07.07.2025. Eine Frau, die einen riesigen Stein umarmt wie einen geliebten Menschen. Ein Stein, der im Schlafzimmer in weiße Wäsche gebettet wurde und anmutet wie der wertvollste Besitz der Bewohner. Oder einfach das Bild des riesigen Lochs, das ein kleiner Meteorit ins Dach riss, als er vom Himmel fiel. Diese großartigen Fotos von Emilia Martin gehören zu den Highlights der Ausstellungen, die man in den Ferien besuchen kann. Ein kleiner Rundgang.
Endlich ist es kühler. Hier in Wien hatten wir gerade achtunddreißig Grad, zum Wochenende wurde es erträglicher. Von dieser Abkühlung profitiert auch die diesjährige Ausgabe von "Rencontres Arles", wo an diesem Montag bei der Eröffnung annehmbare dreißig Grad herrschen sollen. Bonne chance.
In Frankfurt, gibt es nach Francesca Woodman in Wien den nächsten Ausstellungshöhepunkt: Die Retrospektive "Unzensiert" von Annegret Soltau im Städel. Dazu gibt es einen gleichnamigen, schönen Katalog - über beides wird in Fotolot noch ausführlich zu lesen sein.
In diesem Sinn möchte ich im Laufe dieses Sommers die Aufmerksamkeit auf den einen oder die andere Künstlerin lenken, die schon in Arles waren, und auch bei anderen, namhaften Festivals im Fokus standen, etwa beim hochkarätig besetzten Fotofestival, das gerade in Lódz über die Bühne ging, die aber bisher eher einem erweiterten Kreis von Spezialisten bekannt geworden sind, als einer breiteren Öffentlichkeit.
Emilia Martin, eine polnische Fotografin, die in Den Haag lebt, ist eine der am meisten ausgezeichneten Fotokünstlerinnen der letzten beiden Jahre. Zu verdanken hat sie das dem bisherigen Höhepunkt ihres Werks, dem Projekt "I saw a tree bearing stones in the place of apples and trees (2024)", das auch ein großartiges Buch geworden ist, das auf vielen Shortlists der Kategorie "Buch des Jahres" landete, etwa beim "Lucie Award" oder beim "Dior Luma Award".
Von diesen Vorstellungen, die eng verwoben sind mit dem jeweiligen Glauben ans Jenseits und dem Leben nach dem Tod, führt über die Jahrhunderte ein verästelter Weg zur Sternschnuppe, bei deren Anblick alle einen Wunsch frei haben, den sie aber nicht äußern dürfen, da er sonst nicht in Erfüllung geht.
In der gegenwärtig angesagten Mischung aus eigenen Fotografien (manche davon bearbeitet, manche nicht), Found Footage und Fotos aus Archiven, gelingt Martin eine seltene Mischung aus Spiritualität, Poesie und Komik.
Eine Frau, die einen riesigen Stein umarmt wie einen geliebten Menschen. Ein Stein, der im Schlafzimmer in weiße Wäsche gebettet wurde und anmutet wie der wertvollste Besitz der Bewohner. Oder einfach das Bild des riesigen Lochs, das ein kleiner Meteorit ins Dach riss, als er vom Himmel fiel.
Man muss bei der höchst gelungenen Abfolge der Bilder, die auch vor gelegentlichem Kitsch nicht zurückschrecken, sowohl erstaunt als auch schmunzelnd den Kopf schütteln.
Neue Arbeiten von Martin gibt es dieses Jahr in Arles vom 7. bis 12. Juli in den Räumlichkeiten von "Bengtsson Fine Art" in 21 Rue de la Liberté zu sehen.
In Wien präsentiert Felix Hoffmann nach der Ausstellung zur Fotoagentur Magnum hingegen wieder Zeitloses, das man sich immer wieder gerne anschaut, zumal die Ausstellung "Watch!Watch!Watch!" die erste Retrospektive zum Werk von Henri Cartier Bresson in Österreich seit langer Zeit ist. Zu sehen sind zweihundertvierzig Exponate sowie zahlreiche Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften, darunter auch solche, die noch nie gezeigt wurden.
Zu Cartiers sprichwörtlich gewordenem "entscheidenden Augenblick" in der Fotografie heißt es im Pressetext: "Wissen, Sensibilität, Technik, Form, Zufall und pure Intuition. Wenn all diese Elemente zusammentreffen, entstehen starke, einzigartige Bilder, die über das Alltägliche hinausgehen und etwas vom Wesen des Lebens enthüllen." So soll es sein.
Ich hoffe, dieses Konzept reißt dort nicht ein, und das Festival wird nicht zu einer weiteren Spielwiese prominenter KuratorInnen, Institutionen oder gar Unternehmen, wie das etwa bei "Rencontres d'Arles" unter der Direktion von Christoph Wiesner endgültig der Fall geworden ist.
Womit wir wieder in Arles und somit am Anfang unserer kleinen Exkursion wären, uns aber noch einen allerletzten Schwenk nach Cottbus erlauben, wo es die großartige Serie "A Mazo" von Frank Gaudlitz zu sehen gibt, in der er die Porträts von Transpersonen entlang des Amazonas mit ungewöhnlichen Stillleben aus Früchten und toten Tieren der jeweiligen Region kombiniert - ich habe darauf in Fotolot schon einmal hingewiesen.
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