In der FRberichtet Stefan Scholl, wie russische Regisseure versuchen, trotz Repression kritisches Theater zu machen: "Auch staatlich gefeierte 'Volkskünstler der Russischen Föderation' wie Konstantin Raikin oder Jewgenij Mironow winden sich jetzt bei Interviewfragen, warum sie noch kein Stück über die Spezialoperationskrieger inszeniert haben. Noch entziehen sie sich. 'Viele künstlerische Leiter heucheln verbal Ergebenheit', sagt eine Theaterjournalistin, die selbst nach Australien emigrieren möchte. 'Aber sie demütigen sich nur, um die schöpferischen Freiräume ihrer Truppen zu retten.'"
Szene aus "Nachspiel": Foto: Anna Sorgalla Nachdem Kay Voges vergangenes Jahr die AfD-Recherche von Correctiv auf die Bühne des Berliner Ensembles brachte (unsere Resümees) inszenierte er nun, als neuer Intendant des Kölner Schauspielhauses, ein "Nachspiel" zur Recherche ebenda. Aber boten die anderthalb Stunden, in denen Schauspieler Andreas Beck die medialen und juristischen Reaktionen resümierte, auch etwas Neues, fragt Alexander Menden in der SZ und antwortet: definitiv. "Die saftigste Passage ist ... der Nachvollzug eines internen Streits zwischen dem rechtsnationalen Publizisten Götz Kubitschek, dem AfD-Abgeordneten Maximilian Krah und dessen ehemaligen Social-Media-Berater Erik Ahrens. Dieser eskalierte im Laufe dieses Jahres, Ahrens wendete sich von seinen ehemaligen Mitstreitern komplett ab. Nun, und das ist die Pointe der Veranstaltung, hat Ahrens eine eidesstattliche, notariell beurkundete Versicherung unterzeichnet, in der er als Teilnehmer des Potsdam-Treffens erklärt, dass das von Sellner vorgestellte 'Remigrations'-Konzept auf 'ethnische Säuberungen bzw. Vertreibungen' auch von deutschen Staatsbürgern hinauslaufe - 'freiwillig oder unfreiwillig'. Ein interessantes und erhellendes neues Detail eines, detailreichen und komplexen, weitgehend verständlich aufgearbeiteten Sachverhaltes."
Davon wusste man schon seit August, winkt indes Jakob Hayner in der Welt ab, den das Stück nicht nur als "Werbeblock für ein AfD-Verbot" nervt: "Mit müder Stimme und im Gestus des Naiven erzählt Beck, dass er 'scheißewütend' gewesen sei, als sowohl bei Übermedien als auch in der Zeit kritisch über die Correctiv-Recherche berichtet wurde. Das klingt vor allem enttäuscht, dass aus dem eigenen Lager nicht nur Applaus kam. ... Selbst das Prinzip Zweifel, von dem man annehmen könnte, es wäre die Voraussetzung aller kritischen Geisteshaltung, wird dann folgerichtig als rechte Strategie bezeichnet." "Eine neue Dimension von politischem Theater", erlebte hingegen Dorothea Marcus in der taz.
Weitere Artikel: Im NZZ-Gespräch mit Ueli Bernays zum Einstand ihrer Intendanz am Zürcher Schauspielhaus sprechen Pinar Karabulut und Rafael Sanchez über die Vorteile einer Doppelintendanz, Intendanten, die zugleich inszenieren und die geplante Rückkehr zum klassischen Theater. Sanchez sagt: "Provokation - das war in den neunziger Jahren. Jetzt haben wir 2025, wir sind gesättigt mit Provokation. Provokation ist langweilig."
Besprochen werden außerdem Simon Solbergs Inszenierung "Die Odysee" nach Homer am Theater Bonn (nachtkritik) und Falk Richters Inszenierung "Pride" am Staatstheater Hannover (nachtkritk).
