Magazinrundschau - Archiv

Gazeta Wyborcza

171 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 18

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Gazeta Wyborcza

Die Antwort auf die Anschläge in London sollte nicht der verstärkte Krieg gegen den Terror sein, warnt in der polnischen Tageszeitung Timothy Garton Ash. "Polizeieinsätze im Innern und nicht kriegerische Interventionen in fremden Ländern sind das beste Mittel gegen die Bedrohung durch Terroristen, die seit Jahren unter uns wohnen - in London, in Madrid, also auch in Toronto, Paris, Sydney und Berlin. Der Einmarsch in den Irak war ein Fehler, aber ein noch größerer Fehler wäre, sich jetzt zurück zu ziehen. Alle demokratischen Länder sollten sich vereinen, um dem Irak Frieden und relative Freiheit zu bringen. Das, was fern von uns passiert, hat einen direkten Einfluss darauf, was mit uns zwischen den U-Bahnstationen King's Cross und Russell Square passiert. Es gibt keine Außenpolitik mehr. Das ist die wichtigste Lektion von London."

Niklas Frank
, Sohn von Hans Frank, dem "Generalgouverneur" im besetzten Polen während des Zweiten Weltkriegs, hat ein neues Buch über seine Familie geschrieben, "Meine deutsche Mutter". Adam Krzeminski empfindet es als recht wohltuend: "Niklas Frank rechnet scharf ab mit seiner Mutter Brigitte, 'der Königin von Polen', und anderen deutschen Frauen. Er scheint ihnen zu sagen: Jammert nicht darüber, wie ihr von den Engländern ausgebombt, von Russen vergewaltigt und von Polen vertrieben wurdet. Erzählt eher, wie ihr jüdische Wohnungen besetzt habt, wie ihr eure Männer in die NSDAP gedrängt und von ihren Beuten profitiert habt."

Zigtausend Einwohner der Region um Oppeln leben gleichzeitig in Polen und in Deutschland, berichtet Aldona Krajewska. Da die angestammte schlesische Bevölkerung Anfang der neunziger Jahre problemlos einen deutschen Pass bekommen konnte, können sie legal die Übergangsfristen auf dem EU-Arbeitmarkt umgehen. Ihr im Westen verdientes Geld schicken sie dann Verwandten in der Heimat, die sie alle paar Monate besuchen. Das hat allerdings gravierende soziale Folgen: "In schön renovierten Häusern sitzen einsame Frauen und Kinder. Sie sind gefangen wie Geiseln in einem goldenen Käfig."

Magazinrundschau vom 05.07.2005 - Gazeta Wyborcza

"Pardon, Polen!", bittet der frühere französische Kulturminister Jack Lang in der Gazeta Wyborcza. Er sei schockiert und verbittert, vom "linken Chauvinismus", der in der Diskussion um das Verfassungsreferendum zum Vorschein gekommen sei. Lang will als Präsidentschaftskandidat 2007 die französischen Sozialisten wieder "weltoffen, internationalistisch, solidarisch und proeuropäisch machen". Zur EU-Krise und zur Ratspräsidenschaft Tony Blairs sagt er: "Man sollte Blair in allem unterstützen, was er gut macht. Da die Franzosen die Herrschaft über den Kontinent den Angelsachsen sozusagen übergeben haben, soll doch Blair jetzt Europa führen."

"Linke Politik und Kulturkritik haben die Fähigkeit verloren, alternative Szenarien zu entwickeln, deshalb schlägt Slavoj Zizek vor, Lenin zu studieren", konstatiert der Soziologe Maciej Gdula in einem Text über den slowenischen Mode-Philosophen. Besonders irritierend für die vom Marxismus-Leninismus befreiten Mitteleuropäer müsse sein, dass ein früherer Anführer der demokratischen Opposition in Jugoslawien den Kapitalismus als einzig gültiges Gesellschaftssystems akzeptiert, schreibt Gdula und zitiert Zizek mit den Worten: "Wir, die postkommunistischen Staaten, haben, um es marxistisch-messianistisch zu formulieren, die Mission, eine neue Form zu erschaffen... kein Witz... gut, doch ein Witz, aber im Ernst: eine neue Gesellschaftsform, die die Fehler der alten nicht wiederholen würde. Vielleicht können wir die Welt retten." Im Übrigen empfehle Zizek, sich das Programm der Solidarnosc von 1981 anzuschauen: "Dort steht nichts von Kapitalismus, wohl aber von gemeinsamen Träumen".

