Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 9 von 43

Magazinrundschau vom 21.06.2011 - Economist

Mag sein, die Welt kommt inzwischen halbwegs klar mit den periodisch hochkochenden Kunstfälscher-Skandalen. Dem einen oder anderen aber bleibt vielleicht der edle Tropfen im Halse stecken, wenn er von etwas so Schrecklichem wie der um sich greifenden Fälschung teurer Weine lesen muss: "Weinkenner sind wie Kunstsammler. Die wenigsten erkennen den Unterschied zwischen einer gutgemachten Fälschung und dem Echten. Während aber Kunstfälschung schon lang existiert, ist Weinfälschung relativ neu. ... Die einfachste Technik besteht noch darin, ein 1982-Chateau-Lafite-Label (einer der teuersten jüngeren Jahrgänge) auf eine 1975er Chateau-Lafite-Flasche zu kleben. Ein anderer Trick ist die Bestechung des Sommeliers eines Edelrestaurants, der die leeren Flaschen mit einstmals sehr edlem Inhalt mitsamt Korken nach draußen reicht. Die kann man dann mit ordentlichem Gewinn vergleichsweise billig befüllen und teuer verkaufen. Leere Lafite- und Latour-Flaschen kosten bei ebay ein paar hundert Euro."

Magazinrundschau vom 07.06.2011 - Economist

Zeit, Energie, Nerven könnte man sparen, wenn Autos auf längeren Reisen nicht selbständig führen, sondern in einer zentral gesteuerten Kolonne hintereinander her rollten. Tatsächlich gibt es ein Forschungsprojekt, das genau die Bedingungen der Möglichkeit des Kolonnenverkehrs untersucht. Es trägt den sehr schönen Akronymnamen SARTRE (Safe Road Trains For The Environment) und der Economist stellt es in seiner Technikbeilage vor: "Die Idee ist, dass Fahrer durch die Einordnung in die Kolonne und die Übergabe der Kontrolle über den Wagen an einen professionellen Führfahrer die Fahrt viel angenehmer verbringen. Als Passagiere können sie lesen, einen Film sehen, im Netz surfen und sogar schlummern... Die Lücke zwischen den Kolonnen-Fahrzeugen wird eng sein, aber computerkontrollierte Systeme könnten auf jedes plötzliche Bremsen oder anderes erratisches Verhalten viel schneller reagieren als ein menschlicher Fahrer und so Kollisionen verhindern... Allerdings ist der technologische Aufwand für das Vorhaben beträchtlich. Jedes Auto, das in eine Kolonne hineinmöchte, müsste sein Fahrtziel angeben, um dann über eine passende Kolonne in seiner Nähe informiert zu werden. Das Auto fährt dann ans rückwärtige Ende der fahrenden Kolonne und ein drahtloses Funksystem mit dem Namen IEEE 802.11p, das speziell für die Kommunikation zwischen Fahrzeugen entwickelt wurde, ermöglicht dem Magen, sich von einem Führfahrzeug - wohl einem LKW - versklaven zu lassen."

Magazinrundschau vom 24.05.2011 - Economist

Die amerikanische Supermarktkette Walmart ist seit 1996 auf dem chinesischen Markt präsent, macht jedoch keine großen Geschäfte. Der chinesische Konkurrent Wumart steht etwas besser da, leider ist der Gründer wegen Bestechung im Knast. An den Supermärkten lässt sich, so der Economist, exemplarisch ablesen, wie sehr es in China noch an einer zahlungskräftigen Mittelklasse fehlt: "Nur 1,4 Prozent der städtischen Haushalte verdienen mehr als 15000 $ im Jahr, nur 11 Prozent zwischen 5000 und 15000 $. Und alle sparen wie verrückt, da sie, außer sie arbeiten für den Staat, kaum auf eine ausreichende Rente hoffen dürfen. Kein Wunder, dass sie niedrige Preise lieben. Auch kein Wunder, dass die Regierung, die alles, was Unruhe verursachen könnte, fürchtet, Angst vor Inflation hat. Offiziell liegt die Inflationsquote bei 5,3 Prozent, in Wahrheit wohl höher. Die Regierung hat Zinsen erhöht, das Horden von Lebensmitteln verboten, Unterstützungen für die ärmsten Familien angehoben und den Mindestlohn erhöht. Und sie geht scharf vor gegen Unternehmen, die sie des Inflationstreibens verdächtigt. Unilever musste in diesem Monat eine Strafe von 310000$ zahlen, weil das Unternehmen gegenüber Reportern andeutete, dass es zu Preiserhöhungen kommen könnte - die Nachricht führte im März zu Panikkäufen von Shampoo."
Stichwörter: Rente, Mittelklasse, Inflation

Magazinrundschau vom 10.05.2011 - Economist

Der Online-Werbemarkt ist im ständigen Wandel. Der jüngste Trend sind Echtzeit-Auktionen, bei denen der Werbeplatz auf den jeweiligen Besucher zugeschnitten wird, dessen Interessen die Website an den vielen zuvor auf dem Rechner verankerten Cookies erkennt. Die Vorteile für die Werbeindustrie liegen auf der Hand: "Konventionelle Display-Anzeigen sind einfach ineffektiv, sagt Jakob Nielsen von GroupM, einem großen Einkäufer. Angenommen eine Firma möchte junge Männer erreichen. Dann kauft sie Anzeigen im Sportteil eines großen Portals wie etwa Yahoo! Sie wird dabei aber für die Frauen, die die Seite besuchen, mitbezahlen. Wenn sie gleichzeitig Anzeigen im Sportteil eines anderen großen Portals bucht, wird sie den doppelten Preis für Leute bezahlen, die beide Seiten besuchen. Echtzeit-Auktionen beseitigen dieser Probleme, indem sie den Werbenden erlauben, ein bekanntes Publikum zu kaufen. Man öffnet eine Webseite und schon beginnt eine automatisierte Auktion. Die Firmen kaufen einen Werbeplatz, basierend auf ihrer Kenntnis des mutmaßlichen Besuchers. Diese Kenntnis verdankt sich den Spuren, die er, ohne es zu wissen, im Netz hinterlassen hat. Der Gewinner bekommt die Anzeige, oft noch einmal extra zugeschnitten - so dass man etwa mehr Werbung für Cabrios an sonnigen Tagen sieht. Der ganze Prozess dauert in der Regel gerade mal 150 Millisekunden, also weniger als die Hälfte eines Blinzelns."
Stichwörter: Yahoo, Auktion, Cookies, Cabrio

Magazinrundschau vom 05.04.2011 - Economist

Vorsichtig optimistisch (und tendenziell sehr islamfreundlich) kommentiert der Economist die Aussicht, dass vor allem die Islamisten von den Revolutionen im arabischen Raum profitieren könnten. Was nichts daran ändert, dass es da derzeit ganz schön seltsame Bettgenossen gibt: "Irgendwas stimmt nicht ganz an Muammar Gaddafis Behauptung, die libysche Revolution sei eine Al-Qaida-Verschwörung. Diese Dschihadis unterstützen schließlich mit großem Enthusiasmus die von der NATO angeführten Bombardierungen. 'Ein Segen', meint etwa Sufian bin Qumu, der sechs Jahre als Gefangener in Guantanamo verbracht hat und LKWs für Osama bin Ladens sudanesische Transportfirma chauffierte, bevor er sich in die afghanischen Lager aufmachte. 'Exzellent', findet auch Abdel Hakim al-Hisadi, ein Rebellenkommandeur, der sein Training im Lager Khost erhielt, der Basis von Bin Laden in Afghanistan. 'Das hat wirklich unseren Blick auf den Westen verändert. Er hat unser Volk gerettet und wir haben uns zu bedanken.'" (Deutlich skeptischer als der Artikel fallen die Kommentare darunter aus.)

Magazinrundschau vom 22.03.2011 - Economist

Hollywood ist (nicht nur) in den USA in schwerer Bedrängnis, da der Homevideo-Markt der Blu-Ray zum Trotz immer weiter einbricht. Das zentrale Problem ist nicht einmal die Piraterie, gefährlicher sind die Billigverleiher von den Walmart-Kiosken und der Postverleih- und Streaming-Riese Netflix. Die Studios werden, wie der Economist berichtet, nun versuchen, den Verkauf auf allen möglichen Kanälen selbst in die Hand zu nehmen - mit diesem Modell: "Kauf einen Film, sei es als Download oder als Blu-Ray mit Digitalrechten, und ein Gutschein wird auf dem Konto deponiert. Theoretisch könnte man den Film dann entweder über die Set-Top-Box auf dem Fernseher sehen, ihn auf den Laptop oder das Smartphone laden und vielleicht eine weitere Kopie auf DVD brennen. Der Kauf eines Films soll damit einladender werden als das Leihen oder der illegale Download. Diese Methode hätte potenziell einen weiteren Vorteil: Die Studios könnten ihre Filme zielgruppengenauer vermarkten. (...) Im Moment wissen sie über die individuellen Geschmäcker nicht nur weniger als Firmen wie Netflix oder Amazon. Wahrscheinlich wissen sie sogar weniger als ein Shampoo-Hersteller. Wenn die Menschen aber Filme runterladen, hinterlassen sie Hinweise auf ihren Geschmack - Hinweise, die dann in Datenbanken eingegeben werden können und es sehr viel einfacher machen, das mögliche Zielpublikum für den nächsten Film präziser anzuvisieren."

Magazinrundschau vom 11.01.2011 - Economist

Der britische Zeitungsmarkt ist der aktuell wohl am heftigsten umkämpfte, meint der Economist, darum aber auch der innovativste der Welt. Mit völlig entgegengesetzten Strategien versuchen die Verlage, im Netz und im Print das Geld zu verdienen, das ihnen seit der Revolution verloren ging, die das Internet für ihr Geschäft bedeutet. Eine Strategie ist, wie Rupert Murdoch eine Zahlmauer zu errichten. Das schreckt die meisten Leser ab, nicht jedoch Murdochs News Corporation: "Online-Werbung gilt dort als unzuverlässige Einnahmequelle. Zwar wachsen die Ausgaben dafür insgesamt, jedoch wächst die Zahl der verfügbaren Werbeplätze noch viel schneller; in der Konsequenz sind die Preise so niedrig, dass sich ein Leser, der nur einmal oder zweimal im Monat vorbeischaut, kaum lohnt. Was das Unternehmen stattdessen versucht, ist, den regelmäßigen Lesern das Geld direkt abzuknöpfen, ... über Unterhaltungsangebote von iPad-Apps, über Theater-Tickets bis zu Urlauben in Italien. Rund 250.000 Leute kaufen beim Times Wein-Club."
Stichwörter: Apps, Geld, Murdoch, Rupert, Urlaub

Magazinrundschau vom 14.12.2010 - Economist

Die Kassen in Großbritannien sind leer, auch die Ausgaben für Kultur werden massiv gekürzt. Der neue Kulturminister Jeremy Hunt blickt, wie der Economist berichtet, jetzt hilfesuchend in Richtung Amerika und will den Wohlhabenden auf dem Umweg übers kulturelle Gewissen in philantropischer Manier ans Portemonnaie: "Amerikaner spenden im Schnitt 37 Pfund im Monat an kulturelle Institutionen; in Großbritannien sind das 6 Pfund... Und die Reichen sind in Großbritannien weit engherziger als die Armen. Drei Fünftel der größten Spender im Land - jene, die mehr als 100 Pfund im Monat geben - haben Einkommen unter 26 000 Pfund im Jahr. In den USA geben die, die mehr als 150 000 Pfund verdienen, mehr als acht Mal so viel wie die entsprechende Gruppe in Großbritannien. Wie aber macht man die Briten großzügiger? Philanthropen sollen öffentlich belobigt werden, warum nicht mit Auszeichnungen durch die Königin, meinte Hunt; als er im Mai sein Amt übernahm, bestand eine seiner ersten Handlungen darin, persönliche Brief an 200 Spender zu schreiben, in denen er für das Geld dankte und um Unterstützung und Rat bat... Er erklärte, dass gegen größeren Gruppendruck als Ermunterung auch nichts einzuwenden sei. Und er fügte, damit es auch jeder verstehe, mit Winston Churchill hinzu: 'Unseren Lebensunterhalt verdienen wir mit dem, was wir bekommen. Ein Leben wird daraus aber erst mit dem, was wir geben.'"

