
Tilèwa Kazeem
erzählt von den Tücken
selbstgebrauter Aphrodisiaka, die den nigerianischen Markt überschwemmen. In einer von
Männlichkeits-Klischees geprägten Gesellschaft, in der es wenig richtige Aufklärung, aber viel Fehlinformation und unaufgearbeitete Sex-Mythen gibt, sehen sich viele auch schon sehr junge Nigerianer mit
Versagensängsten konfrontiert und greifen zunehmend zu allerlei Tränken: "'Ich verwende getrocknete Kochbananen sowie die Hoden von Pferd und Ziege und mische sie', sagt Funmilayo, eine Kräuterverkäuferin mit 31 Jahren Erfahrung, und greift in ihre Verkaufsschale mit abgefüllten Kräutern und Granulaten nach drei umfunktionierten Coca-Cola-Flaschen. Darin befinden sich rosa, schwarze und cremefarbene Pulver - die Rohstoffe ihres sogenannten 'Manpower'-Elixiers. Sie schüttet das Pulver in einen Gummibecher, gießt lokalen Gin hinein und rührt, bis eine trübe, bräunliche Mischung entsteht, die nicht einmal halb so groß ist wie ein Bier-Pong-Becher. Dieses
Penis-Powermittel, bitter und brennend, verspricht jedem, der mutig genug ist, es zu trinken, gestärktes Durchhaltevermögen und neue Energie. Ein Shot kostet je nach Standort zwischen
19 und 32 Cent." Die Inhaltstoffe des "Agbo Ale" sind pflanzlich und tierisch, aber alles andere als harmlos: "Hinter den grellen Versprechungen verbergen sich
pharmakologische Landminen in Form von ungeprüften Wirkstoffen, die mit allem Möglichen in Verbindung gebracht werden, von Anaphylaxie bis hin zum langsamen Versagen von Organen: verschwommenes Sehen, Ohrensausen, Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen, sogar hämorrhagische Schlaganfälle. In den schlimmsten Fällen kommt es zu
Priapismus: Erektionen, die so lang anhaltend und qualvoll sind, dass sie nicht nur den Körper, sondern auch das Selbstverständnis von Männlichkeit, das sie eigentlich aufrechterhalten sollten, zum Erliegen bringen."
Phineas Rueckert
blickt auf die Verquickung von
Psychoanalyse und Politik in Werk und Leben
Frantz Fanons. Dabei fokussiert er auf Fanons Aufenthalt in der Klinik des katalanischen Arztes
François Tosquelles, der die katastrophalen Zustände in psychiatrischen Anstalten während des Krieges verändern wollte. Fanon übernahm Tosquelles progressive Ideen, der die Patienten nicht länger isoliert von der Gesellschaft halten, sondern sie integrieren und tätig werden lassen wollte. Diesen Ansatz versuchte der junge Fanon später in der Klinik
Blida-Joinville in Algerien umzusetzen, die später zu einem Zentrum des algerischen Widerstandes werden sollte: "Es dauerte eine Weile, bis sich die Klinik an die lokalen Bedürfnisse anpasste, doch Fanon beharrte darauf, die Anstalt
für die Öffentlichkeit zu öffnen. Er begann, seine psychiatrische Praxis auf die Bedürfnisse seiner muslimischen Patienten und Mitarbeiter auszurichten. Die Bar wurde durch ein Café im algerischen Stil ersetzt; lokale Musiker, darunter der Chaabi-Künstler Abderrahmane Azziz, spielten Konzerte. Wie in Saint-Alban produzierten und verteilten die Patienten eine Zeitung, die sie
Notre Journal nannten. Auf einem verlassenen Feld neben der Klinik eröffnete Fanon einen
Fußballplatz, auf dem Patienten und medizinisches Personal gemeinsam spielten. Er baute einen Getreidesilo in eine Moschee für die Patienten um. Wie bei Tosquelles in seinem Kampf gegen den aufkommenden Faschismus in Spanien und Frankreich begann sich Fanons psychiatrische Arbeit zunehmend mit seinem eigenen wachsenden
politischen Engagement zu verbinden. Auf seinen Reisen in die Berge der Kabylei, um traditionelle algerische medizinische und spirituelle Praktiken zu erforschen, lernte er Mitglieder der algerischen nationalen Befreiungsbewegung kennen."