Selbst in Europa können Journalisten, die wegen Korruption recherchieren,
durch Autobomben getötet werden, wie jetzt der Tod der maltesischen
Bloggerin Daphne Caruana Galizia zeigt. Die Agenturen berichten (
hier in
Zeit online): "International bekannt wurde Galizias Name im Zuge der Recherche zu den Panama Papers: Durch ihre Berichte hatte die 53-Jährige erreicht, dass
Regierungschef Joseph Muscat vorgezogene Neuwahlen ausrief. Unter anderem steht seine Frau im Verdacht, Bestechungsgelder auf geheimen Konten in Panama versteckt zu haben."
Politico.eu hatte jüngst ein
kleines Porträt über die Bloggerin gebracht. Juliette Garside
berichtet im Guardian, dass Caruana Galizias jüngste Recherchen vom Verkauf von
maltesischen Pässen an reiche Menschen aus Ländern wie Aserbaidschan handelten.
Hier der Nachruf in der
Times of Malta.
Die
Fernsehsender möchten online ihnen zuliefernde Produzenten künftig gern genauso behandeln wie Zeitungen ihnen zuliefernde freie Autoren. Das lässt sich einem
Bericht von Christian Meier in der
Welt entnehmen. Freie Autoren verlieren durch
buy-out-Verträge oftmals alle Rechte an ihren Texte für ein einmaliges Honorar. Ähnlich soll es künftig
auch Produzenten ergehen, jedenfalls nach dem Willen von
ARD und
ZDF, die die 7-Tage-Frist in ihren Mediatheken abschaffen wollen: "'Wenn aber die
Verweilzeiten von Serien und Filmen in Mediatheken von
ARD und
ZDF verlängert werden, ohne dass vertragliche Möglichkeiten für die Produzenten geschaffen werden, ihr eigenes finanzielles Engagement zurückzuverdienen, dann wird es eben künftig
keine unternehmerischen Produzenten in Deutschland geben', warnt Christoph Palmer im Gespräch mit der
Welt. 'Video-on-Demand explodiert geradezu - und an diesem Markt müssen und wollen wir partizipieren, sonst
werden wir enteignet.'"
Deshalb erhöhen die Produzenten auch ihren
Lobbydruck auf die EU, wo man den Zugang zu europäischen Fernsehproduktionen für
europäische Nutzer harmonisieren möchte - bisher verdienen die Produzenten (und viele Rechtsanwälte) daran, dass die Rechte
Land für Land vergeben werden. Jörg Seewald macht sich diese Forderungen in der
FAZ zu eigen und zitiert
Conrad Albert, den Medienvorstand der
Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe: "Nach Ansicht von Conrad Albert steht bei einer vollständigen Rechtefreigabe nicht nur die Existenz von
Deutschlands Kreativen auf dem Spiel, sondern auch ein Abomodell wie jenes, mit dem er seine Gruppe
Maxdome finanziert. Deshalb hat Albert einen wütenden Brief verfasst, in dem sogar der Begriff 'globale Internet-Imperialisten' vorkommt."
Im "
Tatort" von Sonntag thematisiert
Dominik Graf die Ereignisse von
Stammheim im Jahr 1977 - und scheint nicht auszuschließen, dass die Terroristen sich nicht selbst umbrachten, sondern
ermordet wurden. Dagegen protestiert Stefan Aust in der
Bild-Zeitung - und auch
Wolfgang Kraushaar hatte sich schon am Sonntag im
FAZ.Net vehement gegen diese These
ausgesprochen.
Bestürzend ist die Stellungnahme der Sender, die Michael Hanfeld in der
FAZ zitiert: "Der 'Tatort' beziehe 'Position, ohne sich für eine
Deutungsvariante zu entscheiden, was in der Nacht von Stammheim am 17. Oktober 1977 in den Zellen von Ensslin, Baader, Raspe und Möller passiert ist. Der Krimi erzählt auch auf allen anderen Handlungsebenen das Phänomen, dass es
schwer zu entscheiden ist, was wann passiert ist. Das ist schwer auszuhalten - und so schafft der Tatort wieder einmal Gesprächswert über den Sonntagabend hinaus.'"