In Itzehoe steht derzeit die
96-jährige Irmgard F. vor Gericht, der vorgeworfen wird, als Sekretärin des Lagerkommandanten im Konzentrationslager Stutthof Beihilfe zum Mord in 11 412 Fällen geleistet zu haben. Muss man wirklich eine 96-Jährige noch verfolgen, nachdem die Justiz so lange versagt hat? Absolut, meint Wolfgang Janisch in der
SZ. "Das Jahrhundertverbrechen zu sühnen, solange es geht, ist Ausdruck des '
Nie wieder', das zur deutschen DNA gehört. Dass es nach so vielen Jahrzehnten dem Zufall überlassen ist, wer noch vor Gericht gestellt wird, nimmt diesen Verfahren nicht ihre Rechtsstaatlichkeit. Gerichte können dies durch milde, symbolische Strafen kompensieren, und sie tun dies. Aber strafbares Unrecht aus Nazizeiten nicht mehr zu verfolgen ist
keine Option für Deutschland." Die Prozesse kommen zu spät, sind aber trotzdem richtig,
schreibt auch Frederik Schindler in der
Welt.
Vor zwei Jahren hat ein rechtsextremer Terrorist einen Anschlag auf die
Synagoge von Halle verübt, zwei Menschen, eine Passantin, einen Angestellten eines Döner-Ladenes, hat er ermordet. Konrad Litschko
spricht für die
taz mit dem Gemeindevorsteher
Max Privorozki, der die verbesserte Zusammenarbeit der jüdischen Gemeinde mit der Polizei lobt. Dass eine Polizistin Briefkontakt mit dem Attentäter gesucht hat, will er nicht als Skandal sehen: "Für mich zeigt das, dass die Polizei wirklich Bestandteil unserer Gesellschaft ist. Die Polizei hat ihre Probleme - so wie alle anderen auch. Natürlich ist der Vorfall unglaublich, aber er steht
nicht für die ganze Polizei. Dass die Polizei immer alles falsch macht, egal was passiert, das teile ich nicht. Das habe ich auch in dem Prozess gegen den Attentäter so gesagt. Für mich war das größte Problem bei dieser Tat, dass
seine Familie nichts gegen die Radikalisierung gemacht hat. Er saß einfach zu Hause, auf Kosten von Mutter und Vater, und wir haben sogar noch erfahren, dass auch die Mutter antisemitische Ansichten hatte -
eine Ethiklehrerin, die mit Kindern arbeitet!"
Immer mehr Städte wollen sich
von Werbung befreien. Adrian Lobe
betrachtet diese Idee in der
taz mit Skepsis: "Es stellt sich .. die Frage, wovon die Ad-Free-Bewegung den öffentlichen Raum befreien will. Von kommerzieller Werbung? Von der Konsumlust? Oder auch von
politischer Werbung? Was ist mit Wahlplakaten oder Kunstinstallationen? Erfüllt das auch den Tatbestand der 'visuellen Verschmutzung'? Kann es sein, dass die Purifizierung des öffentlichen Raums auch eine
kulturelle '
Säuberung' impliziert?"
Im Parteiprogramm der
Grünen stehen die beiden folgenden Sätze: "1. 'Alle Menschen haben ausschließlich selbst das Recht, ihr Geschlecht zu definieren.' 2. 'Von dem Begriff 'Frauen' werden alle erfasst, die sich selbst so definieren.'" Chantal Louis
erzählt bei
emma.de die Geschichte des Grünen-Mitarbeiters David Allison, der sich in satirischer Absicht
als Frau auf einen Posten bewarb und prompt von den Grünen
gefeuert wurde. Aber übrigens: "Am 26. September wurde die bayerische Landtagsabgeordnete
Tessa Ganserer in den Bundestag gewählt. Vor dem Gesetz ist Tessa Ganserer ein Mann namens Markus. Er hat keine geschlechtsangleichende OP gemacht. Er hat auch keine Personenstandsänderung vorgenommen, was er rechtlich auch ohne körperverändernde Maßnahmen könnte. Ganserer definiert sich dennoch 'als Frau' und sitzt als solche für die Grünen im Bundestag. Er erklärt: 'Ein Penis ist nun mal
nicht per se ein männliches Genital.' Klappt ja prima mit der Quote."