9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2336 Presseschau-Absätze - Seite 73 von 234

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2021 - Medien

Neulich hatte die SZ von krassen israelfeindlichen Äußerungen arabischer Mitarbeiter der Deutschen Welle berichtet (unser Resümee). In der taz greift nun Peter Weißenburger Recherchen des Online-Magazins Vice auf, das die Vorwürfe ausweitet. Die Deutsche Welle hat seit Jahren mit dem jordanischen Sender Roya TV zusammengearbeitet, der Chef der Deutschen Welle hat dessen Chef Fares Sayegh sogar mit einem Preis für Meinungsfreiheit ausgezeichnet. Aber der Sender ist strikt antiisraelisch eingestellt: "Vice hatte enthüllt, dass Roya TV, das mit der DW unter anderem die Show 'Jaafar Talk' produzierte, Israel nicht als Staat anerkennt, sondern konsequent von der 'israelischen Besatzung' spricht. Vice berichtete außerdem von Landkarten ohne Israel und antisemitischen Karikaturen, die der Sender auf den sozialen Medien geteilt hatte. Die DW teilte Vice zunächst mit, Roya TV sei 'nicht israelfeindlich'. Diese Einschätzung nahm der Sender nun mit Bedauern zurück."

Jürg Altwegg erzählt in der FAZ, wie der fundamentalistische Katholik und Milliardär Vincent Bolloré in Frankreich ein Medienimperium ohne gleichen aufbaute, das er nun dazu nutzt, Eric Zemmour groß zu machen (unsere Resümees über Bolloré): "Den biederen Nachrichtenkanal von Canal+ hat Bolloré in CNews umbenannt und zu einem 'Fox News auf Französisch' gemacht. Er war das Schlusslicht unter den News-Sendern. Immer öfter aber erreicht CNews inzwischen die höchsten Einschaltquoten. Bolloré persönlich hatte vor zwei Jahren die tägliche Talkshow - 60 Minuten zur besten Sendezeit - für Eric Zemmour verfügt. Sie wurde zum Sprungbrett für dessen Präsidentschaftskandidatur."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2021 - Medien

Kim Maurus meldet in der FAZ, dass mehrere Mitarbeiter der Deutschen Welle, denen antisemitische Äußerungen in Sozialen Medien vorgeworfen wurden, freigestellt wurden, solange die Untersuchung laufe.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.12.2021 - Medien

Die Journalistin Nemi El-Hassan konnte wegen Likes unter antisemitischen Tweets nicht beim WDR anfangen. Moritz Baumstieger legt jetzt in der SZ eine Recherche zu den arabischen Journalisten der steuerfinanzierten Deutschen Welle vor, von denen viele sich in den sozialen Medien durch krass antisemitische Äußerungen bis hin zur Holocaustleugnung hervortaten. :"Bei der Deutschen Welle ist weit eindeutigeres Verhalten im Netz bislang nicht karriereschädlich. Ein Trainer der DW-Akademie, der in Beirut journalistische Workshops gibt, twitterte neben vielen anderen fragwürdigen Dingen 'Der Holocaust ist eine Lüge #FreedomOfSpeech'. Und auf den Tweet einer bekannten libanesischen Sängerin während einer Eskalation in Gaza, dass es kein Israel gebe, sondern nur ein 'IsraHELL', antwortet er: 'All meinen Respekt'."  Die Deutsche Welle will die Vorwürfe extern untersuchen lassen, meldet Spiegel online.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2021 - Medien

Max Czollek hatte im Spiegel-Interview behauptet, kein Journalist hätte in der Vaterjuden-Debatte das Gespräch mit ihm gesucht. Czollek lügt, schrieben daraufhin Deniz Yücel (Welt) und Jana Hensel (Zeit), die sehr wohl bei Czollek nachgefragt hatten (Unsere Resümees). Nun hat sich Czollek auf Twitter "halbherzig" entschuldigt, ärgert sich Jan Küveler in der Welt: "Als Abschluss einer Reihe von Tweets, in denen er rabulistisch erklärte, warum die einzelnen Gespräche alle nicht zählten, fügte er hinzu: 'Der Satz 'kein einziger Journalist der beteiligten Redaktionen hat nachgefragt' im Spiegel Interview ist irreführend. Ich hatte Gespräche mit Menschen, auch Journos. Mir ging es darum, dass ich keine Chance für eine Richtigstellung bekam. Bitte entschuldigt diese Ungenauigkeit.' So kann man die die Tatsachen um exakt 180 Grad verdrehende Aussage, 'kein einziger Journalist' habe sich bei ihm gemeldet, natürlich auch deuten, vor allem, wenn man in dieser Art von Gymnastik einige Übung hat."
Stichwörter: Czollek, Max, Yücel, Deniz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2021 - Medien

