Sehr zufrieden resümiertNachtkritikerin Gabi Hift die Wiener Festwochen, erstmals unter der Leitung von Milo Rau, der unter anderem eine Freie Republik Wien und die Gründung der Räterepublik ausrief. Das Scheitern war stets einkalkuliert, so klagte sich Rau im letzten seiner Wiener Prozesse mit dem Titel "Die Heuchelei der Gutmeinenden" gar selbst an: "Stellvertretend für die Festwochen lässt er sich für den Missbrauch von Fördergeldern zur Rechenschaft ziehen. (...) 'So', wie es gerade fünf Wochen lang praktiziert worden sei, könne man weder wirklich eine Revolution machen noch sei das Kunst - das Geld dafür sei verschwendet. Damit sind freilich wir alle gemeint: Schaffen wir, die versammelten Bürger*innen, es nicht, die Demokratie zu retten, so wie wir es bisher versuchen? ( ...) Die Jury sprach Milo Rau und damit alle Anwesenden frei. Und tatsächlich gibt die Macht, mit der die Frage: 'Aber was dann?' im Raum stand, ihr Recht: Diese fünf Wochen haben keine Lösung präsentiert, aber sie haben erstaunlich viele Menschen im saturierten Wien aus ihrer Erstarrung aufgeweckt."
Derweil zürnt FAZ-Kritiker Reinhard Kager: Barrie Kosky hat Mozarts "Cosi fan Tutte" an der Wiener Staatsoper ziemlich vergeigt, meint er: "Kosky will die 'Così' als experimentelles Spiel auf einer Theaterprobe zeigen und verheddert sich dabei in der komplexen Handlungsstruktur Lorenzo da Pontes. Da wird geturnt, gehüpft, gehampelt, was das Zeug hält, doch dabei entgleitet der Kern des Stücks, die sexistische Intrige, mit der die drei Männer die beiden Frauen in die Irre führen. Auch wenn diese bei Kosky teilweise um deren Perfidie wissen, wird nur in wenigen Szenen klar, wann sie Theater spielen und wann sie echte Emotionen empfinden. Die Grenzen zwischen Bühnengeschehen und Realität bleiben bei Kosky völlig unscharf. So landet seine gedankenlose Produktion in ärgerlich harmlosem Ulk. Nicht minder problematisch ist die musikalische Wiedergabe. Philippe Jordan am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper gelingt das Paradox, sehr flott zu dirigieren und dennoch Langeweile zu verbreiten..."
In der FAZ gratuliert Gerhard Stadelmaier der "zart grandiosen Schau- und Geisterspielerin" Ilse Ritter zum Achtzigsten, in der SZ schreibt der Dramaturg Hermann Beil. Zeit Online meldet, dass der Direktor, Regisseur und Schauspieler Gerhard Klingenberg im Alter von 95 Jahren gestorben ist.
Besprochen wird Moritz Nikolaus Kochs Inszenierung von Rocko Schamonis "Dorfpunks" am Schleswig-Holsteinischen Landestheaters (taz).
Patrick Bahners erkennt in dem Spektakel in der FAZ hingegen lediglich ein "Experiment, dem gar keine Hypothese über das Schicksal der Gattung oder die Macht der Musik zugrunde liegt. In Vertretung Roths präpariert Adámek die Beflissenheit seines Werkes heraus, ein klassifikatorisches Klein-Klein, in dem der Unterschied von Lebendigem und Totem verloren gegangen ist. Die ungerührt durchgehaltene Überdeutlichkeit ermüdet und verstimmt. Der Wechsel zwischen Sprechgesang und diatonischen Choralrezitativen bei viel Arbeit fürs Schlagwerk ruft den bösen Gedanken hervor, dass die Menschheit für den atomaren Höllentrip in einem Purgatorium der Orff-Pädagogik büßen muss."
