Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 43

Magazinrundschau vom 31.03.2009 - Economist

Was ist dran am neuen amerikanischen Populismus, der sich vor allem gegen die Finanzinstitutionen richtet? Sein Fundament ist stabil, fürchtet der Economist, und belegt das mit statistischen Daten, die einen großen Verlust des Vertrauens in Institutionen allgemein belegen: "Eine Umfrage zu den Entwicklungen der Gesellschaft erhebt seit 1972 statistische Daten (unter anderem) zum Vertrauen in wichtige Institutionen. Die vorläufigen Zahlen für 2009 zeigen einen markanten Absturz des Vertrauens in alle US-Institutionen, mit der Ausnahme des Militärs und des Bildungssektors. Der Anteil derjenigen, die 'großes Vertrauen' haben, fiel zwischen 2000 und 2008 fürs Big Business von 30 auf 16 Prozent, für die Banken von 30 auf 19 Prozent, für die organisierte Religion von 29 auf 20 Prozent, für die Exekutive von 14 auf 11 und für den Kongress von 13 auf 11 Prozent. Gestiegen war es fürs Militär, auf 52 Prozent. Das sind die Zahlen, aus denen unerfreuliche Bewegungen gemacht sind."

In gleich zwei Artikeln im Wirtschafts-Sonderteil wird erklärt, dass das nun erhältliche indische Billigauto Tata Nano (rund 1600 Euro teuer; Bild) erstens ein erstaunliches Fahrvergnügen bereitet und warum es zweitens die Probleme seines Produzenten nicht unbedingt lösen wird. In weiteren Artikeln geht es etwa um die Erfolge von Online-Partnervermittlungen in Krisenzeiten, um Cowboy-Dichtung. Besprochen wird unter anderem Alain de Bottons neuer Essayband über "Lust und Ärger der Arbeit" (mehr auf seiner Website).

Magazinrundschau vom 24.03.2009 - Economist

Spätestens die Finanzkrise, glaubt der Economist, wird an den Tag bringen, was die Internet-Wirtschaft noch immer gerne leugnet: Die Zeiten, in denen der Nutzer alles umsonst bekommt, sind vorbei. "Es überrascht natürlich nicht, dass rivalisierende Suchmaschinen, soziale Netzwerke oder Video-Angebote ihre Dienste umsonst anbieten, um Nutzer zu locken. Die schwierige Frage, wie das Geld wieder reinkommen soll, stellen sie dabei gerne hintan, schließlich fällt, wer früh gleich ans Verdienen denkt, schnell zurück. Am Ende aber braucht jedes Geschäft Einnahmen - und Werbung allein, das wird endgültig klar, reicht da nicht aus. Umsonst-Inhalte und -Dienste waren eine verführerische Idee. Die Lektion von zwei Internet-Blasen jedoch lautet, dass irgendwer irgendwo doch die Rechnungen begleichen muss." (Und wird dann auch der Economist seine kostenlosen Artikel wieder hinter einem Paywall verstecken? Unauffindbar für Google?)

In der Titelgeschichte geht es um den prekären neuen Großmachtstatus Chinas - und was er für den Rest der Welt bedeutet. Besprochen werden unter anderem das Buch "Indien neu erfinden" (Website) des intellektuellen Unternehmers Nandan Nilekani und Martin Gayfords Biografie "Constable als Liebender" (Website).

