9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.07.2014 - Geschichte

Christian Thomas schreibt in der FR über die Tage vom 28. Juli bis 3. August 1914, ein "Interregnum der Intrigen", das zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte. In der Welt besucht Stefan Grund die Ausstellung "Krieg und Propaganda 14/18" im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg und bemerkt, dass Propaganda damals laufen lernte: "Was bereits im Zweiten Weltkrieg mit seinen verbrecherischen, mörderischen Propaganda-Schlachten etabliertes Wissen ist, wird 20 Jahre zuvor erstmals deutlich: Die Wirkung der Propaganda als Waffe ist kaum zu überschätzen. Kurator Dennis Conrad: "Im August 1914 ahnte wohl niemand, dass die schrecklichen Kampfhandlungen über vier Jahre andauern und mehr als 17 Millionen Menschenleben kosten würden. Als eine der Ursachen für die unerwartete Dauer und Intensität des Krieges wird heute die Propagandaarbeit angesehen."" Das Bild aus der Ausstellung zeigt eine deutsche Postkarte aus dem Jahr 1915.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.07.2014 - Geschichte

Das ehemalige Lager Perm 36, das einzig wirklich Greifbare des Gulag-Systems wird in Russland unter staatliche Verwaltung gestellt (bisher wurde die Gedenkstätte von einem Verein betrieben), berichtet Sven Felix Kellerhoff in der Welt, der mit Arseni Roginski von "Memorial Moskau" über das Thema gesprochen hat. "Das Museum, fordert Roginski: "soll als eine Einrichtung der Zivilgesellschaft erhalten bleiben, die der Staat nur zu unterstützen hat, ohne sich inhaltlich einzumischen."

Weiteres: Ein Bild Finnlands zwischen 1913 und 1920 zeichnet Aldo Keel in der NZZ und liest den Schriftstellers Runar Schildt als wachsamen Chronisten dieser Ära, der wie kein anderer finnischer Autor die Ereignisse reflektierte. In der FR unterhalten sich Arno Widmann und Alexander Kluge auf zwei Seiten über Waffen, Giftgas und kosmische Katastrophen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.07.2014 - Geschichte

Das GULag-Museum "Perm 36", das einzige als Gedenkstätte erhaltene Straflager für politische Gefangene in Russland, soll zerstört werden, berichtet Ann-Dorit Boy in der FAZ. Außerdem druckt die FAZ auf einer Seite die Rede des Historikers Jürgen Osterhammel auf dem Geburtstagsempfang für Angela Merkel: "Vergangenheiten - Über die Zeithorizonte der Geschichte".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.07.2014 - Geschichte

In der SZ erinnert Wolfgang Hardtwig, Professor für Neuere Geschichte, zum 70. Gedenken an den 20. Juli 1944 an den kaum bekannten Widerstandskreis bayerischer Liberaler um Franz Sperr: "Im Sperr-Kreis findet sich ein breites Spektrum an Formen von Widerständigkeit und Resistenz und anderen Verhaltensmöglichkeiten, von der bloßen, wenn auch niemals risikofreien Abwehr der ideologischen und menschlichen Zumutungen im eigenen, überschaubaren Verantwortungsbereich bis zur hochriskanten, staatstheoretisch reflektierten Vorbereitung des Übergangs vom Nationalsozialismus zu einer neuen freiheitlichen politischen Ordnung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2014 - Geschichte

Christian Schröder spricht im Tagesspiegel mit der Historikerin Annika Mombauer über die Schuld Deutschlands und Österreichs am Ersten Weltkrieg, die Julikrise 1914 und lernt, dass nicht nur mehr Kommunikation unter den Staatschefs notwendig ist: "Genauso wichtig ist, dass das Militär unter politischer Kontrolle stehen muss. Das war vor hundert Jahren nicht so, auch deshalb ist dieser Krieg immer brutaler geworden. 1914 hatte Europa seit 40 Jahren keinen Krieg zwischen den Großmächten erlebt, da kam das Gefühl auf: Dieser Frieden wird noch ewig währen. Das ist heute ähnlich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2014 - Geschichte