Außerdem: Die Wiener Staatsoper eröffnet im Herbst "Nest", eine neue Spielstätte für junge und experimentelle Produktionen, berichtet Ljubiša Tošić im Standard. Axel Brüggemann unterhält sich auf Backstage Classical mit Katharina Wagner über die neue Struktur der Bayreuther Festspiele und mehr.
Besprochen werden Buhle Ngabas "Bling!" auf den Wiener Festwochen (Standard) Alexander Zemlinskys Oper "Der Kreidekreis" am Staatstheater Karlsruhe (FR) und Bedřich Smetanas Oper "Libuše" auf einem Festival dem Komponisten gewidmeten Festival im tschechischen Litomyšl (SZ).
Szene aus "La juive". Foto: Monika Rittershaus. Was für eine Musik! FAZ-Kritiker Jan Brachmann findet alles gut an Tatjana Gürbacas Inszenierung von Fromental Halévys Oper "La Juive", die im Moment an der Oper Frankfurt zu sehen ist. Die 1835 uraufgeführte Oper gilt als die erste, die das Thema Antisemitismus auf die Bühne brachte - eine Zeit lang wurde sie sehr häufig gespielt, von 1936 bis heute dann fast gar nicht mehr, so Brachmann. Musikalisch ist das Ganze ein einziger Triumph, jubelt er, und hebt vor allem den von Tilman Michael geleiteten Chor hervor: "Er betet das katholische 'Te Deum', dass der Gesang selbst zum Gewölbe wird; er singt die jüdischen Pessach-Gebete in geheimnisvoller Zurücknahme, die nichts als verinnerlichte Unterdrückung ist; er raunt hinter den Solisten, die dadurch noch greller aufscheinen können; und er geifert, hetzt und bellt als christliche Bürgerschaft dem Juden Éléazar und dessen Ziehtochter Rachel hinterher wie Hunde bei der Fuchsjagd: die Stadt als Meute."
Auch Judith von Sternburg kann in der FR nur applaudieren. Toll auch, wie sich die beiden Hauptfiguren ergänzen: "Vater und Tochter sind ein gutes Team, vergnügt, zivil: Ambur Braid, Frankfurts Salome, ist eine der ausdrucksvollsten Sängerdarstellerinnen weit und breit, hochexpressiv auch ihr Sopran, dem die Finesse dabei nie abhandenkommt. John Osborn als Gast - und als Einziger im Solistenensemble schon rollenerfahren - steht ihr an natürlicher Lebhaftigkeit nicht nach. Als Tenor hat er unerschöpfliche Kraftreserven, ein fein abgedunkeltes Timbre bei mühelosen Höhen."
Weitere Artikel: Der bayerische Kulturstaatsminister Markus Blume hat nach langen Verhandlungen die Verträge von Serge Dorny als Intendant der Bayerischen Staatsoper und Vladimir Jurowski als Generalmusikdirektor verlängert (unser Resümee). Eine "richtige wie alternativlose" Entscheidung, findet Egberth Tholl in der SZ. Axel Brüggemann schreibt hingegen bei Backstage Classical, Blume habe sich hier "dilettantisch verzockt". Denn die Probleme der Belegschaft mit Dorny waren schon lange bekannt. Wäre er entlassen worden, "hätte sich Blume langfristig nach neuem Personal umschauen müssen. Zeit genug hatte er! Blume hat das schlichtweg verpennt."
Besprochen werden Michael Webers Inszenierung von Julien Greens "Der Feind" in der Naxoshalle Frankfurt (FR), Alexei Ratmanskys Choreografie "zu Strawinskys "Le Baiser de la Fée" an der Sinfonie in Amsterdam (FAZ) und Barrie Koskys Inszenierung von Mozarts "Così fan tutte" an der Wiener Staatsoper (SZ).
