Magazinrundschau - Archiv

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87 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 9

Magazinrundschau vom 19.08.2025 - New Lines Magazine

Floriana Bulfon zeichnet die Verquickungen zwischen dem Vatikan und der italienischen Mafia nach, die jahrelang rege Geschäfte miteinander betrieben. Ein Wendepunkt trat 1992 ein, erinnert Bulfon, als Giovanni Falcone und Paolo Borsellino ermordet wurden, zwei in Italien sehr populäre Richter, die mit viel Medienaufmerksamkeit gegen die Mafiosi vorgingen. In Folge schlug Papst Johannes Paul II. während einer Messe im sizilianischen Agrigent andere Töne an. Er forderte "eine 'klare Missachtung der Kultur der Mafia, die eine Kultur des Todes, zutiefst unmenschlich und antireligiös ist'." Später ging Papst Franziskus noch weiter, so Bulfon. Er wollte das "drastischste Mittel" anwenden, dass der katholischen Kirche zur Verfügung steht, die Exkommunion und damit den lebenslangen Ausschluss aus der katholischen Gemeinschaft. Bis heute konnte dieses Mittel allerdings nicht durchgesetzt werden: "Es gab mehrere Gründe dafür, dass Franziskus es nicht schaffte, eine vom Vatikan angeführte Verurteilung der Mafia durchzusetzen. Es gab rechtliche Probleme bei der Definition, wer oder was die Mafia ist: Nur das italienische Strafgesetzbuch sieht den Straftatbestand der Mafia-Verbindung vor. Einige in der Kirche befürchteten, dass Pfarreien und Priester in von der Mafia kontrollierten Gebieten angegriffen würden. Und es gab die unausgesprochene Angst, dass Skandale über die Zusammenarbeit von Priestern oder kirchlichen Strukturen auftauchen könnten. Es gab in der Kirche Stimmen, die befürchteten, dass eine so drastische Entscheidung wie die Exkommunikation eine Welle von Enthüllungen über die Beziehungen zwischen Mafiosi und Narcos nicht nur zum italienischen Klerus, sondern auch zu dem in Mittel- und Südamerika oder Afrika auslösen würde. Die Eifersüchteleien und Rivalitäten zwischen den verschiedenen Dikasterien spielte eine zusätzliche Rolle. Das Ergebnis war eine Mauer der Ablehnung, die noch massiver war als die, die errichtet wurde, um den Papst daran zu hindern, Pädophilie im Klerus anzuprangern."

Magazinrundschau vom 12.08.2025 - New Lines Magazine

Giovanni Pigni berichtet über die rechtsextreme Organisation "Russische Gemeinschaft", "Russkaja Obschtschina"(RO), die in Russland immer mehr Zulauf bekommt. Interessant ist das Verhältnis zur Regierung, denn die RO und ihre Aktionen werden, wenn auch inoffiziell, vom Kreml unterstützt: "Angesichts der schwierigen innenpolitischen Lage brauchen die Behörden eine Bewegung von unten, die zeigt: 'Seht her, sie unterstützen uns, unsere Ideen verbreiten sich', sagt Vera Alperovich, Forscherin am Sova Center, einer russischen Nichtregierungsorganisation zur Beobachtung von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Laut dem oppositionellen Medienunternehmen Meduza wird RO direkt vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB betreut. ... Obwohl RO weitgehend von den Strafverfolgungsbehörden unterstützt wird, die ihre Mitglieder in Operationen einbeziehen und aktiv auf ihre Berichte über mutmaßliche Verstöße gegen die öffentliche Ordnung reagieren, geriet die Gruppe zeitweise außer Kontrolle zu geraten. Im Mai waren RO-Mitglieder bei einer ihrer Razzien nordöstlich von St. Petersburg in der Stadt Wsewoloschsk in einen tödlichen Vorfall verwickelt. Wie lokale Medien berichteten, brachen die Mitglieder in eine Wohnung ein und besprühten den Mieter mit Pfefferspray. Während der Auseinandersetzung brach ein Feuer aus, bei dem der Mieter starb und eine Frau, die aus einem Fenster sprang, verletzt wurde. RO behauptete bei Telegram, die Tür sei bereits aufgebrochen gewesen und das Feuer sei von den Mietern gelegt worden, angeblich im Zusammenhang mit Drogenkonsum. Fünf RO-Mitglieder werden derzeit als Zeugen in einem Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung geführt. In einem anderen Fall wurden drei RO-Mitglieder von der Polizei festgenommen, nachdem sie einen Mann entführt, ihn in einem Waldstück geschlagen und ihm Vergewaltigung mit einer Keule angedroht hatten. RO gab später an, die beteiligten Männer befänden sich noch in einer 'Bewährungszeit. Die Aktionen der Gruppe lösen zunehmend Besorgnis aus, insbesondere bei Beamten in den ethnischen Republiken Russlands, einschließlich des Nordkaukasus mit seiner mehrheitlich muslimischen Bevölkerung."

