
Einst nannte sich die heutige Regierungspartei
Fidesz "Bürgerliche Partei". Doch ihre jüngsten Aktionen (
Verstaatlichung der privaten Rentenkassen-Beiträge, rückwirkende
Besteuerung - zu 98 Prozent - von Abfindungen ab einer bestimmten Höhe, Maßregelung des Verfassungsgerichts usw.) sprechen eine ganz andere Sprache. Die Philosophin
Agnes Heller will dennoch die Hoffnung
nicht aufgeben: "Wo ein Bedarf besteht, werden Kräfte entstehen, oder zumindest entstehen können, die diesen Bedarf befriedigen wollen. Der Bedarf nach einem bürgerlichen Ungarn könnte heute durch Kräfte befriedigt werden, die ich als '
konservativ liberal' beschreiben würde. Wo diese Kräfte zu finden sind? Teilweise in der Fidesz, vielleicht auch bei den Christdemokraten - in erster Linie in den Reihen ihrer Sympathisanten -, teilweise in der ehemaligen MDF, in der ehemaligen SZDSZ und vielleicht sogar bei den Sozialisten. Es gibt viele, die den immer mächtigeren
Geist des Populismus verabscheuen, die Rechtssicherheit und Eigentumssicherheit wollen. Viele, die dem freien Wettbewerb viel mehr Raum einräumen würden, als ihm derzeit gegönnt wird und dafür die
Macht der Oligarchen und der Monopole einschränken würden. Viele, die das System der Kontrollmechanismen, die Gewaltenteilung, rationale Debatten und Kompromisse als grundlegende Voraussetzungen der Rechtssicherheit anerkennen."