Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 11 von 43

Magazinrundschau vom 01.12.2009 - Economist

Der Boom des Kunstmarkts ist fürs erste gestoppt, aber von einer Krise kann kaum die Rede sein. Dies jedenfalls die Ergebnisse einer großen Studie, die der Economist ausführlich vorstellt: "Der von Capgemini und Merrill Lynch vorgestellte Welt-Reichtums-Report, untersucht die Ausgaben-Gewohnheiten der Reichen auf der ganzen Welt. Kunst erscheint darin als einer der Luxusgegenstände, die die Reichen gern kaufen. Im Jahr 2007 gab es laut Report mehr als 10 Millionen Menschen mit investierbaren Vermögen von mehr als 1 Million Dollar. Im letzten Jahr ist diese Zahl auf 8,6 Millionen gefallen und viele Reiche haben weniger für 'Investitionen in Leidenschaften' ausgegeben - Yachten, Jets, Autos, Schmuck etc. Der Anteil der Kunst an allen Luxusausgaben ist aber gestiegen, weil die Investoren sie als Gut schätzen, das seinen Wert auch in längerer Frist nicht verliert."
Stichwörter: Schmuck, Yachten

Magazinrundschau vom 20.10.2009 - Economist

Neue Studien belegen, berichtet der Economist, dass das größte Entwicklungshemmnis für arabische Staaten in ihren in vieler Hinsicht unzureichenden Erziehungssystemen liegt. Das gilt nicht nur für Länder wie Saudi-Arabien, sondern exemplarisch auch für Ägypten: "Ein Viertel der Studenten des Königreichs widmet den größeren Teil seine Ausbildung Islamstudien, mehr als dem Ingenieurswesen, der Medizin und den Naturwissenschaften zusammengenommen. Und trotz Lehrplanänderungen in Saudi-Arabien bleibt das Religionsstudium von der Grundschule bis zur Universität obligatorisch... Arabische Länder geben heute genausoviel oder mehr als der weltweite Durchschnitt für Erziehung aus. Sie haben große Fortschritte darin gemacht, das Analphabetentum zu beseitigen, die Studierendenzahlen zu erhöhen und die Kluft zwischen den Geschlechtern in Bildungsfragen zu schließen. Und doch bleiben die Unterschiede in der Qualität der Bildung zwischen Arabern und Bewohnern anderer Länder auf einem vergleichbaren Entwicklungsniveau erschreckend."

Magazinrundschau vom 13.10.2009 - Economist

Transparent wie nie geben sich die britischen Geheimdienste. Historiker bekommen Einblick in die Archive und veröffentlichen autorisierte Darstellungen der Geheimdienstgeschichten. Der mehr als 1000 Seiten umfassende Überblick über die Geschichte des Inlandsgeheimdienst MI5, verfasst von Christopher Andrew, liegt unter dem Titel "Defend the Realm" (dt. "Verteidigt das Königreich"; Verlagsseite) nun vor und wird im Economist freundlich besprochen. Zunächst einmal staunt der Rezensent jedoch: "Der MI5 scheut das Licht der Öffentlichkeit nicht mehr. Er war der erste britische Dienst, der ganz offen Mitarbeiter warb, die Namen seiner Chefs nannte und seine Akten (wenn sie älter als fünfzig Jahre waren) dem Nationalarchiv zur Verfügung stellten. Seine einst unbekannten Bosse äußern sich heute öffentlich. Dies ist ein gewaltiger Sprung für ein Land, in dem - wie Andrew (der den Militärhistoriker Sir Michael Howard zitiert) schreibt - die Haltung zum Geheimdienst der zum Sex in der Ehe glich: es gehörte sich nicht, darüber zu reden. 'Feindliche Agenten fand man rein zufällig und geheime Informationen brachte der Storch.'"

In weiteren Artikeln geht es unter anderem um die Erfolge des US-Kabelfernsehens in wirtschaftlich schwieriger Zeit, um die informationstechnologische Aufrüstung der Stromversorgung und um die Situation der Muslimbruderschaft zwischen Macht (Gaza) und staatlicher Unterdrückung (Ägypten). Besprochen werden die Uraufführungen neuer Stücke in London, die sich mit Enron und der Finanzkrise befassen sowie Bücher, darunter der historische Roman "Wolf Hall", mit dem Hilary Mantel den Man Booker Prize gewann und Peter Maass' Sachbuch "Crude World" (dt. "Rohe Welt"K; Verlagsseite) über die verheerenden gesellschaftlichen Wirkungen, die das Öl in den Staaten anrichtet, die es besitzen.

