Perlentaucher-Autor

Peter Truschner

Peter Truschner, geboren 1967 in Klagenfurt, lebt seit 1999 in Berlin. Sein zweiter Roman "Die Träumer" wurde 2007 für den "Deutschen Buchpreis" nominiert. Seine Stücke und Libretti werden seit 2009 an deutschen Stadttheatern aufgeführt. Seit 2011 ist er freier Dozent, unter anderem an der Universität der Künste Berlin. 2015 Einzelausstellung seiner Fotos im Museum Moderner Kunst Klagenfurt. 2016 Foto-/Textbuch "Bangkok Struggle".
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Zusammenstellung der Tragödie

Fotolot 23.07.2025 Gewiss, es lohnt sich durch Arles zu streifen, wo es so einige Relikte aus der Römerzeit gibt, in mittelalterlichen Toreingängen zu verschwinden, auf der Suche nach Fotografie, die packt oder verblüfft. Aber Arles ist in Wahrheit schon länger kein Festival echter Entdeckungen und Überraschungen mehr. Vieles hat man vorher schon woanders gesehen, hat PDFs zugeschickt bekommen oder kennt nicht wenige der ausgestellten Werke überhaupt schon länger. Kleine Meditation nebenbei über die wirtschaftlichen Bedingungen, die glamouröse Preise für Künstlerinnen wie Nan Goldin ermöglichen. Von Peter Truschner

Die verspritzte Milch der Göttin Hera

Fotolot 07.07.2025 Eine Frau, die einen riesigen Stein umarmt wie einen geliebten Menschen. Ein Stein, der im Schlafzimmer in weiße Wäsche gebettet wurde und anmutet wie der wertvollste Besitz der Bewohner. Oder einfach das Bild des riesigen Lochs, das ein kleiner Meteorit ins Dach riss, als er vom Himmel fiel. Diese großartigen Fotos von Emilia Martin gehören zu den Highlights der Ausstellungen, die man in den Ferien besuchen kann. Ein kleiner Rundgang. Von Peter Truschner

Der Narzissmus dieser Tage

Fotolot 10.06.2025 Boris Groys denkt in seinem Buch "Zum Kunstwerk werden" über Narzissmus im Zeitalter sozialer Medien nach. Interessant erscheint darin ein Seitenaspekt: das Framing oder die Rahmung, wie Groys es nennt: "Man kann soziale Bewegungen oder politische Diskurse rahmen und als Kunstwerk präsentieren." Das führt letztlich dazu, "dass die Rahmung das Bild ausmacht." Eine gelungene Beschreibung des Prinzips gegenwärtiger, kuratierter Ausstellung, in der den Artefakten nur eine illustrative, deskriptive Rolle in Bezug auf das Thema der Ausstellung zukommt. Von Peter Truschner

Momentaufnahmen der Metamorphose

Fotolot 22.05.2025 Kathrin Linkersdorff entwickelt aufwändige Verfahren, um Blumen aufzunehmen - aber dabei gewinnt sie ihr "Lebenselixier" und tritt in den Dialog mit Joan Mitchell. Zu sehen im Berliner Haus am Kleistpark. In Wien läuft Foto Arsenal. Dort ist etwa Simon Lehner zu sehen, der Fotografie für obsolet hält und einen Roboter nutzt, um Bilder zu machen. Aber nicht KI! Und wer hätte gedacht, dass es noch etwas zu Magnum zu zeigen gibt? Von Peter Truschner

Sanfte Berührung von Ledas Hand

Fotolot 02.05.2025 Mal kauert sie erschrocken vor einer bröckeligen Mauer, mal ist sie hilflos in die Ecke eines verwahrlosten Zimmers gedrängt. Mal presst sie ihren Körper wie einen Ausstellungsgegenstand in eine schief dastehende, schwankende Vitrine. In Kurz- und Langzeitbelichtungen evoziert sie verschiedene Formen von An- und Abwesenheit, des Austauschs zwischen Zentrum und Peripherie und eines nicht nur körperlichen, sondern existenziellen Verschwindens. Francesca Woodman ist eine bis heute vielfach missverstandene Pionierin fotogafischer Selbstreflexion. In Wien ist ihr eine große Ausstellung gewidmet. Von Peter Truschner

Alles war wahnsinnig deprimierend

Fotolot 10.04.2025 Juergen Tellers Buch über Auschwitz wurde allenthalben sozusagen erleichtert für seine Uneitelkeit gefeiert. Aber was genau fügt es dem, was wir über Auschwitz wissen hinzu?  Kann das kartografische "Zeigen" dieses Ortes dem, was dort vor sich ging, (künstlerisch) wirklich etwas geben? Und mit einer solchen Gabe (die auch aus einer ganz eigenen Fantasie bestehen kann) etwas beleuchten (und sei es ein Detail), wie das etwa Imre Kertesz mit seinem "Roman eines Schicksallosen" gelungen ist? Oder Mieczyslaw Weinberg mit seiner Oper "Die Passagierin"? Leider ist die distanzierte, kartografische Fotografie in so einem Fall eher dazu geeignet, diesen Fragen aus dem Weg zu gehen, als sich ihnen zu stellen. Von Peter Truschner

Leicht bedrohliche Atmosphäre

Fotolot 16.03.2025 Im März geht in Berlin in unzähligen Ausstellungen und Veranstaltungen der "Europäische Monat der Fotografie (EMOP)" über die Bühne. Diese Ausgabe von Fotolot will eine kleine Orientierungshilfe für anspruchsvolle Leserinnen und Leser bieten. Unbedingt zu empfehlen sind neben den zentralen Ausstellungen in der Akademie der Künste einige kleinere Galerien, in denen Werke von Nachwuchskünstlerinnen wie Elena Helfrecht und Saskia Darija Gettel zu sehen. Der Betrieb hat bei ihnen noch nicht nachgehakt. Sollte er aber. Von Peter Truschner

Abenteuerliche Perspektiven

Fotolot 08.01.2025 Einer der schönsten Bildbände, die 2024 erschienen sind, ist die deutschsprachige Ausgabe des Katalogs zur Ausstellung "Edward Hoppers New York" im Whitney Museum mit ihrer unglaublichen Materialfülle. Hopper interessierte sich nicht für die Skyscraper und Glasfassaden mit ihren Spiegeleffekten, die seine Zeitgenossen in Kunst und Fotografie faszinierten. Seine nächtlichen Einblicke in Wohnräume und Cafes erinnern eher an den Film noir. Von Peter Truschner
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