Magazinrundschau vom 29.07.2025 - New Lines Magazine

Kingsley Charles erläutert am Beispiel Nigerias, welche unerwarteten Komplikationen eine Rückkehr in das vor Jahren verlassene Heimatland mit sich bringt. Unter anderem berichtet die alleinerziehende und hart arbeitende Mutter Noju von ihren Problemen in Britannien: "'Sowohl meine Familie als auch meine Freunde sagten, es seien Dorfbewohner gewesen', erzählt Kelly Njoku, die 2023 aus Großbritannien zurückgekehrt war. Sie bezog sich dabei auf die Vorstellung, dass sie von boshaften Geistern beeinflusst worden sei. Njoku, eine alleinerziehende Mutter, war 2018 als Doktorandin nach Britannien gezogen. 'Ich ging abends mit meiner Arbeitskleidung im Rucksack in die Bibliothek meiner Schule, nur für den Fall, dass ich zu einem Notfall gerufen werden könnte', erinnert sie sich. Bald nach ihrem Abschluss wurde sie Vollzeitkraft im Gesundheitswesen, was ihre Qualen nur noch verstärkte. Da sie hauptsächlich ältere Patienten betreute, wuchs ihre Frustration. 'Es war nur Arbeit, eine Schicht nach der anderen, stundenlanges Stehen, das Einteilen des Budgets für Lebensmittel. Ich hatte kaum Zeit für andere Dinge als Arbeit und Rechnungen bezahlen. Ich hatte kaum Zeit für meine Tochter.' Aber ihre Familienmitglieder, die immer mit dringenden Geldanfragen zu ihr kamen, konnten ihre Probleme nicht nachvollziehen. 2023 kehrte Njoku nach Hause zurück, um eine Karriere als Filmemacherin zu starten - eine Entscheidung, die sowohl ihre engen Freunde als auch ihre Familie verwirrte. "Meine Mutter weinte wie nie zuvor. Sie dachte, ich wäre verrückt geworden, dass ihre Feinde es geschafft hätten, sie zu ruinieren. Sofort kontaktierte sie ihren Pastor, um für mich zu beten', erzählte sie und lachte bei der Erinnerung. 'Ich war auf diese Reaktion vorbereitet, daher hat mich das nicht sonderlich bewegt.'"