Magazinrundschau vom 17.03.2009 - Economist

Der Economist rühmt Samuel D. Kassows Buch "Who Will Write Our History? Emanuel Ringelblum, the Warsaw Ghetto, and the Oyneg Shabes Archive". Der polnisch-jüdische Historiker Ringelblum und andere Historiker, die im Warschauer Ghetto saßen, hatten Mitgefangene angehalten, ihr Leben dort zu dokumentieren. "Das Archiv reicht von seltenen Zeugenaussagen bis zu Arbeiten von Historikern wie Ringelblums eigene lange Analyse der polnisch-jüdischen Beziehungen. Etwa 35.000 Seiten (nur ein Teil des Ganzen) überlebten, begraben in Milchkannen und Blechdosen, den Krieg. Einige waren vorsichtig zugelötet worden; andere hatten geleckt und unlesbare feuchte Klumpen hinterlassen, die sorgfältige Konservierungsarbeit erforderten. Dass die Dokumente überhaupt ans Licht kamen, ist der Beharrlichkeit Rachel Auerbachs zu verdanken, einer der einzigen drei Überlebenden, die an diesem Projekt beteiligt waren. Sie war es, die 1946 nach Warschau ging und forderte, dass die halb erfrorenen und hungrigen Überlebenden der zerstörten Stadt die Anstrengung unternahmen, das Archiv aus den Ruinen auszugraben." Der Economist bedauert nur, dass Kassow keine Außenansicht des Ghettos bietet und dass er oft die Worte "Pole" und "Jude" benutzt, als ob das Gegensätze wären, obwohl "viele Menschen, über die er schreibt, gesagt hätten, dass sie beides sind". (Hier auch eine Besprechung aus The New Republic)

Außerdem gibt es in diesem Heft einen Schwerpunkt zum Unternehmertum, das laut Adrian Woolridge eine globale Renaissance erfahren. Die Wirtschaftskrise sei geradezu von Vorteil für Entrepreneure, denn "talentierte Mitarbeiter können leichter gefunden und billige Büros leichter gemietet werden. (...) Microsoft, Genentech, Gap und The Limited wurden alle in Rezessionen gegründet. Hewlett-Packard, Geophysical Service (jetzt Texas Instruments), United Technologies, Polaroid und Revlon starteten während der Depression."

Magazinrundschau vom 10.03.2009 - Economist

Die Realität existiert! Aber nur, wenn wir nicht hingucken, berichtet der Economist. Bewiesen wurde das jetzt von Kazuhiro Yokota von der Osaka Universität und von Jeff Lundeen und Aephraim Steinberg von der University of Toronto. Beide haben die Richtigkeit von Hardys Paradox nachgewiesen. "In den 1990er Jahren entwarf ein Physiker namens Lucien Hardy ein Gedankenexperiment, das die berühmte Interaktion zwischen Materie und Antimaterie - wenn ein Teilchen sein Antiteilchen trifft, zerstören sie sich gegenseitig in einer Energieexplosion - in Unsinn verkehrt. Dr. Hardys Entwurf ließ die Möglichkeit offen, dass in einigen Fällen, wenn die Interaktion nicht beobachtet wird, Teilchen und Antiteilchen aufeinander einwirken und dennoch überleben konnten. Da man der Interaktion nicht zusehen durfte, konnte natürlich niemand bemerken, ob sie stattfand. Darum heißt das Ergebnis Hardys Paradox."
Stichwörter: Toronto, Osaka, 1990er

Magazinrundschau vom 17.02.2009 - Economist

Zu den Vorteilen einer weltoffenen Zeitschrift, wie der Economist so exemplarisch eine ist, gehört, dass sie auch einen Korrespondenten in Sidney hat, der dort Cate Blanchett auf der Bühne erleben kann, und zwar in einer offenbar sehr interessanten Inszenierung: "Es ist inzwischen ziemlich normal, dass Filmstars auf den Bühnen des Londoner Westend oder am Broadway auftreten, aber Blanchetts Auftritt in Sidney ist doch nochmal etwas anderes: Sie spielt den König in Shakespeares 'Richard II.', im ersten Teil einer radikal verdichteten Version der acht Historien-Dramen. Cate Blanchett und ihr Ehemann, Andrew Upton, haben die künstlerische Leitung der Sydney Theatre Company übernommen, einer Organisation, die auf jeden Fall schon mal eine hohe Meinung von sich selbst hat. 'Wenn man überhaupt von einem australischen Nationaltheater sprechen kann, dann ist die Sydney Theatre Company dieses Nationaltheater', sagt Rob Brookman, der Manager der Truppe."

In weiteren Artikeln geht es um den Zusammenschluss der Hollywood-Studios Dreamworks und Disney sowie, anlässlich der Vorstellung des Kindle 2, um die eher konservativen Benutzer der E-Books - die Technikaffinen lesen ohnehin, argumentiert der Verfasser, auf ihren iPhones. Besprochen werden unter anderem die Memoiren (Verlagsseite) des südafrikanischen Autors Andre Brink und David Reynolds' Geschichte Amerikas in einem Band (Verlagsseite),

Außerdem zeigt sich, in der Titelgeschichte, der Economist bitter enttäuscht von den ökonomischen Plänen Barack Obamas.