In der FAZ bewundert Lotte Thaler die tolle Gesangsleistung der litauischen Sängerin Aušrinė Stundytė in Richard Brunels Inszenierung von Leoš Janáčeks Oper "Die Sache Makropoulos" an der Oper Lyon. In der NZZteilt Bernd Noack seine Eindrücke von den Wiener Festwochen unter der Intendanz von Milo Rau. Jens Fischer besucht für die taz das Festival Theaterformen in Braunschweig.
Besprochen werden Ulrich Cyrans Inszenierung von Franz Wittenbrinks Revue "Sekretärinnen" bei den Burgfestspielen Bad Vilbel (FR), Eva Lemaires Inszenierung von Susanne Becks und Thomas Eiflers Stück "Heimatlos auf hoher See. Die Irrfahrt der St. Louis" an der Landesbühne Esslingen (nachtkritik), Aline Bosselmanns Adaption "Mein Blutbuch" nach dem Roman von Kim de l'Horizon am Theater Essen (nachtkritik), Wolfgang Michaleks Adaption von Ottfried Preußlers Roman "Krabat" am Staatstheater Cottbus (nachtkritik), Christian Weises Inszenierung von Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" am Nationaltheater Mannheim (nachtkritik), Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Shakespeares "Timon von Athen" am Theater Magdeburg (FAZ), Marco Damghanis Inszenierung von Juri Sternburgs Stück "Endgame" am Gorki-Theater Berlin (tsp).
In "Bilder und Zeiten" (FAZ) imaginiert der Philosoph Dieter Thomä Kleists Theaterfigur des Prinzen von Homburg, der seine Erfahrungen mit dem "Verschiebebahnhof der Verantwortungen" auf den Nahostkonflikt anwendet: "Die Strategien, die damals zu meiner Verteidigung und zu meiner Verurteilung aufgeboten wurden, gehen weit auseinander. Die erste setzt auf Fremdbestimmung, Verschiebung von Verantwortung, Kausalität, Passivität. Die zweite betont Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Freiheit, Heroismus. In den letzten Monaten habe ich mich nun ausgiebig informiert und offene Briefe und Kommentare gelesen, die sich mit dem Anschlag vom 7. Oktober und dem Einmarsch in Gaza befassen. Für mich war das ein Déjà-vu. Die Strategien, die in meinem Fall angewandt wurden, kommen mit einigen interessanten Änderungen abermals zum Einsatz."
Besprochen werden Enad Maroufs Tanzperformance "Hundstage" in den Berliner Sophiensälen (Tsp), Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Shakespeares "Timon von Athen" am Theater Magdeburg (nachtkritik), Mateja Mededs autofiktionaler Monolog "Fotzenschleimpower gegen Raubtierkaputtalismus" bei den Wiener Festwochen (nachtkritik), die Performance "El 9: Las Noches de las Reinas" von La Fleur auf Kampnagel Hamburg (nachtkritik) und Lukas Bärfuss' Anverwandlung von Caldérons Mysterienspiel "El gran teatro del mundo" auf dem Klosterplatz Einsiedeln (FAZ).
Foto: Rafaela Pröll. Der Intendant der Wiener Festwochen, Milo Rau, stellt im Rahmen der "Wiener Prozesse" an diesem Wochenende "Die Heuchelei der Gutmeinenden" vor Gericht, der Standardtickert die Prozesstage: "Dabei werden unter anderem diese Fragen behandelt: Kein Platz für Palästina-Solidarität? Oder kein Platz für Antisemitismus? Dabei wird es auch um Kultur gehen, die in diesem Bereich besonders aktive Kampagne BDS unterstützt viele Pro-Palästina-Aktionen. Einer der Unterstützer wird auch beim Prozess aussagen." Karl Fluch fasst vor Beginn noch einmal zusammen: "BDS ist in der britischen Popmusik besonders aktiv: Elvis Costello, Jarvis Cocker, Robert Wyatt, Massive Attack, Portishead, Billy Bragg und hunderte andere stehen auf ihrer Seite. Die Unterstützung reicht von nebenbei geleisteten Unterschriften bis zur Rechtsaußen-Agitation des Pink-Floyd-Gründers Roger Waters, dazwischen stehen Popgranden wie Brian Eno. Das sind nicht alles Antisemiten, deren Nähe scheint vielen aber nichts auszumachen. Und BDS übt Druck aus."
