
Die Opposition Italiens mobilisiert ihre Anhänger gerade gegen einen Gesetzesentwurf der Regierung Berlusconi, der das
Abhören von Telefonaten beschränken und die Veröffentlichung von Material aus abgehörten Telefonaten unter Strafe stellen soll (
hier unter anderem ein Video mit dem Auftritt des
Schriftstellers Roberto Saviano auf der zentralen Kundgebung auf Roms Piazza Navona am 1. Juli). Giovanni Perazzoli protestiert auch, geht aber einen Schritt weiter und
fordert, nicht immer nur die neueste Unverschämtheit zu bekritteln, sondern sich mal Gedanken über das
System Silvio selbst zu machen. "Während die Demokratie und ihre freien Wahlen auf der ganzen Welt als unabdingabre Voraussetzung für eine legitime Machtausübung gesehen werden, hat sich ihr realer Inhalt verflüchtigt.
Ohne liberale Zutaten - Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Verteidigung der Meinungsfreiheit und der Presse - werden die freien (oder ziemlich beschränkten) Wahlen nur zum Deckmäntelchen für die Regime. Interessanterweise hat das Gianni Riotta schon im Jahr 1998 im
Corriere della sera beschrieben, in einer Besprechung der Theorien von
Robert Kaplan und
Fareed Zakaria. In einem jüngeren Buch, "The Future of Freedom. Illiberal Democracy at Home and Abroad" (2003), hat Fareed Zakaria dann erläutert, wie sich ein neues politisches Monstrum auf dem Planeten ausbreitet, die
illiberale Demokratie: ein System, das sich wunderbar mit Wahlen und mit den dazugehörigen Institutionen legitimiert, aber in Wirklichkeit die liberalen Prinzipien der Meinungsfreiheit und der Gleichheit vor dem Gesetz aufgibt, um so eine neue Art von Herrschaft zu definieren."