Kamal Shahin schlüsselt auf, wie brüchig der Sicherheitsstaat Assads schon lange vor seinem Zusammenbruch war. Das hatte nicht nur damit zu tun, dass "Syriens Sicherheitssystem über die Jahrzehnte zu einer krakenartigen Struktur anschwoll, mit mehr als 14 großen Geheimdienstzweigen, jeder mit seinen eigenen untergeordneten Einheiten", zerfressen von Korruption, Vetternwirtschaft und gleichzeitiger Konkurrenz. Es lag auch zu einem nicht unerheblichen Teil an der Unfähigkeit, mit den technischen Entwicklungen der Gegenwart Schritt zu halten: "Trotz Assads Behauptungen Anfang der 2000er Jahre, seine Regierung läute eine Ära der 'digitalen Transformation' ein, hielt der syrische Staat an Aktenschränken, Stempeln und handschriftlichen Berichten fest. Selbst als Kriege auf Servern und hinter Tastaturen geführt - und verloren - wurden, blieb Damaskus einer bürokratischen Vergangenheit verhaftet. Syrien brauchte keine brillanten Feinde, um den Sicherheitskrieg zu verlieren. Es verlor ihn von innen." Trotz "seiner enormen Größe fungierte der syrische Sicherheitsapparat fast ausschließlich als Instrument der internen Repression und vernachlässigte seine vermeintliche Kernaufgabe der Informationsbeschaffung und strategischen Verteidigung fast vollständig. Folter, Zwang und systematischer Missbrauch waren die Triebkräfte des Systems. Geständnisse, unter Zwang und oft von unschuldigen Häftlingen erpresst, wurden zum Eckpfeiler der 'Beweissammlung' und nährten eine ganze Lügenbürokratie. Falsche Geständnisse führten zu falschen Anklagen. Akten quollen über vorgetäuschten Informationen. Ganze Ermittlungen basierten auf Phantombildern. Als sich diese Verzerrungen verstärkten, gerieten die Behörden selbst in einen Teufelskreis der Selbsttäuschung: Sie verwechselten Lärm mit Signalen, Fiktion mit Fakten. Dem System gelang es zwar, die Gesellschaft zum Schweigen zu bringen, doch es versäumte es völlig, sie zu verstehen. Professionelle Ermittlungsmethoden, die bei seriösen Geheimdiensten üblich waren, wurden verworfen oder ignoriert."

Magazinrundschau vom 15.07.2025 - New Lines Magazine

Tilèwa Kazeem erzählt von den Tücken selbstgebrauter Aphrodisiaka, die den nigerianischen Markt überschwemmen. In einer von Männlichkeits-Klischees geprägten Gesellschaft, in der es wenig richtige Aufklärung, aber viel Fehlinformation und unaufgearbeitete Sex-Mythen gibt, sehen sich viele auch schon sehr junge Nigerianer mit Versagensängsten konfrontiert und greifen zunehmend zu allerlei Tränken: "'Ich verwende getrocknete Kochbananen sowie die Hoden von Pferd und Ziege und mische sie', sagt Funmilayo, eine Kräuterverkäuferin mit 31 Jahren Erfahrung, und greift in ihre Verkaufsschale mit abgefüllten Kräutern und Granulaten nach drei umfunktionierten Coca-Cola-Flaschen. Darin befinden sich rosa, schwarze und cremefarbene Pulver - die Rohstoffe ihres sogenannten 'Manpower'-Elixiers. Sie schüttet das Pulver in einen Gummibecher, gießt lokalen Gin hinein und rührt, bis eine trübe, bräunliche Mischung entsteht, die nicht einmal halb so groß ist wie ein Bier-Pong-Becher. Dieses Penis-Powermittel, bitter und brennend, verspricht jedem, der mutig genug ist, es zu trinken, gestärktes Durchhaltevermögen und neue Energie. Ein Shot kostet je nach Standort zwischen 19 und 32 Cent." Die Inhaltstoffe des "Agbo Ale" sind pflanzlich und tierisch, aber alles andere als harmlos: "Hinter den grellen Versprechungen verbergen sich pharmakologische Landminen in Form von ungeprüften Wirkstoffen, die mit allem Möglichen in Verbindung gebracht werden, von Anaphylaxie bis hin zum langsamen Versagen von Organen: verschwommenes Sehen, Ohrensausen, Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen, sogar hämorrhagische Schlaganfälle. In den schlimmsten Fällen kommt es zu Priapismus: Erektionen, die so lang anhaltend und qualvoll sind, dass sie nicht nur den Körper, sondern auch das Selbstverständnis von Männlichkeit, das sie eigentlich aufrechterhalten sollten, zum Erliegen bringen."