Judith von Sternburg interviewt in der FR die Regisseurin Tatjana Gürbaca, die gerade an der Oper Frankfurt Fromental Halévys "La Juive" inszeniert, eine Geschichte um eine jüdische Familie, die zur Zeit des Konstanzer Konzils wegen Ketzerei hingerichtet werden soll, zur Frage der Aktualität der Oper: "Es muss immer eine Offenheit geben, dass das Publikum es über viele Zeiten hinweg lesen kann. 'La Juive' ist ein gutes Beispiel, weil Hálevy es aus seiner Zeit heraus gedacht hat, aber in die Zeit des Konstanzer Konzils 1414 verlegt. Er sagt: Es ist weit von uns entfernt, es ist total aktuell. (…) Ich glaube, dass die Oper eine Schule des Humanismus, der Emotionen und der Empathie ist. Auch weil wir auf mehreren Ebenen angesprochen werden. Wir sind nicht nur Konsumenten, wir sind aufgefordert, selbst mitzudenken und Schlüsse zu ziehen. Und es wird eben nicht nur der Verstand angesprochen, sondern auch die Emotion."
Weitere Artikel: Eine anonyme Mail hat Backstage Classicalerreicht, Mitarbeitende des Staatstheaters Meiningen und des Landestheaters Eisenach beklagen ein "toxisches Arbeitsklima" unter dem Intendanten Jens Neundorff von Enzberg. Nun sollen erst einmal Gespräche abseits der Öffentlichkeit geführt werden, heißt es. In Köthen hat es ein Gespräch zu "Strukturen, Förderung und Netzwerken für den Tanz" mit allerhand bedeutenden Fachvertretern gegeben, berichtet Dorion Weickmann in der SZ. Ziel ist es, dass mehr Geld in dezentrale und diversitätsfördernde Projekte investiert wird.
Für die tazporträtiert Katrin Bettina Müller die Autorin Patty Kim Hamilton, deren Stück "Und der Himmel über uns ist sein eigenes Land" bei der Langen Nacht der Autorinnen am Deutschen Theater uraufgeführt wird. Standard-Kritiker Helmut Ploebst wirft einen Blick auf das Programm des Impulstanz-Festival in Wien.
Besprochen werden Jens-DanielHerzogs Inszenierung von Claude Debussys "Pelleas und Melisande" am Staatstheater Nürnberg (FR) und Livio Andreinas Inszenierung "Das große Welttheater" von Lukas Bärfuss nach dem Schauspiel von Calderónde la Barca im Welttheater Einsiedeln (nachtkritik, NZZ).
Uwe Mattheis sitzt für die taz im Publikum, wenn auf den Wiener Festwochen in Form der "Wiener Prozesse" Theatergericht über den Rechtspopulismus gehalten wird. Nicht um autoritäres Besserwissertum geht es hier, stellt Mattheis klar. Denn "die neuen Jakobiner von Wien [sind] durch und durch milde Zeitgenossen. Sie lassen keine Köpfe rollen. Die juridische Dramaturgie im Theater der 'Wiener Prozesse' soll die öffentliche Sprache mäßigen, den Schlagabtausch von Stehsätzen in einen Austausch von Argumenten verwandeln. Wortreiche Rechtspopulisten werden plötzlich ganz still, wenn sie in der direkten Konfrontation der Lebensgeschichte einer Geflüchteten gegenüberstehen. Es geht um den ältesten Effekt des Theaters: Katharsis. In exemplarischer Weise könnte sie deliberativen Prozessen in der Wirklichkeit wieder auf die Sprünge helfen."