Magazinrundschau vom 03.02.2009 - Economist

In Paris steht der Kunstwelt ein Großereignis bevor. Die enorm wertvolle Sammlung von Yves Saint-Laurent und dessen Lebensgefährten Pierre Berge steht zur Versteigerung. Ein von Abu Dhabi unterbreitetes Pauschalangebot für all die Legers, Picassos, Ingres' etc. etc. hat Berge offenbar abgelehnt, darum wird jetzt tout Paris an der Sache beteiligt: "Christie's bereitet jetzt la grande vente vor, an drei Abenden und zwei Tagen wird versteigert, unter Leitung von acht Auktionatoren. Berühmte Kunsthistoriker wie Yves-Alain Bois von der Princeton University haben Aufsätze für den aus fünf Hochglanzbänden bestehenden Katalog verfasst, der für 200 Euro zu haben ist. Highlights der Sammlung waren im September in New York ausgestellt; weitere gibt es in London bis zum 4. Februar, dann in Brüssel, bevor sie in den Grand Palais gelangen. Dort wird die Ausstellung am Wochenende vor dem Verkauf von neun Uhr morgens bis Mitternacht fürs Publikum geöffnet sein. Die Aktivitäten im Grand Palais allein werden Christie's mehr als eine Million Euro kosten."

In einem weiteren Artikel geht es um das bestens besuchte Literaturfestival im indischen Jaipur. Besprochen werden unter anderem Simon Mawers Roman "The Glass Room" und Christoph Lavers' "Naturgeschichte des Einhorns" . Außerdem gibt's Nachrufe auf die Schriftsteller John Mortimer und John Updike.

Magazinrundschau vom 27.01.2009 - Economist

In zwei neuen Büchern geht es um "Afrikas Weltkrieg" im Kongo. Der Artikel im Economist macht im Vergleich mit dem Kosovo-Krieg deutlich, wie herzlich wenig sich die Welt für Zentralafrika interessiert: "Keiner bezweifelt das Ausmaß des Kriegs im Kongo. Zehn afrikanische Nationen haben 1998 ihre Truppen gesandt. Zwei, Uganda und Ruanda, versuchten, ihre frühere Marionette Laurent Kabila zu stürzen, die anderen gaben vor, ihn zu stützen. Obwohl die damalige US-Außenministerin Madelaine Albright von Afrikas 'erstem Weltkrieg' sprach, kämpften die Armeen wenig. Die entsetzlich hohe Zahl von Opfern - bis zu fünf Millionen - erklärt sich, wie so oft in Afrika, durch die vom Krieg verursachte Vertreibung, durch Hunger und Krankheit. Und die Reaktion im Rest der Welt? Der Kosovo-Krieg, der gleichzeitig stattfand, betraf drei Millionen Menschen, von denen 10000 starben... Im Kongo waren 86 Millionen Menschen betroffen... Der Kosovo ist im Frieden, aber der Krieg im Ost-Kongo, der 1993 begann, ist noch immer nicht beendet."

Besprochen wird daneben unter anderem eine Biografie (Website) des Nicht-Physikern auch von Dietmar Dath her bekannten Physikers Paul Dirac. In einem weiteren Artikel geht es um neue Öko-Filme beim Sundance-Festival. Und hier der aktuelle Stand im Big-Mac-Index, der den Wert von Währungen am Burger misst.

