Magazinrundschau - Archiv

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Magazinrundschau vom 15.04.2025 - New Lines Magazine

Lidia Ginestra Giuffrida und Giammarco Sicuro berichten aus dem "gefährlichsten Flüchtlingslager der Welt" im nordsyrischen Al-Hawl. 39.000 Menschen leben hier, 95 Prozent sind Frauen und Kinder und die meisten von ihnen sind in irgendeinerweise mit dem Islamischen Staat verbunden. Die humanitäre Lage ist katastrophal, so Giuffrida und Sicuro, die Kindersterblichkeit laut der Organisation "Save the Children" sehr hoch. Das Lager, das unter der Schirmherrschaft der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) steht, einer kurdisch geführten Milizenkoalition, die seit Jahren gegen den Islamischen Staat kämpft, sei eine "tickende Zeitbombe": "Die sozialen Strukturen in dieser Zeltstadt spiegeln jene wider, die den Islamischen Staat fünf Jahre lang am Leben hielten. Viele der inhaftierten Frauen waren nicht nur Ehefrauen und Mütter, sondern auch Vollstreckerinnen, Foltererinnen, Sittenwächterinnen oder Ausbilderinnen. Doch nicht alle Frauen tragen die gleiche Schuld. Einige wurden gezwungen, sich der Gruppe anzuschließen (...) Für AANES, die 'Autonome Verwaltung Nord- und Ostsyriens' ist es nahezu unmöglich, zwischen echten Bedrohungen und Opfern zu unterscheiden - insbesondere, weil der Zugang zu einigen Lagerbereichen selbst für die Behörden eingeschränkt ist. 'Die Gefahr ist seit dem Tag nach dem Sturz des [Assad-]Regimes gewachsen', sagt Hanan. Die Menschen im Lager bezeichnen Hayat Tahrir al-Sham - die Miliz des heutigen syrischen Präsidenten al-Sharaa, die früher unter dem Nom de Guerre Abu Muhammad al-Jolani bekannt war - immer noch unter dem früheren Namen der Miliz, Nusra-Front, was ihre einstigen Verbindungen zu al-Qaida unterstreicht. 'In den letzten Wochen haben wir in Tunneln versteckte Waffen gefunden. Man sagt, al-Jolani werde kommen, um sie zu befreien.'"

Außerdem: Waleed Nasir beschreibt die Versuche der pakistanischen Regierung, die Beziehungen zu ihrem langjährigen Verbündeten, den USA, wieder zu kitten.

Magazinrundschau vom 08.04.2025 - New Lines Magazine

Von einem kaum bekannten Kapitel afrikanischer Geschichte erzählt Anna Adima: Zwischen 1942 und 1948 nahm Uganda insgesamt über 7.000 Vertriebene aus Polen auf. Nach der Aufteilung Polens zwischen Nazideutschland und der UdSSR wurden zwischen 1939 und 1941 300.000 polnische Bürger zwangsumgesiedelt und in entlegene Gebiete der UdSSR deportiert, entweder in Arbeitslager oder in Siedlungen, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Erst im Rahmen des Sikorski-Mayski-Abkommens zwischen der UdSSR und der polnischen Exilregierung in Lwiw wurden alle gefangenen Polen freigelassen, gleichzeitig wurde beschlossen, dass die polnische Armee den Alliierten im Krieg gegen Hitlers Achsenmächte beistehen sollte, erinnert Adima. In der Folge wurden polnische Soldaten mit ihren Familien zur "Truppenverstärkung" unter anderem in die britischen Mandatsgebiete Iran und nach Ost- und Zentralafrika geschickt, unter anderem eben nach Uganda, wo sie "einen merkwürdigen Zwischenstatus" in der rassistischen kolonialen Rangordnung einnahmen, wie Adima erzählt: "Die britische Regierung in Uganda - und in anderen Gebieten - hatte eine dreigliedrige Rassenhierarchie aufgebaut: Weiße an der Spitze, Asiaten in der Mitte und Schwarze am unteren Ende. Die Anwesenheit weißer polnischer Flüchtlinge unterbrach diese Hierarchie, da sie von den Briten in Uganda als Bauern betrachtet wurden - obwohl viele zur polnischen Mittelschicht gehört hatten. Die Polen kamen in Ostafrika an, fast vollständig enteignet, was ihnen den Status 'armer Weißer' verlieh. Sie passten nicht in die konventionelle koloniale Siedlergesellschaft, die größtenteils aus der britischen Oberschicht bestand. Teilweise aus diesem Grund wurden die Siedlungen in Uganda so abgelegen errichtet: um die Störungen der rassischen und sozialen Hierarchie durch die polnische Präsenz zu minimieren. Auf einer Reise durch Masindi äußerte die weiße kenianische Siedlerin Elspeth Huxley ihre Neugier beim Anblick weißer Bauern: Sie lebten in Lehmhütten im einheimischen Stil, und es war seltsam, weiße statt schwarzer Gesichter aus den Türen schauen zu sehen. Die Tatsache, dass die meisten Flüchtlinge Frauen waren, verunsicherte die stark patriarchalische weiße Kolonialgesellschaft in Uganda zusätzlich, insbesondere da einige von ihnen bereitwillig Geschlechtsverkehr mit afrikanischen Askaris hatten."