Mathias Döpfner bleibt wie zu erwarten auch nach der gestrigen, teils heftigen Aussprache beim Zeitungsverlegerverband dessen Chef, berichtet Aurelie von Blazekovic in der SZ. Beim Treffen wurde Döpfner wegen einer SMS, in der er Journalisten mit Blick auf die Corona-Maßnahmen der Politik als Propagandisten eines neuen DDR-Regimes beschimpfte, offenbar heftig kritisiert. Manche wünschten seinen Abgang: "Das sieht das Präsidium des Verbands nun mehrheitlich offensichtlich aber anders. Warum wirft sich da ein Verband mit solcher Wucht in den Staub? Womöglich hält man Döpfner im Präsidium des Verbands für einen unverzichtbaren Lobbyisten der Interessen der Zeitungsverlage, insbesondere im Kampf mit Google."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.11.2021 - Medien

Wenn heute der Vorstand des Bundes der Zeitungsverleger und Digitalpublisher zusammenkommt, um über Mathias Döpfners Zukunft zu entscheiden, geht es nicht nur um eine SMS, es geht um die Verantwortung der Medien, schreibt Nils Minkmar, der in der SZ dann doch auf die SMS und den darin erwähnten Artikel Julian Reichelts eingeht: "Wenn nun im Hinblick auf die Bewältigung dieser und zur Vorbeugung künftiger Krisen Lehren gezogen werden sollen, wenn nicht nur eine Institution auf die nächste, eine Partei auf die andere schuldzuweisend zeigen soll, dann gehört zur Aufarbeitung einer unnötig miesen Berichterstattung in der Bild eine Geisteshaltung, die Mathias Döpfner in seiner SMS ausgedrückt hat. Nicht weil sie ironisch wäre, ist sie skandalös, sondern weil sie es nicht ist."

Claudius Seidl schreibt in der FAZ derweil ein böses Porträt über den Springer-Chef und Cheflobbyisten der Zeitungsindustrie Mathias Döpfner. Wie provinziell Springer trotz allen Ruderns bleibt, zeigte sich für Seidl, "als Döpfner die halbe Führungsmannschaft nach Kalifornien schickte, damit die Männer dort lernten, Kapuzenpullover zu tragen, sich Bärte wachsen zu lassen und zu erkennen, welche Wege von den Algorithmen gewiesen würden. Springer, sollte man wohl denken, werde jetzt eine Zukunftsfirma wie Apple, Google, Microsoft. Von sagenhaften neuen Ideen und Produkten drang aber nichts nach außen; aus der Perspektive des Publikums blieb Springer immer Springer."

Die "Cloud" ist ein saftiges Businessmodell - früher zahlte man einmal für Adobe-CDs, jetzt bis ans Lebensende für das monatliche Abo. Bei amerikanische Medien ist das Onlineabo-Modell heute die größte Überlebenshoffnung. Allerdings kann "Subscriber" zweierlei heißen, warnt Joshua Benton bei niemanlab.org: Irgendjemand, dessen E-Mail-Adresse wir haben, oder jemand, der tatsächlich für sein Abo bezahlt. Gerade Medien flunkern hier gern. Darum Bentons Warnung an die Kollegen: "Wenn Sie nicht gerade einen Artikel schreiben, bei dem es aus dem Kontext klar hervorgeht, sollten Sie das Wort 'Abonnenten' für Personen reservieren, die einem Medienunternehmen tatsächlich Geld zahlen. Nennen Sie die Leute, die eine kostenlose E-Mail erhalten, 'E-Mail-Abonnenten' oder 'Newsletter-Abonnenten', nicht einfach 'Abonnenten'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2021 - Medien

Der Journalist Tanjev Schultz hat zehn Jahre nach den NSU-Morden ein Buch zum Thema veröffentlicht. Es lässt ihn nicht lost, sagt er im Gespräch mit Benedikt Schülter in der Weltfalenpost. Auch die Medien kritisiert er in seinem Buch scharf: "Die Medien haben in dem Zeitraum, als der NSU die Morde beging, unkritisch die Position der Polizei übernommen und deren Verlautbarungen geglaubt und publiziert. Damals war auch von dem Unwort 'Dönermorde' die Rede. Nicht nur in den Boulevardmedien, sondern auch in Qualitätsmedien wie der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tauchte der Begriff auf. Die Medien haben es damals versäumt, auch die Perspektive der Opferfamilien einzunehmen."
Stichwörter: NSU, Süddeutsche Zeitung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2021 - Medien

Die Versäulung des Internets schreitet munter voran. Google meldet in einem Blogbeitrag, dass es jetzt "Verträge mit deutschen Verlagen auf Basis des neuen Leistungsschutzrechts" geschlossen hat. Dazu gehören Häuser wie der Spiegel und die Zeit, FAZ und SZ und Springer-Medien werden noch nicht genannt. "Die Zahlungen an Verlage im Rahmen unserer Vereinbarungen richten sich nach anerkannten urheberrechtlichen Grundsätzen und erfolgen nach einheitlichen Kriterien. Die geschlossenen Verträge basieren auf wesentlichen Aspekten des neuen Leistungsschutzrechtes: Zum einen, dass sehr kurze Auszüge von Verlagsinhalten nicht unter das neue Leistungsschutzrecht fallen (sogenannte 'Snippet-Ausnahme'). Zum anderen, dass Presseverlage neue Rechte für solche online verwendeten Auszüge von Artikeln erhalten, die über sehr kurze Auszüge hinausgehen. Obwohl das Gesetz den Umfang geschützter Inhalte nicht genau definiert, haben wir uns entschieden, Lizenzverträge für 'Erweiterte Vorschauen von Nachrichten' abzuschließen." Wenn sich die Zahlungen "nach anerkannten urheberrechtlichen Grundsätzen" werden sie ja sicherlich demnächst auch beziffert.

