Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

795 Presseschau-Absätze - Seite 41 von 80

Magazinrundschau vom 30.08.2011 - New York Times

Im Magazin erzählt Jon Gertner vom Versuch der amerikanischen Regierung, wieder so etwas wie verarbeitende Industrie im Land anzusiedeln. Schließlich können nicht alle Arbeitslose Informatiker oder Broker werden. Das Schlüsselwort ist Lithiumbatterien, die man für saubere Energie - zum Beispiel in Elektroautos - braucht. Die Strategie kommt einem vertraut vor: Staatsknete und Abkupfern. "Eine High-Tech-Industrieanlage in den Vereinigten Staaten aufzubauen ist nicht einfach eine Frage der Anheuerung lokaler Talente. Es erfordert gutes altes Ausländerwissen. 'Wir nennen es genaues Kopieren', sagt [der Chef von A123, Jason] Forcier. 'Wir haben eine Firma in Korea gekauft, die die Technologie rund um diese Batterie besitzt und einen Herstellungsprozess entwickelt hat. Den haben wir hierher geholt, ihn genau kopiert und vergrößert.' A123 hat außerdem ein Team von sechs koreanischen Ingenieuren hergeholt, um beim Transfer der Technologie in die Vereinigten Staaten zu helfen, und ein Team von Amerikanern zum Lernen nach Korea geschickt." (Chinesische Stahlmanager wird es freuen, das zu hören.)

Außerdem: Negar Azimi erzählt von einer koptischen Familie in Ägypten, die sich nach der Revolution unsicherer fühlt als jemals zuvor.
Stichwörter: Elektroautos, Korea

Magazinrundschau vom 09.08.2011 - New York Times

Charles McGrath schreibt im Sunday Magazine ein ausführliches Porträt Nicholson Bakers. Anlass gibt es genug: "Bakers neuer Roman 'House of Holes', der in diesem Monat herauskommt, trägt den passenden Titel 'Buch der Versautheit' und ist schmutziger als 'Vox' und 'Die Fermate' zusammen. Es ist eine Serie lose verbundener Vignetten aus einem sexuellen Themenpark, zu dessen Attraktionen Masturboote, das Porndecahedron und ein Planetarium gehören, auf dessen zwölf Bildschirmen Pornos laufen. Und dann ist da Velvet Room, in dem die Komponisten Borodin und Rimsky-Korsakow mit ihren Genitalien Fußmassagen verabreichen."
Stichwörter: Porno

Magazinrundschau vom 02.08.2011 - New York Times

Andrew Rice schickt eine erstaunliche Reportage aus El Paso und Juarez, die beiden Zwillingsstädte an der mexikanisch-texanischen Grenze: Juarez verzeichnete im letzten Jahr 3.000 Morde, während El Paso mit fünf Gewaltverbrechen zu einer der friedlichsten Städte der USA gehört. "Warum sich die Gewalt nicht ausgebreitet hat, ist ein Rätsel. Verschärfte Sicherheitskontrollen konnten die Aktivitäten der Kartelle keineswegs eindämmen. Die Drogen kommen immer noch in riesigen Mengen über die Brücken des Rio Grande, versteckt in den Millionen Bussen und Lastwagen, die jährlich die Grenze überqueren." Vermutungen, so Rice, gehen dahin, dass die Kartelle El Paso in Frieden lassen, um den Drogenhandel nicht zu stören. Und obwohl amerikanische Politiker darauf bestehen, dass ein friedliches Mexiko auch ökonomisch von Vorteil wäre, lassen sich einige Effekte auf die lokale Wirtschaft nicht leugnen: "Einer von acht amerikanischen Waffenhändlern ist entlang der Grenze angesiedelt."
Stichwörter: Drogenhandel

