Vor dem Hintergrund des Prozesses gegen den früheren Leiter eines Folterlagers der
Roten Khmer, Kaing Guek Eav, der als Genosse Duch bekannt war,
unterhält sich Gilles Hertzog mit dem katholischen Priester
Francois Ponchaud, der zu den ersten gehörte, die den
Genozid in Kambodscha aufdeckten. Die Chancen einer echten Aufarbeitung
sieht er dabei eher ambivalent, weil nach seinen Erfahrungen und nach Einschätzung der Ethno-Psychologie viele Kambodschaner davon überzeugt sind, dass das
Böse als solches nicht existiert und sie das, was sie erlitten haben, mit Karma
erklären. Allerdings sieht er auch die
Traumatisierungen: "Die derzeitige Gewalt in den Familien basiert teilweise auf der Gewaltherrschaft der Roten Khmer. Alle, die damals Kinder waren und heute Familie haben, sind gewalttätig, Männer wie Frauen. Da sie nicht von ihren Eltern aufgezogen wurden, von denen man sie getrennt hatte, wiederholen sie das
Gewaltmuster, das sie kennen. Die Zeitungen wimmeln nur so von grauenerregenden Meldungen. So kommt es häufig vor, dass ein Mann seine Frau mit Säure überschüttet. Aber diese unterschwellige Gewalt hat auch weit zurückliegende Wurzeln. Angkor ist das Werk zahlloser Sklaven, Kriegsgefangene aus den Gebieten des früheren Siam und Laos."
Ergänzend ist ein Essay von Gilles Hertzog über den Prozess und die Roten Khmer dreißig Jahre danach zu
lesen.
Und
Bernard-Henri Levy äußert sich
sehr elegant zu der schadenfroh kommentierten Blamage, in seinem neuen Buch "De la guerre en philosophie" in einer Abrechnung mit Kant die Arbeit des fiktiven Philosophen
Jean-Baptiste Botul, Erfindung eines Journalisten des satirischen Magazins
Canard enchaine, zitiert zu haben: "Ein wirklich brillanter und äußerst glaubwürdiger Scherz ...
Chapeau zu diesem erfundenen Kant."