9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2294 Presseschau-Absätze - Seite 19 von 230

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2024 - Medien

In Teheran ist die junge italienische Journalistin Cecilia Sala, die in ihrer Heimat ein Star ist, festgenommen worden, obwohl sie akkreditiert war und sich allen Regeln unterworfen hatte, berichtet Michael Braun in der taz. Offenbar mal wieder eine Art Geiselnahme, vemutet er: "Am 16. Dezember nämlich war auf dem Mailänder Flughafen Malpensa der Iraner Mohammed Abedini Najafabadi festgenommen worden. Gegen ihn liegt ein von den USA ausgestellter internationaler Haftbefehl vor, weil er in den USA illegal elektronische Komponenten für den Bau von Drohnen beschafft haben soll. Damit wäre Italiens Regierung in der Zwickmühle. Eine Auslieferung des gesuchten Iraners an die USA würde den Iran verprellen und die Chancen für Salas Freilassung dramatisch mindern; doch wenn Italien Najafabadi laufen lässt, droht eine Krise mit den USA."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.12.2024 - Medien

Der zum Jahresende scheidende WDR-Intendant Tom Buhrow blickt im Tagesspiegel-Gespräch zurück auf die Höhen und Tiefen seiner Karriere, äußert sich aber auch zu den aktuellen Streitigkeiten: Nachdem die Länder eine Erhöhung des Rundfunkbeitrages abgeleht hatten, legten die Sender Verfassungsbeschwerde ein (unser Resümee). Buhrow hält das für legitim, sieht aber die Verantwortlichkeit auch bei den Sendern, die konkrete Sparvorschläge machen müssten: "Ich habe kurz nach meiner ersten Wahl damit begonnen, 500 Planstellen abzubauen. Zeigen Sie mir eine öffentliche Behörde, die sich ähnlich verschlankt hat. Wenn man weitergehen will, muss man sagen, auf was man verzichten will. Ich respektiere den Primat der Rundfunkpolitik. Sie hat sich jetzt an die schwierige Aufgabe gemacht, die ersten Schritte zu unternehmen, unseren Auftrag zu schärfen und in Teilen auch zu reduzieren. Da werden dann Aufträge für Menschen verloren gehen, die davon leben. Das werden wir umsetzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2024 - Medien

Alan Meish, Mitarbeiter beim kurdischen Sender Rohanî TV in Nordostsyrien, spricht im Interview mit der taz über die Drohnenangriffe der Türkei speziell auf kurdische Journalisten. Gestern waren in Nordsyrien so zwei Journalisten getötet worden, Nazim Daştan und Cîhan Bilgin: "Seit Beginn der Revolution in Rojava sind nach der Zählung von Ronahî TV 30 Journalisten durch die Angriffe der Türkei und des IS getötet worden. Das Problem betrifft nicht nur kurdische Journalisten. Auch viele Menschen aus der arabischen Bevölkerung in dieser Region sind zum Ziel der Angriffe der Türkei geworden. ... Dies ist ein direkter Angriff auf die Pressefreiheit und die Rechte von Journalisten. Ähnlich wie der IS, will die Türkei nicht, dass jemand seine Verbrechen aufdeckt. Das macht sie ja auch in anderen Ländern. Auch in der Türkei versucht der Staat, Journalisten mundtot zu machen, so wurden am Freitag, Journalisten, die gegen die Ermordung von Nazim und Cîhan demonstrierten festgenommen." Meish plädiert für dringend für "internationale Untersuchungsausschüsse", die diese Angriffe dokumentieren. "Wir beobachten, dass das internationale Schweigen und die Gleichgültigkeit der Türkei mehr Stärke verleihen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.12.2024 - Medien

Ulrike Demmer ist Intendantin des RBB, keine leichte Aufgabe nach den Skandalen des Senders unter ihrer Vorgängerin Patricia Schlesinger. Der Sender hat seitdem eine Menge Federn gelassen und Demmer versichert in einem Gastbeitrag für die FAZ, dass die Reformen schmerzhaft sind. Aber der Sender wehrt sich auch gegen den neuen Staatsvertrag und Demmer kritisiert Äußerungen berliner und brandenburgischer Politiker: "Die Existenz des Senders wird infrage gestellt. Kritik wird als Drohung und im Kommandoton formuliert. Diese Reaktionen sind besorgniserregend. Derartigen Druck auf Medien erzeugten bisher nur radikale Akteure - Politiker, die von der Demokratie wenig halten. Nun zeichnen sich solche populistischen Muster auch in der politischen Mitte ab."
Stichwörter: RBB, RBB-Skandal, Demmer, Ulrike

