Wenn heute der Vorstand des Bundes der Zeitungsverleger und Digitalpublisher zusammenkommt, um über
Mathias Döpfners Zukunft zu entscheiden, geht es nicht nur um eine SMS, es geht um die
Verantwortung der Medien, schreibt Nils Minkmar, der in der
SZ dann doch auf die SMS und den darin erwähnten Artikel
Julian Reichelts eingeht: "Wenn nun im Hinblick auf die Bewältigung dieser und zur Vorbeugung künftiger Krisen Lehren gezogen werden sollen, wenn nicht nur eine Institution auf die nächste, eine Partei auf die andere schuldzuweisend zeigen soll, dann gehört zur Aufarbeitung einer unnötig miesen Berichterstattung in der
Bild eine
Geisteshaltung, die Mathias Döpfner in seiner SMS ausgedrückt hat. Nicht weil sie ironisch wäre, ist sie skandalös, sondern weil sie es nicht ist."
Claudius Seidl schreibt in der
FAZ derweil ein böses Porträt über den Springer-Chef und Cheflobbyisten der Zeitungsindustrie
Mathias Döpfner. Wie provinziell Springer trotz allen Ruderns bleibt, zeigte sich für Seidl, "als Döpfner die halbe Führungsmannschaft
nach Kalifornien schickte, damit die Männer dort lernten, Kapuzenpullover zu tragen, sich Bärte wachsen zu lassen und zu erkennen, welche Wege von den Algorithmen gewiesen würden. Springer, sollte man wohl denken, werde jetzt eine Zukunftsfirma wie Apple, Google, Microsoft. Von
sagenhaften neuen Ideen und Produkten drang aber nichts nach außen; aus der Perspektive des Publikums blieb Springer immer Springer."
Die "
Cloud" ist ein saftiges Businessmodell - früher zahlte man
einmal für Adobe-CDs, jetzt bis ans Lebensende für das monatliche Abo. Bei amerikanische Medien ist das
Onlineabo-Modell heute die größte Überlebenshoffnung. Allerdings kann "Subscriber" zweierlei heißen,
warnt Joshua Benton bei
niemanlab.org: Irgendjemand, dessen E-Mail-Adresse wir haben, oder jemand, der tatsächlich für sein Abo bezahlt. Gerade Medien
flunkern hier gern. Darum Bentons Warnung an die Kollegen: "Wenn Sie nicht gerade einen Artikel schreiben, bei dem es aus dem Kontext klar hervorgeht, sollten Sie das Wort 'Abonnenten' für Personen reservieren, die einem Medienunternehmen
tatsächlich Geld zahlen. Nennen Sie die Leute, die eine kostenlose E-Mail erhalten, 'E-Mail-Abonnenten' oder 'Newsletter-Abonnenten', nicht einfach 'Abonnenten'."