In einem lesenswerten Welt-Artikel legt Manuel Brug dar, wie sich die Golfstaaten mit kräftigen Finanzspritzen in die westliche Klassikwelt einkaufen. Allen voran Saudi-Arabien, das die New Yorker Met mit 100 bis 200 Millionen Dollar unterstützen wird, die dafür drei Stücke nach Riad sendet. Und natürlich Katar, das die Osterfestspiele Salzburg künftig massiv sponsern wird: "Die kulturelle Vernetzung dient dem Whitewashing des kleinen Emirats, das gleichzeitig Weltfrieden stiften möchte, aber das Politbüro der Hamas luxuriös in Doha leben lässt und alle Brandherde im Nahen Osten finanziell massiv befeuert. Dazu gehört auch das vorwiegend mit sehr gut bezahlten europäischen Musikern bestückte Qatar Philharmonic Orchestra, 2007 gegründet von einem ehemaligen Manager des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Es konnte sich bis heute nicht so recht einen internationalen Namen erspielen. Für Osterfestspiel-Intendant Nikolaus Bachler kein Problem: Er erlebte bei seinen Besuchen 'Freude und Offenheit' in dem Golfstaat, unser kritisches Bild sei 'veraltet'.
Weitere Artikel: Derya Türkmen begleitet für die taz die Proben zu dem von Mizgin Bilmen am Stadttheater Diyarbakir mit kurdischen Frauen inszenierten Theaterstück "Jîn - Jinên Azad" (mehr hier). Bei Backstage Classicalzieht Guido Krawinkel eine gemischte Zwischenbilanz der Ruhrtriennale. In der Herbst-Kulturbeilage der Zeit porträtiert Christine Lemke-Matwey den Tenor Jonas Kaufmann. Peter Kümmel blickt auf die kommende Theatersaison. Eva Menasse bekennt ihre Faszination für Johann Strauß. Besprochen wird Jens Harzers Debüt mit Oscar Wildes "De profundis" am Berliner Ensemble (Zeit).
Marco Goecke ist wieder da - als Ballettdirektor in Basel und Feuilleton-Aufmacher in der SZ. Die Hundekotattacke gegen die Kritikerin Wiebke Hüster ist zwar schon auch Thema im Gespräch, das Dorion Weickmann mit dem "Ausnahmetalent" führt; Hüsters Name freilich wird im Text nicht einmal erwähnt (siehe auch hier). Stattdessen darf Goecke darlegen, wie ihm die Angelegenheit beim Selbstmarketing geholfen hat: "Die Presse hat Schlagzeile nach Schlagzeile rausgehauen und Klicks ohnegleichen kassiert - gutes Geschäft. Ich bin bekannter als je zuvor. Meine Mutter rief neulich an und erzählte von einem Vorabend-Quiz, wo die Frage lautete: 'Wie hat der Choreograf Marco Goecke eine Kritikerin attackiert - mit einer Ohrfeige, Rotwein oder …' Alle Kandidaten wussten Bescheid. Das hat sich eingebrannt."
Außerdem: Judith von Sternburg unterhält sich in der FR mit dem Autor Ferdinand Schmalz, dessen Stück "Sanatorium zur Gänsehaut" am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt wird. Janis El-Bira macht sich auf nachtkritik Gedanken zur derzeit in der Theaterszene allgegenwärtigen Spardebatte. Tom Mustroph telefoniert im Tagesspiegel mit dem Regisseur Thomas Ostermeier, es geht um dessen Inszenierung der Ibsen'schen "Wildente" an der Schaubühne Berlin.
Besprochen werden Max Emanuel Cenčićs Inszenierung der Francesco-Cavalli-Oper "Pompeo Magno" beim Festival Bayreuth Baroque (van, "Man taucht ein in ein zeitloses Welttheater und wird Teil davon.", siehe auch hier), Keir McAllisters von Jochen Nötzelmann-Stahl inszeniertes Zwei-Personen-Stück "Das ist keine Bank" im Kulturhaus Frankfurt (FR, "arg hüftsteif") und Antú Romero Nunes' "Hamlet" am Theater Basel (FAZ, "ein kluger Abend, dessen Bedächtigkeit aus jeder Szene spricht und sich damit doch selbst oft im Weg steht", siehe auch hier).
Weiteres: Kathrin Ullmann unterhält sich für die taz mit Klaus Schumacher, Leiter des Hamburger Jungen Schauspielhauses. Besprochen werden Stephanie Mohrs Inszenierung von Daniel Kehlmanns neuem Stück "Ostern" im Theater in der Josefstadt und Stefan Bachmanns Inszenierung von Ferdinand Schmalz' Stück "Bumm Tschak" am Burgtheater Wien (FAZ), Nicolai Sykoschs Inszenierung von "Mephisto" nach Klaus Mann am Staatsschauspiel Dresden (taz), das Theaterprojekt "Der Bus ist abgefahren" (eine "theatrale Busfahrt") in Chemnitz (taz).
