Magazinrundschau - Archiv

The Economist

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Magazinrundschau vom 13.12.2011 - Economist

Der Aufmacher spürt den Rissen in Putins Russland nach. Putin, dessen Popularität in den vergangenen Monaten drastisch gesunken ist, könnte sich als gefährlich für das eigene Land und die Region erweisen: "Sein Regime hat die Sicherheitsorgane hart genug im Griff, um abweichende Meinungen für eine gewisse Zeit zu unterdrücken. Doch wie schon die alte Sowjetunion (und das heutige Weißrussland) herausfand, fällt es schwer, die Repression unter wirtschaftlichen Problemen aufrechtzuerhalten. Und unter dem wachsamen Blick des Internets ist es überdies heikel, weiterhin Wahlbetrug im großen Stil zu organisieren. In Russland herrscht das zunehmende Risiko einer sozialen und politischen Explosion, auch wenn es noch zu früh und die Opposition zu zerrissen ist, um viel Hoffnung auf einen russischen Frühling entstehen zu lassen." Siehe auch dieser Begleitartikel zum "langen Leben des Homo sovieticus", der ein recht düsteres Bild der momentanen Lage in Russland zeichnet.

Ein weiterer Themenschwerpunkt befasst sich mit dem Aufstieg der Computerspieleindustrie zum zentralen Player innerhalb der Unterhaltungsbranche. Einige Erklärungsansätze und erstaunliche Zahlen - so machte das Spiel "Call of Duty: Black Ops" in den ersten fünf Tagen einen Umsatz von 650 Millionen Dollar, während der letzte Harry-Potter-Film in etwa derselben Zeit "nur" auf 169 Millionen kam - liefert dieser Text. Hier erfährt man, was die Unterhaltungsbranche von der Spieleindustrie lernen kann, und dort, wie die Spieleindustrie von stationären Spielekonzepten ins Onlinegeschäft diffundiert ist. Der den Menschen tief innewohnende Spieltrieb wird die Spieleindustrie auch künftig im Brot halten, versichert dieser Artikel. Entwarnung gibt außerdem dieser Artikel: Die moralische Entrüstung über Gewaltdarstellungen in Videospielen und über Gaming-Sucht ist im Abnehmen begriffen (wie auch der Erfolg solcher Spiele und die Zahl der Gewaltverbrechen in den USA).

Weiteres: Der Aufstieg des politischen Islams in Ägypten in Gestalt der Muslimbrüder und der Salafisten muss den Westen nicht beunruhigen, findet dieser Artikel. Außerdem küren die Redakteure ihre Lieblingsbücher des Jahres.

Magazinrundschau vom 29.11.2011 - Economist

Angela Merkel steht derzeit wegen ihrer verzagten Haltung in der Eurokrise heftig in der Kritik der ausländischen Kommentatoren: "Jetzt ist sie, neben Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, die zentrale Figur in einer Wirtschaftsvariante der Kubakrise. Man sagt von ihr, sie turtele mit dem Weltuntergang, indem sie sklavisch an den Dogmen von Deutschlands kerngesunder Währung festhält und gegenüber den Steuerzahlern katzbuckelt, die nicht verstehen können, warum der Erhalt des Euros es wert sein sollte, dafür etwas zu bezahlen."

Weitere Artikel: "Im Vergleich mit den Anti-Piraterie-Gesetzen anderer Länder ist SOPA in der Tat drakonisch", berichtet dieser Artikel über den Stop Online Piracy Act (mehr), der in den USA gerade vor dem Kongress diskutiert wird. Die "Verschwundenen" aus der Zeit der Junta-Regierung Argentiniens beschäftigen auch die Gegenwartsliteratur des Landes, wie dieser Überblicksartikel nachzeichnet. Einen Überblick über den Stand der Dinge in der offenbar recht prosperierenden islamischen Comedy bietet dieser Artikel.

Besprochen werden "IQ84", der neue Roman von Haruki Murakami, ein Buch über den Aktivist Cesar Chavez, eine Ausstellung im Van Gogh Museum Amsterdam, die dem Einfluss der frühen Fotografie auf die Malerei des 19. Jahrhunderts nachgeht, sowie ein umfassender Prachtband über chinesische Keramik (siehe auch diese Website).