Magazinrundschau vom 28.06.2005 - Gazeta Wyborcza

Der Politologe Aleksander Smolar erklärt in einem lesenswerten Interview die Krise zwischen den Gründern der EU und den neuen Mitgliedsstaaten: "Die EU war immer ein offener Raum, ohne klare Grenzen. Dagegen rebellieren heute die Länder des 'alten Europas'. Viele Menschen in Westeuropa haben das Gefühl, dass wir letztes Jahr ein sicheres und reiches Haus betreten haben und uns verhalten, als hätten wir damit jemandem einen Gefallen getan - ohne Respekt für diejenigen, die das Haus erbaut haben und jetzt unterhalten. Und dann noch unsere Politiker, die den alten Bewohnern erklären wollen, was moderne Wirtschaft ist, und ihnen Egoismus vorwerfen. Man muss sich bewusst machen, dass wir für sie ferne Cousins sind, von deren Existenz sie vor kurzem nichts wussten, und deren Geschichte und Geografie erst lernen müssen."

"Paradoxerweise kann der neue, konservative iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu einem demokratischen Umsturz beitragen. Angesichts der zu erwartenden repressiveren Politik wird sich die Opposition einigen, und die unzufriedenen Menschen werden auf die Straßen gehen". Diese Meinung äußert der liberale Studentenführer Abdollah Momeni in einem Gespräch mit der Gazeta Wyborcza. Er glaubt weder an den Sinn einer neuen Revolution, noch an eine militärische Intervention der USA. Beide würden Tausende von Toten kosten. Dagegen sollten die Reformer auf den Aufbau einer Zivilgesellschaft setzen, die ihre Rechte von der Regierenden einfordern wird - wie in der Ukraine (!).

Aber auch über die Lage in Russland ist man besorgt. Für die Politologin Lilia Schevtzova führt die Zentralisierung der Macht dazu, dass die politische Verantwortung und die Schuldzuweisungen sich auf Präsident Putin konzentrieren. Auch die wirtschaftliche Monokultur, die Russland zu einem Öl-Staat a la Nigeria macht, und die Tendenzen zur staatlichen Monopolisierung zum Beispiel im Gassektor versprechen nichts Gutes. Hinzu kommt eine missglückte Sozialpolitik. Noch ist eine Entwicklung wie in Kiev unwahrscheinlich, aber das System wankt schon, meint Schevtzova. "Das monopolistisch-korporative System funktioniert nur, wenn folgendes vorhanden ist: eine tragende Ideologie, die Bereitschaft zur staatlichen Repression, eine soziale Duldung dieser Repression und eine Isolierung von der Außenwelt. Wenn eines wegfällt, wankt das ganze System. Allein die Tatsache, dass man im Kreml nach neuen Feinden sucht und zur stalinistischen Rhetorik greift, zeugt von einer wachsenden Unruhe in der Regierung".

Magazinrundschau vom 14.06.2005 - Gazeta Wyborcza

"Polen hat jetzt eine große Chance, die Zukunft der EU mitzubestimmen - vorausgesetzt, wir sagen Ja zur Verfassung" meint im Interview mit der Tageszeitung der polnische Außenminister Adam Rotfeld. Da internationale Abkommen in gutem Glauben geschlossen werden, ist jeder einzelne für die Ratifizierung verantwortlich, ohne sich nach anderen umzuschauen, erklärt der Diplomat. Die Frage, ob Europa nun das amerikanische Wirtschaftsmodell annehmen wird, beantwortet Rotfeld: "Ich glaube, Europa wird nie das amerikanische Modell annehmen. Früher oder später werden eher die USA das europäische Modell übernehmen, das viel näher an den Bedürfnissen der Menschen dran ist." Der Außenminister hält auch an dem Plan fest, Ende 2005 die polnischen Truppen aus dem Irak abzuziehen und auf Wunsch der dortigen Regierung lediglich militärische Berater und Trainer im Land zu belassen.