Magazinrundschau vom 25.03.2025 - New Lines Magazine

Auch bei den Yoruba werden Hochzeiten auf das Prächtigste gefeiert, was den eingeladenen Gäste einiges abverlangt, erzählt Kingsley Charles. Vor allem von den Frauen wird erwartet, "Aso Ebi" zu tragen, ein sündhaft teures Outfit aus erlesenem, paillettenbesetztem Stoff. Wer zu billiger Baumwolle greift, wie Faith Nwachukwu, von der Charles erzählt, wird ostrachiert: "Wie sich Nwachukwu erinnerte, kamen die weiblichen Gäste in ihrer ganzen Pracht an, mit Kopfbedeckungen, die sich wie die Flügel riesiger Schmetterlinge ausbreiteten, und Make-up, das schimmerte wie die mit Pailletten besetzte, leuchtende Spitze. Die Frauen tanzten zur Bühne, auf der das Paar saß, während 'die Live-Band weiter ihr Loblied sang', so Nwachukwu, die beobachtete, wie mehrere Mitglieder der Spitzen-Crew die tanzende Braut mit frisch geprägtem Geld beschenkten. Später nahmen die Frauen an einer anderen Tischreihe Platz, die gut mit exotischen Getränken bestückt war. Nwachukwu erinnert sich, dass die Kellner einmal mit Tabletts voller Cocktails und einer erstaunlichen Vielfalt an Snacks an ihr vorbeigingen, obwohl auf ihrem Tisch nur 'ein paar Dosen Malz, Wasser in Flaschen und Zobo', ein würziges Getränk aus getrockneten Hibiskusblättern, standen. Als das Essen endlich kam, wurde Nwachukwu und den Gästen im gleichen Outfit mitgeteilt, dass es kein Fleisch mehr gebe. Nicht wenige fühlten sich beleidigt und stürmte aus dem Lokal: 'Stellen Sie sich vor, wie beschämend es ist, ein Essen ohne Fleisch zu bekommen, wenn man kein Bettler ist', seufzte sie sich an die 'größte Peinlichkeit' erinnernd, die sie je erlebt hatte. 'Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, verteilten sie auch noch Feuerzeuge unter uns, während sie den anderen Gästen bedruckte Taschen und Regenschirme als Souvenirs schenkten', fügte sie hinzu."
Stichwörter: Yoruba, Hochzeit