Phineas Rueckert blickt auf die Verquickung von Psychoanalyse und Politik in Werk und Leben Frantz Fanons. Dabei fokussiert er auf Fanons Aufenthalt in der Klinik des katalanischen Arztes François Tosquelles, der die katastrophalen Zustände in psychiatrischen Anstalten während des Krieges verändern wollte. Fanon übernahm Tosquelles progressive Ideen, der die Patienten nicht länger isoliert von der Gesellschaft halten, sondern sie integrieren und tätig werden lassen wollte. Diesen Ansatz versuchte der junge Fanon später in der Klinik Blida-Joinville in Algerien umzusetzen, die später zu einem Zentrum des algerischen Widerstandes werden sollte: "Es dauerte eine Weile, bis sich die Klinik an die lokalen Bedürfnisse anpasste, doch Fanon beharrte darauf, die Anstalt für die Öffentlichkeit zu öffnen. Er begann, seine psychiatrische Praxis auf die Bedürfnisse seiner muslimischen Patienten und Mitarbeiter auszurichten. Die Bar wurde durch ein Café im algerischen Stil ersetzt; lokale Musiker, darunter der Chaabi-Künstler Abderrahmane Azziz, spielten Konzerte. Wie in Saint-Alban produzierten und verteilten die Patienten eine Zeitung, die sie Notre Journal nannten. Auf einem verlassenen Feld neben der Klinik eröffnete Fanon einen Fußballplatz, auf dem Patienten und medizinisches Personal gemeinsam spielten. Er baute einen Getreidesilo in eine Moschee für die Patienten um. Wie bei Tosquelles in seinem Kampf gegen den aufkommenden Faschismus in Spanien und Frankreich begann sich Fanons psychiatrische Arbeit zunehmend mit seinem eigenen wachsenden politischen Engagement zu verbinden. Auf seinen Reisen in die Berge der Kabylei, um traditionelle algerische medizinische und spirituelle Praktiken zu erforschen, lernte er Mitglieder der algerischen nationalen Befreiungsbewegung kennen."

Magazinrundschau vom 17.06.2025 - New Lines Magazine

Die Sudanesen hätten allen Grund Elon Musk zu hassen, meint Yassmin Abdel-Magied, denn seine radikalen Kürzungen bei der Behörde USAID hatten tödliche Folgen für die Bevölkerung: "Einem aktuellen ACAPS-Bericht zufolge führten die Arbeitsstopps zur Schließung von 900 der 1.400 Gemeinschaftsküchen, die schätzungsweise 2 Millionen Menschen versorgen." Gleichzeitig ist der Sudan komplett abhängig von Musks Starlink-System, denn vor allem im Krieg spielte und spielt die Telekommunikation eine große Rolle. Während regionale Internetanbieter landesweit ihre Dienste auf Geheiß der Regierung abschalteten, blieb Starlink für viele die einzige Möglichkeit zu kommunizieren: "Im Sudan sind Kommunikationsstörungen katastrophal. Sie verwehren der Bevölkerung nicht nur den Zugang zu Informationen über sichere Gebiete und Routen, die Verteilung von Hilfsgütern und Gesundheitsdiensten, sondern treffen auch die Finanzen der Haushalte im Kern. Bargeld ist knapp. Ohne Internet kommt das Mobile Banking - das wichtigste funktionierende Finanzsystem des Landes - zum Erliegen und bringt die ohnehin schwächelnde Wirtschaft zum Stillstand. 'In diesem Zusammenhang', so Affan Cheema, Leiterin der internationalen Programme der Hilfsorganisation Islamic Relief Worldwide, gegenüber New Lines, 'war Starlink für viele Menschen eine Lebensader und die einzige Option.'" Einerseits besteht also "kein Zweifel daran, dass der Dienst von Starlink lebensrettend ist. Andererseits ist klar, dass die von Musk vorangetriebenen Kürzungen der USAID zu Todesfällen im Sudan und wohl auch weltweit führen werden." Diese Erkenntnis könnte man natürlich nutzen, sich zu überlegen, warum der Sudan so abhängig ist von den Launen eines einzelnen Amerikaners und wie man das ändern kann. Aber den Zeigefinger zu heben, ist bequemer: "'Ich glaube nicht, dass Elon Musk den Sudan überhaupt kennt', sagt die Grassroots-Aktivistin und Sängerin Alsarah gegenüber New Lines. 'Er hat größere Ziele im Blick. Er sieht nicht die Menschen, ihm geht es um die Technologie.'"
Stichwörter: Musk, Elon, Sudan, Starlink

