Vor hundert Jahren erschoss
Gavilo Princip den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand. In der
FR rekapituliert der kroatische Schriftsteller
Miljenko Jergovic die letzten Tage des Attentäters in Sarajevo, wo sich im Juni 1914 die anarchistischen Jungbosnier die Ermordung des österreichischen Thronfolgers verabredeten: "Verschwörer, Attentäter, Dichter und Schriftsteller, Historiker, Schauspieler, Theaterregisseure und die ganze junge
aufständische Elite einer
glücklosen europäischen Stadt, von der man, als sei sie aus einem Traum erwacht, noch nicht wusste, was aus ihr in Zukunft würde. Überhaupt würde man nie erfahren, was Sarajevo alles nach diesem sorglosen Frühsommer 1914 hätte werden können."
"Der Wahnsinn war bosnisch, die Waffen serbisch",
lernt Bora Cosic von Jergovic, dessen Artikel er offenbar schon aus dem Original kennt. Doch Princip wurde nach dem Krieg auch im neugegründeten Jugoslawien kein Held: "Der gerade erst gegründete jugoslawische Staat, bescheiden bürgerlich, brauchte nach 1918 keinen anarchistischen Helden, "seine Tat billigten nur
unsere Armen und Jungen". Entsprechend wird die Verantwortung der serbischen Regierung von 1914 für dieses Verbrechen angezweifelt und damit auch der zureichende Grund des eisernen Ultimatums vonseiten des kaiserlichen österreichisch-ungarischen Staates. Der als Strafmaßnahme gegen das serbische Königreich geführte Krieg suchte natürlich eher die Armen und Halbwüchsigen heim."
Zudem legt die
NZZ ein
prall gefülltes Dossier zum Ersten Weltkrieg vor, in dem unter anderem
Gerd Krumeich,
Herfried Münkler,
Gerd Koenen und
Wlodzimierz Borodziej.
Weitere Artikel: In der
Basler Zeitung interviewt Hansjörg Müller noch einmal sehr ausführlich den Historiker
Christopher Clark zur Frage der deutschen Kriegsschuld. Clark ist erstaunt über die Art, wie hier darüber diskutiert wurde:
Hans-Ulrich Wehler "hat mich in der Besprechung eines anderen Werkes sozusagen
im Vorbeifahren angepöbelt. Die Münchner Historikerin Marie-Janine Calic wiederum hat die einseitige und verstellende Behauptung aufgestellt, ich stützte mich allein auf veraltete Literatur und gebe die Propaganda der Mittelmächte wieder. Das sind
extreme Vorwürfe, die mit meinem Buch überhaupt nichts zu tun haben." In der
taz schreibt die Historikerin Annika Mombauer.