
Der slowenisch-italienische Autor
Boris Pahor, hundert Jahre alt, ist einer der letzten Augenzeugen der Lagerwelt im Zweiten Weltkrieg. In Neuengamme hat er einen Kranz niedergelegt und eine Ausstellung über die Lager der
italienischen Faschisten in Slowenien eröffnet. Den Italienern wirft er im Gespräch mit Hubert Spiegel in der
FAZ vor, sich überhaupt nicht mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: "Was damals in den italienischen Lagern geschah, ist schlimmer, als die Ausstellung zeigen könnte... Der Dichter
Igor Gruden hat Gedichte darüber geschrieben, dass sterbenden Kindern im Lager das Essen weggenommen wurde, weil diejenigen, die es ihnen stahlen,
weiterleben wollten. Mütter haben die Kadaver ihrer eigenen Kinder im Stroh versteckt, um deren Essensrationen zu bekommen."
(Balcani Caucasos Foto von Boris Pahor ist unter CC-Lizenz bei Flickr eingestellt.)Andreas Wirsching, Direktor des
Instituts für Zeitgeschichte, sieht
Christopher Clarks Weltkriegsbuch
"Die Schlafwandler" in einem Strudel aus Schuldfrage und anti-europäischer Stimmung geraten, wie er in der
SZ schreibt: "Unter der Oberfläche scheint das alte Trauma der Deutschen fortzuleben, in Europa nicht nur alleine zu stehen, sondern von missgünstigen Nachbarn auch noch eingekreist zu werden. Das wiese dann auf eine besorgniserregende Parallele zwischen 1914 und 2014 hin."