
Abgesehen davon, dass die Kategorie "teilweise frei" den Publizisten László Seres an den Begriff "ein bisschen schwanger" erinnert, ist die kürzliche
Herabstufung Ungarns durch die internationale NGO
Freedom House um 13 Punkte in der
Kategorie Pressefreiheit alles andere als überraschend - vor allem, weil die meisten Probleme der ungarischen Medien nicht neu, sondern Produkte des immer noch gegenwärtigen Kádár-Systems sind,
meint Seres: "Eine Zensur - oder zumindest ein gewisses Hineinreden - seitens des Besitzers, der Behörde oder des Interviewpartners kommt
seit der Wende immer wieder vor. Die Unparteilichkeit in den öffentlich-rechtlichen Medien wurde auch bisher nicht von unabhängigen Experten, sondern von Parteien 'garantiert'. Der servilere Teil der Journalisten neigte
auch in der Vergangenheit zur Selbstzensur und zu unterwürfigen Fragen beim Interview. Die Radiofrequenzen wurden stets, wie es Freedom House formuliert, 'in politisch motivierten Genehmigungsprozessen' vergeben, also durch
Hinterzimmer-Entscheidungen von (mindestens) zwei Parteien, jetzt eben von einer Partei. All das bedeutet nicht, dass die Regierungsnähe der Medienbehörde NMHH, die Verstaatlichung der öffentlich-rechtlichen Medien, die Verunglimpfung eines ehemaligen Staatssekretärs durch die Nachrichtenagentur MTI, der Fall Klubrádió, die Registrierung der Blogs, also die Unklarheit um die
Kontrolle des Internets und viele andere Dinge nicht skandalös wären. Aber die ungarischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien sind nicht nur seit Beginn der Orbán-Regierung vor zwei Jahren, sondern seit der Wende nur teilweise frei. Die Lösung dieses Problems ist nicht einfach die Änderung des Mediengesetzes, sondern die Ausschaltung des in unseren Köpfen existierenden
Kádár-Systems."