Die originale Zeichnung von Lucas Cranach aus dem Louvre diente Christian Goller als Vorlage für ein gefälschtes Tafelgemälde (Abb. Original: bpk | RMN - Grand Palais | Jean Popovitch, Fälschung: HeFäStuS, Universität Heidelberg, Susann Henker) "Aus dem Falschen das Richtige lernen": mit diesem "recht habermasianischen" Untertitel eröffnet eine Ausstellung zu "Kunst und Fälschung" im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg, bei der FAZ-Kritiker Thomas Thiel die "Aura des Kunstfälschers" genießt. Die Ausstellung will den Fälschern weder huldigen, noch sie verdammen, so Thiel, die Faszination für die talentierten Betrüger bleibt aber ungebrochen. "Heldengeschichten" werden hier allerdings nicht erzählt, meint der Kritiker, der zum Beispiel die Fälscherlaufbahn von Elmyr de Hory nachverfolgen kann, der seinen Besitz an die Nazis und seinen Vater in Auschwitz verlor und in seinem Pariser Atelier begann, berühmte Maler nachzuahmen. Die Ausstellung zeigt vor allem aber auch, wie man den Duplikaten eigentlich auf die Schliche kommen kann: "Der Kunstfälscher hat in der Regel vier Gegner. Der eine ist die Selbstüberschätzung, der zweite die Ruhmsucht, der dritte die Gewohnheit und der vierte der Anachronismus. An den Heidelberger Exponaten lässt sich das gut beobachten. Das Lovis Corinth zugeschriebene Porträt eines Frauenkopfs wirkt täuschend echt, nur leider kam die gewählte Frisur erst nach dem Tod des Künstlers in Mode. Die Farbgebung in der van Gogh zugeschriebenen Seenlandschaft ist von höchster Intensität. Derart flammend hat der Maler aber erst in einer späteren Phase gemalt. In anderen Fällen ist der Pinselduktus oder die Signatur verkehrt und manchmal auch das Bild auf den Kopf gestellt."
Weitere Artikel: Marcus Woeller meldet in der Welt, dass das "Porträt von Geneviève" von Françoise Gilot, der ersten Frau, die "Picasso den Laufpass gab", bei Sotheby's versteigern wird.
In der tazteilt der polnische Kunstkritiker Aleksander Hudzik seine Gedanken zur Ausstellung des Birkenau-Zyklus von Gerhard Richter im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz. Hudzik, der im Ort Oświęcim, wie der polnische Name lautet, aufgewachsen ist, wie paradox dieser Alltag sein kann: "Das Vorhandensein eines ehemaligen NS-Vernichtungslagers in der unmittelbaren Nachbarschaft führt dazu, dass das Lager im Bewusstsein der Einwohner ständig da und auch nicht da ist. Auf der einen Seite weiß jeder, dass hier ein Ort war, an dem über eine Million Menschen ermordet wurde, auf der anderen Seite ist es unmöglich, sich dessen ununterbrochen bewusst zu sein." Richters Arbeiten wirken für ihn in ihrer Abstraktion und Unklarheit "wie aus einer anderen Ordnung. Der Birkenau-Zyklus stammt aus einer Zeit, in der nur Stille und Leere die angemessene Sprache für die Shoah war. Vielleicht ähnelt auch deshalb der Ausstellungspavillon auf dem Gelände des Internationalen Zentrums für Jugendbegegnungen einer Kapelle. In diesem Ort soll Platz sein für die Besinnung über die existenzielle Dimension nicht nur der Shoah, sondern auch dessen, was nach dem Großverbrechen blieb: Schuld, Scham und wütendes Leiden. Den vier 'Birkenau'-Bildern hängen vier dunkle Glasscheiben gegenüber, in denen sich nicht nur die Gemälde Richters spiegeln, sondern auch die Ausstellungsbesucher mit ihrem ganzen Gepäck an durchlebten Gefühlen. Dabei ist die Frage, wer sich eigentlich in diesen Spiegeln betrachtet. (...) "Die Kapelle mit dem 'Birkenau'-Zyklus bringt eine metaphysische Unruhe mit sich. Aber ich weiß nicht, in wessen Herzen sie wirken soll."
