Schlicht zum Kotzen zumute ist Hannes Stein in der
Welt nach der Lektüre des 884 Seiten umfassenden Berichts über den
Missbrauch an tausend Kindern durch
300 Priester in Pennsylvania, von denen Stein den Fall des Priesters George Zirwas herausgreift, dessen Taten der Diözese
seit 1987 bekannt waren, der aber dennoch bis 1994 im Amt blieb: Zirwas lud einen 14-jährigen Jungen namens George gemeinsam mit anderen Priestern in eine Pfarrwohnung ein: "Sie befahlen George, sich auf ein Bett zu stellen, sein Hemd auszuziehen und die
Pose von Jesus am Kreuz einzunehmen. Dann sagten sie dem Jungen, er solle seine Hose und Unterhose ausziehen. Dann machten sie mit einer Polaroidkamera Fotos von ihm - und legten sie auf einen Stapel mit Nacktfotos, die sie von anderen minderjährigen Jungen gemacht hatten. Dabei kicherten sie. Es handelte sich bei diesen kichernden Priestern um eine
Bande von Pädophilen, die sich ihre Opfer sorgfältig heranzogen. Sie vergewaltigten, sie schlugen, sie höhnten, sie waren grausam. Und sie hatten sich etwas Besonderes ausgedacht: Um den anderen Mitgliedern der Bande zu signalisieren, dass ein Junge
als Opfer zur Verfügung stand, schenkten sie ihm ein großes,
goldenes Kreuz, das er sich um den Hals hängte. Auch George trug ein solches Kreuz."
Papst Franziskus hat zwar bereits Reue bekannt und um Vergebung gebeten,
schreibt Friedhard Teuffel im
Tagesspiegel - nun müssen Taten folgen, "indem er Akten zugänglich macht, die zur Aufklärung beitragen, die eigenen
Untersuchungskommissionen personell aufrüstet und all jene suspendiert, die sich schuldig gemacht haben. Gerade weil es, wie er selbst geschrieben hat, nicht nur um die Täter geht, sondern auch um die Vertuscher. Er muss selbst mit dem Nachdruck handeln, den er von seiner ganzen Kirche einfordert." Und das
Zölibat überdenken, meint Teuffel.