In der SZ berichtet Frank Nienhuysen, wie die belarussischen Staatsmedien an der Grenze Propaganda gegen die EU machen: ""Was wir hier sehen, ist Teil eines hybriden Krieges', sagt Alina Koushyk der SZ am Telefon. 'Jeden Tag wird im belarussischen Staatsfernsehen Polen als schlechtes Land dargestellt, werden Bilder von Kindern mit traurigen Augen gezeigt.' Alina Koushyk ist eine belarussische Fernsehjournalistin, die in Warschau für den Exilsender Belsat arbeitet. Sie erzählt von einem Bericht im belarussischen Staatsfernsehen, das einen etwa zehn bis zwölf Jahre alten weinenden Jungen zeigt und der schreit, er wolle nach Polen. Auf einem Video im Messengerdienst Telegram aber sei zu sehen gewesen, wie dessen Eltern mit Zigarettenrauch ganz nah an das Kind herangegangen seien, um das Weinen zu verstärken. Für andere Bilder hätten Kinder auf Anweisung ihre Schuhe ausgezogen, um den Eindruck der Hilfsbedürftigkeit zu vergrößern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.11.2021 - Medien

Zwei charakteristische Figuren der deutschen Medien spielen heute in der Zeit eine große Rolle, eine - Holger Friedrich - quicklebendig, eine - Frank Schirrmacher - tot.

Hannah Knuth hat für den Wirtschaftsteil der Zeit mit einigen der verbliebenen RedakteurInnen der Berliner Zeitung gesprochen und interne Papiere gelesen. Der Berliner Oligarch Holger Friedrich führe ein "Regime der Angst", schreibt der Betriebsrat in einer Mail. "Mehrere Redakteurinnen und Redakteure der Tageszeitung sollen zuletzt überraschend aufgefordert worden sein, das Haus zu verlassen. Man wolle das Arbeitsverhältnis nicht fortführen, soll es vonseiten der Geschäftsführung geheißen haben. Als Gründe sollen die finanzielle Lage oder die Kompatibilität zwischen Mitarbeitern und Verlag genannt worden sein. Es soll Fälle geben, in denen es für Mitarbeiter, die gern geblieben wären, nicht einmal eine Abfindung gegeben habe. Einige sollen nach den Gesprächen zudem plötzlich aufgefordert worden sein, ihre Arbeit zu protokollieren. Auf Anfrage wollte sich der Verlag dazu nicht äußern." Friedrich soll im übrigen ab und an mit anonymen Texten zum Inhalt seiner Zeitung beitragen, etwa mit dem Artikel "Danke für nichts" zum Abschied der Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Im Mediendienst turi2 gibt es schon eine Reaktion der Berliner Zeitung auf diesen Artikel: "Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der Wochenend-Ausgabe der Hauptstadt-Zeitung, wirft der Zeit gegenüber turi2 fehlende journalistische Sorgfalt vor. Er nennt die Berichterstattung 'tendenziös', 'einseitig' und 'unfair'."

Der prominente Zeit-Reporter Stephan Lebert fragt in einem traurigen Artikel, warum der einst so dominierende Zampano Frank Schirrmacher heute quasi vergessen scheint: "Ich könnte es mir leicht machen und die Verantwortung für das Vergessen Schirrmachers seiner Zeitung, der FAZ, zuschreiben. Man kann es vorsichtig formulieren: Die FAZ hat es sich nicht zur Aufgabe gemacht, sein Lebenswerk zu ehren oder für eigene Zwecke zu nutzen. Man kann es auch härter ausdrücken: Viele Leute in der Redaktion, die Schirrmacher nahestanden, seine Jüngerinnen und Jünger, wurden über die Jahre vertrieben oder kaltgestellt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.11.2021 - Medien

Es gibt zwar schon einen gigantischen journalistischen Apparat, der nicht profitorientiert ist - die öffentlich-rechtlichen Sender - aber Daniel Schraven von correctiv.org  erklärt in der taz, warum er eine dritte Säule für Journalismus will, gemeinnützigen Journalismus, der über Stiftungen finanziert werden könnte. Sein Beispiel für Geschichten, die fast unterdrückt worden wären, ist ausgerechnet der Skandal um Julian Reichelt, der "ein Schlaglicht auf die Zustände in Deutschland" werfe. Im lokalen Raum würden Geschichten von wirtschaftlichen Interessengruppen aber noch leichter verhindert, "je weniger Medienschaffende es vor Ort gibt, die publizieren können. Die Vielfalt des Angebots ist entscheidend für die Demokratie. Gemeinnützige Angebote können dabei helfen, Lücken zu schließen - wenn gemeinnütziger Journalismus von der Ampelkoalition endlich ermöglicht wird."