
Ende April erscheint in Tschechien der neue Roman "Bílá voda (Weißwasser)" der
Schriftstellerin Kateřina Tučková, der sich wieder einem interessanten historischen Kapitel widmet: Bíla voda ist ein
Kloster in einem kleinen Dorf an der polnischen Grenze, in dem die Kommunisten Anfang der Fünfzigerjahre
Hunderte von Ordensschwestern internierten. Im Gespräch mit Tomáš Maca
berichtet die Autorin von ihren Recherchen: "Von solchen Internierungsklostern gab es in der totalitären Tschechoslowakei mehrere; insgesamt über siebentausend tschechischer und viertausend slowakischer Nonnen waren in ihnen untergebracht. Die meisten befanden sich in den
Sudetengebieten, die nach dem Krieg verwaist waren, sodass man die Nonnen dort fernab von den Blicken der Menschen wegsperren konnte." Das Dorf Weißwasser habe wegen der damaligen Undurchlässigkeit der Grenzen buchstäblich am
Ende der Welt gelegen, es führte nur ein einziger Weg dorthin, und es gab nur das Kloster, eine psychiatrische Anstalt und wenige bewohnte Häuser. "Wenn die Nonnen das Dorf verlassen wollten, mussten sie eine Erlaubnis einholen. Der
Passierschein wurde ihnen von den Zuständigen meist nur für einen halben Tag ausgestellt, was bei der Ablegenheit des Ortes für sie nicht viel Sinn hatte." Im Rahmen der Schauprozesse endeten einige der landesweiten Klostervorsteherinnen dann als politische Gefangene. "Neben der Beseitigung der ältesten Ordensschwestern hat mich aber vor allem die Art erschüttert, wie die Kommunisten mit den jüngsten Nonnen umgingen (…) Es wurden Männer dafür bezahlt, sie zu verführen und zu schwängern, sodass sie nicht mehr in ihre Orden zurückkehren konnten. Im besten Fall sollten sie sie verliebt machen, aber natürlich ist auch von Vergewaltigungen die Rede." Und noch ein weiteres interessantes Kapitel hat Tučková in ihrem Roman verarbeitet: "In der
Untergrundkirche Koinótés, die
Bischof Felix Davídek in Opposition zur offiziellen Struktur der tschechoslowakischen katholischen Kirche gegründet hatte, wurden nach den vorhandenen Quellen
sechs Frauen zu Priesterinnen geweiht." Es sei eine Möglichkeit für die internierten Nonnen gewesen, ihren Glauben weiter zu praktizieren, nachdem die Kommunisten ihnen die männlichen Priester entzogen hatten. Namentlich bekannt sei jedoch nur Ludmila Javorová, weil die andern Priesterinnen anonym bleiben wollten.