
Seit Wochen beschäftigen sich die polnischen Medien mit den Präsidentschaftswahlen
in Weißrussland. Es werden die diktatorischen Machenschaften von Amtsinhaber
Alexander Lukaschenko beschrieben und oppositionelle Politiker interviewt. In der letzten Wochenendausgabe der
Gazeta Wyborcza kommt der prominente Journalist
Pawel Scheremiet zu Wort. "Das Regime ist in Panik
geraten ob der großen Resonanz auf den Wahlkampf
der Opposition. Anders kann ich mir das brutale Vorgehen nicht erklären. Aber trotz der
Anzeichen eines Erwachens in der Gesellschaft, sind die Weißrussen noch nicht soweit. Lukaschenko wird siegen, aber es wird ein
Pyrrhus-Sieg werden, weil er alle Kräfte des Regimes dafür einsetzen muss, und dadurch seine Autorität verliert."
Adam Michnik greift persönlich zur Feder, um den neuen
Roman des Schriftstellers
Janusz Andermann zu loben. Es geht darin um einen Schriftsteller, der zuerst in der demokratischen Opposition wirkt, um nach 1989 in Vergessenheit zu geraten. "Dieses Buch erzählt von meinen Zeiten, meinem Millieu und meiner Generation. Es ist ein
unheroischer Roman über heroische Zeiten." Beschrieben wird auch, wie die einstigen Helden von den Befürwortern der
radikalen Veränderung nach und nach marginalisiert werden. Für Michnik Grund genug, das Buch zu lesen und darüber nachzudenken, was in Polen passiert.
Adam Leszczynski ist
fasziniert vom Buch "
Postwar" des britischen Historikers
Tony Judt. "Judt zeigt, dass Europas
Erfolgsstory in den letzten sechzig Jahren seine Wurzeln in den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs hat. Die ganze europäische Politik wurde von Grund auf neu konstruiert, um die Dämonen zu bändigen, die den Kontinent an den Abgrund geführt haben. Der
Wohlfahrtstaat, der den westeuropäischen Demokratien eine einmalige Entwicklung beschert hat, erlebt zwar aktuell eine
Krise. Aber das ist ein Preis, den es wert war zu zahlen - genau so, wie die Besetzung der östlichen Hälfte Europas durch die Sowjetunion und die fehlende Abrechnung mit Kriegsverbrechern und Kollaborateuren".