
Der
kontroverse, national-katholische
Bildungsminister Roman Giertych von der
"Liga der Polnischen Familien" gab der liberalen
Gazeta Wyborcza ein langes
Interview - obwohl er die Zeitung bis vor kurzem boykottiert hat! Im Gespräch wird die Figur des
Roman Dmowski analysiert, des Gründers der polnischen
Nationaldemokratie und spiritus rector der nationalen Bewegung. Giertych benennt auch offen die Fehler Dmowskis: "Er ging von der These des
ewigen Kampfes zwischen den Nationen aus. Sie mag historisch stimmen, stellt aber keine Notwendigkeit dar. Wer hätte vor kurzem noch gedacht, dass die Iren und die Briten, die Polen und die Deutschen nicht miteinander kämpfen müssen. Aber: sie müssen es nicht! Ein weiterer Fehler war, dass er den
Katholizismus rein instrumentell betrachtet hat - als Verbündeten der nationalen Bewegung. Dasselbe hat 50 Jahre später
Adam Michnik gemacht, als er für eine Allianz zwischen katholischer Kirche und linken Dissidenten geworben hat. Ich hingegen richte mich nach den Grundsätzen der
katholischen Soziallehre." Der wichtigste Fehler der Nationalbewegung und Dmowskis aber "war der Antisemitismus, der das politische Milieu stark belastet", sagt Giertych und fügt hinzu: "
Ich mag Juden."
Magdalena Kursa und Rafal Romanowski
erzählen von der originellen
Geschäftsidee eines jungen Krakauers, der ausländischen Touristen thematische
Ausflüge in den stalinistischen Industrievorort
Nowa Huta anbietet. "Sozialistische Restaurants, verschwitzte Hüttenarbeiter, tiefgekühlter Wodka, ein klappriger roter Bus, der Besuch einer authentisch ausgestattenen Wohnung - die Amateurfußballer aus Holland, die die heutige Reisegruppe stellen, sind hin und weg. 'Je peinlicher, desto besser', sagt der Begründer 'Crazy Mike', Michal Ostrowski. 'Wir bedienen die plattesten
Kommunismusstereotypen'. Nur manchmal fragt einer: 'Sieht es in Polen heute auch so aus oder ist alles gespielt?'".
Außerdem: das diesjährige
Theaterfestival von Avignon beschäftigt sich mit verschwindenden Welten,
stellt leicht enttäuscht Piotr Gruszczynski fest, während Katarzyna Bik von der
Ausstellung "Fin de siecle in Krakau", die u.a. älteste Werbeplakate, viele zum ersten Mal, präsentiert,
begeistert ist. Weiterhin
erinnert John Gray an
Isaiah Berlin, der als Erster die Wurzeln des Totalitarismus in der Aufklärung aufgezeigt hat, während Piotr Buras den Skandal um die An- und Aberkennung des
Heine-Preises für Peter Handke
relationiert.