
Ganz wie hundert Jahre zuvor markieren
Krieg und Pandemie das Ende einer weltweiten Wirtschaftsordnung. Doch
John Gray, der große Verächter von Neoliberalismus und Globalisisierung, kann sich darüber nicht freuen. Denn als ebenso hartgesottener Brexitbefürworter
bemerkt er doch eine gewisse
Planlosigkeit der britischen Eliten angesichts der drohenden Umwälzungen, an denen er nicht nur böswilligen Autokratien die Schuld gibt, sondern auch der Entfesselung der Finanzmärkte, durch die die Ungleichheiten in der Gesellschaft noch größer wurden: "In einer Zeit, in der sie diese am dringendsten braucht, fehlt es der britischen Politik
an radikalen Ideen zur Rolle des Staates. Der harte Brexit macht nur dann Sinn, wenn er es dem Vereinigten Königreich ermöglicht, das europäische Regelwerk abzuschütteln, aber die Regierung hat wenig getan, um die mit dem Austritt gewonnene Freiheit zu nutzen." Und auch "
Labour hat aus dem Wahldebakel von 2019 die
falschen Lehren gezogen. Während traditionelle Labour-Wähler Jeremy Corbyns antiwestliche Politik ablehnten, war sein Wirtschaftsprogramm für viele von ihnen nicht unattraktiv. Labours Wandlung in eine Bastion der fiskalischen Orthodoxie wird sie nicht zurückgewinnen. Ebenso haben die Neo-Thatcheristen des freien Marktes die Unterstützung der traditionellen Labour-Wähler für den Brexit falsch verstanden. Die Menschen in Blyth Valley und Stoke-on-Trent haben nicht für den Austritt aus der EU gestimmt, damit die Regierung ein Programm der umfassenden Deregulierung und des uneingeschränkten Freihandels auflegen kann. Sie wollten
Schutz vor globalen Märkten, die ihre Arbeitsplätze bedrohen, und bessere öffentliche Dienstleistungen."
Johanna Thomas-Corr
rechnet es Amy Odell hoch an, dass sie in ihrer Biografie unermüdlich, wenn auch vergeblich nach menschlichen Zügen der
Vogue-Chefin
Anna Wintour sucht, die das Modemagazin seit 1988 mit nie gesehener eisener Disziplin führt: Odell zeichnet sie zu gleichen Teilen als
kreatives Genie und kalkulierenden Apparatschik. Während Vintour durchaus Trends folgt ('Ich würde gern was über Asiaten machen, die sind jetzt überall', sagte sie 1994 zu Kollegen), steht das Magazin fest zu ihrer eher konservativen Ästhetik: 'Englische Gartenparty' voller 'Sonne, Lächeln, Glück'. Sie bevorzugt junge weiße Frauen aus gutem Hause, Frauen der Gesellschaft oder Prinzessinnen mit Ivy-League-Abschluss."