
Ein
Text von
Michel Onfray macht großen Wind in Bernard-Henri Levis Blog "La regle du jeu". Onfray hat Anfang Juni in
Le Point den Historiker und Philosophen
Jean Soler gepriesen, der in seinem neuen Büchlein "Qui est Dieu?" die Juden für die
Erfindung des Monotheismus geißelt, der dann in Form des Juden-, Christen- und Muslimtums über die Welt hergefallen sei. Eine der falschen Annahmen über den lieben Gott der Juden, die Soler richtig stelle, sei, dass er erstmals eine universelle Moral darstelle: "Das ist falsch", so Onfray: "Seine Vorschriften betreffen nicht das Allgemeine und die Menschheit, sondern
die Sippe, das Lokale, deren Existenz, Bestand und Zusammenhalt es zu sichern gilt. Die Nächstenliebe bezieht sich nur auf das Gleichartige, das Hebräische, für alle anderen wird sogar das Töten empfohlen." Darauf
antwortet der Rabbiner
Yeshaya Dalsace in
La regle du jeu: "Laut Onfray kennt die Bibel das Universelle nicht und stiftet die Juden dazu an, die anderen zu vernichten ... Ein
bisschen kurzgegriffen als Behauptung! (Ganz zu schweigen vom Mief der
Verschwörungstheorie). Im Gegenteil, das Erstaunlichste an der Bibel besteht darin, dass ein kleines isolatiertes Bergvolk eine
universelle Vision geschaffen hat, die immer wieder betont wird. Man begegnet ihr in der Vorstellung des einzigen Stammvaters der gesamten Menschheit, die als eine große, egalitäre Familie antritt; in der Vorstellung der Möglichkeit, einen universellen brüderlichen Frieden zu schaffen, die viele Propheten, insbesondere Jesaia, formulierten; in der Anweisung, Fremde zu respektieren, 'weil du selbst Fremder gewesen bist, sollst du den Fremden lieben wie dich selbst', die an zahlreichen Stellen wiederholt wird."
Weiteres dazu: Michel de Saint Cheron
stellt das Buch von Soler vor, und Pascal Baque
steuert noch eine
Polemik gegen Michel Onfray bei, worin er ihn als "
ein Symptom - bloß wovon?" bezeichnet.
Zu
lesen ist außerdem die Besprechung des Buchs "Le Passage a l'Europe. Histoire d'un commencement" des niederländischen Historikers und Philosophen
Luuk van Middelaar.