Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 12 von 43

Magazinrundschau vom 07.07.2009 - Economist

In ihrem Buch "Der Geruch des Kontinents" zeichnen Richard Mullen und James Munson die Geschichte der Reisen von Großbritannien auf den Kontinent nach. Die Zahlen, die sie eruiert haben, deuten auf ein gewaltiges Wachstum während des 19. Jahrhunderts hin: von weniger als 10.000 Reisenden pro Jahr ab 1814 bis zu 250.000 Reisenden in den 1860ern. Kein Wunder: "Zu Beginn des Jahrhunderts dauerte eine Reise von London nach Paris drei oder vier höchst anstrengende Tage und Nächte; in der Mitte des Jahrhunderts konnte man es schon in elf Stunden schaffen, so dass ein Tagesausflug in die französische Hauptstadt möglich wurde... Schon deutlich vor 1914 konnte ein Londoner sein Haus am frühen Morgen verlassen, in Paris Mittagessen, dann noch ein bisschen shoppen gehen und trotzdem rechtzeitig zum Dinner zu Hause sein."

Außerdem besprochen: das Buch "Schiwagos Vermächtnis" (Website) von Vladislav Zubok über die Generation der sowjetischen Intelligentsia im "silbernen Zeitalter" zwischen Stalins Tod und der Kälteperiode ab Breschnew und ein Essay (Website des Verlags), in dem der Historiker Archie Brown der Frage nachgeht, wie der Kommunismus den Erfolg haben konnte, den er hatte. In einem weitere Artikel geht es um den nach 238 Tagen nun wohl feststehenden Sieg des Comedian Al Franken im Kampf um den Senatsposten von Minnesota (wo man mit Sinn für Humor auf das Gezerre reagierte: "Eine Kleinstadt war so gelangweilt von der Angelegenheit, dass sie schon Pläne machte, den Gewinner in einem Wettrennen zweier Schweinchen, die auf die Namen der Kontrahenten getauft wurden, zu bestimmen.") Und natürlich: Ein Nachruf auf Michael Jackson.

Magazinrundschau vom 30.06.2009 - Economist

Das neue Akropolis-Museum in Athen ist ein starkes Argument für die Rückkehr der Elgin-Marbles an Griechenland. Aber nicht stark genug, meint der Economist, der stattdessen vorschlägt, dass Griechenland die jüngsten internationalen Bemühungen um verstärkte Leih- und Austauschaktionen akzeptieren sollte: "Die Alternative ist die zwischen einer freien Zirkulation der Schätze und einem Patt, bei dem jedes Museum das an sich krallt, was es als sein Eigentum behauptet. Statt große Töne zu spucken sollte der griechische Kulturminister das Britische Museum herausfordern und eine Ausleihe fordern. Die nervösen Briten müssten sich darauf wenigstens teilweise einlassen und zum Beispiel ein Stück des Parthenon-Frieses nach Athen schicken. Rücken die Griechen es nicht wieder raus: Na gut. Falls aber doch, dann ließe sich das Leihprogramm ausweiten."

Besprochen werden neue Bücher zur Finanzkrise, ein Band, in dem sich Werner Herzog an die Dreharbeiten zu "Fitzcarraldo" erinnert. Der Nachruf gilt Lord Ralf Dahrendorf. Auf der Titelseite ist übrigens unter der Überschrift "Die geheimnisvolle Frau Merkel" die deutsche Bundeskanzlerin zu sehen - der Artikel dazu ist hier, außerdem noch eine Analyse mit dem Titel "Die Botschaft heißt: Merkel".

Magazinrundschau vom 23.06.2009 - Economist

Unter der Überschrift "Twitter: 1, CNN: 0" kommt der Economist zum Ergebnis, dass es gerade eine Mischform von neuen und alten Medien war, die bisher in der Iran-Berichterstattung am meisten überzeugen konnte: "Beeindruckend waren vor allem die Schreibtisch-Blogger. Nico Pitney von der Huffington Post, Andrew Sullivan von The Atlantic und Robert Mackey von der New York Times wateten durch einen Morast von Informationen und zogen die brauchbarsten Stücke heraus. Ihre Websites wurden zu einem Misch-Masch aus Tweets, Wahlforschung, Videos und Links zu Zeitungen und Fernsehberichten. Es war nicht schön anzusehen und manches erwies sich als inkorrekt. Es war aber die bei weitem umfassendste Berichterstattung in englischer Sprache. Der Gewinner im Rahmen der Berichterstattung zu den Protesten im Iran waren weder die alten noch die neuen Medien, sondern eine Mischung von beiden."