Das Augenmerk der Polen richtet sich auf Weißrussland. Nach der in Warschau mehr als wohlwollend betrachteten ukrainischen Revolution rückt "die letzte Diktatur Europas" in den Mittelpunkt des Interesses. Zumal der autoritär regierende Präsident Lukaschenko in der letzten Zeit den Staatsapparat gegen den Verband der polnischen Minderheit einsetzt - immerhin die größte NGO im Lande. Der weißrussische Publizist Alexandr Fieduta glaubt allerdings nicht an einen raschen demokratischen Umsturz in Minsk: "Weißrussland ist nicht die Ukraine. Hier werden Gehälter und Pensionen gezahlt, von denen man leben kann. Es gibt hier keine großen Wirtschaftsakteure, die an demokratischen Institutionen interessiert sind - hier gedeihen nur Firmen, die sich mit dem Regime arrangiert haben. Es gibt hier keine unabhängigen Fernseh- und Radiosender und fast keine Presse - die existierenden oppositionellen Zeitungen werden vor den Augen aller beseitigt. Und: in Weißrussland ist der russische Einfluss sehr stark". Fieduta glaubt nicht an einen Umsturz bei den Wahlen 2006. "Lukaschenko ist wie eine Krankheit. Aber das weißrussische Volk wird nicht daran sterben. Es wird genesen - früher oder später."

Magazinrundschau vom 07.06.2005 - Gazeta Wyborcza

Was tun nach dem französischen und holländischen Nein? Die Verfassung begraben, rät der französische Europaparlamentarier Jean-Louis Bourlanges im Interview. Auf die Frage, welcher Zusammenhang zwischen der Ablehnung der Verfassung und der Osterweiterung besteht, erwidert Bourlanges: "Nicht die Polen, sondern die Franzosen sind schuld. Es kann nicht sein, dass man nach der Ratifizierung der Erweiterungsverträge behauptet, Europa hätte es besser ohne die zehn Neuen. Das ist auch gelogen ... Man bekam Angst vor dem polnischen Klempner und den niedrigen Steuern in der Slowakei oder im Baltikum. Dabei liegt der wahre Grund für Angst in der Konkurrenz von China oder Indien."

Was kann Europa retten? Vielleicht Tony Blair und eine britische Vision von Europa, überlegt der englische Politologe Timothy Garton Ash. "Ich befürchte, es gibt viele regierungsnahe Anhänger der These, dass Blair während der britischen EU-Präsidentschaft ein neues europäisches Projekt forcieren wird - eine Sozial- und Wirtschaftsreform im britischen Stil. Nur so können wir den Drachen der Globalisierung besiegen. Vorwärts im Namen Gottes, Englands, Tonys und des Heiligen Georg!" Allerdings werde niemand laut ein angelsächsisch-liberales Europa unterstützen. Vielleicht sollte Blair daher einfach den Boden für eine neue Initiative vorbereiten, die dann nächstes Jahr von Sarkozy und Merkel verkündet werden könnte. Dann wird man diesen vorzüglichen deutsch-französischen Vorstoß sicher begrüßen, spottet Ash.

Weitere Artikel: der Schriftsteller und Reporter Ryszard Kapuscinski erklärt den Übersetzer zum Helden des 21. Jahrhunderts. Artur Domoslawski hat Benjamin R. Barbers "Imperium der Angst" gelesen und lässt sich von seiner Idee der "präventiven Demokratie" überzeugen. Allerdings stellt er fest: "Sie ist schön und rational. Leider wissen wir, dass die Geschichte von eher irrationalen als rationalen Ereignissen erzählt. Noch hat die Geschichte Oberhand."

