In Essay in der
Welt schreibt der ukrainische Schriftsteller
Taras Prochasko so bitter wie gefühlsbeladen, dass Europa seit einem
Kosakensturm von 1645 ein dreigeteilter Kontinent geblieben ist. Westeuropa gilt ihm als erstes, Osteuropa als zweites, die
Ukraine aber als drittes Europa: "Unsere europäische Geschichte ist die Geschichte eines Opferlamms, eines Holzschilds. Das erste Europa hat uns großgezogen, um uns den russischen Dämonen als Opfer darzubringen. Das zweite Europa, das selbst den Atem des Drachen zu spüren bekommen hatte, hat uns als Schutzschild benutzt. Hin und wieder, wenn der Schild versengt war, hat man ihn weggeworfen. Wenn man heute unsere Friedhöfe und Ruinen betrachtet und dazu die Berichte westeuropäischer Journalisten über
unser wildes Land liest, kann man sich lebhaft vorstellen, wie es in den Amtsstuben Europas zugeht, in denen heute über die Zukunft der Ukraine entschieden wird. "Noch zu früh", heißt es dort, "der Zeitpunkt ist vorüber", "nie ist dafür die richtige Zeit"."
In seiner Serie zum Ersten Weltkrieg kommt Christian Thomas heute im letzten Teil zum
Friedensvertrag von Versailles, der Deutschland mit der Alleinschuld" eine schwere Hypothek auferlegte und zum "schroffen Monument einer arroganten Siegermentalität" wurde.