Der politische Kommentar sieht nur zwei Optionen für das Regime, von denen das Weitermachen wie bisher keine mehr ist: Niederwerfen oder Nachgeben.

In einem weitere Artikel ist zu erfahren, dass die schwul-lesbische Szene in China sich inzwischen einige Freiräume erarbeitet hat: "Es gibt eine große Anzahl von Schwulen- und Lesben-Bars, -Clubs, -Unterstützergruppen und Websites. Jede Menge Möglichkeiten, sich mit anderen chinesischen Schwulen - die sich spielerisch 'Kameraden' nennen - zu vernetzen. Eine überraschende Website richtet sich sogar ausdrücklich an Schwule in der chinesischen Armee und bei der Polizei." Was natürlich nicht heißt, dass es nicht auch noch massive Repressionen gäbe.

Magazinrundschau vom 16.06.2009 - Economist

Der bemannte Solarflug ist, wie der Economist berichtet, in Reichweite. Das neuste Modell eines allein mit Sonnenenergie-Leistung betriebenen Flugzeugs ist nun testbereit. Freilich ist der Fortschritt auch über den Wolken nach wie vor eine Schnecke: "Obwohl das HB-SIA-Modell eine Flügelspannweite von 61 Metern besitzt, ist nur Platz für den Piloten.... Ein Viertel des Gewichts verursachen die Lithium-Polymer-Batterien, die die vier elektrisch betriebenen Propeller mit Strom versorgen. Sobald die Flüge dann länger werden und größere Höhen erreichen, wird das Flugzeug seinen Strom von den Solarzellen beziehen. Es wird nur langsam fliegen, etwa 70 km/h unter windstillen Bedingungen erreichen. Seine Elektromotoren haben eine Höchstleistung von 9 KW oder 12 PS - das ist ziemlich genau so viel, wie auch die Brüder Wright einst zustande brachten."

Besprochen werden eine Studie von Justin Fox über den "Mythos der rationalen Märkte" (Verlagsseite) und Patricia Faras rasante Geschichte der "Wissenschaft" von Babylonien bis in die Gegenwart (Verlagsseite).
Stichwörter: Wissenschaft

Magazinrundschau vom 09.06.2009 - Economist

Der Economist hat die Memoiren "Das Leben eines amerikanischen Träumers" des ehemaligen US-Finanzministers Peter Peterson gelesen und daraus manche Lektion gelernt. Zum Beispiel, dass Politiker eiskalt wider besseres Wissen handeln: "Das riesige Haushaltsdefizit ist nur die Spitze des Eisbergs, warnen Peterson und der von ihm finanzierte Think Tank auf Postern und in einer erstaunlich sehenswerten Dokumentation. Der Staat hat Verpflichtungen in Höhe von 483.000 Dollar pro Haushalt, vor allem in Form nicht gedeckter Zusagen für Krankenversicherungen und Renten. Politiker haben aber zu viel Angst, vor den jeweils kommenden Wahlen, irgendetwas dagegen zu tun. Peterson schreibt in dem Buch über den Schock, den er erlebte, als er sich mit Bill Clinton zusammensetzte. Der stimmte ihm zu, dass die sozialen Sicherheitsnetze (das öffentliche Rentensystem) bankrott seien. Dann stand er auf und versicherte auf einer Kundgebung den Wählern, alles stehe zum besten."

Außerdem besprochen wird auch Matthew Glass' Thriller "Ultimatum", der die Folgen der Klimaerwärmung drastisch vor Augen führt.

Magazinrundschau vom 19.05.2009 - Economist

In zwei Artikeln widmet sich der Economist dem Stand der Dinge im Zeitungs- und Nachrichtenbusiness. Und er leugnet zwar die Gefährdungen und Veränderungen nicht, weigert sich aber standhaft, wenn nicht sogar recht fröhlich, in die in Deutschland üblichen Untergangsgesänge zu verfallen: "Die einzige Gewissheit über die Zukunft der Nachrichten ist, dass sie sich von der Vergangenheit unterscheiden wird. Die Zeiten sind vorbei, in denen ein paar große Titel mit ihren Schlagzeilen die Geschichte des Tages bestimmen können. Die öffentliche Meinung wird sich vielmehr aus tausenden unterschiedlicher Stimmen mit ebenso vielen unterschiedlichen Perspektiven und Schwerpunkten zusammensetzen... Wer sich nicht für Politik oder Wirtschaft interessiert, wird wohl eher seltener als bisher trotzdem damit zu tun bekommen; die aber, die sich interessieren, werden die besseren Argumente an die Hand bekommen, mit denen sie dann von der Politik Rechenschaft fordern können. Und genau dafür braucht schließlich die Gesellschaft die Nachrichten."