Unterschiedliche Perspektiven auf den Krieg in der Ukraine eröffnen sich für FAZ-Kritikerin Yelizaveta Landenberger bei der "Kyiv Perenniale", deren letzte Ausstellung als Fortführung der Kyiv-Biennale, unter anderem im nGbK am Alexanderplatz in Berlin stattfindet. Oft überschneiden sich in den Werken der Künstler die von Gewalt geprägte Vergangenheit der Ukraine mit der Gegenwart, etwa in der Installation 'Everybody Wants to Live by the Sea' aus dem Jahr 2014 von Nikita Kadan, die auf eine "Zeitreise durch die historischen Schichten der Krim" führt: "Eine gebogene Neonröhre in der charakteristischen Form der Halbinsel hängt in der Mitte des kleinen Raumes über den Köpfen der Besucher und hüllt sie in kaltes Licht, eine Palme erzeugt zugleich eine Art Urlaubsatmosphäre. In Vitrinen und an den Wänden sind verschiedene Fotografien und Dokumente ausgestellt, die teils futuristisch verwandelt sind: Typische Formen sowjetischer Architektur sind darauf von hüttenartigen Behausungen der Krimtataren ergänzt; historische Ebenen, aber auch Dokument und Fiktion überlagern sich. Auf Stalins Befehl hin wurden die Krimtataren 1944 deportiert, erst nach dem Zerfall der Sowjetunion konnten sie in ihre Heimat zurückkehren und leben nun unter russischer Besatzung. Die Krim ist ein imaginierter Sehnsuchtsort mit dunkler Geschichte und Gegenwart - und einer ungewissen Zukunft."
"Was soll das eigentlich?", fragt Ronya Othmann in der FAS angesichts des neuen offenen Briefs gegen eine Teilnahme Israels an der Biennale in Venedig (unsere Resümees). Angesichts so viel Ignoranz kann Othmann eigentlich nur den Kopf schütteln, fragt sich aber trotzdem, woher das alles kommt: "Will man sich Bedeutsamkeit verschaffen, angesichts drohenden Bedeutungsverlusts, sich den Anstrich des Politischen geben, ohne dabei selbst politisch zu werden? Schließlich ist das Politische doch etwas anderes, als Ästhetik durch Aktivismus zu ersetzen, Analyse durch Agitation. Oder handelt man im Glauben, auf der richtigen Seite zu stehen, auf der Seite des Guten, Wahren, Schönen, dort, wo doch die Künste immer stehen wollen? Und weil man sich nicht sicher ist, wo das sein soll, weil die Welt doch nicht nur schrecklich, sondern auch schrecklich unübersichtlich geworden ist (und es eigentlich auch immer war), greift man auf die einfachste aller Erzählungen zurück."
Besprochen wird die Ausstellung "You Me" im Schinkelpavillon in Berlin mit Werken von Jill Mulleady und Henry Taylor (tsp).