Magazinrundschau vom 31.05.2005 - Gazeta Wyborcza

"Polen sollte seine Entscheidung nicht von der der Franzosen abhängig machen. Wir müssen sie alleine treffen, und dann zusammen mit unseren europäischen Partnern schauen, in welcher Lage Europa sich befindet", appelliert der Europaparlamentarier und Frankreich-Kenner Bronislaw Geremek. Der frühere polnische Außenminister gesteht, dass es keinen "Plan B" für das Scheitern des Verfassungsvertrages gibt, und drückt die Befürchtung aus, dass sich Frankreich nach dem "Nein" zur Verfassung paradoxerweise dem Aufbau eines Bündnisses der vertieften Zusammenarbeit mit den reicheren Ländern Europas widmen wird. Polen wird in so einem Bündnis wohl außen vor bleiben, glaubt Geremek.

Adam Leszczynski hat Thomas L. Friedmans Lobgesang auf den globalen Freihandel "The world is flat. A brief history of the twenty-first century" gelesen und kann seinem Optimismus wenig abgewinnen. "Nun gut, selbst wenn ein paar Millionen von Hindus dank der Arbeit in den neuen Branchen Teil der Mittelklasse werden, was passiert mit hunderten von Millionen anderer Hindus? Der Aufstieg der Wenigen war möglich, weil die Welt flach geworden ist - d.h. weil der technologische Fortschritt es indischen, chinesischen oder auch polnischen Spezialisten erlaubt hat, mit amerikanischen zu konkurieren. Wird aber der Rest auch eine Chance auf besseres Leben erhalten? Ihnen gibt Friedman keine Perspektiven. Wenn man genauer hinschaut, ist diese neue Wirtschaftsrevolution eine Chance für einige Wenige".

Castro bleibt Castro, urteilt der frühere chilenische Botschafter in Havanna und Schriftsteller Jorge Edwards im Interview. Nach dem Tod Castros könnte allerdings in Kuba alles anders werden. "Fidelismo ohne Fidel ist nicht möglich. Die Veränderungen werden rasch eintreten und tiefgreifend sein. Die jungen Vertreter des Regimes machen sich jetzt schon über eine Nachfolgerschaft Gedanken. Zu einem ernsthaften Konflikt mit den USA wird es aber nicht kommen. Die Straßen von Havanna sind proamerikanisch".

Magazinrundschau vom 17.05.2005 - Gazeta Wyborcza

Die Literaturwissenschaftlerin und führende feministische Publizistin Polens, Kinga Dunin, analysiert in einem lesenswerten Artikel das Bild des Fremden in der polnischen Literatur seit der politischen Wende. Dunin konstatiert, dass das Fremde, vor allem in Gestalt von Menschen anderer Konfession oder Nationalität, anfangs in ein "liberal-konservatives Bild der Wirklichkeit" integriert wurde. "Das gezähmte Anderssein war nur ein anderes Abbild des Akzeptierten, es verursachte keine Konflikte. Auch die feministische, antikapitalistische und neuerdings homosexuelle Gesellschaftskritik wird als Teil des Ganzen vom System absorbiert. Der Markt wartete nur darauf, gut gemachte Attrappen seiner Gegner auf die Supermarktregale zu bekommen, was seinen Sieg nur noch deutlicher machte. Das potenziell revolutionäre Fremde wurde zum Kommerz. Statt einer utopischen Einigkeit bekommen wir somit ein gleichermaßen utopisches Bild von Unterschieden."

Adam Michnik setzt seine Essayreihe fort (die vorigen Beiträge sind hier und hier abrufbar), in der Parallelen zwischen der nachrevolutionären Restaurationszeit in Frankreich und der gegenwärtigen innenpolitischen Lage in Polen gezogen werden. "In unserer Welt gibt es keine großen Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Es gibt auch keinen Napoleon unter uns, und kein Versprechen des großen Ruhms. Wir wurden vom Glauben an die absolute Gerechtigkeit geheilt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir Gemeinheit und absolute Ungerechtigkeit akzeptieren. Wir, Nutznießer der Revolution, preisen die Errungenschaften: bürgerliche Freiheiten, offene Grenzen, freie Zeitungen, freien Markt etc. Die Verlierer, jene Ausgeschlossenen und Gedemütigten, werden die Welt verfluchen und uns vielleicht eines Tages eine bittere Rechnung ausstellen. Uns, den Nutznießern."