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2024 - Medien

Dominik Baur kommt in der taz auf die Geschichte des Ingolstädter Zeitungsverlegers Wilhelm Reissmüller zurück, der jahrelang ein großer Mann in der bayerischen Provinz war und nur notdürftig kaschierte Lügen über sich als Widerstandskämpfer unter den Nazis in Umlauf gebracht hatte - auch die SZ hat seine Geschichte neulich erzählt (unser Resümee). Natürlich war er selber Nazi. Man will ihm jetzt die Ehrenbürgerwürde posthum aberkennen, so Baur, aber "es ist, als habe man auch drei Jahrzehnte nach seinem Tod noch Angst vor dem Einfluss des Verlegers. Reissmüller gehörte zweifelsohne zu den ganz Mächtigen in Ingolstadt. Mit seiner Zeitung schrieb er Stadtgeschichte - so oder so."

Äußerst pikiert reagiert die Redaktion von Le Monde auf einen Artikel des Figaro, der den renommierten Kollegen eine dezidiert antiisraelische Position vorwarf. Unter anderem war in dem Artikel von einer Art Wandzeitung die Rede, die die luftigen Großraumbüros von Le Monde schmückte und in der mit vielen Bildern der israelische "Genozid" angeprangert wurde (unser Resümee). In der Erklärung von Le Monde heißt es dazu: "Die Existenz dieser Bilder war der überwiegenden Mehrheit der Mitglieder unseres Hauses nicht bekannt und wurde auch nie den verschiedenen Hierarchien gemeldet. Wir verstehen, dass einige der Bilder schockierend waren, sie wurden daher entfernt. Wir bedauern, dass eine einfache interne Diskussion über diese Bilder nicht möglich war und dass sie dazu dienten, einen besonders feindseligen Vorwurf gegen uns zu nähren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2024 - Medien


Sehr spitz liest sich ein Artikel Eugénie Bastiés vom Figaro über die Kollegen von Le Monde. Es geht um die extreme propalästinensische Schlagseite des ehemals gemäßigt linken Qualitätszeitung, die allerdings eine sehr lange Geschichte hat. Einige Fotos, die auf Twitter zirkulieren, zeigen eine Art propalästinensische Wandzeitung in den offenen Redaktionsräumen von Le Monde mit der oben abgebildeten Karikatur.

Stichwörter: Le Monde

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2024 - Medien

"54 Journalist:innen verloren in diesem Jahr weltweit ihr Leben - so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr", meldet Christina Koppenhöfer in der taz: "Rund 30 Prozent dieser Todesfälle ereigneten sich allein im Gazastreifen. Was bleibt, ist eine ernüchternde Erkenntnis: Wer die Wahrheit sucht, lebt oft gefährlich. Reporter ohne Grenzen (RSF) beschreibt Gaza aktuell als die gefährlichste Region der Welt für Journalist:innen. Seit Oktober 2023 starben dort über 145 Reporter:innen, 35 von ihnen direkt bei der Ausübung ihrer Arbeit. Schutzwesten und Presseausweise scheinen in solchen Konflikten nur noch symbolischen Charakter zu haben - sie schützen nicht, sondern machen Journalist:innen oft erst recht zu Zielen, kommentiert auch RSF. Der Schutz von Zivilist:innen und Journalist:innen, der im Völkerrecht verankert ist, scheint zunehmend zu einer leeren Hülle zu verkommen."

In bisher ungeahntem Maße wurden über Metas Facebook, auf Tiktok und über Google Ads prorussische Desinformationskampagnen vor den Wahlen in Rumänien geschaltet, entnimmt Michael Hanfeld in der FAZ einem Bericht der finnischen Cybersicherheitsfirma Check First und des Bulgarisch-rumänischen Observatoriums für digitale Medien (BROD). Allein auf Facebook wurden "3640 politische Anzeigen identifiziert, die zusammen ein Publikum von 148 Millionen Menschen erreicht hätten." Auch due Topoi benennen die Cyberanalysten: "Sie lauten, wie wir es kennen, auf 'Wahlbetrug' - Regierung und Wahlbehörden verhinderten eine wirklich freie Wahl; Verschwörungstheorien über die vermeintliche politische und wirtschaftliche Ausbeutung Rumäniens durch die EU und zugunsten der Ukraine; Verherrlichung historischer Figuren der extremen Rechten; Verschwörungserzählungen und Behauptungen, die Georgescu selbst in die Welt gesetzt habe ('Nanochips in kohlensäurehaltigen Getränken, Wasser, das kein H2O ist und ein eigenes Gedächtnis hat, das den menschlichen Körper beeinflussen kann, Kaiserschnittgeburten, die den göttlichen Faden des Kindes durchtrennen')." Metas Kommunikationschef Nick Cleg lobt derweil die Bemühungen des Konzerns, die Integrität von Wahlen zu unterstützen, so Hanfeld.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.12.2024 - Medien