Magazinrundschau vom 18.03.2025 - New Lines Magazine

1994, nach dem Ende der Apartheid versprach die Regierung von Präsident Nelson Mandela, bis 1999 30 Prozent der 198 Millionen Hektar Ackerland Südafrikas an schwarze Bürger zu übertragen - über dreißig Jahre später ist dieses Ziel nicht einmal annähernd erreicht, berichtet Kwangu Liwewe. Im Gegenteil: "Nach der jüngsten Bewertung, dem Landbesitz-Audit 2017, befinden sich 72 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Südafrikas immer noch im Besitz weißer Farmer, während der Anteil der Schwarzen bei 4 Prozent liegt - die restlichen 24 Prozent entfallen auf andere Ethnien in Südafrika. Das bedeutet, dass der Anteil der schwarzen Landbesitzer heute niedriger ist als unter der Apartheid in den 1980er Jahren, als er bei 13 Prozent lag." Obwohl die Regierung immer wieder versuchte, mit Reformen das Problem zu lösen, "geht es nicht voran, so Siyabonga Sithole, ein Landrechtsaktivist bei der 'Association for Rural Advancement': 'Die Geschichte von Zwangsumsiedlungen und Landenteignungen hat dazu geführt, dass viele schwarze Familien keine legalen Dokumente haben, um ihre Ansprüche zu beweisen, was den gesamten Prozess erschwert', so Sithole gegenüber New Lines. 'Auf kommerziellen Farmen wurden schwarze Arbeiter oft mit Landnutzung statt mit Lohn bezahlt, was ihnen erlaubte, zu leben, Ackerbau zu betreiben und Vieh zu züchten, aber selbst diese Rechte wurden ihnen später entzogen.' Laut Sithole fehlen der Regierung außerdem die Mittel, um die Landumverteilung in vollem Umfang zu unterstützen, so dass es für die Landanwärter schwierig ist, Zugang zu den notwendigen Werkzeugen, der Ausbildung und dem Kapital für eine erfolgreiche Landwirtschaft zu erhalten." Die Stimmung im Land beginnt zu kippen: "In der Provinz Limpopo übernehmen schwarze Gemeinden ungenutzte Grundstücke und sagen, dass sie nicht länger darauf warten können, dass die Regierung handelt. Einige weiße Farmer, die sich im Stich gelassen fühlen, haben private Sicherheitsleute engagiert. Andere greifen zu den Waffen."
Stichwörter: Südafrika, Apartheid, Landbesitz

Magazinrundschau vom 25.02.2025 - New Lines Magazine

Wenn die iranische Regierung Regimegegner nicht mehr physisch terrorisieren kann, weil sie ins Ausland geflohen sind, dann wird der Terror in die digitale Sphäre verlegt, berichtet Meghan Davidson Ladly. Gerade iranische Aktivistinnen sehen sich einer Flut von digitaler Belästigung ausgesetzt, dazu gehören die Verbreitung von "Deepfake-Pornografie - bei der Bilder von betroffenen Frauen in bereits vorhandene oder von KI generierte sexuell eindeutige Inhalte eingefügt werden". Aber auch Drohungen und Einschüchterungen aller Art gehören zu den Strategien - das Vorgehen der Online-Mobber ist geschlechterspezifisch, betont Ladly, Frauen wird beispielsweise mit Vergewaltigung gedroht. Die Miaan Group, eine NGO, die iranische Regimegegner im In- und Ausland unterstützt, deckte auf, dass die Islamische Republik nicht einmal davor zurückschreckt, Kinderpornografie zu instrumentalisieren, indem sie "ein Netzwerk von Telegram-Kanälen nutzt, um regierungsfeindliche Aktivisten anzugreifen und Desinformationen zu verbreiten: Die Kanäle locken Personen an, die nach Kinderpornografie suchen, und vermischen dann sexuell anschauliche und schädliche Inhalte mit regierungsfreundlichen Desinformationen und Aufrufen, Regimekritiker zu schikanieren und ihre persönlichen Kontaktinformationen weiterzugeben. 'Die Islamische Republik oder ein staatlicher Akteur nutzt diese Art von Methode, um eine Gruppe von Menschen zu mobilisieren - eine Armee aus [einer] Gruppe von Menschen zu machen - die nicht auf der Gehaltsliste stehen müssen, aber bereit sind, etwas für den staatlichen Akteur zu tun, um Kinderpornografie zu erhalten', sagt Amir Rashidi von Miaan."