Magazinrundschau vom 26.07.2011 - New York Times

In einer langen Reportage schildert Robert F. Worth den Jemen als ein Land auf der Kippe zum absoluten Chaos. Während Präsident Ali Abdullah Saleh einen irrationalen Krieg gegen die junge Demokratiebewegung führt, überlässt er gleichzeitig das Land im Süden den Islamisten und im Norden Saudiarabien und Iran, die dort mit gekauften Stämmen einen Stellvertreterkrieg führen. Was das für 23 Millionen Jemeniten bedeutet, beschreibt Worth so: "Wenn das Land weiter zerfällt, verlieren sie jede Chance, sich von der Gewalt und aus dem Chaos zu befreien, die ihr Leben so lange beherrschten. 'Sie greifen uns immer noch jeden Tag an, beschießen die Häuser von Aktivisten, verhaften Leute', sagt mir [die 31jährige Schriftstellerin und Aktivistin] Bushra al-Maqtari. 'Es ist als wollten sie uns wieder und wieder dazu drängen, Gewalt anzuwenden, so dass wir wie sie werden. Sie wollen die Revolution in einen Stammeskrieg verwandeln."

Weitere Artikel: Anthony Shadid bekommt in der syrischen Stadt Hama eine Ahnung, wie ein Leben nach der Diktatur Assad aussehen könnte.

Magazinrundschau vom 28.06.2011 - New York Times

Jose Antonio Vargas erzählt im Magazin der Zeitung seine Geschichte. Als Zwölfjährigen schickte ihn seine Familie aus den Philippinen in die USA, wo er von Verwandten aufgenommen wurde. Er begann seine neue Heimat zu lieben - und musste irgendwann feststellen, dass er gar keinen Status hat. Er ist ein "Illegaler". Und er hoffte, dass er sich seine Staatsbürgerschaft "verdienen konnte. Ich hab's versucht. Über die letzten 14 Jahre. Ich schloss die High School und das College ab und baute mir eine Karriere als Journalist auf. Ich machte Interviews mit den berühmtesten Amerikanern. Ich habe mir ein schönes Leben geschaffen. Ich lebte den amerikanischen Traum. Und ich bin immer noch ein Immigrant ohne Papiere..."

Magazinrundschau vom 21.06.2011 - New York Times

Als aufregendes Debüt preist Stacey D'Erasmo Eleanor Hendersons ambitionierten Roman "Ten Thousand Saint" über eine Gruppe unambitionierter Menschen, die es in den Achtzigern von Vermont in die Straight-Edge-Szene des New Yorker East Village verschlägt. Das eigene Leben und die Kultband, Exzess und Entsagung fügen sich bei Henderson zum großen dunklen Ganzen: "Auf den annähernd 400 Seiten hält sich Henderson nicht zurück. Sie schreibt wie der Teufel, holt das Letzte aus jedem einzlenen Moment, jeder Szene, Perspektive oder flüchtigen Impression, aus jedem Impuls, jedem Verlangen und allen emotionalen Trümmerstücken. Sie ist nie ironisch oder unbeeindruckt; ihr bevorzugter Modus ist die Wut, hingebungsvoll und elegisch."

"Nicht jeder, der seinen Glauben verliert, kommt zu Verstand", lernt Christopher Hitchens aus David Mamets Buch "On the Dismantling of American Culture", in dem der Drehbuchautor seine Konversion zur politischen Rechte niederschreibt: "Ich habe keine Schwierigkeiten nachzuvollziehen, warum einstige Liberale und Radikale an den Frömmigkeiten der Linken verzweifeln. Ich habe in Berkeley und an der New School gelehrt und ich weiß, was Mamet meint, wenn er die trübe Atmosphäre der Campus-Korrektheit beschreibt. Wenn er das Schweigen der Feministinnen über Bill Clintons schmieriges Sexualleben attackiert oder wenn er zeigt, wie finster es ist, das Wort 'Zar' als positiven Begriff für einen politische Problemlöser zu verwenden, dann hat er ohne Frage recht. Aber wenn er schreibt: 'Das Leck von BP war schlecht... Das Leck von Wikileaks, bei dem Tausende von geheimen Dokumenten an die Öffentlichkeit gelante, war gut. Warum?' - dann ist das einfach nur lahm."

Weiteres: Offenbar mit Erleichterung hat der amerikanische Schriftsteller Toure die Malcolm-X-Biografie von Manning Marable gelesen: "Der Kaiser bleibt bekleidet." George Johnson erfährt in David Kaisers "How the Hippies Saved Physics", was die Naturwissenschaften den Gegenkulturen verdanken.

Magazinrundschau vom 14.06.2011 - New York Times

Der britische Autor James Campbell las einige französische Romane, die ihn in seiner Jugend in Übersetzungen prägten, heute im Original neu und ist entsetzt darüber, wie viele Freiheiten sich die Übersetzer damals nahmen und wie falsch sein Bild der Autoren häufig war. "Übersetzer nehmen sich heute weniger Freiheiten. Der Romancier und Kritiker Tim Parks hat jüngst über die Standardisierung und Verflachung fremdsprachlicher Texte geschrieben, die in einer Art internationalem 'Translatoresisch' zu ihm zu sprechen schienen. Holländische, italienische, albanische Autoren klingen heute alle gleich, behauptet Parks. Aber als ich die von mir vor langer Zeit geliebten Bücher wieder zu Hand nahm, war ich bestürzt, etwas zum ersten Mal zu lesen, von dem ich glaubte, es zu kennen, und ich hatte das Gefühl ein Stück von mir selbst zu verlieren."

Außerdem liest Lydia Davis mit großer Freude John Ashberys Neuübersetzung von Rimbauds "Illuminationen". (Hier ein Link zur Poetry Foundation, wo Ashbery einen kleinen Text zu seiner Rimbaud-Übersetzung veröffentlicht hat.) Und Cullen Murphy bespricht ein Buch von Christopher B. Krebs über die Bedeutung von Tacitus' "Germania" für Deutschland.

Im Sonntagsmagazin interviewt John Bowe den brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado, der einige beeindruckende Fotos in Nordalaska aufgenommen hat. Einige davon zeigt die Times hier.

Magazinrundschau vom 31.05.2011 - New York Times

bIm NYT Magazine beschreibt Robert F. Worth in einem ansteckend optimistischen Artikel den Aufbruch der Ägypter. Natürlich gibt es viele Probleme - die zusammengebrochene Wirtschaft ist eins der größten - aber die Leute, mit denen er spricht, sind alle herzerwärmend unideologisch: Da ist der junge Politiker, der lernt, dass man nicht von Kairo aus Politik für die Leute auf dem Land machen kann. Da ist der junge Muslimbruder, der mit einem säkularen Linken befreundet ist. Oder der General, der bekennt, dass er keine Ahnung hat, wie er eine Verwaltung organisieren soll: "Wir wollen zurück in unsere Kasernen." Der Riss in der Gesellschaft trennt nicht Parteien oder Gruppen, sondern die, die am Patriarchat festhalen und die, die es endlich abwerfen wollen. Islam Lofti, ein junger Muslimbruder, erklärt Worth, "seiner Ansicht nach sei die jüngere Generation unzufrieden mit der paternalistischen Kultur der Muslimbrüder. 'Es ist ein System des Gehorsams', sagt er. 'Die Menschen müssen weg davon, sich nur für Fußsoldaten oder Schachfiguren zu halten. Sowohl bei den Muslimbrüdern als auch in der ganzen ägyptischen Gesellschaft lassen wir immer andere die Entscheidungen treffen. Der Sohn lässt den Vater über seinen Beruf entscheiden. Die Frau lässt den Vater ihren Bräutigam aussuchen."

Außerdem: Frank Bruni porträtiert den Filmemacher und Drehbuchautor J.J. Abrams.

In der Book Review beobachtet Adam Kirsch, dass in den letzten Jahren eine Reihe von Historikern die Rolle der Alliierten im Zweiten Weltkrieg kritischer sieht als frühere Historiker: Besonders die Person Churchills und die Bombardierung deutscher Städte wird nicht mehr umstandslos gutgeheißen. Mit großem Vergnügen hat Stacy Schiff David McCulloughs Buch "The Greater Journey" über Amerikaner in den 1830er Jahren in Paris gelesen: "Für die meisten von McCulloughs Reisenden repräsentierte Paris ein großes Erwachen - die berauschende Schönheit des Ganzen! - aber auch eine Erziehung, eine Einladung, die Welt neu zu sehen." Anthony Julius freut sich über Adina Hoffmans und Peter Coles Buch "Sacred Trash", das die Geschichte der Kairoer Geniza, jüdische Schriftstücke aus dem Jahr 800, erzählt. Jesse Sheidlower lernt aus Joshua Kendalls Biografie, dass Noah Webster, Autor des berühmten Wörterbuchs, ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse war, der als Kritiker unter Pseudonym gern seine eigenen Werke lobte und die der Konkurrenz niedermachte. Trolle gab es eben schon vor dem Internet!

Magazinrundschau vom 24.05.2011 - New York Times

Steven Lee Myers lässt sich von irakischen Geschäftsleuten in Bagdad erzählen, was einen Aufschwung des Landes am meisten behindert. Antwort: die irrsinnige Bürokratie, Korruption und das Desinteresse ausländischer Investoren. Und doch gibt es einen großen Optimismus, stellt Myers fest. Nicht nur bei den großen Geschäftsleuten. "Bei all den Bewertungsmaßstäben, die das amerikanische Parlament anlegt, um den Fortschritt zu messen, hat niemand daran gedacht, die Anzahl der Glasfenster in den Geschäften Bagdads zu zählen. An einem Ort, an dem Bomben immer wieder Glas zerschmettern, ist der Einbau eines Glasfensters ein Akt des Trotzes oder zumindest des Durchhaltevermögens. In den letzten Jahren wurden es immer mehr, ein so guter Maßstab für das öffentliche Vertrauen in eine verbesserte Sicherheit - und einen sich erholenden Einzelhandel - wie jeder andere."

Außerdem: Ein leicht amüsierter Nicholas Kulish begleitet einen Angestellten der Ordnungsbehörde von Bingen auf seinem Kontrollgang. In der Book Review bespricht Sam Tanenhaus freundlich Harold Blooms neues Buch "The Anatomy of Influence" (es gibt ein langes Interview mit Bloom in der Boston Review).

Magazinrundschau vom 17.05.2011 - New York Times

Furore gemacht hat der Report von Mark Mazzettis und Emily B. Hagers über die geheime Söldner-Armee, die Blackwater-Gründer Erik Prince für die Scheichs der Vereinten Arabischen Emirate aufgestellt hat: "Die Truppe soll Spezialeinsätze innerhalb und außerhalb des Landes durchführen, Ölpipelines und Hochhäuser gegen Terrorattentate sichern und interne Revolten niederschlagen." Die entsprechende Dokumente liegen der NY Times vor.

Sehr lesens- und bedenkenswert findet Christopher Hitchens in der Book Review Adam Hochschilds Geschichte des Ersten Weltkriegs "To End All Wars". Hochschild legt seinen Schwerpunkt auf die britische Erfahrungen. Schockiert hat Hitchens, wie "verschwenderisch und gefühlskalt" die Offiziere Soldatenleben geopfert haben, beunruhigt hat ihn aber auch eine Überlegung zum amerikanischen Kriegseintritt: "Wenn General Pershings frische und muntere Truppen die Szenerie dieses Blutbads nicht im letzten Moment betreten hätten, hätte die allgemeine Erschöpfung fast sicher einen früheren Waffenstillstand erzwungen, zu weniger grausamen Bedingungen. Ohne Präsident Wilsons Intervention, wären die zornigen und traumatisierten Franzosen niemals in der Lage gewesen, den Deutschen eben jene demütigende Bedingungen aufzuerlegen; die rückgängig zu machen Hitler so unbarmherzig in Angriff nahm." (Hochschild hat zum Erscheinen seines Buchs in jüngster Zeit zwei Artikel veröffentlicht: einen im American Scholar über die Kriegsdienstverweigerer vor allem in Großbritannnien und einen in Guernica, der Parallelen zieht zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem "Krieg gegen den Terror".)

Außerdem: Max Frankel bespricht leicht spöttisch Henry Kissingers Buch "On China".