"De Profundis." Bild: Jörg Brüggemann. Jens Harzer gibt am Berliner Ensemble mit Oscar Wildes "De profundis" sein Debüt - und die Kritiker sind hingerissen. Wilde hatte den langen, im Gefängnis verfassten Brief an seinen Liebhaber gerichtet und als künstlerisches Bekenntnis mit einem Bibelzitat betitelt. Für Simon Strauss in der FAZ richtet Harzer in seiner Rolle "die Pistole gegen sich selbst, den von der Gemeinschaft Ausgestoßenen, Verworfenen, gegen denjenigen, der einmal ein Großer war und nun ganz klein gemacht worden ist. 'Ich bin für die Ausnahme geschaffen - nicht für die Regel', ruft er sich ins Gedächtnis und zerbricht doch an dieser Maxime. Die Stille der Zelle, die Einsamkeit, die Scham - jetzt überwältigt sie ihn. Jetzt beißt er sich den Unterarm blutig, jetzt reißt er das verschwitzte Hemd auf: Kein Clown mit zerbrochenem Herzen, sondern ein Künstler mit zerschlagener Seele kauert da, dem man die Bücher und die Feste genommen hat. Dem nur noch das Leben bleibt, ohne all die guten und schlechten Geister, die ihn zum Schreiben verführt haben."
Nachtkritiker Janis El-Bira sieht im Spiel des Ifflandring-Trägers einen "süchtig machenden Vorgang, wie dieser Schauspieler sich und uns Texte transparent zu machen versteht. Wie er momentweise fast aus dem Tritt zu kommen scheint, sich tatsächlich aber genau neben einen Satz stellt, um dessen rätselhafte Zeichen noch beim Sprechen verdutzt anzuschauen. Wort um Wort, als ginge ihm all das just eben zum ersten Mal durch den Kopf, während die Hände jene schönen Bewegungen unsicherer Redner vollführen, die ihre selbstgebauten Wortschlaufen in der Luft mitzeichnen. Das Premierenpublikum wird Harzer dafür am Ende fest und lautstark ins Herz schließen."
Peter Laudenbach macht in der SZ auf den Gefühlsreichtum von Wilde aufmerksam, den Harzer auf der Bühne verkörpert: "Harzer zeigt, wie Wilde die Verzweiflung auskostet, in den Schmerz stürzt, sich daraus befreit und an seiner Liebe festhalten will, weil sie sein letzter Halt ist. Die kostbare Sprachbehandlung, die fein nuancierten oder abrupt kippenden Gefühlszustände, der Rückzug nach innen, die Sehnsucht, die Explosion der Bitterkeit und das somnambule Wegträumen, das sind hier nicht so sehr Virtuositätsdemonstrationen, sondern lauter Anläufe, Wilde von innen heraus zu verstehen und zum Leuchten zu bringen." Auch der Tagesspiegelist hingerissen.
Weiteres: Die Schauspielerin Julischka Eichel fordert weniger Sparzwang und mehr Lust an der Verschwendung (Nachtkritik). "Bumm Tschak oder Der letzte Henker" von Ferdinand Schmalz am Wiener Burgtheater, Regie führt Stefan Bachmann (Welt), Wolfgang Menardis Inszenierung "Opening Night" nach John Cassavetes am Staatstheater Mainz (FR), Sharon Eyals "Corps de Walk" am Hessischen Staatsballett Wiesbaden (FR) und Klaus Manns "Mephisto", inszeniert von Nicolai Sykosch am Staatsschauspiel Dresden (Nachtkritik).