Magazinrundschau vom 20.01.2009 - Economist

Der Economist kommentiert eine Studie, die festellt, dass in den USA das erste Mal seit langer Zeit wieder mehr gelesen wird, auch und gerade in der problematischsten Gruppe, der der 18-24jährigen Männer. Zitiert wird unter anderem Dana Gioia, der scheidende Vorsitzende der nationalen Kulturstiftung National Endwoment for the Arts, die für die Studie verantwortlich ist: "'Die Gesellschaft hat ihre Haltung zur Lesefähigkeit messbar verändert', sagt er. 'Lesen hat wieder eine höhere Priorität'. Vielleicht spielt aber auch die wachsende Beliebtheit seriöser Freizeitvergnügen unterschiedlicher Art eine Rolle. Museen, Literaturfestivals und Live-Übertragungen von Opern in Kinosälen melden steigende Besucherzahlen. Die Studienleiterin Susan Iyengar glaubt, dass die scharfe Trennung zwischen den Viel-Lesern und den Nicht-Lesern verschwindet. Was sich jedoch nicht ändert, ist der Anteil der funktionalen Analphabeten. 21 Prozent der erwachsenen US-Bürger haben im letzten Jahr kein Buch gelesen - weil sie es nicht konnten. Die ist eine der höchsten Raten außerhalb der Entwicklungsländer."

Magazinrundschau vom 13.01.2009 - Economist

In einem längeren Artikel wird erst George W. Bush noch einmal für seine wissenschaftsfeindliche Haltung gescholten, dann werden die von Barack Obama bereits berufenen hochkarätigen WissenschaftsberaterInnen - der nobelpreisgekrönte Physiker Stephen Chu, die Marinebiologin Jane Lubchenco, der Physiker John Holdren, die Genforscher Harold Varmus (auch er ist ein Nobelpreisträger) und Eric Lander (mehr hier) - vorgestellt. Was das alles bedeutet, fasst der Economist so zusammen: "Diese Berufungen bedeuten einen Wandel in der politischen Haltung gegenüber wissenschaftlichem Rat. Als Obama seine Auswahl vorstellte, sagte er, dass die Förderung der Naturwissenschaften nicht nur eine Sache finanzieller Ressourcen ist (wenngleich er versprochen hat, das Budget für Grundlagenforschung in den nächsten zehn Jahren zu verdoppeln), sondern dass es auch um die Förderung der Forschungsfreiheit und die Beachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse geht, 'ganz besonders dann, wenn sie unbequem sind'. Bemerkungen wie diese haben Begeisterung ausgelöst bei vielen Wissenschaftlern, ganz besonders bei denen, die in den letzten Jahren wenig durchgedrungen sind."

Besprochen werden unter anderem das Buch "Finanzlords" (Verlagsseite) über die - in Teilen offenbar nicht sonderlich zurechnungsfähigen - Zentralbankchefs der zwanziger Jahre und ein gelehrter Band über "Schneetouristen" - hier die Website zum Buch mit einem Auszug (ah, und wieder ein Economist-Überschriften-Kalauer der schärferen Art, versteckt in der Statusanzeige unten: "Snow job").

Magazinrundschau vom 06.01.2009 - Economist

In einem sehr interessanten Artikel geht es um die "Generation Net" und nicht zuletzt darum, welche Schwierigkeiten die älteren Chefs mit der nachdrängenden Netz-Generation haben: "Die Netz-Generation ist mit Computern aufgewachsen; die 'Generation Net'ler sind voller Selbstvertrauen; und sie finden nichts dabei, hergebrachtes Wissen in Frage zu stellen und eigene Lösungen zu suchen; sie begreifen Arbeit eher als einen Weg zu persönlicher Erfüllung denn nur zum Broterwerb. Das macht den Umgang mit ihnen nicht immer einfach. Chefs beschweren sich, dass die Angehörigen dieser Generation als Kinder immerzu umhegt und gelobt worden sind und jetzt viel öfter Feedback verlangen und die ganz genauen Bedingungen zum beruflichen Aufstieg kennen wollen (ungefähr so wie beim Vorankommen in Computerspielen)."

Besprochen werden unter anderem die Erinnerungen von Azar Nafisi (Autorin von "Lolita lesen in Teheran", Verlag), George Magnus' nüchtern-analytischer Blick (Verlag) auf die demografische Entwicklung der Weltgesellschaft, ein Buch (Verlag) ,das dem Kopf von Oliver Cromwell nachforscht und Hugh Warwicks Liebeserklärung ans charmanteste Tier der Welt: den Igel (Verlagsseite). Außerdem ein Nachruf auf Harold Pinter.