Magazinrundschau vom 25.10.2011 - Economist

Warum entwickeln sich in China keine dem "Arabischen Frühling" vergleichbare Dynamik? Einen Erklärungsansatz findet man, dieser Rezension zufolge, in der von Ezra Vogel verfassten Biografie Deng Xiaopings, der das Land von 1978 bis 1992 geführt und nach Mao entscheidend reformiert hat. Vor allem die Verabschiedung des Kults um eine Führungspersönlichkeit wird als maßgeblich für die heutige, im Gegensatz zu Ägypten und Libyen stabile Lage Chinas angeführt: "Ironischerweise nutzte [Deng] seine eigene starke Persönlichkeit, um die Relevanz eines charismatischen Anführers zu mindern. Sein Nachfolger, Jiang Zemin, wurde wegen seiner technokratischen Fähigkeiten und seiner Kompromissbereitschaft eingesetzt, nicht wegen seines Charmes. [...] Deng initiierte das System einer regulären politischen Nachfolge in China, das im Oktober kommenden Jahres aller Wahrscheinlichkeit nach eine erneute Weitergabe der Macht erleben wird." In diesem Video erläutert Ezra Vogel seine Studie detaillierter.

Weitere Artikel: Die Finanzkrise macht auch dem westlichen Kunstmarkt zu schaffen, Hoffnungen werden nun auf den chinesischen Markt gesetzt, der sich bislang aber wenig für ausländische Kunst interessiert, wie man hier lesen kann. Die Talentsucher in der Musikindustrie vertrauen längst nicht mehr nur tollen Social-Media-Indikatoren, verrät ein Artikel, vielmehr muss man sich heute bereits zum Star hochgearbeitet haben, will man noch einen lukrativen Plattenvertrag ergattern. Außerdem: ein ausführlicher Nachruf auf Gaddafi.

Magazinrundschau vom 17.10.2011 - Economist

Was bedeutet der "arabische Frühling" für die Frauen in Ägypten, Tunesien und Irak, die darin eine zentrale Rolle gespielt haben? Bislang nicht viel Gutes, kann man im Economist lesen: "Am 9. März kehrten Demonstranten, die genug hatten vom langsamen Tempo der Reformen, auf den Tahrirplatz zurück, um ihre Forderungen nach Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit nochmals zu bestärken. Die Armee löste die Demonstration auf und verhaftete zahlreiche Demonstranten, darunter mindestens 18 Frauen. In Gefangenschaft wurden sie geschlagen, mit Anzeigen wegen Prostitution bedroht und zu "Jungfrauentests" gezwungen. Zunächst verleugnete die Armee, dass solche Tests stattgefunden haben. Im Mai jedoch erklärte ein General ein, dass es sie doch gab, damit die Frauen später nicht behaupten könnten, sie seien von Soldaten vergewaltigt worden. 'Die inhaftierten Mädchen sind nicht so wie deine oder meine Tochter', erklärt er, 'das waren Mädchen, die draußen auf dem Tahrirplatz mit männlichen Demonstranten in Zelten übernachtet haben.'"

Außerdem: Ein Artikel meldet erhebliche Zweifel an den Zahlen an, mit denen im Kampf gegen Cyberkriminalität hantiert wird. Hier wird ein Blick in neue Homer-Übersetzungen ins Englische geworfen.