Außerdem: Sean Williams und Kevin Knodell erzählen, wie Lateinamerikas Drogenkartelle die Staaten im Pazifik mit ihren Drogen fluten.

Magazinrundschau vom 18.02.2025 - New Lines Magazine

Mohamed Gabobe spricht mit dem ehemaligen somalischen Soldaten Hersi, der ihm von schrecklichen Zuständen und Folter in einem eritreischen Militärlager erzählt. Aus finanziellen Gründen schloss Hersi sich als Zwanzigjähriger dem somalischen Militär an, um die Regierung im Kampf gegen die islamistische Terrororganisation Al-Shabaab zu unterstützen, die Teile Südsomalias kontrolliert. Hersi erwartete, zur militärischen Ausbildung nach Katar geschickt zu werden, stattdessen wurden er und seine Kameraden gegen ihren Willen in das eritreische Trainingslager "WiA" verschleppt: "'Die Hitze war unerträglich und die Misshandlungen unmenschlich', sagte Hersi. 'Es gab keine richtigen Mahlzeiten. Alle 12 Stunden bekamen wir Wasser. Die Ausbildung war qualvoll und diejenigen [somalischen Kadetten], die zu fliehen versuchten, wurden gefoltert und in manchen Fällen weggebracht, und wir haben sie nie wieder gesehen. Wir hatten eine Gruppe somalischer Soldaten in unseren Reihen, die Amharisch sprachen und sich mit den eritreischen Soldaten verständigen konnten.  So konnten wir unsere Botschaft vermitteln', sagte Hersi. Aber ihre Bemühungen waren vergeblich, also griffen sie zu verzweifelteren Maßnahmen: Sie zogen ihre langärmeligen Trainingsanzüge aus und begannen, Steine zu werfen. 'Dann hörten wir in der Ferne Fahrzeugmotoren dröhnen', sagte Hersi. 'Zwei Militärfahrzeuge fuhren auf das Gelände des Militärlagers in Wia und eine Gruppe Soldaten eröffnete wahllos das Feuer auf uns mit AK-47.' Als sich der Rauch verzogen hatte, lagen 14 somalische Kadetten tot in einer Blutlache und 21 weitere waren verwundet', sagte Hersi. 'Ich erinnere mich so lebhaft daran. Es war der 9. November 2021. Wenn ich alleine bin und daran denke, weine ich manchmal.'"
Stichwörter: Somalia, Eritrea, Al Shabaab, Katar

Magazinrundschau vom 04.02.2025 - New Lines Magazine

Haben die Syrer gut lachen mit den neuen Machthabern? Aubin Eymard besucht das "Styria-Kollektiv" in Damaskus - den ersten syrischen Comedy-Club. Der Comedian Sharief Homsi und seine Freundin Malke Mardinali eröffneten ihn im Dezember 2022 trotz der Zensur durch das Regime: "Als das Assad-Regime fiel, hatte das Kollektiv gerade eine Tournee mit rund 60 Terminen durch Syrien beendet. 'Insgesamt müssen wir vor etwa 9.000 Leuten aufgetreten sein', schätzt Homsi. 'Sicherlich waren viele Polizisten im Publikum, die uns überwachten. Manchmal kamen sie sogar nach der Show zu uns und gaben es zu. Aber auch sie wollten Spaß haben, und wir waren vorsichtig mit dem, was wir sagten', erklärt er." Jetzt sieht es ganz anders aus, kann Eymard beobachten, der eine Comedy-Show im Styria besucht: "Sogar Syriens neuer Interimsführer Ahmad al-Sharaa ist von ihrem scharfen Humor nicht verschont (...)  Bis 2018 hatte er seine Verbindungen zu al-Qaida abgebrochen und Hayat Tahrir al-Sham (HTS) gegründet, die Gruppe, die heute das Land regiert. Heute präsentiert er sich als geschliffener Staatschef, gekleidet in maßgeschneiderte Anzüge und mit sorgfältig gepflegtem Bart, der Diplomaten aus aller Welt die Hand schüttelt. 'Ich frage mich, wo das enden wird', sinniert Homsi. 'Wird er als Nächstes zum Hipster oder beginnt er, die Staats- und Regierungschefs mit 'Hey, was geht, motherfucker?' zu begrüßen?'" Er wolle, gibt Homsi gegenüber Eymard zu, diese "'Art von Witzen an unserem Publikum testen, um zu sehen, wo die Grenzen verlaufen. Das Trauma der Assad-Dynastie verfolgt uns immer noch. Wir neigen dazu, alte Ängste durch neue zu ersetzen.'"
Stichwörter: Syrien, Damaskus, Comedy, Hts

