Perlentaucher-Autor

Peter Truschner

Peter Truschner, geboren 1967 in Klagenfurt, lebt seit 1999 in Berlin. Sein zweiter Roman "Die Träumer" wurde 2007 für den "Deutschen Buchpreis" nominiert. Seine Stücke und Libretti werden seit 2009 an deutschen Stadttheatern aufgeführt. Seit 2011 ist er freier Dozent, unter anderem an der Universität der Künste Berlin. 2015 Einzelausstellung seiner Fotos im Museum Moderner Kunst Klagenfurt. 2016 Foto-/Textbuch "Bangkok Struggle".
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Diverse Interventionen des Menschen

Fotolot 13.10.2025 Die Saison beginnt. Die Fotobücher schlagen ein - naja, mehr oder weniger. Es gibt viel Neues von vielen Bekannten. Aber auch einen neuen Band von Mari Katayama, die wir im Perlentaucher vor Jahren entdeckten. Christian Rothes Band "Buchenwald" wurde von der "Stiftung Buchkunst" zum schönsten deutschen Buch des Jahres 2025 gewählt und überzeugt so wenig wie Jürgen Tellers Annäherung an Auschwitz. Die Frage wäre zu stellen, was Fotografie dem, was wir über die  Konzentrationslager wissen, wirklich hinzufügen kann. Von Peter Truschner

Durchzug im Sensibilisierungsraum

Fotolot 23.09.2025 Das Team für die documenta 16 ist benannt, und alle freuen sich. Unter der Leitung der klugen und sympathischen Naomi Beckwith sollen alle Themen bespielt werden, die den aktuellen Kunstbetrieb so umtreiben, von Diaspora- und Postkolonialdiskursen über Black Studies, bis zu alternativen Pädagogiken, ohne dass es zu Antisemitismus kommt. Sehr viel Diversity also und sehr viel Uniformität, denn das gesamte Team ist von dominierenden Institutionen im angloamerikanischen Raum geprägt. Von Peter Truschner

Ungemein reizvolle Hybride

Fotolot 19.08.2025 Katrin Jaquet projiziert in ihrer Serie "(m)other" Farbdias aus ihrer Kindheit in ihre Mundhöhle: Geradezu unheimliche Beschwörungen, die in ihrer Intensität keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Diese und weitere Serien sind in ihrem neuem Fotobuch "fam" enthalten. In Sabine Schründers neuem Buch "All Preconceptions Collapse" gibt es bewusst keine Hinweise zum  Verständnis ihrer Bilder. Ihre Motive von Gesteinsbrocken, Händen oder Blättern laden dazu ein, sich auf das Ungewisse, Mehrdeutige einzulassen. Von Peter Truschner

Fragmente des eigenen Gesichts

Fotolot 08.08.2025 Im Städel werden gerade die umwerfenden Collagen, Selbstinszenierungen und Fotoarbeiten von Annegret Soltau gezeigt, eine wahrlich verdiente große Würdigung. Und ein Werk, das zeigt, unter welcher Spannung heute der Feminismus steht. Im Katalog findet sich etwa der Satz: "Aus der Perspektive der Queer-Studies kann die Fokussierung auf biologische statt soziale Mutterschaft schnell als 'konservative' Position missverstanden werden". Von Peter Truschner

Zusammenstellung der Tragödie

Fotolot 23.07.2025 Gewiss, es lohnt sich durch Arles zu streifen, wo es so einige Relikte aus der Römerzeit gibt, in mittelalterlichen Toreingängen zu verschwinden, auf der Suche nach Fotografie, die packt oder verblüfft. Aber Arles ist in Wahrheit schon länger kein Festival echter Entdeckungen und Überraschungen mehr. Vieles hat man vorher schon woanders gesehen, hat PDFs zugeschickt bekommen oder kennt nicht wenige der ausgestellten Werke überhaupt schon länger. Kleine Meditation nebenbei über die wirtschaftlichen Bedingungen, die glamouröse Preise für Künstlerinnen wie Nan Goldin ermöglichen. Von Peter Truschner

Die verspritzte Milch der Göttin Hera

Fotolot 07.07.2025 Eine Frau, die einen riesigen Stein umarmt wie einen geliebten Menschen. Ein Stein, der im Schlafzimmer in weiße Wäsche gebettet wurde und anmutet wie der wertvollste Besitz der Bewohner. Oder einfach das Bild des riesigen Lochs, das ein kleiner Meteorit ins Dach riss, als er vom Himmel fiel. Diese großartigen Fotos von Emilia Martin gehören zu den Highlights der Ausstellungen, die man in den Ferien besuchen kann. Ein kleiner Rundgang. Von Peter Truschner

Der Narzissmus dieser Tage

Fotolot 10.06.2025 Boris Groys denkt in seinem Buch "Zum Kunstwerk werden" über Narzissmus im Zeitalter sozialer Medien nach. Interessant erscheint darin ein Seitenaspekt: das Framing oder die Rahmung, wie Groys es nennt: "Man kann soziale Bewegungen oder politische Diskurse rahmen und als Kunstwerk präsentieren." Das führt letztlich dazu, "dass die Rahmung das Bild ausmacht." Eine gelungene Beschreibung des Prinzips gegenwärtiger, kuratierter Ausstellung, in der den Artefakten nur eine illustrative, deskriptive Rolle in Bezug auf das Thema der Ausstellung zukommt. Von Peter Truschner

Momentaufnahmen der Metamorphose

Fotolot 22.05.2025 Kathrin Linkersdorff entwickelt aufwändige Verfahren, um Blumen aufzunehmen - aber dabei gewinnt sie ihr "Lebenselixier" und tritt in den Dialog mit Joan Mitchell. Zu sehen im Berliner Haus am Kleistpark. In Wien läuft Foto Arsenal. Dort ist etwa Simon Lehner zu sehen, der Fotografie für obsolet hält und einen Roboter nutzt, um Bilder zu machen. Aber nicht KI! Und wer hätte gedacht, dass es noch etwas zu Magnum zu zeigen gibt? Von Peter Truschner

Sanfte Berührung von Ledas Hand

Fotolot 02.05.2025 Mal kauert sie erschrocken vor einer bröckeligen Mauer, mal ist sie hilflos in die Ecke eines verwahrlosten Zimmers gedrängt. Mal presst sie ihren Körper wie einen Ausstellungsgegenstand in eine schief dastehende, schwankende Vitrine. In Kurz- und Langzeitbelichtungen evoziert sie verschiedene Formen von An- und Abwesenheit, des Austauschs zwischen Zentrum und Peripherie und eines nicht nur körperlichen, sondern existenziellen Verschwindens. Francesca Woodman ist eine bis heute vielfach missverstandene Pionierin fotogafischer Selbstreflexion. In Wien ist ihr eine große Ausstellung gewidmet. Von Peter Truschner
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