Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 10 von 43

Magazinrundschau vom 19.10.2010 - Economist

In gleich zwei Artikeln denkt der Economist über die mögliche friedliche Koexistenz von westlichen Rechtssystemen und der Scharia nach. Eines scheint dabei sowieso klar: Die Scharia ist in der Praxis längst Teil "unserer" Kultur; eine besondere Rolle kommt dabei innermuslimischen Schiedsgerichten zu, deren Verhältnis zum staatlich gesetzten säkularen Recht, wie der eine der beiden Artikel erläutert, recht unterschiedlich sein kann. Der andere Artikel geht mehr ins Detail: "Eine heikle Angelegenheit ist die Polygamie. Das französische Recht verbietet sie ausdrücklich und untersagt Zweitfrauen das Recht des Zuzugs zu ihrem in Frankreich lebenden Mann (allerdings dürfen, wenn eine Zweitfrau stirbt, die gemeinsamen Kinder manchmal zum Vater ziehen). Eine andere ist jene Form der Scheidung namens talaq, in der ein Mann seine Frau einfach verstößt. Auch das hat keinen Rückhalt im deutschen oder französischen Recht, aber wenn beide Seiten einer gescheiterten Ehe frei bezeugen, dass in einem islamischen Land eine talaq stattgefunden hat, dann sahen sich europäische Gerichte gezwungen, das anzuerkennen."

Magazinrundschau vom 12.10.2010 - Economist

In einem sehr differenzierten Bericht untersucht der Economist den aktuellen Stand der Musikindustrie weltweit. Das Bild, das dabei entsteht, ist recht uneinheitlich. Im Bereich des Livekonzerts werden enorme Gewinne erzielt, nicht zuletzt, weil die Konzertbesucher exorbitante Summen zu zahlen bereit scheinen. Über neue Dienste wie Spotify gehen die Meinungen auseinander: Helfen sie, die Fans illegaler Torrents zurück auf den Pfad der Tugend zu führen - oder drücken sie nur ganz massiv die Preise? Was den CD-Verkauf angeht, gibt es auch keineswegs nur Verlierer: "In gewisser Weise stirbt der CD-Markt nicht, sondern altert nur. Im Jahr 2002 lag der Albumkaufanteil der 12- bis 19-Jährigen bei 16,4 Prozent; das war fast doppelt soviel wie bei den Über-60-Jährigen (8,8 Prozent). Inzwischen hat sich das umgedreht... Und keineswegs geben die Älteren nur grundsätzlich mehr für Musikalben aus, sondern auch für Popmusikalben. Die Folgen kann man an den Charts ablesen. Das meistverkaufte Album in den USA seit 2000 ist '1', eine Sammlung von Beatles-Hits aus den Sechzigern... Das meistverkaufte Album weltweit war im letzten Jahr 'I Dreamed a Dream' von Susan Boyle, einer Schottin im mittleren Alter... Wenn der Großteil der Fans eines Künstlers mittelalt ist, dann sind die CD-Verkäufe nach wie vor sehr ordentlich."

Magazinrundschau vom 21.09.2010 - Economist

Demnächst wird das Werk der Performance-Künstlerin Marina Abramovic in einer Ausstellung in London gewürdigt. Der Economist besucht Abramovic in ihrem Haus in Upstate New York, wo sie nicht zuletzt erzählt, wie sie ihre jüngste, weltweit beachtete Mega-Performance im Museum of Modern Art erlebte: "Im Moment, sagt Abramovic, ist sie 'leer'. Sie ist körperlich und emotional erschöpft von 'The Artist is Present'. Mehr als 700 Stunden lang saß sie still, in einem einfachen Holzstuhl und schenkte, wie sie es formuliert, 'komplett Fremden bedingungslose Liebe' (Beispiel). Nach der ersten Woche begann sie heftige Schmerzen zu leiden. 'Die Schultern werden schwer, die Beine schwellen an, die Rippen sinken auf die Organe', erklärt sie. Gezieltes Atmen half. Genauso wie außerkörperliche Zustände. 'Bei derart heftigen Schmerzen glaubst du das Bewusstsein zu verlieren. Wenn du aber zu dir sagst: 'Na und, dann verlier halt das Bewusstsein', dann verschwindet der Schmerz.'
Stichwörter: Abramovic, Marina