Magazinrundschau vom 11.10.2011 - Economist

Sein größter Erfolg ist es gewesen, aus rein funktionalen Gadgets etwas mit persönlicher Note zu machen, was die Leute lieben, steht in der Hommage an Steve Jobs. Und: Die Ära solcher persönlicher Technologie steht in mancher Hinsicht überhaupt noch an ihrem Anfang. Ohne das charismatische Oberhaupt ist Apples Rolle darin indes zumindest ungewiss: "Die Ankündigung eines neuen iPhones diese Woche vom neuen Managment unter Tim Cook, der im August Steve Jobs' Position übernahm, wurde zwar gemeinhin als kompetent, aber uninspiriert eingeschätzt. Ohne Steve Jobs, der seinen Sternenstaub über die Veranstaltung verstreut, fühlte sie sich einfach nur wie eine weitere Produkteinführung eines gewöhnlichen Technologieunternehmens an. Bei der kürzlichen Entschleierung eines Tablets von Jeff Bezos von Amazon, dessen Unternehmen sich derzeit bestens anschickt, an Apples Spitzenposition beim Kombinieren von Hardware, Software, Content und Dienstleistungen in einem leicht zu bediendenden Gesamtpaket aufzuschließen, wurde einiges von Apple übernommen. Aber indem er Mr. Jobs imitierte, schmeichelte Mr. Bezos ihm auch. Jetzt, da Mr. Jobs gestorben ist, ist Apple nur eins von vielen Technologieunternehmen, die mit ihren neuen Produkten versuchen, darin dessen unbändigen Geist heraufzubeschwören."

Vor allem immer mehr Regionalzeitungen richten Paywalls ein. Ein kurzer Artikel umreißt einige Hintergründe.

Magazinrundschau vom 13.09.2011 - Economist

Der Economist blickt auf den rasanten Wandel im Buchgeschäft. Wie sehr die Ebooks auf dem Vormarsch und das Papierbuch auf dem Rückzug ist, führe ausgerechnet ein Möbelklassiker vor Augen: "Im nächsten Monat wird Ikea eine neue, tiefere Version des 'Billy'-Regals auf den Markt bringen. Der Selbstbau-Möbelgigant hat bereits Glastüren für seine Bücherregal im Angebot. Die Firma geht davon aus, dass Kunden sie zunehmend für Schmuck, Schnickschnack und Coffeetable-Bände, also alles, nur keine wirklich gelesenen Bücher benutzen werden."
Stichwörter: Ebooks, Ikea, Schmuck

Magazinrundschau vom 23.08.2011 - Economist

In Asien steigt nicht nur das Heiratsalter rapide, auch die Heiratsraten als solche sinken drastisch. Es gibt inzwischen mehr Frauen, die Singles sind, als in westlichen Ländern. Die Gründe sind, wie der Economist darlegt, nicht so schwer zu begreifen: "Frauen heiraten seltener, sobald sie in den Arbeitsmarkt eintreten. Das liegt zum Teil daran, dass es für eine Frau in Asien hart ist, zugleich einen Job zu haben und verheiratet zu sein. Frauen sind die primär Zuständigen für Ehemänner, Kinder und oft auch die alternden Eltern; und auch bei Vollzeitjobs wird von ihnen erwartet, dass sie diese Rolle weiterhin spielen. Das gilt natürlich für den Rest der Welt in ähnlicher Weise, aber die Last, die asiatische Frauen tragen, ist besonders heftig. Japanische Frauen, die normalerweise vierzig Stunden die Woche im Büro arbeiten, haben dann zusätzlich im Schnitt noch dreißig Stunden Hausarbeit vor sich. Zum Vergleich: Bei Männern sind es ziemlich genau drei."

In gleich zwei Artikel wird ausführlich erklärt, wie der US-Bezahlsender HBO funktioniert und warum der Markt seit den ersten großen Erfolgen wie den "Sopranos" vor mehr als zehn Jahren heute sehr viel kompetitiver ist - und warum sogar das Pay-TV-Modell als ganzes nun in Frage gestellt ist.
Stichwörter: HBO, Pay-TV, Heirat, Sopranos, Arbeitsmarkt