Claudius und Gertrude - hier in Gestalt von Fabian Dämmich und Thomas Niehaus - in Antú Romero Nunes' "Hamlet"-Inszenierung. Foto: Ingo Höhn
Am Theater Basel hat Antú Romero Nunes Shakespeares "Hamlet" inszeniert und dafür eine Neuübersetzung von Lucien Haug benutzt. Nachtkritikerin Reingart Sauppe ist begeistert: "Die Sprache, die der Schweizer Autor Lucien Haug für seine Hamlet Übertragung gefunden hat, ist eine umwerfende Mischung aus strengem Versmaß, wörtlichen Übersetzungen und alltagssprachlichen Pointen unserer Zeit. Flott und lässig, ohne platt zu werden, trägt der unterhaltsame und immer wieder verblüffend treffsichere Text maßgeblich dazu bei, dass dieser mehr als dreistündige Abend nie langweilig wird. Neben dem großartigen Schauspielensemble ist Lucien Haug der eigentliche Star dieses Baseler Hamlets. ... Und so vom Klassikersockel geholt, schickt der Regisseur den Hof von Helsingör in ein temporeiches, atemberaubendes Verwirrspiel, das auch vom Publikum einiges abverlangt. Nicht nur weil Rollen doppelt besetzt werden, sondern weil die maximale Verunsicherung das eigentliche Ziel dieser Inszenierung ist." Was vor allem deshalb so gut gelingt, weil die Rollen auch noch mal männlich, mal weiblich besetzt sind.
Talent zum Mörder? Nils Arztmann als anarchistischer Intellektueller, dem vor seiner bourgeoisen Herkunft graut, und Ehefrau (Johanna Mahaffy) in Sartres "Die schmutzigen Hände" an der Josefstadt Wien. Foto: Astrid Knie
Dass David Bösch im Wiener Theater in der Josefstadt Sartres "Die schmutzigen Hände" als mit viel Musik unterlegtes "Männlichkeitsdrama" inszeniert, findet Margarete Affenzeller im Standard recht stimmig: "Bösch beschäftigt in seiner Inszenierung weniger die Frage nach der moralischen Komponente eines politischen Mordes als die innere Zerrissenheit des jungen Mannes, der anno 1943 vor seinem eigenen Leben in den Untergrund flieht, um Sinn für sich zu finden. Auf der Bühne wird er dabei - zumal in Moana Stembergers Hipster-Aufmachung mit gelb-grünem Strickpulli - eine vollkommen zeitgenössische Figur, die die eigene (männliche) Unsicherheit mit der Schreckenstat vertreiben möchte. Mit großer Anspannung beglaubigt Nils Arztmann dieses Schwelen innerer Konflikte." In der nachtkritik ist Reinhard Kriechbaum voll des Lobs: "Das Wesentliche sind die psychologischen Entwicklungen, die Fußangeln des eigenen Denkens. Im Gegensatz zum nebeligen Sfumato, das die Bühne überzieht, wirf diese Regie mit einem sagenhaft akkuraten Ensemble scharfes Licht auf die Brüche scheinbar unverrückbarer Überzeugungen."
Besprochen werden außerdem Verdis "Otello" an der Staatsoper Wien (Standard), Stefan Bachmanns Inszenierung von Ferdinand Schmalz' Stück gegen den Rechtspopulismus "bumm tschak oder der letzte Henker" im Akademietheater der Burg (Standard, Welt) und Philip Venables' Opern-Revue "We are the lucky ones" bei der Ruhrtriennale Bochum (SZ).
Die nachtkritik stellt die Rede online, die Milo Rau am Dienstag bei der Eröffnung des "Down to Earth"-Festivals hielt und in der er unter anderem über die Rückkehr der archaischen Politik spricht. Rau erzählt, wie er im vergangenen Jahr einem für Kultur zuständigen ranghohen Vertreter der EU-Kommission den Plan vorstellte, ein neues europäisches Gesetz zum Schutz der Kunstfreiheit durchzusetzen. Der sicherte Unterstützung zu, machte dann aber klar, "wie das läuft in der Kommission': 'Wir schreiben Gesetze, und dann müssen wir hoffen, dass sie in den einzelnen Mitgliedstaaten angewendet werden.' Mit anderen Worten: Das Ende der Geschichte hat stattgefunden, aber leider nur in den liberalen demokratischen Institutionen. Und zwar nicht, wie Trump oder Putin sich das vorstellen, weil diese Institutionen von Schwächlingen bevölkert wären, sondern weil die Demokratie nun einmal auf den Prinzipien der Gewaltenteilung, des Föderalismus und der minimalen staatlichen Eingriffe basiert. Das ist das metapolitische Ungleichgewicht unserer Zeit".