"Feste feiern!" Foto: Henning Rogge.Wer die Ritual- und Feierkultur des antiken Griechenlands und ihre Auswirkungen bis in die heutige Zeit kennenlernen will, sollte sich ins Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe und die Ausstellung "Feste Feiern!" begeben, empfiehlt Tilman Spreckelsen in der FAZ. Anhand der Panathenäen, Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Athene, lernt Spreckelsen, wie diese aufgebaut sind: "Ein fester Bestandteil war die Übergabe eines neugewebten Gewandes an die Göttin, und um die Vermutung zu illustrieren, dass auf der Bordüre die Gigantomachie dargestellt war, der mythische Kampf der olympischen Götter gegen die Giganten, steht in einer Vitrine ein aus seinen Scherben teilrekonstruierter Volutenkrater aus dem vierten Jahrhundert vor Christus, auf dem dieser Kampf gegen die Kinder der Gaia zu sehen ist." Die Schau wird fast komplett aus dem Depot des Hauses bespielt, wenige Leihgaben aus Neapel sind besondere Highlights: "Teile gladiatorischer Prunkrüstungen - Beinschienen und ein Helm -, die ebenfalls aus Neapel entliehen wurden, erfüllen ihren Zweck vollständig. Sie wurden wahrscheinlich niemals im Kampf eingesetzt, verbinden aber das Martialische mit dem Eindruck gediegener Schönheit, wovon nicht zuletzt die Musen zeugen, die den Helm schmücken."
Bezüglich der Petition, die einen Ausschluss Israels von der Venedig Biennale fordert (unsere Resümees), ist Stefan Trinks in der FAZ froh über klare Worte des italienischen Kulturministers Gennaro Sangiuliano, auch wenn sie aus der politisch rechten Ecke kommen: "Er werde verteidigen, dass die Biennale 'ein Raum der Freiheit und des Dialogs' bleibe, nicht aber 'von Zensur und Intoleranz'. Solche ohne Zögern und ohne Zweideutigkeiten formulierten Worte hätte man sich von Sangiulianos deutschem Pendant Claudia Roth zur Documenta oder Berlinale gewünscht. Noch nach Bekanntwerden des ersten Antisemitismusskandals auf der Kasseler Weltkunstschau war da die Rede von 'spezifisch deutschen Fragen'; es gelte, auch 'entlegene Sichtweisen des globalen Südens' nachzuvollziehen. Nein, das muss man nicht - Antisemitismus ist, siehe oben, ein internationales Problem."
Weiteres: Die Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt ist im Alter von 92 Jahren gestorben, melden Berliner Zeitung und FAZ.
"Und was ist mit der Kritik an dem aggressiven, zur Schau getragenen Mackertum, an Machismus, Homophobie und Antisemitismus in der Szene? An Sexismus, Misogynie und Gewaltverherrlichung in vielen Hip-Hop-Videos und -Texten?", fragt Lisa Berins in der FR: "Zum Glück erspart die Ausstellung den Besucherinnen und Besuchern Beispiele dafür (ist ja auch eine Geburtstagsausstellung!), stattdessen gibt sie künstlerischen Reflexionen darüber Raum: Die New Yorker Künstlerin Nina Chanel Abney gestaltete 2021 das Cover für das Album 'Expensive Pain' von Meek Mill. In ihrer illustrierten Collage schwirren Cash, Cars und Schwarze, nackte Girls um einen Rapper - das Cover löste eine öffentliche Diskussion darüber aus, ob es sich um Parodie und Kritik an sexistischen Stereotypen und binärgeschlechtlichen Klischees handelt."
Die Petition, die den Ausschluss Israels von der Venedig Biennale fordert, hat nach eigenen Angaben inzwischen 18.000 Unterzeichner. (Unser Resümee). Es droht die nächste "Kunstschau des Antisemitismus", wenn jetzt nicht klar "Position gegen jegliche Form von judenfeindlichem Aktivismus" bezogen wird, warnt Philipp Meier, der in der NZZ auf eine besondere Absurdität aufmerksam macht. Der in Rio de Janeiro geborene Kurator Adriano Pedrosa hat die Schau nämlich unter das Motto "Foreigners Everywhere" gestellt, mit dem Ziel, "vor allem Kunstschaffende einladen, die sich selber als Ausländer, Immigranten, Ausgewanderte, in der Diaspora Lebende, Emigrierte, Exilierte und Flüchtlinge verstehen. Umso befremdlicher wäre es, an dieser Biennale im Zeichen des Fremden ausgerechnet jenem Staat eine Teilnahme im Bereich der Länderpavillons zu verweigern, der nach dem Holocaust als Heimat für die seit je verfolgten Juden gegründet wurde. Auch heute noch gelten Juden in der Diaspora oft genug als die Fremden schlechthin." Auch Italiens Kulturminister Gennaro Sangiuliano ist entsetzt, ergänzt Birgit Rieger im Tagesspiegel: Er "nannte das Schreiben in einer Erklärung 'inakzeptabel' und 'schändlich'. Israel habe 'nicht nur das Recht, seine Kunst auszudrücken, sondern auch die Pflicht, seinem eigenen Volk Zeugnis abzulegen, zu einem Zeitpunkt, an dem es von skrupellosen Terroristen aus heiterem Himmel schwer getroffen wurde.'"