Magazinrundschau vom 29.09.2009 - Economist

"Das mit Abstand wichtigste Instrument für den Fortschritt in den Entwicklungsländern" ist - so ein Experte der Columbia-Universität - das Handy. Ein ganzer Schwerpunkt ist dem Thema im aktuellen Economist gewidmet. Darin wird unter anderem erklärt, wie die Telekom-Unternehmen mit dem technischen Rückstand, also etwa mangelnder Stromversorgung, innovativ umzugehen gelernt haben. Und man erfährt, wie in Afrika per mobiler Überweisung Geldgeschäfte auch abseits der Städte schnell und einfach erledigt werden können. (Die Banken sperren sich freilich gegen die unerwartete Konkurrenz.) Nicht zuletzt aber profitieren, wie ein weiterer Artikel erläutert, jene Mikro-Geschäftsleute, die weltweit 50 bis 60 und in Afrika etwa 90 Prozent aller Unternehmer ausmachen: "Träger, Zimmermänner und andere selbständige Arbeiter können an Laternenpfählen und Schwarzen Brettern Werbung für ihre Dienste machen und potenzielle Auftraggeber um Kontaktaufnahme per Handy bitten. Iqbal Qadir, ein in den USA lebender Investment-Banker aus Bangladesch, erzählt gerne die Geschichte eines Friseurs in Bangladesch, der sich die Miete für einen Laden nicht leisten konnte und stattdessen ein Handy und ein Motorrad erwarb. So konnte er telefonisch Termine vereinbaren und seine Kunden in ihrer Wohnung aufsuchen. Für die Kunden war das bequemer und er konnte auf diese Weise ein größeres Gebiet abdecken und außerdem mehr Geld verlangen."

Magazinrundschau vom 01.09.2009 - Economist

Der US-Journalist Christopher Caldwell sieht in seinem Buch über die Islamisierung Europas (Auszug) allen Grund zu schwerem Pessimismus. Die multikulturalistische Toleranzkultur bringt sich, so seine These, selbst zu Fall: "Die Gesellschaftssegmente, die die ursprünglichen Bewohner umfassen, altern schnell - ein Viertel von ihnen ist schon über sechzig. Immigranten haben große Familien und Europa hat dem islamischen Selbst-Bewusstsein wenig entgegenzusetzen: 'Wenn eine unsichere, formbare, relativistische Kultur auf eine Kultur trifft, die fest verankert ist, selbstsicher und gestärkt durch eine geteilte Lehre, dann wird aller Voraussicht nach die erstere der letzteren nachgeben.'" Der Kritiker des Economist ist nicht überzeugt: Caldwell übertreibe seine Thesen zum europäischen Relativismus und überschätze zugleich die Geschlossenheit der islamischen Bevölkerungsteile: "Er ignoriert die vielfachen Beispiele für erfolgreiche Aufsteiger und gelungene Integration. Er brütet über der Tatsache, dass sich so viele muslimische Männer in ihrer Männlichkeit angegriffen fühlen, weil ihre Frauen erfolgreich sind, aber er fragt nicht, warum so viele dieser Frauen erfolgreich sind." Dennoch sei das Buch wichtig - die bislang 508 Kommentare zu dieser Buchbesprechung deuten in dieselbe Richtung.

In einem weiteren Artikel kommentiert der Economist die derzeit kursierenden Pläne, Geld für die Online-Ausgaben der Zeitungen zu verlangen: "Es gibt eine Menge Optionen, aber keine Gewissheiten." In Titel und Untertitel der "Inglourious Basterds"-Kritik ist alles Wesentliche schon gesagt: "Er macht das Unkomische komisch. Aber man begreift das Ganze besser nicht als Holocaust-Film".