Magazinrundschau vom 03.06.2025 - New Lines Magazine

Santiago Ospina Celis erinnert an die letztes Jahr verstorbene argentinische Schriftstellerin und Journalistin Beatriz Sarlo, eine der - wenn auch hierzulande kaum bekannten - führenden Intellektuellen Lateinamerikas. Sarlo stand immer zwischen den Stühlen, so Celis, ihr Denken kennzeichnete ein "radikales Misstrauen gegenüber dem herrschenden Konsens", ob dieser nun von rechts oder von links geprägt war. Während der Herrschaft Perons 1976 bis 1983 traf sie "eine Entscheidung, die eine echte Gefahr für sie darstellte: Zusammen mit Carlos Altamirano und dem Romancier Ricardo Piglia gründete sie Punto de Vista (Standpunkt), eine kleine Kulturzeitschrift, die zu einem Prüfstein des intellektuellen Lebens Argentiniens werden sollte. Die erste Ausgabe erschien 1978 ohne Impressum, auf dem Höhepunkt der Schreckensherrschaft der Diktatur, und trotzte dem Klima der Zensur und der Angst. Kaum gestartet, brach das Projekt fast zusammen, nachdem zwei maoistische Intellektuelle, die die ersten beiden Ausgaben finanziert hatten, entführt worden waren und verschwanden. Doch Sarlo und ihre Mitherausgeber waren entschlossen, das Projekt weiterzuführen. Die Zeitschrift überdauerte mehr als drei Jahrzehnte und erschien ununterbrochen bis 2008, als sie unter Sarlos Herausgeberschaft eingestellt wurde." Sarlo positionierte sich beispielsweise auch gegen die argentinische Invasion der Falkland Islands im Jahr 1982 (die allerdings schnell von Großbritannien zurückerobert wurden) - obwohl sie sich unter ihren Kollegen damit keine Freunde machte: "Ihre Haltung war umstritten, sogar unter Intellektuellenkollegen. Für viele in der argentinischen Linken war die Diktatur illegitim, aber das galt auch für den Anspruch Großbritanniens auf die Inseln. Die Inseln waren ein Überbleibsel der imperialen Besatzung, und der Krieg - auch wenn er von einem bösartigen Regime begonnen wurde - konnte als legitimer 'luchar popular' (Volkskampf) dargestellt werden."

Magazinrundschau vom 27.05.2025 - New Lines Magazine

Samee Ahmad poträtiert den pakistanischen Dichter Noon Meem Danish, den "möglicherweise einzigen schwarzen Urdu-Dichter, der innerhalb der globalen Tradition der Negritude, einer transnationalen literarischen und politischen Bewegung in der afrikanischen Diaspora, arbeitet". Danish wurde im Stadtteil Lyari in Karatschi als Sohn einer Familie von Makrani Baloch geboren, erzählt Ahmad. Makrani Baloch sind Nachkommen der Bantu-Stämme Südostafrikas, die vom späten 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich als Sklaven, aber auch als Kaufleute, Seeleute und Söldner auf den indischen Subkontinent kamen. Sie ließen sich an der Makran-Küste Belutschistans im heutigen Pakistan nieder. Danish, bekannt auch als marxistischer Kritiker von Muhammad Zia-ul-Haq, lebt heute mit seiner Familie in den USA, wo man ihm größeren Respekt entgegenbringt als in Pakistan, erklärt Ahmad. Die Erfahrung, als schwarzer Mann in Pakistan aufzuwachsen, verarbeitete er schon in seinen frühen Gedichten, dabei spielen bestimmte Motive eine Rolle, die in der literarischen Tradition der "Négritude" verbreitet sind: "Mit seiner von Wut, Zynismus und Existenzialismus geprägten Poesie ist Danish dafür bekannt, dass er die schwarze Erfahrung in Urdu zum Ausdruck bringt. ... Viele Afrikaner in der Diaspora haben im Ozean eine Art Heimat gefunden, der in der Négritude-Literatur eine entscheidende Rolle spielt, da er sowohl den Schmerz der Zwangsumsiedlung als auch die anhaltende Widerstandsfähigkeit der schwarzen Diaspora symbolisiert. Diese Bildsprache findet sich auch in Danishs Werk wieder, etwa in seinem Gedicht 'Lyari'":