Derya Türkmen trifft sich für die taz mit der in Duisburg geborenen Regisseurin Mizgin Bilmen, die in Diyarbakır im Südosten der Türkei am dortigen Stadttheater das Stück "Jîn - Jinên Azad" inszeniert hat, in dem sieben Frauen mit Gesang und Tanz - inspiriert von kurdischer Folklore und Pina Bausch - kurdische Geschichte performen. Kurdisch sei bei Reisen in die Türkei in ihrer Kindheit zur "verbotenen Sprache" geworden, erzählt Bilmen. Entsprechend bedeute die Inszenierung "auf einer Bühne, auf der ihre Muttersprache bislang kaum selbstverständlich war" für sie eine Rückkehr: "'Diese Sprache im öffentlichen Raum und dann auch noch in Kombination mit Kunst zu verwenden, ist schon ein großer Akt des Widerstands', sagt sie."
Besprochen wird außerdem das Tanzfestival "Contextos" im Rahmen des Plataforma Festivals im Acud (taz).
Emma-Theater Osnabrück: Die Brücke zum Goldenen Horn. Foto: Uwe Lewandowski
"Der Abend will viel. Und es gelingt ihm viel": taz-Kritiker Harff-Peter Schönherr ist beeindruckt von Tanju Girişkens Inszenierung des Emine-Sevgi-Özdamar-Romans "Die Brücke vom Goldenen Horn", die das Emma-Theater Osnabrück auf die Bühne bringt. Es geht um das türkische Folter-Regime der Putsch-Zeit, aber auch um linkspolitisches Erwachen und sexuelle Experimente. "Die Mittel, mit denen Girişken diese Ich-Findung in Szene setzt, mit dem Subtext, dass aus Diversität Heilung und Kraft erwachsen, sind Augen öffnend: Dem realen Publikum sitzt ein imaginäres gegenüber, auf tribünenhaften Stuhlreihen, die von Zeit zu Zeit verstörend nahe rücken. Kleidung ist über die Lehnen gehängt, und die drei DarstellerInnen bedienen sich ihrer, um die Figurenfülle zu erweitern. Am Ende liegen so Dutzende von Menschen zu unseren Füßen, ein Feld der Toten, gestaltleerer Hüllen, und der Versuch, sie aus dem Staub zu heben, ist fast vergeblich. Stark ist das."
Weitere Artikel: Dorion Weickmann ist, wie wir der SZ entnehmen, enttäuscht vom diesjährigen Berliner "Tanz im August"-Festival, lobt aber Jeremy Nedds Choreografie "from rock to rock". Marco Frei besucht für die NZZ die Festwochen der Alten Musik in Innsbruck und freut sich über die Wiederentdeckung von Opern von Antonio Caldaras und Tommaso Traetta.
Vor 30 Jahren sorgte der südafrikanische Künstler William Kentridge mit "Faustus in Africa!" für Aufregung. SZ-Kritiker Egbert Tholl kann das Stück jetzt beim Zürcher Theaterspektakel erleben - und weiß gar nicht, wo er zuerst hingucken soll: "Alles flirrt, man könnte den Abend fünfmal sehen und würde immer noch Neues entdecken. Helena ('Faust II') ist als Puppe eine Lady in Satin, gemahnt an Billie Holiday und deren Song 'Strange Fruit', obwohl man den hier nicht hört. Man hört ihn sozusagen stumm mit. Die seltsamen Früchte, von denen Holiday singt, sind die Leichen gelynchter Schwarzer, die in den Bäumen hängen. Kentridge denkt immer über Afrika, nach wie vor Abenteuerspielplatz des Westens, hinaus. Und doch: Dieser 'Faustus in Africa!' wirkt 30 Jahre nach seiner Uraufführung mehr wie ein faszinierendes Kunstwerk als ein aufrüttelndes Pamphlet. Vielleicht liegt das auch daran, dass man in den vergangenen Jahren, Jahrzehnten sehr viele sehr wütende Theaterarbeiten aus Afrika sehen konnte."
Weiteres: Die Nachtkritikbringt die Hamburger Poetikvorlesung des Schauspielers Samuel Finzi. In der FAZ gratuliert Roger Vontobel dem Regisseur Frank Baumbauer zum Achtzigsten. In der SZ fragt sich Reinhard J. Brembeck, ob man von Opern süchtig werden kann.
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