So führend, wie viele glauben, ist die Haaretz in Israel nicht, meint in der NZZ Ulrich Schmid, der der kleinen linken Zeitung (fünf Prozent der Israelis lesen sie) mit kritischer Sympathie gegenübersteht. "Als Korrespondent in Israel habe ich die Haaretz geschätzt. Sie ist links und manchmal scharf, aber das belebt den Diskurs, und welcher Israeli möchte das missen?" Aber musste Herausgeber Amos Schocken im Oktober in London wirklich von "palästinensischen Freiheitskämpfern" sprechen? "Der Krieg hat die Fronten verhärtet. Aus Zorn ist Hass geworden. Die linken Aschkenasim in Tel Aviv verzweifeln nicht nur an der Politik der Rechten. Sie sind auch frustriert, weil sie die Führung des Landes verloren haben und weil ihre ureigene Klientel, die Arbeiter und die Misrachim (die meist ärmeren orientalischen Juden), längst für 'König Bibi' stimmen, für Netanjahu. ... Die Rechten wiederum ärgern sich über die Impertinenz der Haaretz" und sie sind "derzeit äußerst motiviert. Der Justizminister Yariv Levin will Bürger, die zu internationalen Sanktionen gegen Israel, seine Führer oder die Sicherheitskräfte aufrufen, künftig als Verbrecher einstufen und mit bis zu zehn Jahren Haft bestrafen. Im Kriegsfall soll die Strafe verdoppelt werden können. Das richtet sich direkt gegen die Haaretz, und es sind solche Exzesse, die die Zeitung bisher zuverlässig angeprangert hat. Es wäre gut, es bliebe dabei. Demokratie braucht den Diskurs. Und Israel überlebt nur als demokratischer Staat."
Stichwörter: Haaretz, Israel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.12.2024 - Medien

Der Medienrechtler Matthias Cornils erklärt im FR-Interview, was bei der kommenden Ministerpräsidentenkonferenz in Sachen Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besprochen wird. Unter anderem wird es darum gehen, ob die geplante Zusammenlegung von Arte und 3Sat zulässig ist: "Auch wenn man sich seit vielen Jahren mit diesen verfassungsrechtlichen Fragen beschäftigt: Man weiß nie, was das Bundesverfassungsgericht am Ende entscheiden wird, wenn ihm die Reform vorgelegt wird. Es gibt hier einen Spagat: Einmal die Programmautonomie, also das Recht der Sender autonom und unabhängig zu entscheiden, was und wie viel sie machen. Andererseits den legitimen Anspruch des Gesetzgebers, selbst zu definieren, was die Anstalten machen sollen. Und dazu gehört schon auch, das Programm zu verringern. ... Aus meiner langjährigen Beobachtung würde ich sagen, dass die Spielräume des Gesetzgebers in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts heute eher weiter gefasst werden als in früheren Entscheidungen. Die Einschränkung der Zahl der Kanäle, also quantitative Vorgaben, würde ich - ohne sicher zu sein, was Karlsruhe dazu sagt - für zulässig halten. Es gibt aber auch Dinge, die eher grenzwertig sind."

Mit großer Traurigkeit teilen wir mit, dass unser langjähriger redaktioneller Mitarbeiter Rüdiger Dingemann im Alter von 73 Jahren gestorben ist. Fast von Anfang an hat er beim Perlentaucher mitgearbeitet, bestimmt zwanzig Jahre lang. Er war der Erfinder des "Medientickers" und der "Teletaucher".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2024 - Medien

Wie gutgläubig sind Factchecker? Michael Theil erzählt auf der Medienseite der FAZ von gestern von der "Operation Overload", der sich insbesondere dieses neue Genre des Journalismus ausgesetzt sieht. Russische Trolle bombardieren Factchecker gezielt mit Fake News, so Theil, der sich auf Informationen des finnischen Softwareunternehmens Check First bezieht. Die Hoffnung der Trolle: "Wird eine Falschinformation öffentlich widerlegt, bringt ihnen das zusätzliche Reichweite." Das ganze wird methodisch betrieben: "Nachdem die Fake-Nachrichten auf russischsprachigen Telegram-Kanälen veröffentlicht wurden, greifen bekannte kremlnahe Nachrichtenseiten, wie Pravda oder Sputnik, sie auf. Die Inhalte werden anschließend über Plattformen wie X, ehemals Twitter, geteilt, Medienhäuser und Faktenchecker in den Posts verlinkt. Die letzte Stufe ist die E-Mail-Kampagne, mit der Faktenchecker auf die Inhalte auf Telegram, X oder den kontrollierten Websites aufmerksam gemacht werden sollen."