Magazinrundschau vom 07.09.2010 - Economist

In einem Dossier zur Titelgeschichte "Die neuen Mauern des Internets" untersucht der Economist aktuelle Trends und Tendenzen rund ums Internet. Es geht dabei unter anderem um die Hürden für die Konvergenz von Film, Internet und Fernsehen (als Gewinner dieses Zukunftsmarkts komme dabei vor allem das US-Unternehmen Netflix in Frage, das nicht mehr nur DVDs per Post verschickt, sondern Filme 'streamt'); um die Frage der Netzneutralität beziehungsweise allgemeiner gefasst: die Balkanisierung des zunächst als Macht der Vereinheitlichung und Verbindung auftretenden Netzes; und - vielleicht am interessantesten - um die ziemlich alptraumhaften Möglichkeiten, die sich mit Hilfe neuer Techniken der Datenauswertung bieten: "Die Ausweitung des 'Data Mining' auf die sozialen Netzwerke eröffnet ganz neue Horizonte: Die Modellierung sozialer Beziehungen ähnelt der Erstellung eines 'Indexes der Macht', meint der Netzwerkexperte Stephen Borgatti. In manchen Unternehmen nützen die Chefs automatische Analysen des E-Mail-Verkehr fürs bessere Management. Angestellte, die oft um Rat gefragt werden, könnten, nur zum Beispiel, gute Kandidaten für eine Beförderung sein... Oder jemand, der sich um einen Kredit bewirbt, könnte ein Risiko oder gar ein Betrüger sein, wenn er ein Geschäft starten will, das keine Verbindung zu seinem sozialen Netzwerk, zu seiner Ausbildung, früheren Unternehmungen oder seiner Reisegeschichte hat - alles Daten, die man anhand der Kreditkartenabrechnungen ermitteln kann... Manche Versicherungen verlangen inzwischen geringere Gebühren von Banken, die sich solcher Software bedienen."

Magazinrundschau vom 15.06.2010 - Economist

Die Zeitungskrise in den USA (und, meist weniger drastisch, auch anderswo) ist nicht vorbei, aber derzeit scheint die Situation auf niedrigem Niveau stabilisiert, wie der Economist feststellt. In manchen Weltregionen war freilich wenig von einer Krise zu spüren - die dort festzustellenden Erfolgstendenzen könnten allerdings nur zu symptomatisch für die Entwicklungen in den Problemzonen sein: "In Schwellenländern muss man schon sehr genau hinsehen, um überhaupt Anzeichen einer Krise zu finden. In Brasilien nahm das Anzeigenvolumen während der Rezession nur kurzzeitig ab. Die Gesamtverbreitung von brasilianischen Zeitungen ist in den vergangenen zehn Jahren um eine Million auf 8,2 Millionen Exemplare gestiegen. Die wachsende brasilianische Mittelschicht begeistert sich für eine Reihe billiger neuer Blätter, die sich stark auf Mord und Bikinis konzentrieren. 2003 waren erst drei der zehn erfolgreichsten Zeitungen Brasiliens Boulevardblätter, heute sind es fünf. Diese Konzentration darauf, den Lesern zu geben, was sie haben wollen - im Gegensatz zu vornehmen Ideen zur bürgerschaftlichen Verantwortung und dazu, was sie lesen sollten -, ist Teil eines globalen Trends. Zeitungen werden unterscheidbarer und kundenorientierter. Statt die Welt so vielen Lesern wie möglich nahezubringen, suchen sie Nischen."

Ein kurzer Bericht über den whistle-blower Bradley Manning hält fest, dass Wikileaks "nur so robust ist, wie die Menschen, die es benutzen".

Magazinrundschau vom 01.06.2010 - Economist

Populistische Politiker in Afrika erklären Homosexualität gerne zum der eigenen Kultur fremden westlichen Import. Das stellt, wie ein Economist-Artikel betont, den wahren Sachverhalt ziemlich auf den Kopf: "Peter Tatchell, ein Veteran der Schwulenbewegung, meint, dass in Wirklichkeit nicht die Homosexualität, sondern die politisierte Homophobie importiert werde. Diese Tendenzen treffen zusammen mit dem Vordringen konservativer Christen, vor allem aus den USA, die afrikanische Priester gerne für ihren heimischen Kampf gegen die Homosexualität in Dienst nehmen... 'Afrika muss evangelischen Christen in den USA und andernorts als aufregender Ort erscheinen', meint Marc Epprecht, eine kanadischer Akademiker, der Homosexualität in Afrika untersucht. 'Sie können dort viel größere Erfolge im Kulturkampf erzielen als in ihren eigenen Ländern.'"