Ein zweiter, umfangreicher Artikel stellt die neue Welt der Nachrichten schon etwas detaillierter vor. Es geht darin unter anderem um unpersönliche Aggregatoren wie Google News. Und persönlichere, die ein wichtiger Teil der Zukunft sein dürften: "Manche davon sind reichlich eklektisch, wie The Daily Beast und der Druge Report - der Großvater der individuelleren Aggregatoren. Andere sind spezifischer, wie der Perlentaucher, eine deutsche Website, die sich auf Kultur spezialisiert... Altgediente Nachrichtenmenschen beschweren sich immer häufiger, diese Aggregatoren seien 'Parasiten', die von ihrer Arbeit profitieren. In gewisser Weise sind sie das auch; allerdings können Parasiten auch sehr nützlich sein. Je erratischer die Qualität des Journalismus wird, desto lebenswichtiger wird das Filtern."
Stichwörter: Google News, Parasite

Magazinrundschau vom 12.05.2009 - Economist

Eine durchaus ungewöhnliche Person würdigt der Economist in dieser Woche mit einem ausführlichen Nachruf: den österreichisch-amerikanischen Geisterjäger Hans Holzer. "Geister, erklärte er, sind etwas ganz Natürliches. Sie sind einfach menschliche Wesen, die nicht gemerkt haben, dass sie gestorben sind. Sie haben ihre körperliche Hülle abgelegt, aber ihre inneren Empfindungssinne bleiben erhalten; mit ihnen gehen sie um wie zuvor. Sie sind entweder in emotionalem Aufruhr, gefangen zwischen den Welten des 'Hier' und des 'Dort' und werfen mit Vasen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Oder sie sind friedliche 'Zurückbleiber', die so sanft gestorben sind, dass sie nie die Mühe auf sich nehmen, den Ort zu verlassen, den sie kennen. Das erklärt zum Beispiele, sagte Hans Holzer, wie eine trauernde Familie am Mittag Tante Minnie begräbt und sie nachmittags um drei wieder in ihrem Stuhl sitzend vorfinden kann."

Besprochen werden unter anderem Horatio Clares Sachbuch "Eine einzige Schwalbe" (Verlagsseite), das der Reise des titelgebenden Vogels von Südafrika nach Südwales folgt und Jay Taylors Biografie "Der Generalissimo" (Verlagsseite), die für eine freundlichere historische Einschätzung des chinesischen Diktators Chiang Kai-Shek plädiert.
Stichwörter: Südafrika

Magazinrundschau vom 21.04.2009 - Economist

Google kann bekanntlich alles, weiß alles und schluckt alles. Jetzt kann die Suchmaschine auch noch hellsehen: "Hal Varian, ein Wirtschaftsprofessor in Berkeley, der zufällig auch noch der Chefökonom von Google ist, glaubt, dass aus Internet-Such-Statistiken gewonnene Daten dabei helfen können, bestimmte ökonomische Entwicklungen vorherzusagen, bevor sie statistisch nachweisbar sind. In einem Artikel, den er mit seinem Google-Kollegen Hyunyoung Choi geschrieben hat, kommt er zum Schluss, dass die Fluktuationen in der Häufigkeit, mit der die Leute online nach bestimmten Worten oder Wendungen suchen, dabei sehr nützlich sind. Mit ihrer Hilfe lasse sich die Genauigkeit der ökonometrischen Modelle verbessern, mit denen sich zum Beispiel die Verkaufszahlen im Einzelhandel oder auf dem Immobilienmarkt voraussagen lassen. Die realen Zahlen auf diesen Gebieten haben immer Verspätung. Googles Suchdaten dagegen werden täglich aktualisiert, so dass sie theoretisch Veränderungen im Konsumenten-Verhalten vor der Veröffentlichung offizieller Zahlen abbilden können."

Vorgestellt wird ein Buch des ehemaligen irakischen post-saddamitischen Regierungsbeamten Ali Allawi, in dem er die "Krise der islamischen Zivilisation" beschreibt: "Ruhig und gründlich dekonstruiert Allawi die Idee eines Erstarkens des Islam. Die islamistischen Bewegungen und säkularen Regierungen haben zwar reichlich Lippenbekenntnisse zum Islam abgelegt, aber seien alle miteinander grandios gescheitert bei ihren Versuchen, sich auf authentische islamische Prinzipien zu stützen - Prinzipien, die für Allawi mit innerer Spiritualität genausoviel zu tun haben wie mit äußerer Religiosität. Die Ergebnisse kann man überall sehen. Autokratische Regierungen verletzte Menschenrechte, im Iran, in Saudi-Arabien, im Sudan oder auch in säkularen Staaten wie Ägypten und Syrien. Die Wirtschaft ist korrupt und dilettantisch, die angeblichen ethischen Prinzipien - wie ein islamisches Bankwesen - sind reine Fassade."

In weiteren Artikeln geht es um schlechte Verkaufszahlen für Nintendo, die das Unternehmen durch Erweiterung seines Sortiments zu kontern versucht und um das aufgeschobene, aber nicht aufgehobene Internet-Zugangs-Sperrgesetz in Frankreich. Die Titelgeschichte, die dem zukünftigen Präsidenten Südafrikas Jacob Zuma gewidmet ist, wird ergänzt durch die Besprechung von gleich drei Sachbüchern zur jüngsten Geschichte des Landes. Besprochen wird außerdem unter anderem eine "meisterhafte" Studie von Richard A. Goldswaite über die "Ökonomie der Renaissance in Florenz". Einen Nachruf gibt es auf den Filmkomponisten Maurice Jarre.

Magazinrundschau vom 14.04.2009 - Economist

Ein hoch informativer Artikel erklärt, warum das Wasser auf der Erde, allem Anschein zum Trotz, knapp werden könnte in den nächsten Jahrzehnten. Bevölkerungswachstum und Verstädterung sind zwei Gründe, nicht zu unterschätzen ist ein damit verbundener dritter: "Nahrungsmittel benötigen zu ihrer Herstellung sehr unterschiedliche Wassermengen. Für den Anbau von einem Kilo Weizen braucht man etwa 1000 Liter. Für ein Kilo Rindfleisch aber ziemlich genau 15.000. Die fleischreichen Ernährungsgewohnheiten der Amerikaner und Europäer erfordern für die Produktion etwa 5000 Liter Wasser am Tag. Die vegetarische Ernährung in Afrika und Asien verbraucht etwa 2000 Liter am Tag (zum Vergleich: zum Trinken und Waschen benötigen die Menschen im Westen nur etwa 100 bis 250 Liter am Tag). Darum hat die Verschiebung von vegetarischer zu fleischreicher Ernährung gewaltige Auswirkungen auf den Wasserbrauch. 1985 aßen die Menschen in China ca. 20 kg; in diesem Jahr werden es etwa 50 kg sein. Das macht einen Unterschied von rund 390 Billionen Liter - das ist beinahe der gesamte Wasserverbrauch in Europa."

Außerdem geht es unter anderem um die bedenklich sinkenden Einschaltquoten bei den großen US-Nicht-Kabel-Sendern ABC, NBC, CBS und Fox. Besprochen werden neue Bücher zur Klimakrise, eine Dorothy-Wordsworth-Biografie, Alaistair Crookes für den Rezensenten schwer erträglicher Versuch, gute Gründe für den islamistischen Widerstand gegen den Westen zu finden, und die Ausstellung "Baroque: Style in the Age of Magnificence" im Victoria and Albert Museum.

Magazinrundschau vom 07.04.2009 - Economist

Der Economist verteidigt in der Titelgeschichte und in einem zusätzlichen "Special Report", wie es für ihn als wirtschaftsliberales Medium seine gottverdammte Pflicht ist, die Reichen gegen alle übertriebenen Vorwürfe: "Das System ist schon in der Selbstkorrektur begriffen. Die Reichen sind nicht mehr so reich, wie sie waren. Rund 10 Billionen Dollar sind verloren, rund ein Viertel des Eigentums der Reichen. Ungleichheit nimmt ab. Investment-Banken und Hedge-Fonds schrumpfen; Private-Equite-Firmen haben Schwierigkeiten, Übernahmen zu finanzieren. (...) Selbst dem Repräsentationskonsum geht's nicht mehr so gut: Net-a-porter, eine ziemlich teure Website, bietet ihren Kunden inzwischen an, die Designer-Kleidung in braunen Papiertüten zu liefern."

In weiteren Artikeln geht es um Online-Spiele in China und die Kämpfe um die Zukunft des Cloud-Computing. Besprochen werden unter anderem Jonathan Bates Buch "Biografie eines Geistes" (Website) über die Welt des William Shakespeare und Neal Bascombes Schilderung der Jagd auf Adolf Eichmann.