Es kursiert wieder einmal ein offener Brief gegen Israel, diesmal soll die Teilnahme des Landes an der Venedigbiennale verhindert werden. Marcus Woeller weist in der Welt darauf hin, dass diejenigen, die beim leisesten Gegenwind die Meinungsfreiheit für verloren halten, auch in diesem Fall wieder diejenigen sind, die anderen aufgrund ihrer Nationalität das Wort verbieten wollen: "Die Freiheit der Kunst aber kann nur dort verteidigt werden, wo sie auch ausgestellt wird. Und nur dort, wo sie sich in den Wettbewerb stellt, kann sie umgekehrt auch kritisiert werden. Verantwortungslose Künstler und Kuratoren, welche die Ästhetik für plumpe Symbolaktionen instrumentalisieren und sich selbst zu briefeschreibenden Möchtegern-Aktivisten degradieren, während sie auf Bühnen wie der Berlinale oder der Biennale kaum mehr durch künstlerische Qualität begeistern können: Sie sind die größte Bedrohung für die Freiheit der Kunst." Zu den promineteren Unterzeichnern gehört übrigens die Berliner Künstlerin Zoë Claire Miller, die auch dem "berufsverband berliner künstler*innen" vorsteht: "Wie ist es möglich, dass solche Äußerungen keine Konsequenzen haben? Sollten der Verband und die von ihm vertretenen Künstler jetzt nicht reagieren, verliert die gesamte Kunstszene ihre Glaubwürdigkeit."
"Lassen wir es gut sein": Der Kunstwissenschaftler Harald Kimpelbefürwortet im FR-Gespräch mit Lisa Berins ein Ende der Documenta. Die Ausstellung hat ihre Schrittmacherfunktion verloren und präsentiert tendenziell Politik statt Kunst. Das Problem ist älter als die Documenta 15: "Es ging mit der Documenta 12 los, wenn nicht schon früher. Nachdem das Kriterium der normativen Kanon-Setzung verlorengegangen war, musste man andere Inhalte produzieren, um Konkurrenzlosigkeit gegenüber anderen künstlerischen Großevents sicherzustellen. Das waren dann Ideen wie etwa das ent-anthropozentrische Weltbild und ähnlich originelle Konzepte. Dass der Documenta ihre Kernaufgabe abhandengekommen ist, ist auch der Entwicklung des westlichen Kunstbetriebs geschuldet, der alle paar Jahre Innovationen produziert hatte. (...) Aber es gibt nicht mehr die Abfolge der Stilrichtungen und Ismen. Aus dieser Notlage ist die These entstanden: Die Documenta muss sich immer wieder neu erfinden und sich jedes Mal übertreffen. Nun ist diese Dynamik auch wieder verloren gegangen, weil sie gar nicht mehr weiß, zu was sie sich neu erfinden soll."
Weiteres: Der Literaturwissenschaftler Hans-Ulrich Gumbrechtdenkt in der NZZ über das Wesen der Kunsterfahrung nach. Besprochen wird Richard Artschwagers Schau "Cornered: Celebrating the Artist's Centennial" in der Berliner Galerie Sprüth Magers (taz Berlin).