Magazinrundschau vom 27.01.2025 - New Lines Magazine

Pakistans Gletscher schmelzen - und zwar rapide, berichtet Aina J. Khan. Im Laufe von vier Jahrzehnten, von 1977 bis 2014 ist der Passu-Gletscher um 10 Prozent geschrumpft, und er schrumpft weiterhin jeden Monat um 4 Meter, so das Ergebnis einer von mehreren Klimaexperten in Pakistan geleiteten Untersuchung, erklärt Khan. Das Schmelzwasser sei lebenswichtig, weil es die Wasserversorgung der Region sichere. Schmilzt der Gletscher aber zu schnell beziehungsweise zu früh, drohen Sturzfluten oder Wasserknappheit, so Khan: "Um den durch das schnelle Abschmelzen der Gletscher verursachten Wassermangel zu mildern, haben einige Gemeinden hier die Sache selbst in die Hand genommen und sich lokalen Wassersparmethoden als nachhaltige langfristige Lösung zugewandt. Eine dieser Praktiken wird Gletscherpfropfung oder - paarung genannt, ein uraltes Ritual in Gilgit-Baltistan: Die Dorfbewohner tragen eine etwa 80 Pfund schwere Eismasse in höhere Lagen, wo sie sie mit einer Mischung aus Schlamm, Asche und Holzkohle bedecken und die Stelle mit schweren Steinen verschließen. Langsam und stetig beginnt die Eismasse zu wachsen, da die Akkumulationsrate (aus Niederschlag, Feuchtigkeit und Schnee) in diesen Höhen höher ist als die Schmelz- und Sublimationsrate. Lokalen Legenden zufolge verwenden die Dorfbewohner diese Technik seit dem 13. Jahrhundert, als sie dem Mongolenfürsten Dschingis Khan und seinem Stamm den Zutritt versperrten, indem sie in den Gebirgspässen zwischen Hindukusch und Karakorum Gletscher wachsen ließen. 'Beim Gletscherpfropfen wird ein Gletscherbaby gezüchtet oder gepflegt, das in der Natur von selbst wächst', sagt Zakir Hussain Zakir, Direktor für Lehre und Öffentlichkeitsarbeit an der Universität von Baltistan Skardu und Experte für die lokale Balti-Kultur. Doch die Praxis hat aufgrund der dafür benötigten Zeit unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht. 'Nach unserer Tradition dauert es 12 Jahre, bis der Gletscher Wurzeln schlägt, und dann nochmal 12 Jahre, bis er nach oben wächst', fügte Zakir hinzu."
Stichwörter: Gletscher, Pakistan, Klimawandel