Das Timing stimmt bei Axel Ranischs Inszenierung des Gerd-Natschinski-Stücks "Messeschlager Gisela" an der Komischen Oper, freut sich Clemens Haustein in der FAZ, und auch die Pointen sitzen. Und die Schauspieler? Die brillieren sowieso: "Thorsten Merten ist ein Direktor Kuckuck, der zwischen krachenden Macht-Anwandlungen und einer Lassen-wir-den-Laden-mal-laufen-Einstellung mäandert, Maria-Danaé Bansen als Sekretärin Kulicke ist knallhart berlinernde Schnauze, Martin Reik, geborener Schwabe, macht als brachial leutseliger Messewart Priemchen deutlich, dass er Sächsisch als zweite Fremdsprache beherrscht, Gisa Flake als Gisela findet den Zauber im Normalen."
Außerdem: Georg Kasch entschuldigt sich in der nachtkritik für seine eigene Kolumne über queere Stoffe auf ostdeutschen Bühnen. Patrick Wildermann blickt im Tagesspiegel auf das Internationale Roma-TheaterfestivalCommon Tongue.
Besprochen werden Christian Lollikes Inszenierung von Madame Nielsens "Very Rich Angels" an den Münchner Kammerspielen (FAZ), Ben Johnsons Typenkomödie "Volpone" auf der Darmstädter Theter-Terrasse (FR), Jens Groß' Böll-Adaption "Frauen vor Flusslandschaft" in den Godesberger Kammerspielen (SZ), Georg Dittrichs "Il trovatore"-Inszenierung an der Staatsoper Stuttgart (Welt).
456 Bewerbungen aus 65 Ländern wurden beim Internationalen Wettbewerb für Choreografie in Hannover eingereicht, zehn schafften es ins Finale, acht Produktionspreise wurden vergeben, resümiert Sylvia Staude (FR), die selbst mit in der Jury für den Kritikerpreis saß. Ins Halbfinale tanzten sich noch viele Duos, meist "elegisch bis leicht pathetisch". Der Hauptpreis, der Tanja Liedtke Award, aber geht nach China an den Choreografen Juezhi Tang: "'The Snail' heißt das Solo, die Schnecke, und Derui Gao war eine nuancierte, ausdrucksstarke, tänzerisch grandiose, nun ja, Menschen-Schnecke, wie er über und um sein Haus glitt, purzelte, geradezu flog, sich darin verkroch. Einerseits völlig unschneckisch in seiner Geschwindigkeit, andererseits mit manchen Bewegungen absolut schneckenähnlich und wohl genau beobachtet am lebenden Subjekt."
Szene aus Verdis "Sizilianische Vesper". Foto: Herwig Prammer Ja, Verdis "Sizilianische Vesper" über die Liebe zwischen Todfeinden im Sizilien des Jahres 1282 gilt als Problemstück, räumt Christian Wildhagen in der NZZ ein. Aber dass Calixto Bieito daraus am Opernhaus Zürich ein "drittklassiges Splattermovie" macht, hat die Oper nicht verdient, seufzt er: "Bieito interessiert der Handlungsrahmen … nur im Hinblick auf ein zentrales Motiv: das der Gewalt gegen die Unterlegenen, namentlich gegen Frauen. Die zahlreichen Übergriffe und Vergewaltigungen, die im Libretto angedeutet sind, werden dann doch wieder, nach alter Bieito-Manier, sehr brutal und realistisch dargestellt. Es knirscht auch noch viel grundsätzlicher in seinem Konzept: Verdis Ästhetik verträgt diese Art von symbolhaft überhöhter Meta-Inszenierung nämlich nicht. Schon gar nicht 'I vespri siciliani'. ... Die Handlung wirkt konstruiert, die Charaktere erscheinen wenig glaubwürdig, der geschichtliche Hintergrund bleibt Staffage. Statt hier helfend mit den Mitteln des Theaters gegenzusteuern, stellt Bieito die Brüchigkeit erst recht aus."