Besprochen werden eine Mark Rothko-Retrospektive in der Fondation Louis Vuitton in Paris (SZ) und eine Performance des Tattoo-Künstlers Monty Richthofen in der Galerie Dittrich & Schlechtriem in Berlin (taz), die Ausstellung "Das Gewicht der Zeit. Menschenbilder 1927-37" mit Werken von Werner Scholz im Ernst Barlach Haus in Hamburg (FAZ) und die Ausstellung "Otto Piene. Wege zum Paradies" im Museum Tinguely Basel (tsp).
Tilman Baumgärtel besucht für die taz den ungarischen Konzeptkünstler Endre Tót, dessen "Mail Art" in einer Ausstellung der Galerie aKonzept in Berlin zu sehen ist. Besprochen wird die Ausstellung "Double Take / Der zweite Blick" im Kunstraum Hase 29 in Osnabrück (taz).
In der SZ berichtet nun auch noch Moritz Baumstieger über die Biennale im saudischen Diriyah: Über den ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi will dort allerdings niemand sprechen, und Baumstieger fügt sich brav drein. In der FAS stellt Niklas Maak den Maler Nicolas de Staël vor, dem gerade eine Ausstellung in der Eremitage in Lausanne gewidmet ist. Besprochen werden eine Ausstellung Barbara Krugers in der Londoner Serpentine Gallery (FAS) und eine Ausstellung der Maler Werner Heldt und Burkhard Held in der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank (BlZ).
Roelant Savery: Orpheus Charming the Animals with his Music, 1627. Bild: Mauritshuis Den Haag. "Roelant Saverys Wunderbare Welt" entdeckt Kerstin Schweighöfer im Den Haager Mauritshuis für die FAZ. Der Niederländer hatte nicht nur den ersten Dodo und das erste Stillleben in Europa gemalt, sondern war auch Hofmaler des Habsburgerkaisers Rudolf II.: Dieser "war im Bann von Künsten und Wissenschaften: Er holte Gelehrte und Künstler aus ganz Europa zu sich an den Hof und machte Prag endgültig zur Goldenen Stadt. Wie besessen sammelte er exotische Pflanzen und Tiere; in seinen Parks soll er neben Löwen und Aras sogar Dodos gehalten haben. Bald hatte der Kaiser vom Können Saverys gehört. Nicht nur dessen Tier- und Blumenbilder sprachen ihn an: Rudolf war ein großer Fan Pieter Bruegels des Älteren, und Savery wusste wie kein anderer in dessen Stil zu malen, da dieser neben Bosch sein großes Vorbild war. Noch bis 1970 galten viele von Saverys Zeichnungen als Bruegels. Sie entstanden bereits am Hof in Prag. Zwischen den zahllosen exotischen Tieren und Pflanzen muss sich Savery wie im Schlaraffenland vorgekommen sein. Die gut zehn Jahre als 'Kaiserlicher Kammermaler' gehörten zu den kreativsten seines Lebens."
Porträtmalerei kann eine lebensbedrohliche Angelegenheit sein, lernt Till Briegleb für die SZ in der Ausstellung "Holbein at the Tudor Court" in der Queen's Gallery im Buckingham Palace, die Bilder von Hans Holbein dem Jüngeren zeigt, die er am Hofe von Henry VIII. gemalt hat. Sowohl idealisierte als auch zu ehrliche Bilder konnten in der Tudor-Zeit dafür sorgen, dass ein Künstler den Kopf hinhalten musste, Holbein beherrschte "neben seinem vortrefflichen Realismus, der dennoch alle Menschen interessant und sympathisch erscheinen ließ, auch den diskreten Opportunismus" und "verzauberte seine Auftraggeber mit seinem für damalige Verhältnisse unbegreiflich wirklichkeitsgetreuen und lebendigen Stil." Vielfach sind die als Vorstudien gedachten Zeichnungen neben den fertigen Porträts ausgestellt, sie "sind von einer so engen Korrespondenz in Haltung und Ausdruck, dass sie Holbeins einmalige visionäre Begabung in aller Exzellenz belegen. Schon in der Zeichnung ist das Meisterwerk voll entwickelt. In der leuchtenden und heiteren Farbigkeit des folgenden Gemäldes finden sich dann nur noch feine Korrekturen im Ausdruck. Der Blick auf die vielen Studien lehrt so auch die Besuchenden schnell, das fertige Gemälde vor dem inneren Auge zu imaginieren."