Magazinrundschau vom 25.08.2009 - Economist

Die englischsprachigen Länder haben ein der Verbreitung der Sprache geschuldetes Buchmarktproblem: die in anderen englischsprachigen Ländern erschienenen Ausgaben. Außer in Neuseeland gibt es einen territorialen Schutz. In Australien etwa dürfen Buchhandlungen nur die - in aller Regel deutlich teurere - australische Ausgabe eines Werks verkaufen, sofern diese binnen dreißig Tagen nach der Originalveröffentlichung auf den Markt kommt. Dieser Territorialvorbehalt ist nun stark unter Druck. Nicht nur die Verlage, sondern auch erfolgreiche australische Autoren wie Peter Carey (mehr) sind strikt gegen die Abschaffung: "Der Booker-Preisträger stellt ausdrücklich fest: 'Die australischen Verlage haben meine Karriere als Autor ermöglicht, weil sie meine Bücher veröffentlichten, als sie in London und New York abgelehnt wurden. Sie haben an eine Literatur geglaubt, die Australien für Australier darstellt und uns zugleich vor der Welt repräsentiert.' Die florierende Verlagsindustrie verwendet diese Art kulturnationalistischer Argumente ebenfalls ohne Skrupel."

In weiteren Artikeln geht es unter anderem um den möglicherweise bevorstehenden Siegeszug des per Handy lesbaren Barcodes und die Insolvenz der amerikanischen Ausgabe von Reader's Digest. Besprochen werden eine Biografie der brasilianischen Autorin Clarice Lispector (Verlagsseite) und zwei Sammelbände mit Verstreutem von Timothy Garton Ash (Verlagsseite) und John Gray (Verlagsseite).

Magazinrundschau vom 18.08.2009 - Economist

Der Economist schenkt uns einen seiner unkonventionellen und umso liebevolleren Nachruf: Benson, Englands beliebtester Karpfen, ist im Alter von rund 25 Jahren von uns und vor allem den Briten gegangen: "In ihren großen Tagen erinnerte sie manche an Marilyn Monroe, andere an Raquel Welch. Sie war geschmeidiger als beide, wenn sie sich träge schlängelnd golden durchs Wassergras bewegte. Ihre schimmernden Schuppen waren, schwärmte ein Fan, die Vollkommenheit selbst und wie angemalt. Irgendein Witzbold hatte sie nach einem kleinen schwarzen Loch in der Rückenflosse benannt, das ihn an ein Zigaretten-Brandloch erinnerte. Es war aber so schön und so einzigartig wie der Schönheitsfleck im Gesicht einer Aristokratin aus dem 18. Jahrhundert. Ihre Lippen waren voll, sinnlich oder schmollend, ihr Ausdruck stets unbeeindruckt. Gelächelt hat sie nur selten."

In weiteren Artikeln geht es um sehr viel unbedeutendere Dinge wie das Verschwinden der Festnetzanschlüsse in den USA, die zunehmende Regionalförderung für Hollywood-Filme ebendort und den Einbruch des Tourismus-Geschäfts im Mittelmeerraum. Besprochen werden unter anderem eine Friedrich-Engels-Biografie, die Autobiografie der Uiguren-Vorkämpferin Rebyia Kadeer und die Oxford Geschichte der Klassischen Musik auf knapp 4.000 Seiten.

Magazinrundschau vom 11.08.2009 - Economist

Auf den Titel gebracht hat es die deutsche Wirtschaft. Als Kompliment ist das aber nicht zu begreifen. In gleich drei Artikeln werden Malaisen diagnostiziert: Die Ökonomie sei derzeit zu unausgeglichen, vor allem, wenn es darum geht, neue Firmen und damit neue Jobs zu schaffen: "In einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Weltbank, wo man am besten eine Firma gründen kann, stand Deutschland an 102. Stelle von 181 Ländern. Start-up-Kapital ist knapper als irgendwo sonst."

Weitere Artikel widmen sich unserer Exportabhängigkeit und der Neigung deutscher Vorstände zur Skandalproduktion. (Um das Maß voll zu machen: Newsweek behauptete kürzlich, die Deutschen seien zu technikfeindlich und ruinierten so ihre Chancen, sich in neuen Industrien zu behaupten.)

