschen ist das ein Ärgernis, insbesondere da dem ÖRR nicht einfach gekündigt werden kann, so wie das bei Zeitungen und Streamingdiensten selbstverständlich ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2025 - Medien

Die SZ äußert sich zu der Debatte um Bilder aus dem Gaza-Krieg, die vorerkrankte Kinder darstellten, welche Medien ohne Einordnung benutzen. Wolfgang Jaschensky, Leonard Scharfenberg und Lea Weinmann erklären, wie solche Bilder ausgewählt werden und dass es vor allem auf das Arbeitsethos der Fotografen ankomme. Es werden transparent die verschiedenen Arbeitsschritte erläutert, durch die ein Bild in der SZ-Redaktion vor der Veröffentlichung geht. "Und zur Wahrheit gehört auch: Trotz der zahlreichen Methoden, das Gezeigte zu überprüfen, bleibt ein Restrisiko. Dass nun auch immer mehr KI-generierte Bilder und Videos im Netz kursieren, macht die Unterscheidung zwischen Fake und Fakt nicht einfacher. Umso wichtiger wird eine der Grundregeln des journalistischen Handwerks: sich nie auf nur eine Quelle zu verlassen, sei es eine Person, eine Organisation oder ein Video."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.08.2025 - Medien

Louise Otterbein stellt in der FAZ ein deutsch-französisches Joint-Venture vor, das eine europäische Suchmaschine, Ecosia, entwickelt, um Europa von amerikanischen Suchmaschinen unabhängiger zu machen: "Die Idee dahinter ist, das Web auch von europäischer Seite zu indizieren. Sprich: für mehr Unabhängigkeit zu sorgen. Den Beginn macht Frankreich. Dortige Nutzer können von jetzt an einen Teil ihrer Suchergebnisse direkt aus dem unabhängigen, europäischen Index von EUSP erhalten. 'Der französische Index bei Qwant ist bei 50 Prozent, die Hälfte der Suchergebnisse werden dort also aus unserem Index geliefert', sagt der Ecosia-Chef Kroll. Deutschland sei zurzeit noch in einem niedrigeren Prozentbereich, doch komme man schrittweise voran."

Weitere Artikel: Über hundert Journalisten fordern einen Zugang zum Gazastreifen, um unabhängig berichten zu können, berichtet Majd El-Safadi in der FAZ: "Deshalb fordern sie sowohl Israel als auch die islamistische Terrororganisation Hamas auf, die Einreise nach Gaza zu gestatten, um ausländischen Journalisten eine freie Berichterstattung zu ermöglichen." Carolin Gasteiger ist in der SZ enttäuscht von der ARD-Doku über Alex Karp, Gründer des Konzerns Palantir, dessen viel kritisierte Überwachungssoftware auch deutsche Behörden gern einsetzen: Der Film komme zwar "zur richtigen Zeit. Aber mit dem Fokus auf Karp, den die Filmemacher einfach nicht zu greifen kriegen, trägt die Doku eher zur Legendenbildung rund um den Palantir-Mitgründer bei, denn zur Aufklärung über dessen Software."
Stichwörter: Hamas