Magazinrundschau vom 20.01.2025 - New Lines Magazine

Als der südkoreanische Präsident Yoon Suk-yeol im Dezember letzten Jahres das Kriegsrecht ausrief, erinnerten sich viele südkoreanische Menschen an den Gwangju-Aufstand gegen die Militärdiktatur im Jahr 1980, erklärt Yejin Gim. Dem Massaker widmet sich Han Kangs Roman "Menschenwerk". Auch damals wurde das Kriegsrecht ausgerufen, die friedlichen Proteste der Bürger, die für die Freilassung des Oppositionspolitikers Kim Dae-jung protestierten, wurden grausam niedergeschlagen: "Yoon's Vorbereitungen auf das Kriegsrecht beziehen sich auf das Kriegsrechtsdekret aus dem Putsch vom 17. Mai 1980. Die Dokumente, die vom Verteidigungssicherheitskommando stammen, zeigen detaillierte Richtlinien für die Umsetzung des Kriegsrechts. Hong In-hwa, ein 60-jähriges ehemaliges Mitglied des Stadtrats von Gwangju, sagte: 'Es ist offensichtlich, dass die autoritäre Souveränität der Vergangenheit auch heute noch Einfluss hat.'" Aber, es gibt auch große Unterschiede zwischen damals und heute, betont Gim: "Der Forscher und damalige Aktivist Lee Jae-eui stellte fest, dass sich die Truppen 1980 und 2024 unterschiedlich verhielten. 'Die Soldaten an der Front unterdrückten die Situation nicht zu stark', sagte er. 'Sie bemühten sich, bestimmte Grenzen einzuhalten. Dies zeigte auch, dass sie wussten, dass sie zumindest die gesetzlichen Mindestverfahren befolgen mussten. 'Zahlreiche Berichte haben ergeben, dass viele Kommandeure die Kriegsrechtsbefehle für unsinnig hielten und sich schämten. Die passive Reaktion der Streitkräfte scheint teilweise darauf zurückzuführen zu sein, dass Kommandeure die Ausführung von Befehlen verzögerten; außerdem stammen die Polizisten und Soldaten an der Front aus einer Generation, die in Demokratien aufgewachsen ist (...) Es scheint, dass das Wichtigste, was der Aufstand in Gwangju den Südkoreanern hinterlassen hat, Widerstandskraft war, nicht nur Traumata. Der Mut der heutigen Bürger erinnert an einen entscheidenden Moment in Gwangju: Rund 300 Menschen, die am 27. Mai 1980 im letzten Widerstand vor dem Jeollanam-do-Büro kämpften, entschieden sich, zu bleiben und das Gebäude zu verteidigen, obwohl sie wussten, dass ihre Einnahme unvermeidlich war. 'Das hat uns, der heutigen Generation, ein Erbe der Stärke hinterlassen', sagte Lee. 'Sie hielten durch, obwohl sie wussten, dass sie sterben würden.'"

Von einem massiven Drogenproblem in Sri Lanka, berichten Mimi Alphonsus und Dilushi Wijesinghe: "Nach Angaben des National Dangerous Drugs Control Board (NDDCB) wurden 2019 über 89.000 Menschen festgenommen, verglichen mit rund 162.000 Menschen im Jahr 2023. Insbesondere die Zahl der Festnahmen wegen Methamphetaminbesitzes stieg im gleichen Zeitraum sprunghaft an - auf fast das 13-fache der Zahl im Jahr 2019." Dabei geht die Regierung mit teil zweifelhaften Methoden gegen die Abhängigen vor: "Der vielleicht deutlichste Ausdruck des Missbrauchs im obligatorischen Drogenrehabilitationssystem Sri Lankas ist die arrogante Haltung der Polizei und des Rechtssystems gegenüber dem Thema. Die Polizei nimmt normalerweise eine Festnahme aufgrund eines 'Verdachts' auf Drogenkonsum vor, und vor Gericht verurteilen Richter Menschen oft zu einer Drogenrehabilitation auf der Grundlage von medizinischen Berichten, die selten viel mehr enthalten als den Namen der Droge, sagte Manesh Wevita, ein Anwalt, der regelmäßig solche Fälle bearbeitet. 'Der medizinische Bericht enthält oft weder Angaben zum Schweregrad der Sucht noch zu den Gründen für die Annahme, dass die Person eine Behandlung benötigt', sagte Wiveta. 'Und die Richter können ihn nicht anfechten.' Daher muss eine Person, die seit einigen Monaten Marihuana konsumiert, am Ende die gleiche Behandlung erleiden wie jemand, der jahrzehntelang Heroin oder Methamphetamin missbraucht hat.'"