Magazinrundschau vom 10.05.2005 - Gazeta Wyborcza

Die Werbebudgets einiger Kirchen, besonders in den USA, sind größer als die von internationalen Konzernen, bemerken Zbigniew Domaszewicz und Vadim Makarenko in der Gazeta. Dass Kirchen langsam immer mehr von professionellen Werbeagenturen Gebrauch machen, und andererseits die Werbung mit christlichen Motiven spielt, scheint niemanden mehr zu überraschen. "Die Sixtinische Kapelle ist auch nichts anderes als ein Riesenbillboard mit der Message: Gott ist toll!", argumentieren die Werber.

Magazinrundschau vom 03.05.2005 - Gazeta Wyborcza

Chefredakteur Adam Michnik zieht in einem langen Essay eine Parallele von Stendhals Zeiten, der nachnapoleonischen Restauration, zum heutigen Polen. Auch damals, analysiert Michnik, herrschte der Mammon: "Statt der Demokratie regierte das Geld; statt der großen Ideen - das Geld; statt Würde, Ehre und Solidarität - das Geld". Und heute? "Warum haben wir die Menschenrechtscharta gegen eine Kreditkarte eingetauscht? Warum hat der päpstliche Aufruf: 'Besiege das Böse durch das Gute!' nicht zur Verwandlung der gehässigen Verleumder und jener, die die Wahrheit in den Stasiakten suchen, geführt? Wir mögen unsere heutige Welt nicht ... Sie erscheint uns trivial, schwer und feige." Wie schon in seinem letzten Essay plädiert Michnik für die ehrenvolle Verweigerung: "Ehre bedeutet auch, den Großen und Reichen sagen zu können: non serviam".

Witold Gadomski bilanziert Polens Jahr in der EU: "Das erste Jahr der Mitgliedschaft fällt überraschend gut aus", insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht. Schwarzmalern zum Trotz fließen die Gelder, vor allem aus Agrar- und Strukturfonds, nach Polen, Investoren kaufen Aktien von polnischen Unternehmen, und der Export von Lebensmitteln ins westliche Europa stieg um mehr als vierzig Prozent. "Es ist aber ein Fehler, sich auf die finanzielle Hilfe aus Brüssel zu fixieren", warnt Gadomski. Es liege im eigenen Interesse, die Hausaufgaben zu machen und Euro-reif zu werden - "unabhängig davon, was in unserer Umgebung passiert".
Stichwörter: Geld, Michnik, Adam, Restauration

Magazinrundschau vom 19.04.2005 - Gazeta Wyborcza

Eine "moralische Revolution" hat der der Stadtpräsident von Warschau und konservative Präsidentschaftsanwärter Lech Kaczynski ausgerufen, in deren Verlauf das korrumpierte politische Leben von allen Postkommunisten und ehemaligen Stasi-Mitarbeiter gesäubert werden soll. Damit kündigt Kaczynski den historischen Kompromiss zwischen Solidarnosc und kommunistischen Machthaber von 1989 - Adam Michnik, einer der Architekten des Runden Tisches, ist entgeistert: "Sobald sie an der Macht waren, war den Jakobinern das Schicksal der Menschen egal - der Gedemütigten und Entrechteten. Diese Menschen konnten ohne Skrupel im Namen der Revolutionären Säuberung geopfert werden.... In einem stimmen der Jakobiner und der Ultras überein: wo man Holz hackt, fliegen die Späne. Ich bin so ein Span. Und bevor ich von den Moralrevolutionären so behandelt werde - im Namen der Tugend und der Freiheit, der göttlichen Ordnung, der absoluten Wahrheit - lassen Sie mich sagen: ohne mich! Ich habe diese Lektion bereits hinter mir. Wir, die Nörgler, wollen keine weitere Revolution in einem Land, das sich von den voran gegangenen noch nicht erholt hat."