Weitere Artikel: Für den Standardresümiert Colette M. Schmidt, die als Gerichtsschreiberin selbst Teil der Inszenierung war, Milo Raus zweiten Wiener Prozess, bei dem es um die Frage ging, ob die FPÖ demokratiegefährdend ist und ihr die Parteienfinanzierung gestrichen werden soll. Nachtkritiker Georg Kasch muss sich korrigieren: Entgegen seiner Behauptung in einer Kolumne muss er feststellen: Es gibt sehr wohl queeres Theater im Osten.
Besprochen werden Axel Ranischs Inszenierung der DDR-Operette "Messeschlager Gisela" im Spiegelzelt vor dem Roten Rathaus für die Komische Oper (Welt), Kathrin Mädlers Inszenierung von Kleists "Der zerbrochene Krug" am Staatstheater Mainz (FR), Bernadette Sonnenbichlers Adaption von Dana Vowinckels Roman "Gewässer im Ziplock" (SZ) und Andriy Zholdaks Inszenierung von Beethoven Fidelio an der Dutch National Opera in Amsterdam (FAZ).
Szene aus "Die Riesen vom Berge". Foto: Foto: Karl und Monika Forster. Ein "verspieltes Panorama voll von Poesie, himmelsstürmerischer Träumereien und bedrohlichster Abgründe" wirdnachtkritiker Michael Laages mit Ingo Kerkhofs Inszenierung von "Die Riesen vom Berge" am Staatstheater Wiesbaden geboten. Die Aufführung des unvollendeten Dramas von Luigi Pirandello markiert das Ende der Intendanz Uwe-Eric Laufenbergs und setzt ans Ende der internen Streitereien (unser Resümee) ein richtiges "Zauberkunststück", wie sich Laages freut. Schauplatz ist die "Villa Scalone", in der eine Gruppe von Außenseitern auf eine Theatergruppe um die exzentrische Gräfin Ilse trifft: "Immer mal wieder in der Theatergeschichte haben ja Autorinnen und Autoren den (durchaus schwierigen) Versuch unternommen, dem Publikum zu erklären, wie Theater entsteht, nach welchen Regeln es funktioniert. Was in der Villa Scalogna geschieht, dem Zuhause der Pechvögel, veredelt Ort und Zeit und Raum zum Universum der Sehnsüchte. Nicht, dass da immer gleich Sinn zu ergründen wäre im Wirbel der Worte - stattdessen 'nurmehr Wahn', wie es immer wieder heißt. Alle Sicherheit, alle Wahrheit schwindet dahin, alles verschwimmt - so sehr, dass jetzt tatsächlich 'Riesen' von den Bergen herab kommen könnten; wir, das Publikum, sind ja auch schon da." Auch in der FRgratuliert Marcus Hladec zu dieser "superbunten, schönen und wissend arrangierten Arbeit".
Besprochen werden Philipp Arnolds Inszenierung des Stücks "Prana Extrem" nach dem Roman von Joshua Groß am Münchner Volkstheater (nachtkritik), Bettina Bruiniers Inszenierung von Miru Miroslava Svolikovas Stück "Gi3F (Gott ist drei Frauen)" am Tiroler Landestheater (nachtkritik), Bernadette Sonnenbichlers Adaption von Dana Vowinckels Roman "Gewässer im Ziplock" (nachtkritik), Axel Ranischs Inszenierung der DDR-Operette "Messeschlager Gisela" am Düsseldorfer Schauspielhaus (nachtkritik), das Musical "Very Rich Angels" der dänischen Künstlerin Madame Nielsen an den Münchner Kammerspielen (SZ) und Helena Jacksons Inszenierung von Gary Owens "Killology" am Schauspiel Frankfurt (FR).
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