Magazinrundschau vom 27.04.2010 - Economist

Aktuell gibt es Pläne - in einem ersten Schritt sind sie sogar schon durchgewinkt - einen Termingeschäft-Markt zur Voraussage des Erfolgs von Hollywoodfilmen zu eröffnen, vulgo ein Börsen-Wettbüro fürs Box Office. Die Hollywoodstudios sind strikt dagegen, der Economist erklärt, warum das ganze in der Tat höchst problematisch wäre: "Das erste Problem ist das Informationsungleichgewicht im Filmgeschäft. Der geplante Markt basiert auf einem existierenden Vorraussagemarkt, der Hollywood Stock Exchange, der auf Spielgeld basiert. Eine Untersuchung dieses Markts hat ergeben, dass er um ca. 31 Prozent danebenliegt, wenn es um die korrekte Prognose geht. Dabei wissen aber die Studios viel mehr als ihre Mitspieler. Sie wissen bereits, wie die Zuschauer bei Testvorführungen reagiert haben, auf wievielen Leinwänden der Film laufen wird und wieviel Geld sie fürs Marketing ausgeben wollen. Obwohl solche Informationen gelegentlich nach außen dringen, tun sie dies doch ins sehr ungleichem und unberechenbarem Maß. Deshalb würde es sich bei fast jedem Studio-Einsatz um eine Insiderwette handeln."
Stichwörter: Geld, Hollywoodfilm

Magazinrundschau vom 13.04.2010 - Economist

Ein Gesellschaftssektor, der durch neue drahtlose Kommunikation gewaltig verändert werden dürfte, ist das Gesundheitssystem. McKinsey sieht darin einen 60-Milliarden-Dollar-Markt. Der Economist informiert über in der näheren oder ferneren Zukunft liegende mögliche Einsatzgebiete: "Manche Apparate sind für Kliniken gedacht: Medtronic entwickelt einen Monitor, der neben dem Bett angebracht wird und drahtlos den Blutzuckerspiegel diabetischer Kinder beobachtet. General Electrics arbeitet an 'Körpersensornetzwerken', winzigen drahtlosen Geräten, die die Lebenszeichen derjenigen verfolgen, die sie tragen. Die erfolgreichsten Apparate könnten aber solche sein, die Eric Dishman von Intel als 'heimlich' bezeichnet. Seine Firma investiert gerade in Geräte, die den Zustand älterer Menschen im Blick behalten, etwa 'Zauberteppiche', die erratische Bewegung erkennen und so einen Sturz vorhersagen können."
Stichwörter: Gesundheitssystem

Magazinrundschau vom 29.12.2009 - Economist

Ein ausführlicher Artikel schildert die Auswirkungen, die der Welterfolg des Harry-Potter-Franchise auf Buch, Film, Videospiel hatte. Was auch vorkommt, als nichtkommerzielle Fortsetzung der Potter-Welt in der Fan-Fiction: "Das Neu-Erzählen der Potter-Geschichte ist ein beliebtes Freizeitvergnügen. Eine Website, Fiction Alley, hat allein im November 2009 vierzehn weitere Kapitel zur Saga hinzugefügt, dazu kommen viele kürzere Texte. Möchtegern-Rowlings geben der Geschichte eine neue Richtung, indem sie sie sich auf andere Charaktere konzentrieren oder über Jahre schreiben, die in den Büchern nicht vorkommen. Viele stürzen sich auf das Liebesleben der Figuren - vielleicht der größte Schwachpunkt 'des Kanons', wie die Originalserie voller Verehrung genannt wird. Diese Amateurgeschichten, die von den anderen Fans oft scharfsichtiger Kritik unterzogen werden, sind meist durchaus kompetent. Die Schüler sprechen darin, wie Teenager wirklich sprechen. 'Es muss einen Grund geben, warum er mich wie ein Arsch behandelt', stottert Harry einmal im dritten Buch der 'Lily's Charm'-Serie, verfasst von einem Autor namens ObsidianEmbrache. Das klingt doch ganz überzeugend nach Spielplatz."

Magazinrundschau vom 22.12.2009 - Economist

Vieles, was gerade zum Verhältnis von Internet und Zeitung diskutiert wird, war, wie der Economist in einem langen Artikel plausibel macht, schon einmal da. Bei der Einführung des Telegrafen nämlich: "Erstmals wurde es dadurch möglich, aktuelle Wirtschafts- und politische Nachrichten innerhalb von Stunden nach dem Ereignis zu lesen. 'Wir leben in einer Übergangs-Periode unserer Gesellschaft', erklärte der New York Herald am 7. Mai 1846... Voraussagen, dass Zeitungen von da an Analyse und Meinung der reinen Nachricht vorziehen würden, lagen freilich ganz falsch. Im Gegenteil wurde es immer wichtiger, die Nachricht als erster zu haben. Im Jahr 1851 berichtete Horace Greeley, Chefredakteur der New York Tribune, einem Ausschuss des britischen Parlaments, dass 'die Nachricht, die zuerst da ist, am meisten Beachtung findet...' In einem Artikel des Atlantic Monthly klagte der Journalist W. J. Stillman: 'Die rasende Geschwindigkeit, mit der wir darum kämpfen, jede Meldung als erste zu haben, führt zur Abschaffung abwägenden Urteilens. Wir finden keine Zeit mehr, unter die Oberfläche zu gelangen, und haben auch gar nicht mehr das Verlangen danach.'"
Stichwörter: Geschwindigkeit