Außerdem gibt's ein kleines Dossier zu Wikileaks, dem der Economist mit großer Gelassenheit und Nüchternheit begegnet hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Magazinrundschau vom 07.12.2010 - Economist

Der theoretische Physiker Roger Penrose glaubt, dass unser Universum bereits die soundsovielte Inkarnation einer Serie von Universen ist, die von Big Bang zu Big Bang reichen. Für diese Theorie unterstellt er, dass jedes Universum einen Punkt erreicht, an dem die Materie masselos wird und die Zeit deshalb stillsteht. Der Economist erklärt: "Nun weiß man ja, dass die Grundlagen der modernen Physik voll sind von Dingen, die dem, was wir gerne gesunder Menschenverstand nennen, entschieden widersprechen. Selbst vor diesem Hintergrund gelten die Ideen von Dr. Penrose bei seinen Kosmologen-Kollegen allerdings als ein wenig exzentrisch. Sie haben aber einen Vorteil, der ihnen wissenschaftliche Dignität verleiht: sie machen eine Voraussage. Kollisionen von Schwarzen Löchern verursachen sphärische Veränderungen in der Textur der Raumzeit, in Gestalt von Schwerkraft-Wellen. Im Penrose-Modell der Wirklichkeit verschwinden diese Veränderungen keineswegs bei einem neuen Big Bang. Bilder von Kollisionen schwarzer Löcher, die sich vor dem Big Bang ereigneten, könnten sich also als konzentrische kreisförmige Markierungen im entstehenden kosmischen Mikrowellenhintergrund abzeichnen." Das Interessante ist nun: Jüngste Messungen deuten darauf hin, dass es derartige Markierungen tatsächlich geben könnte. 

Ein weiterer Artikel resümiert den Stand der Dinge bei Google - eine nicht weiter aufregende, aber umfassende und faire Bestandsaufnahme der Gegenwart sowie ein Blick auf zukünftige Chancen und Risiken für das Unternehmen im Zeitalter der sozialen Netzwerke.

Magazinrundschau vom 09.11.2010 - Economist

In einem überraschenden Artikel erklärt der Economist, wie viel auch legale westliche Unternehmen von den somalischen Piraten lernen können: "Die Bedrohung von Leib und Leben mal beiseite gelassen, ist das somalische Piraten-Business eindrucksvoll. Ein Experte schätzt, dass jeder Überfall die Piraten ca. 30.000 Dollar kostet. Im Schnitt ist einer von drei Überfällen erfolgreich. Der Lohn für einen Triumph kann freilich im Millionenbereich liegen. Die Organisation hinter den Piraten käme vielen gewöhnlichen Unternehmen vertraut vor. So haben sie ein ähnliches Back-End - dazu gehören reibungslose Logistik und funktionierende Kontrollinstanzen, um die sie die meisten Firmen beneiden dürften. Ihr Erfolg hat in einem Dorf sogar zur Einrichtung einer Piraten-'Börse' geführt, an der die Einwohner Anteile an bis zu siebzig maritimen Überfallsunternehmen kaufen können. Für den Ökonomieprofessor David James ist die wichtigste Lektion aber eine strategische: Er erklärt seinen BWL-Studenten, dass ein Grund für den Erfolg der Piraten in der Vermeidung 'symmetrischer' Konflikte liegt - also etwa von frontalen Angriffen, bei denen sie keine Chance hätten. Stattdessen gehen sie im Verborgenen und überraschend vor, attackieren das Ziel stets an seinem schwächsten Punkt."