Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Tolldreister Lobbyismus

05.03.2012. Blogger sind entsetzt über den gestrigen Beschluss des Koalitionsausschusses, das Leistungsschutzrecht nun doch einzuführen. In der Welt erinnert Henryk Broder an Kontinuitäten des linken Antisemitismus. Die FAZ berichtet über die Zusammenarbeit von Beate Klarsfeld und der Stasi. Die NZZ feiert die präcastrische Architektur auf Kuba. In der FAZ erklärt Javier Marias, warum er für das Vergessen ist.

Oh, gib mir zu trinken vom Eisenbahnwasser

03.03.2012. Die NZZ verteidigt den Liberalismus gegen all jene, die Freiheit als Pathosbegriff schätzen, im Alltag aber lästig finden. Die SZ erkennt bei den Attacken auf Christian Kracht und Gerhard Gnauck auf zwielichtigen Gesinnungsjournalismus. Die taz hat Hinweise erhalten, dass Gauck vielleicht doch kein "reaktionärer Stinkstiefel" ist, sondern der Emanzipation der Bürger dienlich. In der Welt annonciert Reinhard Mohr die Rückkehr der Salonlinken. Der Tagesspiegel versinkt in den meeresgleichen Klangwellen Luigi Nonos. Die FAZ rühmt die Makellosigkeit der Filmkünstlerin Maya Deren.

Sei heiter und unängstlich

02.03.2012. In der NZZ enthüllt Felix Philipp Ingold Putins potemkinsche Dörfer und Mieczyslaw Weinberg legt einen sanften Schleier drüber.  In der Welt erklärt die Journalistin May Chidiac syrische Machttechniken im Libanon. Die taz deklamiert die Devisen der neuesten Pariser Mode. In der SZ berichtet Navid Kermani beeindruckt von einem Literaturfestival in Karatschi. Der FAZ graut vor Twitter.

Permanente Annahme von Material

01.03.2012. In der taz freut sich der ARD-Zuständige für den Eurovision Song Contest: Der Tingeltangel wird helfen über die Menschenrechtslage in Aserbaidschan zu berichten. Laut Freitag hängt die ägyptische Kunstszene am Tropf westlicher Förderer und muss deren Moden folgen. Im Tagesspiegel problematisiert der ehemalige Bürgerrechtler Lutz Rathenow die Zusammenarbeit Beate Klarsfelds mit der Stasi. In der Zeit stellt der marxistische Autor Terry Eagleton richtig:die Eiserne Lady war snobistisch, affektiert und ekelhaft herablassend.

Pralinenschachtel aus Titan und Juwelen

29.02.2012. In der FR erzählt Götz Aly, was nach  Beate Klarsfelds Kiesinger-Ohrfeige geschah. In der taz erklärt Ilija Trojanow, warum ihm vor der wachsenden Überwachungsindustrie graut. In der SZ sieht Gustav Seibt Joachim Gauck sehr wohl als Bürgerrechtler. In der NZZ erklärt Bahman Nirumand, warum die Wahlen im Iran mehr denn je eine Farce sind. Im Blog der NYRB erklärt Human Rights Watch, warum Frauenrechte in den arabischen Ländern erstmal zurückstehen müssen. Und Malise Ruthven pilgert ins British Museum.

Rechtfertigung des Wegschauens

28.02.2012. Laut Martin Walser im European bleibt uns schon aus ästhetischen Gründen nichts übrig als an Gott zu glauben. Das Niemanlab feiert den "noblen Hyperlink" und ermuntert Journalisten, ihn auch zu setzen. Hamed Abdel-Samad bleibt im Publik Forum trotz allem optimistisch in bezug auf die weiteren Aussichten des arabischen Frühlings. Die taz dankt Mahmud Achmadinedschad, der deutsche Journalisten professionelles Risikomanagment lehrte, Hans-Christoph Buch in der FR nicht. In Irights.info erklärt die Juristin Andrea Lohse, warum Zeitungsverleger keine Chance mit ihren Protesten gegen die Snippets von Google News haben.

Eigenständige Kopfmodernisierung

27.02.2012. Retromanie in Hollywood: Die Oscars gehen an eine französische Hommage an den amerikanischen Stummfilm, an eine amerikanische Hommage an Lumière und Mélies und an die eiserne Lady.  Die Welt erklärt, was Westalgie ist. Die FAZ lässt sich vom Vegetarismus nicht überzeugen. In der taz porträtiert Gabriele Goettle den Soziologen Wilhelm Heitmeyer. Die NZZ spürt dem Unbehagen am Copyright nach.

Erhöhte Plastizität aller Dinge

25.02.2012. Irights.info informiert, dass die Zeitungsverleger jetzt doch keinen gerechten Anteil von Google mehr wollen. In der Welt erzählt William Boyd, wie ihm in seinem Wien die Idee zu einem Roman kam. In der NZZ verteidigt der Städtebauhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani die europäische Altstadt. Die SZ macht Lebenszeichen in der russischen Satire-Szene aus. Die FAZ begleitet Wim Wenders auf Oscar-Wahlkampftour in Hollywood.

Schnee weht durch zerschossene Fenster

24.02.2012. Spiegel Online bringt die letzte Reportage der in Syrien getöten britischen Reporterin Marie Colvin. In der NZZ erklärt der serbische Autor Dragan Velikic, warum manche Kräfte in seinem Land gar nicht an einem EU-Eintritt Serbiens interessiert sind. In der Welt erzählt der Schriftsteller Michal Hvorecky von den größten Demonstrationen in der Slowakei seit 1989. Gestern vor siebzig Jahren starb Stefan Zweig - und damit werden die Rechte an seinem Werk frei. Die Israelische Nationabibliothek macht den Anfang und publiziert seinen Abschiedsbrief.

Und fette Drums

23.02.2012. Die taz ordnet das Cinema of Transgression avantgardehistorisch ein. In der FR erklärt die Pasionaria der Londoner Riots, Speech Debelle, welche Musik sie wirklich gerne hört. Die Welt erklärt, warum Anna Netrebko und Valery Gergiev und andere Künstler für Putin sind. Die SZ fordert den EUGh auf, Acta abzuservieren. Die Zeit macht zwei Seiten Kracht.