Magazinrundschau vom 14.01.2025 - New Lines Magazine

Bang verfolgen syrische Minderheiten die Entwicklungen in ihrem Heimatland seit dem Sturz Bashar al Assads. Zwar haben die Rebellen der Hayat Tahrir al-Sham angekündigt, Toleranz walten zu lassen, doch viele befürchten, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Besonders bedroht ist die alawitische Bevölkerung, erklärt Kamal Shahin. Diese gewann nach der Machtübernahme durch die Assad-Familie erheblichen Einfluss und besetzte wichtige Positionen im Politik - und Verwaltungsapparat der Diktatur. Die Angst vor einer "Kollektivstrafe" für die Alawiten wächst, so Shahin. Dies wird noch dadurch verstärkt, "dass extremistische Gruppierungen zu Massengewalt gegen Alawiten aufgerufen haben. Auf dem Nachrichtendienst Telegram kursieren zahlreiche Tags und Videos, die zu wahllosem Abschlachten aufrufen. Einige Stimmen haben die Regierung in Damaskus dafür verurteilt, dass sie überhaupt einen Dialog mit den Führern der Alawiten in Erwägung zieht (...) Die Drohungen von Massengewalt oder Verhaftungen sind allgegenwärtig (...) Selbst diejenigen ohne Verbindungen zu Assads Regierung fühlen sich bedroht. Berichte aus den Küstenregionen beschreiben vorsätzliche Tötungen von Alawiten mit offensichtlichen Verbindungen zum Regime. So wurde beispielsweise ein junger Mann auf dem Rückweg von der Hochzeit seines Bruders getötet. In verlassenen Gegenden werden Leichen gefunden. Im Viertel al-Sabil in Homs wurden Berichten zufolge kurz nach Weihnachten mindestens fünf Menschen von einer bewaffneten Gruppe in HTS-Uniformen getötet."

Die algerische Stadt Oran wurde sowohl von den Osmanen, den Spaniern und den Franzosen besetzt - und jede Kultur hat hier ihre Spuren hinterlassen, erzählt uns Ariel Sophia Bardi, die in die mediterrane Hafenstadt gereist ist. Besonders interessiert sich Bardi für die Musikrichtung "Rai", die in den 1920er Jahren dort entstanden ist: "Sie ist unverblümt unzüchtig, sogar tabu. 'Die Menschen beten Gott an, aber ich bete das Bier an', sang einst die legendäre Rai-Künstlerin Cheikha Rimiti, deren Lied 'Charrak Gatta' aus dem Jahr 1954 als Anspielung auf den Verlust der Jungfräulichkeit junger Frauen gilt. Rai wird sowohl von Frauen als auch von Männern gesungen; traditionell stützt er sich auf jüdische und andalusische, klassische arabische und beduinische Musiktraditionen. Neuere Künstler verschmelzen die Stile mit Hip-Hop, aber Rai ist in Oran immer noch König. Er ist eindeutig gegenkulturell: Die Sänger nehmen die Titel cheb und cheba an, was 'jung' bedeutet - eine Anspielung auf die klassischen Ehrentitel cheikh und cheikha oder 'älter'." 1994, "zwei Jahre nach Beginn des elfjährigen Bürgerkriegs, der von islamistischen Gruppen geführt wurde (auch als 'Schwarzes Jahrzehnt' bezeichnet), wurde der 26-jährige Cheb Hasni in der Nähe seines Elternhauses in Oran erschossen. Der Musikproduzent Rachid Baba Ahmed wurde ein Jahr später in seinem Plattenladen in Oran ermordet. Cheb Khaled und zahlreiche andere algerische Künstler suchten Zuflucht in Frankreich. Mit dieser Geschichte im Hinterkopf fällt es schwer, nicht ein wenig wehmütig zu werden, wenn der Rai-Sänger Redouane Stunden später sein Set beginnt, grinsend und auf Arabisch und Französisch ins Mikrofon brüllend. Ein galoppierender Rhythmus dröhnt mit metallischem Hall aus den Lautsprechern. Redouane pfeffert seine Songs mit Widmungen an das Publikum - auch an mich. 'Sophiaaa', singt er, 'soyez la bienvenue!' ('Willkommen') - eine musikalische Tradition der Rai, die im Arabischen als tabriha bekannt ist."


Außerdem: Jen Kirby berichtet aus Albanien von Italiens Plänen, dort Flüchtlingszentren zu bauen.