Stephan Russ-Mohl
kritisiert in der
NZZ die Medien, die die These, das
Coronavirus sei in einem chinesischen Forschungslabor entstanden, immer wieder als
Verschwörungstheorie abgetan hatten, statt sich mit den Fakten, die dafür bzw. dagegen sprechen, auseinanderzusetzen: "Wäre das Virus tatsächlich aus einem Labor entwichen, wäre das im Übrigen ein starker Beleg für
unverantwortbare Forschungsaktivitäten. Dass dies zumindest möglich ist und dass vergleichbare Forschungsarbeiten wohl
auch anderswo hinter verschlossenen Türen stattfinden, sind die eigentlichen beunruhigenden 'News'. Denn die Türen sind eben womöglich doch nicht 100-prozentig verschließbar. Diese Nachricht ist freilich weder ganz neu noch wirklich nachgewiesen, sondern 'nur' plausibel."
Im
Guardian wünschte sich Stephen Buranyi, es gäbe die Möglichkeit herauszufinden, wie das Virus in die Welt kam. "Zwar wurde gesagt, das sei epidemiologisch gesehen nicht wirklich wichtig. Labor oder nicht, die Pandemie hat stattgefunden und dauert noch an. Aber ihren Ursprung zu finden, wäre von enormer Tragweite. Ein natürlicher Ursprung würde jede einzelne Person freisprechen, aber weiter bestätigen, dass unsere
die Natur umgebende Welt eine pandemische Krankheit in einer noch nie dagewesenen Rate ausbrütet. Ein Laborleck würde die
Arbeit der wissenschaftlichen Forschung für ein ganzes Leben beflecken und einigen der schlimmsten Leute im Kulturkampf - teilweise - Recht geben. Ich denke, ich würde den ersten Fall bevorzugen, aber noch mehr als das, würde ich gerne
die Wahrheit wissen."
Ebenfalls im
Guardian warnt Thomas Frank: "Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Laborleck-Hypothese die richtige Erklärung ist - dass das gemeine Volk der Welt in ein
reales Laborexperiment gezwungen wurde, und zwar zu enormen Kosten -, dann ist ein
moralisches Erdbeben im Anmarsch. Denn wenn die Hypothese richtig ist, wird den Menschen bald dämmern, dass unser Fehler nicht unzureichende Ehrfurcht vor Wissenschaftlern war, oder unzureichender Respekt vor Fachwissen, oder nicht genug Zensur auf Facebook. Es war ein Versagen, über all das kritisch nachzudenken und zu verstehen, dass es so etwas wie
absolute Expertise nicht gibt. Denken Sie an all die Katastrophen der letzten Jahre: wirtschaftlicher Neoliberalismus, zerstörerische Handelspolitik, der Irak-Krieg, die Immobilienblase, Banken, die 'zu groß sind, um zu scheitern', hypothekarisch gesicherte Wertpapiere, die Hillary-Clinton-Kampagne von 2016 - all diese Katastrophen wurden verursacht durch die
totale,
selbstsichere Einstimmigkeit hochgebildeter Menschen, die angeblich wissen, was sie tun, plus die
totale Selbstgefälligkeit der hochgebildeten Menschen, die sie angeblich beaufsichtigen."