Die USA haben extrem scharfe Gesetze gegen Sexualstraftäter - nicht zuletzt eine Art öffentlichen Pranger, der für jedermann einsichtig ist. Der Economist formuliert entschiedene Zweifel an dieser Praxis: "Insgesamt sind 674.000 Amerikaner in diesen Sexualstraftäter-Registern vermerkt - mehr als die Einwohner von Vermont, North Dakota oder Wyoming.... Laut Human Rights Watch gibt es in mindestens fünf Staaten die Verpflichtung zur Aufnahme ins Register, wenn jemand eine Prostituierte aufsucht, 29 fordern sie bei einverständigem Geschlechtsverkehr zwischen Minderjährigen und 32 für Exhibitionisten."

Mit sehr viel Zustimmung, als eine Art Summe seiner Werke, wird die neue Studie "Die Idee der Gerechtigkeit" von Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen besprochen, in der er sich mit den Gerechtigkeitstheorien von John Rawls auseinandersetzt: "Die praktische Stoßrichtung von Sens Argument ist, dass gerechte Institutionen keineswegs soziale Gerechtigkeit gewährleisten. Man könne überdies soziale Ungerechtigkeiten erkennen, ohne zu wissen, wie eine vollkommen faire Gesellschaft sich einrichten oder begründen lässt. Die Philosophie von John Rawls ist, wenngleich im Prinzip lobenswert, zu theoretisch und hat politische Philosophen von jenen Übeln der wirklichen Welt abgelenkt, die sich beseitigen lassen."

Magazinrundschau vom 28.07.2009 - Economist

Auf nicht weniger als 36 Seiten widmet sich der Economist in einem Schwerpunkt, Titelgeschichte inklusive, der Gegenwart der arabischen Welt. Es geht darin um eine "stille Revolution" der Gesellschaften - aber auch um desolate Regierungen. Ein aktueller Bericht des United Nations Development Program (UNDP) kommt zu einem niederschmetternden Ergebnis: "Es ist ihnen, um damit anzufangen, nicht gelungen, ihren Nationen die Freiheit zu geben: in sechs arabischen Ländern sind politische Parteien ganz verboten, im Rest sind die Restriktionen nur etwas raffinierter. Es ist ihnen nicht gelungen, ihren Nationen Reichtum zu geben: den Ölvorräten zum Trotz müssen, wie die UN berichtet, zwei von fünf Menschen in der arabischen Welt von 2 Dollar am Tag oder weniger leben. Es ist ihnen nicht gelungen, ihren Nationen Sicherheit zu geben: Der Bericht hält fest, dass übermächtige interne Sicherheitskräfte arabische Staaten oft in eine Bedrohung für das eigene Volk verwandeln. Und sie sind dabei, die Zukunft ihres Nachwuchses zu zerstören: Das UNDP schätzt, dass die arabische Welt bis 2020 rund 50 Millionen neue Jobs schaffen müsste, um der rasch wachsenden Zahl junger Erwachsener Arbeit zu geben - das scheint fast völlig unmöglich angesichts gegenwärtiger Trends."

(Die Übersicht über alle Artikel zum Schwerpunkt-Thema, rechts oben im Inhaltsverzeichnis.)
Stichwörter: Arabische Länder, Übersicht

Magazinrundschau vom 14.07.2009 - Economist

Hollywood verdient gerade in der Krise erstaunlich gut. Einen Umbruch erlebt es angesichts der versiegenden Kreditquellen dennoch. Die Folgen sind, analysiert der Economist, so klar wie aus künstlerischer Sicht unerfreulich: Es wird viel weniger riskiert werden als bisher: "Es wird reichlich spektakuläre, Big-Budget-Action-Filme für den Sommer geben und auch billige Komödien wird es weiterhin geben (wobei 'billig' bei den großen Studios alles genannt wird, was weniger als 40 Millionen Dollar kostet). Diese Filme haben jedoch, erklärt [der Produzent] Kevin Misher, eines gemeinsam: Sie versprechen eine kollektive Erfahrung. Verlieren werden dabei unvermeidlich die komplexen, gut-gemachten Filme, die nicht eindeutig in ein einziges Genre passen - wie etwa 'Duplicity', eine Mischung aus Komödie, Drama und Liebesgeschichte mit Julia Roberts und Clive Owen. Der Film ist in diesem Jahr böse gefloppt."
Stichwörter: Roberts, Julia, Umbruch, Komödien