Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.09.2012. Die Welt erzählt, wie Glenn Gould und Elisabeth Schwarzkopf einmal nicht zusammen musizierten. Dafür spielt Lang Lang auf dem Klavier von Gould Bach, und zwar recht schnell. Zu Goulds Achtzigstem. In der FR spricht sich Götz Aly für eine Velegung der Stasiakten ins Bundesarchiv aus. Die NZZ liest eine Studie, die herausgefunden hat, dass Deutschland von Fukushima doppelt so heftig betroffen war wie Großbritannien. Und in der SZ erklärt der ehemalige Verfassungsrichter Dieter Grimm zornigen jungen Männern, was es mit dem öffentlichen Frieden auf sich hat.
24.09.2012. Im Tagesspiegel findet Günter Wallraff den Ausweg aus dem Kampf der Kulturen: Überschwemmt die Zeitungen mit Karikaturen. Die FAZ feiert einen ZDF-Film über die Entführung Jakob von Metzlers. In der Welt hält Ian Wardropper von der Frick Collection die Stadt Berlin für fähig, die Gemäldegalerie zu verlegen. Neil McGregor vom British Museum glaubt das in der FAZ auch. taz und FR staunen über den chinesischen Begriff der Menschenrechte. Bei den angeblich spontanen Protesten gegen ein dummes Video geht es nur um eins, meint Salman Rushdie im CNN-Interview: Macht.
22.09.2012. In der Welt erinnert Wolfgang Kraushaar an den Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim in München 1970 und hofft, dass das Schweigen der Täter und Mitwisser demnächst gebrochen werden kann. Die taz hat gelesen und befunden, dass die deutsche Literatur sehr wohl auf der Höhe der Zeit sei. NZZ und FAZ erinnern an den Skandal der Fatwa gegen Salman Rushdie. Die SZ bringt Jürgen Habermas' Rede zum Juristentag, in der er einen Zusammenschluss Europas gegen die Finanzmärkte empfiehlt.
21.09.2012. Die FR feiert zwei Ausstellungen: Ron B. Kitaj in Berlin und Narren, Künstler, Heilige in Bonn. In der Welt wundert sich Henryk Broder: Ein neuer Faschismus erhebt sein Haupt, und der Rest der Welt steckt den Kopf in den Sand. Das war schon vor zwanzig Jahren nicht anders, meint Kenan Malik in seinem Blog. Für Tim Wu geht's mit Apple bergab. Michael Wolffsohn bedankt sich im Tagesspiegel für die Beschneidungsdebatte. Zwei deutsche Alpha-Journalisten fetzen sich auf Twitter über #LSR. Und dräuend dröhnt es aus der FAZ, denn Drohnen drohen.
20.09.2012. Völlig fassungslos steht die Welt vor dem neuen Anbau des Stedelijk Museums in Amsterdam. In der FR fordert Tariq Ramadan einen verantwortungsvollen Umgang mit der Meinungsfreiheit. In der Zeit sieht Salman Rushdie das Problem ganz woanders: "Wir leben in einer Gesellschaft, deren Plage die Rückkehr der Religionen ist." Das Blog critic.de fragt: Darf ein Filmemacher wie Til Schweiger, der Millionen aus der Filmförderung erhält, seine Filme an der Presse vorbeischmuggeln?
19.09.2012. In der FAZ sprechen Timothy Snyder und Ian Kershaw über die "Bloodlands". Im Buchreport denkt der Literaturwissenschaftler Stephan Porombka über die Zukunft des Buchs, in Carta denkt Wolfgang Michal über die Vergangenheit des Urheberrechts nach. In der Welt fürchtet Necla Kelek, dass die Salafisten in arabischen Ländern weiter Terrain gewinnen. Die Debatte über ein Aufführungsverbot für das Video "Die Unschuld der Muslime" geht weiter. Und der Grünen-Politiker Omid Nouripour fragt in der FR, warum sich die arabischen Zivilgesellschaften nicht wehren. Außerdem liest Tilda Swinton "Moby Dick".
18.09.2012. Nach Angela Merkels Plädoyer gegen eine Aufführung des Videos "Die Unschuld der Muslime" wird in deutschen Medien über Meinungsfreiheit diskutiert. Die FAZ fordert mehr Rücksichtnahme auf den Islam und lobt die traditionellen Medien für ihre Flexibilität. Die Welt ist gegen ein Aufführungsverbot. Auch Ayaan Hirsi Ali fordert, dass der Westen zu seinen Werten steht. Die SZ beharrt darauf: Der Protest gegen die Beleidung des Propheten hat rein soziale Ursachen!
17.09.2012. In der NZZ erklärt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf, warum Blasphemie-Gesetze keinen Sinn haben. Wer sagt, dass man den Muslimen keinen Spott über ihre Religion zumuten darf, ist ein subtiler Rassist, meint Henryk Broder in der Welt. Während dessen meldet der Telegraph, dass eine iranische Stiftung die Morddrohung gegen Salman Rushdie erneuert. Viele Blogs setzen sich heute mit der Zukunft des Journalismus auseinander.
15.09.2012. In der NZZ hilft Georg Klein, der kleinen Zeit zu entkommen. Die SZ singt eine Ode an das Urheberrecht, die einzige Möglichkeit, superreich zu werden und cool zu bleiben. Die taz lernt: Der Weg zur wahren Kunst-Hipness führt über das Kottbusser Tor. Die FR dokumentiert Judith Butlers Adornopreis-Rede. Und die FAZ fragt, ob Kafka heute ein twitternder Nerd wäre.
14.09.2012. Deutsche Theater treten laut SZ aufs Bremspedal. Schuld sind unsere hektische Lebensweise sowie der Kapitalismus. Auch die FAZ fühlt sich schon mal den Puls - mit dem Smartphone. Der interkulturelle Dialog zwischen extremistischen Christen und entfesselten Muslimen löst in der deutschen Journalistenschaft unterdes Debatten über die Schuldfrage aus. All diese grandiosen Leistungen wären selbstverständlich ein Leistungsschutzrecht wert, das von den Piraten aber bekämpft wird.