Besprochen werden: "Das Kirchner Museum Davos zu Gast im Geburtshaus des Künstlers" im Kirchnerhaus Aschaffenburg, die Ausstellung "Räumlichkeiten" mit Gemälden von Ulf Puder in der Frankfurter Galerie Strelow, die Retrospektive "Virgin Mary. Supermarkets. Popcorn." mit Werken von Miles Aldrige in der Fotografiska Berlin (alles FAZ) und die neue Dauerausstellung "GerhardRichter. On Display" im Neuen Museum Nürnberg (Standard). Erstaunlich unkritisch widmet sich Bernhard Schulz der Kuratorin Ute Meta Bauer und ihrer Ausstellung auf der Diriyah Biennale in Riad (Tagesspiegel).
Das British Museum in London machte zuletzt Schlagzeilen, weil ein Kurator das Haus über mehrere Jahrzehnte bestohlen hatte (unsere Resümees). Nun steht das Museum im Zentrum eines Shitstorms, weil ein chilenischer Influencer im Netz Stimmung gegen das Haus macht: Die beiden Moai genannten Steinfiguren, die im British Museum ausgestellt sind, sollen an die Osterinsel repatriiert werden, resümiert Marcus Woeller, der in der Welt eine Restitution durchaus befürwortet, denn: "Ob es … ethisch vertretbar ist, sie außerhalb der Osterinsel zu verwahren, darüber kann man trefflich streiten - und tut es auch, aber nur bis zu einem Punkt. Und den definiert in Großbritannien das Gesetz: Sammlungsgegenstände des British Museum gehören dem Staat und sind unveräußerlich. Dahinter kann man sich prächtig zurückziehen." Unterdessen zeigt das Museum die Ausstellung "Rediscovering gems", die zumindest einen Teil des durch den Kurator entwendeten Diebesguts zeigt, wie Eva Ladipo in der FAZ berichtet.
Weitere Artikel: Für die Seite 3 der SZ reist Renate Meinhof auf den Spuren Caspar David Friedrichs durch Greifswald und Umgebung, wo sie unter anderem den Kunsthistoriker Kilian Heck trifft, der sich verwundert zeigt, weshalb keine der großen Friedrich-Ausstellungen die Rezeption Friedrichs im Nationalsozialismus thematisiert. Meinhof kommt "das Wort Missbrauch nicht übertrieben vor, denn der Nationalsozialismus hat sich natürlich 'seinen' Friedrich erschaffen, der nun ganz zum 'nordisch-germanischen Typ' wird, mit den rotblonden Haaren, den blauen Augen, ein Mann mit 'vaterländischer Gesinnung', der in pommerscher Weite, den Urgewalten ausgesetzt, Hünengräber zeichnet, und standhafte deutsche Eichen." Für die tazspricht Erica Zingher mit dem israelischen Kriegsfotografen Ziv Koren, dessen Aufnahmen aus Gaza seit dem 7. Oktober derzeit im Berliner Abgeordnetenhaus zu sehen sind.
Besprochen wird die große Yoko-Ono-Retrospektive in der Tate modern in London (Zeit, mehr hier), die beiden Berliner Ausstellungen zu Gundula Schulze Eldowy: "Halt die Ohren steif!" in der Akademie der Künste und "Berlin in einer Hundenacht" im Bröhan-Museum (SZ, mehr hier)
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