Du warst es
der deinen Kopf an die Brust des Meeres legte
und seine Liebe zuerst in deine eigene Seele strömen ließ.

Deine Verbundenheit mit dem Meer Deine Liebe zum Meer ist keine Fiktion.
Die Hütte war das Meer, wo du schläfst.
Die Welt war das Meer, wo du bist.


Die Nachwirkungen des von 1983 bis 2009 andauernden Bürgerkrieges in Sri Lanka sind bis heute zu spüren, weiß Jessie Williams: Nicht zuletzt "blieben 1,6 Millionen Landminen unmarkiert im Boden liegen und verseuchten Landstriche, vor allem im Norden und Osten - überwiegend tamilische Gebiete -, wo die Kämpfe am heftigsten waren." Schätzungsweise "89.000 Frauen wurden infolge des Krieges zu Witwen und sind nun die Alleinverdienerinnen ihrer Familien." Williams erklärt, wie die Beseitigung von Landminen den Frauen hilft, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Von den 660 Minenräumern in Sri Lanka sind 153 Frauen, die oft in reinen Frauenteams arbeiten und eine Schlüsselrolle bei der Beseitigung der Waffen spielen: "Diese Frauen riskieren jeden Tag ihr Leben, um das Land zu sichern, das dann an die örtliche Gemeinschaft zurückgegeben wird, damit die Menschen in ihre Häuser zurückkehren, ihr Land bewirtschaften oder einfach ohne Angst leben können. Aber sie teilen auch eine Solidarität, die sich in der Art und Weise zeigt, wie sie miteinander umgehen. 'Wir sind wie Schwestern', sagt Shashikumar Ketharagowri, 45, die seit 10 Jahren bei MAG (Mines Advisory Group) arbeitet, zunächst als Minenräumerin und jetzt als Teamleiterin, die 12 weitere Mitarbeiter betreut. (...) Ich treffe sie mitten in einem Wald in Vengalachattikulam im Bezirk Vavuniya. Als Bewohnerin des nahe gelegenen Dorfes Periyathampanai sieht sie ihre Arbeit als 'eine Art Sozialdienst'. Sie fügt hinzu, dass sie auch klare wirtschaftliche Vorteile für das Leben der Menschen mit sich bringt."