Magazinrundschau vom 16.08.2011 - Economist

Sehr düster fällt der Blick des Economist auf die Gegenwart des Wirtschaftsgiganten USA aus. Bitterer noch ist der in die Zukunft: "Die Einwanderungsgesetzen sorgen dafür, dass 11 Millionen Menschen im Schatten leben und sie verurteilen viele der klügsten Absolventen der amerikanischen Universitäten dazu, jahrelang vor Bürokraten zu kriechen, wenn sie in den USA bleiben wollen. Viele geben auf und kehren mit ihren erworbenen Fähigkeiten zurück nach Indien oder China. Amerikanische Konzerne sitzen auf gewaltigen Cash-Haufen; Apple allein hat 76 Milliarden Dollar auf der Bank. Warum investieren diese Firmen nicht in den USA? Es hilft nicht, dass die Nachfrage gering und die Weltwirtschaft in Aufruhr ist. Aber amerikanische Politiker sind nicht frei von Schuld. Ihre Unberechenbarkeit zerstört die Zuversicht. Der Abgrund zwischen der US-Wirtschaft und dem Weißen Haus wächst, wenn wirtschaftsfreundliche Insider (wie Larry Summers, ein Wirtschaftsberater) die Regierung verlassen. Noch gefährlicher: Der Abgrund zwischen der Wirtschaft und dem Rest des Landes wächst: Umfragen zeigen, dass amerikanische Geschäftsleute den Glauben in ihr Land verlieren, während umgekehrt der normale Amerikaner seinen Glauben an die Wirtschaft verliert."

Magazinrundschau vom 12.07.2011 - Economist

Der Economist hält von diesem Ansatz nichts. Ob Murdoch "befähigt und geeignet" ist, BSkyB zu übernehmen, sei keine Frage der Moral, sondern des Wettbewerbsrechts. Und: "Sie verfehlt den wesentlichen Punkt. Mr. Murdoch ist ein gerissener Geschäftsmann, der den Medien geholfen hat, den tückischen digitalen Wandel durchzustehen. Aber wenn es bewiesen ist, dass Manager seiner News Corporation geduldet haben, dass das Gesetz verletzt wird, dann sollten sie keine Zeitungen oder Fernsehsender leiten, sie sollten im Gefängnis sitzen."

Der Titel und ein großer Sonderteil sind in dieser Woche einem nicht weit entfernt liegenden Thema gewidmet: der Zukunft der Nachrichten nämlich. Unter anderem geht es da um die Diskrepanz zwischen der schwierigen Lage der Zeitung in manchen Märkten (USA!), dem langsamen Niedergang anderswo (Deutschland) und den Erfolgen, die sie in emporkommenden Weltgegenden (Indien) feiert. Vorgestellt werden diverse Versuche, mit Paywalls unterschiedlichen Zuschnitts Geld zu verdienen. Noch einmal erzählt wird vom Aufstieg sozialer und interaktiver Medien im Netz, was sich allerdings als Rückkehr zu den Ursprüngen am Beginn des 19. Jahrhunderts begreifen lässt.
Stichwörter: Digitaler Wandel, Geld, Paywalls

Magazinrundschau vom 28.06.2011 - Economist

Im Economist dieser Woche findet sich ein Sonderteil zu China (hier die Übersicht - die Zeitschrift ist seit einer Weile übrigens wieder komplett umsonst im Netz). Besonders interessant ist ein Artikel über die "Prinzchen", die aus besten kommunistischen Familien stammenden Führer der nächsten Generation, die wohl im nächsten Jahr an die Macht kommen. Besonders angetan hat es dem Autor Bo Xilai, der "bestangezogene Politiker" seines Landes, derzeit Parteichef in Chongqing, demnächst wohl wichtiges Politbüro-Mitglied: "Herr Bo ist ein Populist mit eiserner Faust. Er hat die brutalste Aktion gegen mafiaartige Gangs in den letzten Jahren geleitet. Außerdem ist er auch sehr um das Entstehen eines Mini-Kults um Mao bemüht, vielleicht, um sich bei jenen beliebt zu machen, die vom brachialen Kapitalismus in China desillusioniert sind. Zu Bos Unternehmung Mao-Revival gehört seine Aufforderung, wieder 'rote Lieder', insbesondere aus der Mao-Ära, zu singen. Herr Bo selbst hat, unterstützt von Parteikollegen, auf der Bühne schon solches Liedgut gecroont und darüber hinaus eine Liste seiner 27 Lieblingslieder veröffentlicht."

Hier ein Bericht dazu von China Forbidden News auf Youtube: