Le Point widmet seine Titelgeschichte in dieser Woche einem Phänomen, welches das Magazin "
ikonoklastische Welle"
getauft hat: Intellektuelle wie
Alain Finkielkraut,
Marcel Gauchet,
Luc Ferry, Politiker und Aktivistengruppen bringen angesichts der gegenwärtigen innenpolitischen Probleme Frankreichs die Spaltung zwischen
Rechts und Links "endlich" zum
Kippen. In seinem Editorial mit der Überschrift "Der Friedhof der Überzeugungen", das sich auch mit dem Parteitag der Sozialisten beschäftigt,
beschreibt Claude Imbert den Hintergrund: "Immer mehr Franzosen sehen den
Zustand Frankreichs in seiner grausamen Wahrheit: den
wirtschaftlichen Niedergang, das Scheitern der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den Vorstädten, die Isoliertheit
in einem durch das Nein zum Referendum niedergeknüppelten Europa. Gegen dieses
Chaos gibt es nur eine einzige taugliche Hoffnung: die der Reform."
In einem weiteren Beitrag
benennt Francois Dufay das "
Vergehen" dieser "Ikonoklasten": Dass sie es "wagen, die Dinge beim Namen zu nennen" und "
Tabus brechen", indem sie etwa das "berühmte französische Sozialsystem" in Frage stellen oder sich weigern zu glauben, dass sich die "Unterdrückten" niemals "wie Barbaren aufführen" könnten. Noch sei unklar, ob diese "Welle" eine
"nationale Neubestimmung" einläutet oder einen "
naturgegebenen Pessimismus" markiert. Aber: "Es wird dieses Mal schwer fallen, diese Ikonoklasten mundtot zu machen, in dem man sie in die Nähe von Le Pen rückt. Weder fremdenfeindlich noch rechtsradikal rekrutiert sich ein Großteil dieser 'neuen Reaktionäre', die letztlich
zum Realismus Bekehrte sind, aus den Reihen der Linken." Die Krawalle, aber auch die Selbstmordattentate und das Nein zur Europäischen Verfassung markierten eine "katastrophale Abfolge", welche nun "die Zungen löst, Ansichten zurechtrückt und jeden dazu zwingt, seine
intellektuelle Bequemlichkeit aufzugeben."
Zwei Interviews mit dem sozialistischen Politiker und Mitgründer von Ärzte ohne Grenzen
Bernard Kouchner und dem Schriftsteller und Essayisten
Philippe Muray ("Moderne contre moderne") zum Thema sind leider nur gegen Bezahlung zu lesen.