Magazinrundschau vom 20.05.2025 - New Lines Magazine

Um die lange Zerstörung Somalias zu verstehen, muss man weit zurückgehen in der Geschichte, meint Faisal Ali. Der Militärputsch in Somalia 1969, angeführt von dem Offizier Siad Barre, schien für die Bevölkerung zunächst ein vielversprechender Neuanfang zu sein, der die von Korruption geprägte Regierung von Abdirashid Ali Shermarke beendete. Wie konnte es geschehen, dass sich der aufstrebende Staat, den Barre nach dem Prinzip des "wissenschaftlichen Sozialismus" aufbauen wollte, in eine mörderische Diktatur verwandelte, die Anfang der Neunziger in einem furchtbaren Bürgerkrieg endete? Ali zeichnet in seinem Artikel nach, wie Barre, der sich als eine Art "afrikanischer Napoleon" sah, mit dem Angriff auf die äthiopische Region Ogaden 1977 die Unterstützung der Sowjetunion verlor und das Land ins Chaos stürzte: "Für Somalia erwies sich der Krieg als Katastrophe. Die kubanischen und sowjetischen Truppen, die ihren Sieg über Südafrika in Angola feierten, konnten Äthiopiens zusammenbrechende Armee wieder aufbauen, während Somalia ohne einen mächtigen Patron dastand. Jimmy Carter zögerte, Unterstützung zu leisten, obwohl Außenminister Cyrus Vance ihn eindringlich darauf hinwies, dass Barre die Angelegenheit eher als eine geopolitische Angelegenheit des Kalten Krieges denn als eine ideologische Frage betrachtete. Ein Abgeordneter der Tory-Partei in Großbritannien, der die Angelegenheit ähnlich wie Vance sah, sagte dem Labour-Außenminister David Owen, dass 'die Somalier für britische Waffen sicherlich ein ebenso guter Kunde sind wie die Republik Salvador'. Unterdessen gingen die Kämpfe unvermindert weiter. Der unter Barre verfolgte und inhaftierte Politiker Mohamed Aden Sheikh erinnert sich, dass viele im Barre-Regime glaubten, die Einnahme von Jigjiga, einer großen, von Somaliern bewohnten Stadt, würde ausreichen, und dass die somalische Armee ohne diplomatische Absicherung nicht weiter gehen sollte. Barre war jedoch 'im Allmachtswahn', schreibt Sheikh, mit ihm war nicht zu reden. Barre hoffte auch immer noch, dass die Amerikaner ihm irgendwann helfen würden, aber dazu kam es nicht, da Carter Barre als Aggressor betrachtete. Somalia wurde im Stich gelassen, völlig isoliert, und die somalische Armee wurde von den vereinten Kräften der Kubaner, Äthiopier und Sowjets schnell aufgerieben. Das Gefühl des Verrats ließ Barre verbittert zurück, der später zu einem der energischsten antisowjetischen Führer in Afrika werden sollte."
Stichwörter: Somalia, Barre, Siad, Angola

Magazinrundschau vom 13.05.2025 - New Lines Magazine

Laut einem vom US-Außenministerium zitierten Bericht des Syrischen Netzwerks für Menschenrechte vom Dezember 2023 wurden seit März 2011 mindestens 136.047 Menschen vom Assad-Regime inhaftiert oder sind verschollen, berichtet Amélie Zaccour: "Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich weit höher, und die meisten der Verschwundenen sind der Organisation zufolge wahrscheinlich gestorben. Unter ihnen waren 8.495 Frauen und 3.696 Kinder." Zacour trifft zwei Frauen, die den Horror der syrischen Haft überlebten und beim Sturz Assads freikamen. Mayssa wurde im dritten Monat ihrer Schwangerschaft inhaftiert, durch die Schläge der Wächter erlitt sie eine Fehlgeburt und verlor ihr Baby. Sie schildert, was ihren weiblichen Mithäftlingen in der "Abteilung für politische Sicherheit" in Damaskus widerfuhr: "'Wir waren zu fünfzehnt in einer Zelle zusammengepfercht und saßen den ganzen Tag auf Knien', erinnert sie sich. 'Dann öffnete der Wärter irgendwann die Tür. Er mochte Mädchen im Teenageralter. Unter uns war ein Mädchen von 15 oder 16 Jahren. Wenn er die Zelle betrat, packte sie die Hand des ältesten Gefangenen, damit der Wächter sie nicht mitnahm.' Das junge Mädchen konnte nicht sagen, wie viele Männer sie vergewaltigt hatten, weil sie ihr jedes Mal die Augen verbanden, so Mayssa. Sie hält inne. 'Ich wünschte, er hätte mich stattdessen getötet. Sie war nur ein Kind, das bei einer Demonstration Fotos gemacht hatte.' Wie eine Frau von dem Horror der Gefangenschaft in Syriens berüchtigten Gefängnissen genesen, insbesondere in einem Land, das durch 13 Jahre Krieg erschöpft und nicht darauf vorbereitet ist, mit einer solchen Fülle von Traumata umzugehen?"