Der slowenisch-italienische Autor Boris Pahor, hundert Jahre alt, ist einer der letzten Augenzeugen der Lagerwelt im Zweiten Weltkrieg. In Neuengamme hat er einen Kranz niedergelegt und eine Ausstellung über die Lager der italienischen Faschisten in Slowenien eröffnet. Den Italienern wirft er im Gespräch mit Hubert Spiegel in der FAZ vor, sich überhaupt nicht mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: "Was damals in den italienischen Lagern geschah, ist schlimmer, als die Ausstellung zeigen könnte... Der Dichter Igor Gruden hat Gedichte darüber geschrieben, dass sterbenden Kindern im Lager das Essen weggenommen wurde, weil diejenigen, die es ihnen stahlen, weiterleben wollten. Mütter haben die Kadaver ihrer eigenen Kinder im Stroh versteckt, um deren Essensrationen zu bekommen." (Balcani Caucasos Foto von Boris Pahor ist unter CC-Lizenz bei Flickr eingestellt.)

Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, sieht Christopher Clarks Weltkriegsbuch "Die Schlafwandler" in einem Strudel aus Schuldfrage und anti-europäischer Stimmung geraten, wie er in der SZ schreibt: "Unter der Oberfläche scheint das alte Trauma der Deutschen fortzuleben, in Europa nicht nur alleine zu stehen, sondern von missgünstigen Nachbarn auch noch eingekreist zu werden. Das wiese dann auf eine besorgniserregende Parallele zwischen 1914 und 2014 hin."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.07.2014 - Geschichte

Stefan Grund bekommt in der Welt beim Besuch der Hamburger Ausstellung "Krieg und Propaganda 14/18" ein gutes Gefühl für die Manipulation durch Medien. Beklommen hält er fest: "Das autonome Ich des Besuchers durchschreitet in der Schau einen mit Plakaten behängten Gang, als marschiere er durch einen medialen Schützengraben bei Verdun. Beide Seiten verfolgen nur ein Ziel: das Ich auszulöschen, um es zum uniformierten Soldaten zu machen. Der Bürger soll zum Befehlsempfänger degradiert, manipuliert und instrumentalisiert werden."
Stichwörter: Erster Weltkrieg, Verdun, Autonome

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.07.2014 - Geschichte

Ausführliche Sorgen macht sich Renée Greusard auf Rue89 über die Nazi-Witze, die während der späten Deutschland-Spiele in den sozialen Netzen zirkulierten: "Mag sein, dass mir der Humor fehlt, mir war das gegenüber unseren deutschen Nachbarn peinlich. Ich habe mich gefragt, wie man damit lebt - ein ganzer Planet, der sich erlaubt, Sie als Fascho zu behandeln und Ihnen eine Vergangenheit unter die Nase zu reiben, für die Sie nicht verantwortlich sind. Das alles, weil Sie das Pech haben, ganz gut Fußball zu spielen."
Stichwörter: Fußball-WM, Rue89, Soziale Netze

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2014 - Geschichte

Der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze untersucht in der NZZ die historischen Bezüge auf das Kalifat, das die irakische Terrortruppe Isis anstrebt: "Schon die Wahl des Nom de guerre Abu Bakr ließ vermuten, dass Ibrahim Großes im Sinn hatte, war doch Abu Bakr der erste Nachfolger, das heißt der erste Kalif, des Propheten Mohammed gewesen. Al-Baghdadis Vorstellung vom Kalifat kann als eine Neuerfindung gelten; sie deutet eine ultrareligiöse Heilsherrschaft mit mittelalterlichen Ordnungsmustern, die auf die islamische Frühzeit projiziert werden."
Stichwörter: Irak, Isis, Kalifat, Schulze, Reinhard

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.07.2014 - Geschichte

Alexander Kluy besucht für die Welt die Ausstellung "Krieg! Juden zwischen den Fronten 1914-1918" im Jüdischen Museum in München.