Magazinrundschau vom 06.05.2025 - New Lines Magazine

Von kurdischer Autonomie oder Staatlichkeit will auch der neue syrische (Übergangs)Präsident Ahmad al-Sharaa nichts wissen, betont Sami Moubayed. Gleichzeitig will er die syrischen Kurden aber auch nicht bekämpfen und hat deshalb ein Abkommen mit dem Anführer der kurdischen SDF-Armee (Syrisch Demokratische Kräfte) unterzeichnet. Dennoch glaubt Moubayed angesichts der historischen Spannungen nicht nicht an eine wirkliche Stabilität für die syrischen Kurden und zeichnet die Geschichte der syrischen "Kurdenfrage" nach: "Eine Hochphase der Unterdrückung begann während der kurzlebigen Syrisch-Ägyptischen Union von 1958 bis 1961, als die beiden Länder die Vereinigte Arabische Republik bildeten. Gamal Abdel Nasser tolerierte keine politischen Parteien, egal, welches Programm sie hatten, und als Syrien 1961 aus der Union austrat, führte Nasser eine heftige Kampagne gegen die neuen Führer und beschuldigte sie, Feinde des Arabismus und Agenten Israels zu sein. Dies veranlasste unter anderem den neuen syrischen Präsidenten, dem Namen des Landes (das zuvor 'Syrische Republik' gelautet hatte) das Wort 'Araber' hinzuzufügen und anschließend am 23. August 1962 in der Region al-Dschazira eine umstrittene Volkszählung durchzuführen. Das erklärte Ziel war es, mit den Hunderttausenden von Kurden fertig zu werden, die illegal aus der Türkei nach Syrien eingereist waren, während das unausgesprochene Ziel darin bestand, Syriens arabische Identität zu betonen und seine arabische Bevölkerung zu vergrößern. Über Nacht wurde 120.000 Kurden (20 Prozent der gesamten kurdischen Bevölkerung Syriens) ihre syrische Identität genommen. Einige wurden als 'ajanib' ('Ausländer') registriert, andere als 'maktum al-qayd' ('nicht registriert') gekennzeichnet. Für die syrische Regierung existierten diese Kurden nicht mehr und konnten weder Eigentum kaufen noch verkaufen noch Geburts- oder Sterbeurkunden erhalten. Sechzig Jahre später ist dieses Problem noch immer nicht gelöst. Auch die Frage der kurdischen Staatlichkeit ist noch nicht geklärt."

Tanushree Pandey beleuchtet den gewaltsamen Konflikt, der seit zwei Jahren im Bundesstaat Manipur im Nordosten Indiens wütet: Durch das viel zu langsame Eingreifen der Regierung hat sich der Konflikt zwischen den Kuki, einer überwiegend christlichen Stammesgemeinschaft, und den Meiteis, die mehrheitlich hinduistisch sind, in eine bürgerkriegsähnliche Situation verwandelt, die vor allem dadurch zu massiver Gewalt führt, "dass eine hohe Anzahl an Waffen aus Polizeistationen und staatlichen Waffenlagern in Imphal und den Bergregionen geplündert wurden. Nach Angaben der Landesregierung wurden seit Ausbruch der Gewalt über 6.000 Schusswaffen, 600.000 Schuss Munition und mehr als 28.000 Bomben und Sprengstoffe - darunter 51-mm-Mörser, Handgranaten, Blendgranaten, Tränengasgranaten und Streikpostengranaten - entwendet." So haben sich, erklärt Pandey "zivile Gruppen in schwer bewaffnete Milizen verwandelt. So stand beispielsweise im Dorf Kangvai eine Schülerin am Rande der Kuki-Grenze und kämpfte um ihr Zuhause. Als ich sie im August 2023 traf, trainierte sie noch mit AK-47-Attrappen und Gewehren indischer Produktion. Wochen später erhielt sie echte, modernere Waffen. Geschichten wie ihre und die erschreckenden Folgen der Gräueltaten - vom verstümmelten Körper eines zehn Monate alten Babys bis zu den Schusswunden eines achtjährigen Mädchens, das während einer neuen Gewaltwelle im Januar verletzt worden war - zeigen die brutale Alltagsrealität, der Zivilisten ausgesetzt sind."